Stripe oder Mollie? Der Kartenmix entscheidet vor dem Support

|Autor: QUASA-Redaktion|6 Min. Lesezeit| 1
Stripe oder Mollie? Der Kartenmix entscheidet vor dem Support

Für einen digitalen Shop mit vielen EWR-Standardkarten ist Stripe nach den veröffentlichten deutschen Euro-Tarifen günstiger. Die Stripe-Preisliste nennt 1,5 % plus 0,25 € je EWR-Standardkarte, 2,8 % plus 0,25 € für EWR-Premiumkarten und 3,15 % plus 0,25 € für internationale Karten außerhalb des gesondert bepreisten Vereinigten Königreichs. Im Standardtarif fällt keine monatliche Grundgebühr an.

Auch bei Mollie gibt es Standardkonditionen ohne monatliche Grundgebühr. Die deutsche Mollie-Preisliste nennt für Visa und Mastercard aus dem EWR 1,80 % plus 0,25 € bei Verbraucherkarten, 2,90 % plus 0,25 € bei kommerziellen Karten und 3,25 % plus 0,25 € bei Karten außerhalb des EWR. Wer zwischen beiden Anbietern wählt, sollte deshalb zuerst den Anteil der Kartenklassen und Ausgabeländer betrachten. Weitere Zahlarten, Auszahlungen und Betreuung können anschließend den Ausschlag geben.

Warum die Kartenklassen mehr zählen als ein Standardsatz

Die Kategorien beider Anbieter sind nicht deckungsgleich. Stripe unterscheidet EWR-Standard- und Premiumkarten, Mollie EWR-Verbraucher- und kommerzielle Karten. Eine Geschäftskarte lässt sich anhand dieser Bezeichnungen allein nicht zuverlässig Stripes Premiumklasse zuordnen. Für die Modellrechnung ist diese Zuordnung daher eine ausdrücklich gesetzte Annahme, keine Aussage über jede einzelne Karte.

Für einen Shop mit Kursen, Software oder Vorlagen ist das besonders relevant, wenn neben Privatkunden auch Unternehmen bezahlen. Ein höherer Warenkorb vergrößert den Eurobetrag jeder prozentualen Gebühr; der feste Anteil bleibt bei den verglichenen Kartentarifen gleich. Die Gebührenfrage lautet damit nicht nur, wie viele Bestellungen über Karten laufen, sondern welche Karten für welche Warenkorbwerte eingesetzt werden.

Auch das Ausgabeland verändert die Rechnung. Eine in der Schweiz ausgegebene Karte gehört in den verwendeten deutschen Tarifen zur Kategorie außerhalb des EWR, selbst wenn die Käuferin oder der Käufer deutschsprachig ist. Die folgenden Beispiele setzen Zahlungen und Auszahlungen in Euro voraus. Bei einer erforderlichen Währungsumrechnung nennt Stripe zusätzlich 2 %; Mollie beschreibt für Auszahlungen in einer anderen Währung als der des Hauptguthabens eigene Konditionen. Ein Verkauf in Schweizer Franken braucht daher eine gesonderte Rechnung.

Drei Modellrechnungen für digitale Produkte

Drei bedingte Kartenmischungen zeigen einen wachsenden Gebührenabstand zwischen Stripe und Mollie.

Die folgenden bedingten Rechnungen nach den veröffentlichten Preisen, geprüft am 30. Oktober 2026, gelten jeweils für einen Monat. Angenommen sind erfolgreiche Visa- oder Mastercard-Zahlungen, Euro als Zahlungs- und Auszahlungswährung und Warenkorbwerte einschließlich etwaiger Umsatzsteuer. Für die mittlere Gruppe wird angenommen, dass Stripe eine EWR-Premiumkarte und Mollie eine kommerzielle EWR-Karte berechnet. Rückerstattungen, Streitfälle, Zusatzprodukte, Steuern auf Anbietergebühren und individuell vereinbarte Tarife sind nicht eingerechnet.

  • Kleiner Shop: 100 Verkäufe zu je 20 €: 90 EWR-Standard- beziehungsweise Verbraucherkarten und 10 Karten der angenommenen mittleren Gruppe. Stripe kostet 57,60 €, Mollie 63,20 €. Der Abstand beträgt 5,60 € im Monat.
  • Wachsender Shop: 500 Verkäufe zu je 60 €: 375 Karten der ersten Gruppe, 75 der mittleren Gruppe und 50 Karten außerhalb des EWR. Stripe kostet 683 €, Mollie 758 €. Der Abstand beträgt 75 € im Monat.
  • Größere Warenkörbe: 800 Verkäufe zu je 100 €: 480 Karten der ersten Gruppe, 160 der mittleren Gruppe und 160 Karten außerhalb des EWR. Stripe kostet 1.872 €, Mollie 2.048 €. Der Abstand beträgt 176 € im Monat.

Der Abstand steigt hier mit dem Kartenumsatz. In der ersten Gruppe trennen die veröffentlichten Prozentsätze 0,3 Prozentpunkte, in der angenommenen mittleren Gruppe 0,1 und bei den angesetzten Karten außerhalb des EWR ebenfalls 0,1. Der Mix beeinflusst deshalb den Durchschnittspreis; ein einzelner Standardsatz beschreibt ihn nicht. Die Ergebnisse gelten nur für die genannten Karten und Warenkörbe. Schon ein anderer Anteil an Geschäftskarten oder Zahlarten führt zu einem anderen Monatsbetrag.

