Substack oder Patreon: Die gleiche Provision, aber ein anderer Engpass

Die kurze Antwort: Substack und Patreon verlangen für neu gestartete Bezahlangebote jeweils 10 Prozent Plattformgebühr. Der Nettoerlös ist trotzdem nicht identisch, weil Kartenverarbeitung, fixe Transaktionskosten, Währungsumrechnung und Auszahlungen unterschiedlich abgerechnet werden.
Für Newsletter und regelmäßig veröffentlichte Texte ist Substack meist die schlüssigere Wahl, besonders wenn noch Reichweite aufgebaut werden muss. Patreon passt eher zu Creatorn mit bestehender Fangemeinde, die mehrere Mitgliedschaftsstufen, exklusive Medien und Community-Zugang anbieten wollen.
Die 10 Prozent decken unterschiedliche Leistungen ab

Substack berechnet für bezahlte Abonnements 10 Prozent jeder Transaktion. Hinzu kommen die Gebühren des verbundenen Stripe-Kontos für die Zahlungsabwicklung und bei wiederkehrenden Zahlungen für Stripe Billing; die Gebührenhilfe von Substack weist diese Bestandteile getrennt aus und erklärt, dass die konkreten Zahlungskosten vom Land des Stripe-Kontos und von der Zahlungsmethode abhängen.
Patreons Standardtarif von 10 Prozent gilt für Creator-Seiten, die nach dem 4. August 2025 veröffentlicht wurden. Darin enthalten sind unter anderem monatliche und jährliche Mitgliedschaften, einmalige digitale Verkäufe, Video-Hosting sowie Chats, Umfragen und Kommentare; zusätzlich fallen Zahlungsabwicklung und gegebenenfalls Währungs- und Auszahlungsgebühren an. Die Patreon-Übersicht für neue Kreative nennt für Euro-Zahlungen über 3 Euro eine Verarbeitung von 3,4 Prozent plus 0,35 Euro und für eine Euro-Bankauszahlung 0,50 Euro.
Gleich ist somit nur der prozentuale Plattformanteil. Bei Substack laufen die weiteren Zahlungskosten über Stripe; Patreon zieht seine zusätzlichen Kosten innerhalb des eigenen Abrechnungs- und Auszahlungssystems ab. Ältere Patreon-Seiten können weiterhin andere Plattformtarife haben und gehören deshalb nicht in einen Vergleich neuer Angebote.
Modellrechnung: 8.000 Euro Umsatz aus identischen Abos

Für ein ausdrücklich hypothetisches deutsches Szenario nehmen wir 800 monatliche Kartenzahlungen zu je 10 Euro an: ausschließlich Standardkarten aus dem Europäischen Wirtschaftsraum, keine Rückerstattungen, keine Währungsumrechnung und keine Steuern auf Gebühren. Die deutsche Standardpreisliste von Stripe nennt dafür 1,5 Prozent plus 0,25 Euro je Zahlung sowie 0,7 Prozent des über Billing abgerechneten Volumens.
- Substack: Vom Bruttoumsatz von 8.000 Euro gehen 800 Euro Plattformgebühr, 320 Euro Kartenverarbeitung und 56 Euro Billing-Gebühr ab. Der modellierte Rest beträgt 6.824 Euro.
- Patreon: Nach 800 Euro Plattformgebühr, 552 Euro Zahlungsabwicklung und einer Euro-Bankauszahlung zu 0,50 Euro bleiben modelliert 6.647,50 Euro.
- Differenz: Unter genau diesen Annahmen liegt Substack um 176,50 Euro vorn.
Das ist keine allgemeine DACH-Preisliste. Ein Stripe-Konto in Österreich oder der Schweiz, andere Kartenarten, PayPal, gemischte Währungen, Steuern und Rückerstattungen verändern das Ergebnis. Auch die Stückelung zählt: Bei gleichem Umsatz belasten fixe Gebühren viele kleine Zahlungen stärker als wenige große.
Eine US-Modellrechnung von Built by Foundry kommt bei 1.000 Zahlungen zu je 8 US-Dollar für beide Plattformen auf etwa 6.668 US-Dollar Rest, weil sie jeweils rund 2,9 Prozent plus 0,30 US-Dollar für die Verarbeitung ansetzt. Der dortige Gleichstand widerspricht der Euro-Rechnung nicht: Währung, Gebührensätze und Zahlungsumfeld sind andere.
Der Engpass liegt bei Reichweite oder Bindung
Substack verbindet Newsletter, öffentliche Beiträge und Bezahlabos mit eigenen Verbreitungsflächen. Notes, Empfehlungen zwischen Publikationen, Kategorien und die App können Inhalte auch Lesern außerhalb der vorhandenen Mailingliste zeigen. Das garantiert keine Reichweite, schafft aber zusätzliche Wege zur Entdeckung innerhalb der Plattform.
Die anbietereigene Funktionsübersicht von Substack führt außerdem Podcast-Hosting mit RSS-Verteilung, private Feeds, Newsletter-Automatisierung, Kommentare, Chats und Live-Video auf. Ihre Wertungen gegenüber Patreon sind Marketingaussagen; die beschriebenen Substack-Funktionen zeigen dennoch, dass das Produkt Veröffentlichung und interne Weiterverbreitung eng miteinander verbindet.
Patreon setzt stärker nach dem Reichweitenaufbau an. Mitgliedschaftsstufen, exklusive Beiträge, Audio und Video sowie Community-Funktionen strukturieren den Zugang für Menschen, die einen Creator bereits kennen. Wer Patreon wählt, muss den Zustrom zur Mitgliedschaftsseite daher typischerweise über einen Podcast, YouTube, Twitch, soziale Netzwerke oder eine eigene Mailingliste erzeugen.
Entscheidungsmatrix nach Inhalt und Ausgangslage

