Stripe oder Mollie: Bei 100 Euro Umsatz trennen beide 30 Cent

|Autor: QUASA-Redaktion|5 Min. Lesezeit| 1
Stripe oder Mollie: Bei 100 Euro Umsatz trennen beide 30 Cent

Bei einer Onlinezahlung über 100 Euro mit einer EWR-Verbraucherkarte liegen die Standardgebühren bei Stripe bei 1,75 Euro und bei Mollie bei 2,05 Euro – ein Abstand von 30 Cent, wie die 100-Euro-Gegenüberstellung zeigt. Für diese Kartenklasse ist Stripe damit günstiger.

Für einen Onlinehändler oder SaaS-Anbieter ist das nur der Ausgangspunkt. Sobald Kundinnen und Kunden andere Karten oder SEPA-Lastschrift und Klarna verwenden, ändert sich die Gesamtrechnung. Rückbuchungen, Auszahlungen und Funktionen für Abonnements oder Marktplätze betreffen wiederum andere Kostenarten als die Gebühr einer erfolgreichen Kartenzahlung.

Was kosten Warenkörbe von 20, 100 und 500 Euro?

Der Stripe-Standardtarif nennt für Standardkarten aus dem Europäischen Wirtschaftsraum (EWR) 1,5 Prozent plus 0,25 Euro je erfolgreicher Zahlung. Mollies deutsche Preisliste für Onlinezahlungen setzt Visa- und Mastercard-Verbraucherkarten aus dem EWR mit 1,80 Prozent plus 0,25 Euro an. Der feste Anteil ist gleich; der Abstand wächst deshalb mit dem Zahlungsbetrag.

  • Bei einem Warenkorb von 20 Euro ergeben sich rechnerisch 0,55 Euro bei Stripe und 0,61 Euro bei Mollie: 0,06 Euro Unterschied.
  • Bei 100 Euro sind es 1,75 Euro gegenüber 2,05 Euro: 0,30 Euro Unterschied.
  • Bei 500 Euro steigen die Gebühren auf 7,75 Euro beziehungsweise 9,25 Euro: 1,50 Euro Unterschied.

Jede Zeile beschreibt eine einzelne erfolgreiche Onlinezahlung, die bei beiden Anbietern unter die genannten Kartentarife fällt. Der feste Betrag von 0,25 Euro macht bei einem kleinen Warenkorb einen größeren Anteil des Verkaufswerts aus. Zusätzliche Produktgebühren, Rückbuchungen und eine gegebenenfalls nötige Währungsumrechnung sind in diesen Rechenbeispielen nicht enthalten.

Wie verändern andere Karten die Rechnung?

Eine EWR-Verbraucherkarte ist nicht mit jeder Visa- oder Mastercard-Zahlung gleichzusetzen. Für EWR-Premiumkarten beträgt der veröffentlichte Stripe-Satz 2,8 Prozent plus 0,25 Euro; Mollies Satz für kommerzielle EWR-Karten liegt bei 2,90 Prozent plus 0,25 Euro. Bei 100 Euro wären das rechnerisch 3,05 beziehungsweise 3,15 Euro. Die Kategorien heißen jedoch unterschiedlich: Diese beiden Beträge sind kein direkter Preisvergleich für dieselbe Karte.

Bei Karten aus dem Vereinigten Königreich beträgt der Stripe-Satz 2,5 Prozent plus 0,25 Euro. Mollie ordnet sie dem Tarif für Karten von außerhalb des EWR mit 3,25 Prozent plus 0,25 Euro zu. Für eine Zahlung über 100 Euro in Euro ergeben sich daraus 2,75 beziehungsweise 3,50 Euro. Eine erforderliche Währungsumrechnung kann weitere Kosten auslösen.

Auch eine in der Schweiz ausgestellte Karte fällt nicht unter den EWR-Basissatz. Für ausländische Karten außer denen aus dem Vereinigten Königreich nennt Stripe 3,15 Prozent plus 0,25 Euro; bei Mollie gilt für Karten von außerhalb des EWR der Satz von 3,25 Prozent plus 0,25 Euro. Ohne Währungsumrechnung wären das bei 100 Euro rechnerisch 3,40 und 3,50 Euro. Die hier verwendeten öffentlichen Euro-Preise beziehen sich auf die deutschen Preislisten; für Händlerkonten in Österreich oder der Schweiz sind die dort geltenden Konditionen maßgeblich.

Was bewirken SEPA, Klarna und der Zahlungsmix?