Lokale Zahlarten und Abos verändern den Kostenmix

SEPA-Lastschrift und Kartenzahlung stehen für unterschiedliche Kosten bei digitalen Abonnements.

Mollie listet neben Karten unter anderem Klarna für Deutschland, Österreich und die Schweiz sowie EPS und TWINT mit eigenen Tarifen. Stripe bietet ebenfalls regionale Zahlungsmethoden und Klarna an. Ob eine dieser Methoden günstiger ist, lässt sich aus der Kartenrechnung nicht ableiten: Für jede tatsächlich genutzte Zahlart gelten ihre eigenen Gebühren. Das ist für einen Shop mit Kundschaft in Österreich oder der Schweiz wichtiger als eine pauschale Aussage über den europäischen Markt.

Bei wiederkehrenden Euro-Zahlungen ist die SEPA-Lastschrift eine eigene Kategorie. Stripe nennt dafür 0,35 € je Zahlung; Mollies Angaben zur SEPA-Lastschrift nennen ebenfalls 0,35 € und beschreiben wiederkehrende Einzüge nach Erteilung eines Mandats. Bei einem kleinen Monatsabo kann dieser feste Betrag gegenüber einer prozentual bepreisten Karte ins Gewicht fallen. Zahlungsausfälle und Rücklastschriften sind darin noch nicht enthalten.

Zahlungsabwicklung und Aboverwaltung sind zudem verschiedene Leistungen. Mollie führt wiederkehrende Zahlungen als enthaltene Funktion. Stripe berechnet für sein optionales Billing-Produkt im nutzungsabhängigen Tarif zusätzlich 0,7 % des Billing-Volumens. Dieser Aufpreis gehört nur dann in den Vergleich, wenn der Shop Billing tatsächlich verwendet; für den einmaligen Verkauf eines Downloads ist er kein Posten der Modellrechnung.

Was Rückbuchungen, Währung und Auszahlungen kosten können

Bei Stripe kostet eine eingehende Kartenanfechtung laut Standardpreisliste 20 €. Für eine manuell beantwortete Anfechtung fallen weitere 20 € an; diese zweite Gebühr wird bei erfolgreichem Widerspruch erstattet. Eine einzige Anfechtung kann damit den monatlichen Gebührenabstand eines kleinen Shops übersteigen. Die Mollie-Regeln für Streitfälle im Dispute Portal beschreiben Gebühren bei endgültig verlorenen Fällen und nennen für Klarna einen eigenen Betrag. Daraus ergibt sich kein einheitlicher Preis für jede Kartenrückbuchung bei Mollie.

Auszahlungen verdienen eine separate Kostenzeile. Stripe bietet Auszahlungen nach dem Standardplan kostenlos an; für sofortige Auszahlungen nennt die Preisliste 1 % des Auszahlungsvolumens bei einer Mindestgebühr von 0,50 €. Mollie lässt je nach Zahlungsmethode tägliche, wöchentliche oder monatliche Auszahlungen wählen. Seine deutsche Preisliste nennt bei einem verarbeiteten Jahresvolumen unter 500.000 € bis zu fünf kostenlose Auszahlungen pro Monat und danach 0,25 € je weiterer Auszahlung. Der Bedarf an häufigen Auszahlungen kann den Abstand der reinen Transaktionsgebühren verändern.

Für Verkäufe an Schweizer Kundschaft kommt die Währungswahl hinzu. Eine Euro-Zahlung mit Schweizer Karte ist in der Kartenrechnung bereits als Nicht-EWR-Karte berücksichtigt; eine Umrechnung von Franken in Euro ist es nicht. Mollie nennt für Auszahlungen in einer anderen Währung als der des Hauptguthabens 1 % des Auszahlungsbetrags, während Stripe bei erforderlicher Umrechnung für internationale Karten einen zusätzlichen Aufschlag ausweist. Welche Position anfällt, hängt vom Zahlungsweg und der gewählten Auszahlungswährung ab.

Integration und Support nach dem Gebührenvergleich

Mollie bietet Integrationen für Shopsysteme und mehrere regionale Zahlarten innerhalb seiner Plattform. Stripe stellt vorgefertigte Checkout-Lösungen und Schnittstellen für individuelle Abläufe bereit. Daraus folgt keine belastbare allgemeine Zahl für die Integrationsstunden: Ein vorhandenes Plugin, ein eigener Abo-Checkout und eine Plattform mit mehreren Verkäufern stellen unterschiedliche Anforderungen. Wer bereits ein Shopsystem nutzt, kann den verfügbaren Anschluss konkreter beurteilen als anhand einer pauschalen Anbieterempfehlung.

Der Vergleich von Storetown Media ordnet Stripe eher internationalen und entwicklungsintensiven Anwendungen zu, Mollie eher Shops mit lokalen Zahlarten und deutschsprachiger Betreuung. Das ist eine Agentureinordnung, kein gemessener Supportvergleich. Ihre Gebührentabelle nennt für Stripe-Premiumkarten noch 1,9 %; der hier verwendete veröffentlichte Stripe-Tarif beträgt 2,8 %. Für die Kostenentscheidung sind deshalb die aktuellen Anbieterpreise und der eigene Zahlungsmix maßgeblich, während Kontaktwege und Integrationsaufwand für das konkrete Shop-System getrennt beurteilt werden müssen.

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