- Newsletter und längere Texte: Substack passt besser, wenn E-Mail-Versand, öffentliches Archiv, Paywall und Entdeckung ein zusammenhängendes Publikationsprodukt bilden sollen.
- Podcast: Substack ist naheliegend für einen offenen oder teilweise bezahlten Podcast mit RSS-Verteilung. Patreon eignet sich eher, wenn Bonusfolgen zu mehreren Vorteilen einer Mitgliedschaftsstufe gehören.
- Video und Livestream: Patreon bietet einen klaren Rahmen, wenn Video, Streams und weitere Extras als gestufte Fanpakete organisiert werden. Substack passt eher, wenn Video Teil einer regelmäßig veröffentlichten Medienausgabe mit Newsletter und öffentlicher Vorschau ist.
- Community als Hauptprodukt: Patreon ist auf Mitgliedschaftsstufen und exklusive Fanbereiche ausgerichtet. Bei Substack entstehen Gespräche stärker rund um Publikationen, Notes, Chats und Live-Formate.
- Noch keine eigene Reichweite: Substacks interne Empfehlungen und Entdeckungsflächen bieten zusätzliche Ansatzpunkte, ersetzen aber weder ein klares Thema noch kontinuierliche Veröffentlichungen.
- Bestehende Fangemeinde: Patreon ist oft der direktere Weg, wenn die Zielgruppe bereits auf externen Kanälen erreichbar ist und vor allem abgestufte Zugänge und exklusive Inhalte benötigt.
Die Plattform folgt dem knappsten Gut
Für den Kostenvergleich zählen der geplante Preis, die Zahl der Transaktionen, der Sitz des Zahlungskontos, Karten- und Währungsmix sowie der Auszahlungsweg. Erst mit diesen Angaben wird aus der gemeinsamen 10-Prozent-Provision eine belastbare Nettoerlösrechnung.
Die wichtigere Entscheidung betrifft jedoch das knappste Gut des Angebots. Wer aus regelmäßig publizierten Inhalten erst ein Publikum aufbauen muss, erhält mit Substack das geschlossenere Veröffentlichungs- und Distributionssystem. Wer Aufmerksamkeit bereits besitzt und sie in gestufte Mitgliedschaften, exklusive Medien und Community-Zugang überführen will, findet bei Patreon den passenderen Rahmen.
Die gleiche Provision bedeutet deshalb keinen Gleichstand. Bei Substack wird die Fähigkeit zur kontinuierlichen Publikation entscheidend; bei Patreon ist es meist der verlässliche Zufluss einer andernorts aufgebauten Fangemeinde.
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