
Sellfy oder Shopify: Beim Digitalverkauf entscheidet der App-Bedarf

Für einen Shop mit einfachen Downloads ist Shopify Basic im deutschen Rechenmodell die günstigere Wahl. Sellfy wird wirtschaftlich interessant, wenn ein Affiliate-Programm und Upselling tatsächlich gebraucht werden und dafür bei Shopify kostenpflichtige Apps nötig wären. Der App-Bedarf allein entscheidet aber noch nicht über die Gesamtkosten: Bei Sellfy zählt auch die Umsatzgrenze des Abos, bei beiden Diensten der Zahlungsweg.
Die deutsche Shopify-Preisseite nennt für Basic bei jährlicher Zahlung 27 Euro pro Monat, für Standardkarten über Shopify Payments 2,1 Prozent plus 0,30 Euro je Zahlung und bei einem externen Zahlungsanbieter zusätzlich 2 Prozent Transaktionsgebühr. Für einen reinen Downloadshop ist deshalb entscheidend, ob die kostenlose Dateiauslieferung ausreicht. Wer weitere Verkaufsfunktionen benötigt, muss deren tatsächliche App-Kosten zum Grundpreis addieren.
Dateiauslieferung: enthalten oder als App ergänzt
Sellfy hostet digitale Produktdateien, stellt den Checkout bereit und sendet nach bestätigtem Kauf einen Download-Link. Diese Funktionen gehören zum Shop und erfordern keine gesonderte Auslieferungs-App. Das ist für Creator mit E-Books, Vorlagen, Grafiken oder Audiodateien ein übersichtliches Paket; der feste Abopreis fällt allerdings auch in Monaten mit wenigen Verkäufen an.
Bei Shopify übernimmt eine eigene Anwendung diesen Teil des Verkaufs. Shopify Digital Products ist kostenlos und kann Dateien oder Links an Produkte hängen sowie Kundinnen und Kunden nach dem Kauf Zugangslinks senden. Wer damit seine Anforderungen erfüllt, setzt für die Download-App null Euro an. Shopify kann digitale und physische Artikel im selben Shop führen; eine zusätzliche App wird erst zum Kostenfaktor, wenn eine konkret benötigte Funktion über die kostenlose Auslieferung hinausgeht.
Warum Sellfys Umsatzgrenze den Tarif bestimmt
Sellfys Tarifübersicht nennt Jahresumsatzgrenzen von 10.000 US-Dollar für Starter, 50.000 US-Dollar für Business und 200.000 US-Dollar für Premium; Affiliate-Marketing und Upselling sind erst in Business und Premium enthalten. Für die Wahl des Abos zählen damit sowohl die benötigten Funktionen als auch die Verkäufe. Ein Creator kann Business bereits wegen des Affiliate-Programms brauchen oder wegen des Umsatzes aus Starter herauswachsen.
Bei Starter weichen die veröffentlichten Monatsbeträge voneinander ab: Die Tarifübersicht zeigt 29 US-Dollar, Sellfys Hilfeseite nennt 39 US-Dollar. Die Hilfeseite nennt außerdem 79 US-Dollar für Business und 159 US-Dollar für Premium bei monatlicher Zahlung. Diese beiden höheren Tarife werden in den folgenden Beispielen benötigt; die Starter-Abweichung verändert deren Rechnung daher nicht. Sellfy erhebt innerhalb des passenden Abos keine reguläre eigene Transaktionsprovision, während Stripe oder PayPal Zahlungen gesondert berechnen.
Die Umsatzgrenze bezieht sich auf die jeweils zurückliegenden zwölf Monate, nicht bloß auf einen einzelnen Verkaufsmonat. Wird sie überschritten, erwartet Sellfy einen Tarifwechsel und kann bis dahin eine Überschreitungsgebühr auf den Umsatz oberhalb der Grenze erheben. Für einen Shop mit gleichmäßigem Verkauf ist deshalb der auf zwölf Monate hochgerechnete Umsatz die passende Größe für die Tarifwahl. Bei stark schwankenden Verkäufen zählt dagegen der tatsächlich erreichte Wert im rollierenden Zeitraum.
Drei Monatsumsätze im Kostenmodell
Das Modell setzt einen Shop in Deutschland, einen durchschnittlichen Bestellwert von 50 Euro und Standardkartenzahlungen voraus. Für Sellfy wird Stripe als Zahlungsabwickler angesetzt. Der deutsche Stripe-Tarif nennt dafür 1,5 Prozent plus 0,25 Euro je Zahlung mit einer Standardkarte aus Europa. Bei Shopify werden zwei Wege getrennt betrachtet: Shopify Payments mit dem oben genannten Kartentarif und ein externer Anbieter mit Shopifys zusätzlicher Gebühr. Dessen eigene Abwicklungskosten bleiben offen, weil sie vom tatsächlich verfügbaren und gewählten Anbieter abhängen.