Die SEPA-Lastschrift kostet in beiden genannten Preislisten 0,35 Euro je Zahlung. Für Klarna nennt Mollie in Deutschland, Österreich und der Schweiz 2,99 Prozent plus 0,35 Euro; Stripe gibt einen Preis ab 2,99 Prozent plus 0,35 Euro an. Stripes Angabe ist eine Untergrenze und kein einheitlicher Festpreis für jede Klarna-Zahlung. Für diesen Teil des Umsatzes lässt sich aus dem Kartensatz daher kein Kostenvorteil ableiten.

Ein ausdrücklich hypothetischer Mix macht den Effekt greifbar: Von 100 erfolgreichen Zahlungen über jeweils 100 Euro laufen 80 über Karten, die unter die genannten EWR-Basistarife fallen, und 20 über SEPA-Lastschrift. Daraus ergeben sich 147 Euro Gebühren bei Stripe und 171 Euro bei Mollie, also 24 Euro Unterschied auf 10.000 Euro Umsatz. Würden alle 100 Zahlungen mit den genannten Karten erfolgen, läge der rechnerische Abstand bei 30 Euro.

Für eine belastbare Kalkulation zählen deshalb sowohl die Anzahl als auch der Umsatz je Zahlungsart. Ein größerer SEPA-Anteil verkleinert in diesem Beispiel den Abstand; mehr internationale Karten können ihn anders verschieben. Mollie bietet individuelle Volumenpreise ab 100.000 Euro monatlichem Transaktionsvolumen an. Auch Stripe sieht individuelle Konditionen für größere Volumina vor, sodass veröffentlichte Standardsätze bei einem entsprechenden Vertrag nicht mehr die passende Vergleichsbasis sind.

Was kosten Rückbuchungen und häufige Auszahlungen?

Bei Stripe kostet eine eingegangene Zahlungsanfechtung 20 Euro. Für eine manuelle Antwort fallen weitere 20 Euro an; diese zweite Gebühr wird bei erfolgreichem Widerspruch erstattet. Nach Mollies Erklärung zum Karten-Chargeback wird eine Gebühr abgebucht, wenn die Bank den Widerspruch ablehnt. Ein allgemeiner Festbetrag steht dort nicht. Schon wenige solcher Fälle können den Abstand aus gewöhnlichen Kartenzahlungen verändern.

Beim Auszahlungsrhythmus ist zwischen Übertragung und Verfügbarkeit der Zahlung zu unterscheiden. Stripe ermöglicht rollierende, wöchentliche oder monatliche reguläre Auszahlungen; sofortige Auszahlungen kosten 1 Prozent des ausgezahlten Betrags, mindestens 0,50 Euro. Laut Mollies Auszahlungsbedingungen sind wöchentliche und monatliche Auszahlungen kostenlos. Bei täglicher oder manueller Auszahlung zahlen Händler mit weniger als 500.000 Euro verarbeitetem Jahresvolumen nach den ersten fünf Auszahlungen eines Monats jeweils 0,25 Euro. Eine häufigere Auszahlung macht eine noch ausstehende Zahlung nicht früher verfügbar.

Welche Funktionen gehören in die Anbieterwahl?

Bei Abonnements reicht die Gebühr der einzelnen Zahlung als Maßstab nicht aus. Stripe Billing kostet im nutzungsabhängigen Tarif zusätzlich 0,7 Prozent des verwalteten Billing-Volumens. Mollie führt wiederkehrende Zahlungen unter den enthaltenen Funktionen auf. Für ein konkretes Abo-Modell zählen außerdem Anforderungen wie Tarifwechsel, Mahnungen und die Einbindung in die bestehende Abrechnung; die beiden Produktangebote lassen sich nicht allein über ihre Kartengebühren gleichsetzen.

Für Marktplätze bieten beide Anbieter Lösungen zur Anbindung von Verkäufern und zur Verteilung von Zahlungen an. Dabei können Kontoanlage, Zuständigkeit für Rückerstattungen und die gewählte Preisgestaltung mehr Arbeit verursachen als der gewöhnliche Checkout eines Shops. Der Implementierungsaufwand gehört deshalb als eigener Posten in die Entscheidung: Entwicklungszeit ist keine Transaktionsgebühr und lässt sich nicht aus einem prozentualen Kartensatz berechnen.

Für einen Shop mit überwiegend passenden EWR-Standardkarten spricht der veröffentlichte Preisvergleich zunächst für Stripe. Bei einem breiteren Zahlungsmix entscheidet die gewichtete Summe der tatsächlich genutzten Zahlarten. Für einen SaaS-Anbieter oder Marktplatz kommen die Kosten und der Aufwand der benötigten Abrechnungs- und Plattformfunktionen hinzu.

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