Die Sellfy-Abos stehen in US-Dollar, der Shopify-Basic-Preis und die hier berechneten Zahlungen in Euro. Für die Zuordnung zum Sellfy-Tarif wird rein rechnerisch ein Euro Umsatz als ein US-Dollar Umsatz behandelt; das ist kein Wechselkurs. Die gemischten Währungsbeträge werden deshalb nicht zu einem scheinbar exakten Euro-Gesamtpreis addiert. Shopify Basic wird mit dem Preis bei jährlicher Zahlung gerechnet, Sellfy mit monatlicher Zahlung. Zusatzapps kosten im Grundmodell null.
- 1.000 Euro Monatsumsatz: Bei 20 Bestellungen entstehen 20 Euro Stripe-Gebühren. Der hochgerechnete Umsatz liegt im Modell über Sellfys Starter-Grenze: Sellfy Business kostet 79 US-Dollar Abo plus 20 Euro Zahlungsabwicklung. Shopify Basic kostet mit Shopify Payments 27 Euro Abo plus 27 Euro Kartengebühren, insgesamt 54 Euro. Mit einem externen Anbieter sind es 27 Euro Abo plus 20 Euro Shopify-Gebühr, insgesamt 47 Euro zuzüglich des unbekannten Anbieterentgelts.
- 5.000 Euro Monatsumsatz: Bei 100 Bestellungen betragen die Stripe-Gebühren 100 Euro. Das Modell ordnet den Umsatz Sellfy Premium zu: 159 US-Dollar Abo plus 100 Euro Zahlungsabwicklung. Shopify Basic kommt mit Shopify Payments auf 27 Euro Abo und 135 Euro Kartengebühren, insgesamt 162 Euro. Beim externen Zahlungsweg ergeben 27 Euro Abo und 100 Euro Shopify-Gebühr zusammen 127 Euro zuzüglich des Anbieterentgelts.
- 10.000 Euro Monatsumsatz: Bei 200 Bestellungen fallen 200 Euro Stripe-Gebühren an. Sellfy Premium kostet im Modell 159 US-Dollar Abo plus 200 Euro Zahlungsabwicklung. Shopify Basic liegt mit Shopify Payments bei 27 Euro Abo und 270 Euro Kartengebühren, insgesamt 297 Euro. Mit externem Anbieter sind es 27 Euro Abo und 200 Euro Shopify-Gebühr, zusammen 227 Euro zuzüglich des Anbieterentgelts.
Die festen Gebühren je Bestellung machen den durchschnittlichen Warenkorb wichtig: Derselbe Monatsumsatz aus mehr kleinen Käufen verursacht mehr Einzelgebühren. Auch „keine Transaktionsprovision“ bedeutet bei Sellfy nicht gebührenfreie Zahlungen. Shopifys Aufschlag für einen externen Anbieter ist wiederum ein eigener Posten zusätzlich zu dessen Abwicklungsentgelt. Ein numerischer Endpreis für diesen Weg wäre ohne konkreten Anbieter und Tarif nur eine erfundene Genauigkeit.
Wann der Funktionsumfang den Preisvorteil verändert
Für einfache Dateien ist die kostenlose Shopify-App im Modell ausreichend; bezahlte Affiliate- oder Upselling-Apps gehören dann nicht in die Rechnung. Braucht ein Creator diese Funktionen, ist Sellfy Business beziehungsweise Premium mit den Kosten der tatsächlich ausgewählten Shopify-Apps zu vergleichen. Neben einem möglichen Monatsabo können Apps nutzungsabhängige Gebühren verlangen. Erst wenn diese Beträge bekannt sind, lässt sich beurteilen, ob Sellfys gebündelter Tarif günstiger wird.
Ein vorhandener Shopify-Shop für physische Produkte verändert die Entscheidung ebenfalls: Digitale Artikel können dort in dasselbe Sortiment aufgenommen werden, statt ein zweites Shop-Abo zu eröffnen. Für Creator in Österreich oder der deutschsprachigen Schweiz dienen die deutschen Euro-Beispiele nur als Rechenmethode. Der angezeigte Shop-Tarif, die verfügbaren Zahlungsanbieter, die Kartenherkunft und die Abrechnungswährung können vom deutschen Modell abweichen. Maßgeblich für den Vergleich bleiben der passende Sellfy-Tarif, die Kosten des gewählten Zahlungswegs und ausschließlich die Apps, die der geplante Verkauf wirklich benötigt.
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