
Shopify oder WooCommerce: Das Gratis-Plugin verschiebt nur die Kosten

Für einen neuen Shop in Deutschland ist WooCommerce vor allem dann wirtschaftlich, wenn WordPress-Kenntnisse vorhanden sind und jemand die technische Pflege übernimmt. Die kostenlose WooCommerce-Kernsoftware erspart die Plattformgebühr, während Hosting, Erweiterungen und Zahlungsabwicklung eigene Kostenposten bleiben. Fehlt die Zeit für den Betrieb, kann Shopify trotz Abonnement günstiger sein.
Shopify bündelt Hosting und einen großen Teil der technischen Infrastruktur. Dafür können Apps, Zahlungsgebühren und höhere Tarife die Rechnung erhöhen. Für Gründer zählt deshalb ein Jahresbudget mit Arbeitszeit und dem tatsächlich benötigten Funktionsumfang mehr als der Preis der Shopsoftware.
Was im Grundpreis steckt – und was daneben anfällt
Bei WooCommerce wählen Händler ihren Hoster und ihre Erweiterungen selbst. Damit bestimmen sie auch, wer Updates einspielt, Backups organisiert und Konflikte zwischen Plugins behebt. Ein günstiger Hostingtarif senkt die Rechnung nur dann, wenn diese Aufgaben intern zuverlässig erledigt werden können oder die Kosten externer Hilfe eingepreist sind.
Shopify übernimmt das Hosting; Produkte, Versandregeln, Zahlungen und rechtliche Angaben muss der Händler weiterhin einrichten und pflegen. Die Kostenliste braucht daher auf beiden Seiten dieselbe Genauigkeit: Welche Funktionen sind bereits enthalten, welche erfordern eine App oder ein Plugin, und wer kümmert sich im laufenden Betrieb darum?
Der deutsche Kostenvergleich von STARK nennt für Shopify Basic bei Jahreszahlung 27 Euro im Monat, Stand September 2026, und führt bei WooCommerce zusätzlich Hosting, Rechtserweiterungen und Pflege auf. Für das folgende Modell ergeben die genannten 27 Euro eine Shopify-Basis von 324 Euro im Jahr. Das ist ein datierter Vergleichswert, kein zugesagter Preis für einen neuen Vertrag.
Drei Jahresbudgets für denselben kleinen Shop
Die folgenden Beträge sind ausdrücklich Rechenannahmen, keine gemessenen Betriebskosten oder Angebote. Der angenommene Shop erzielt 20.000 Euro Jahresumsatz aus 400 bezahlten Bestellungen. Für die Zahlungsabwicklung gelten in allen Varianten 2 Prozent des Umsatzes plus 25 Cent je Bestellung, zusammen 500 Euro. Eigene technische Arbeitszeit wird mit 30 Euro je Stunde, Agenturarbeit mit 80 Euro bewertet.
- Shopify Basic: 324 Euro Abonnement, angenommene 240 Euro für benötigte Apps, sechs Stunden eigene Konfigurationspflege zu 180 Euro und 500 Euro Zahlungsabwicklung ergeben 1.244 Euro im Jahr.
- WooCommerce mit eigener Pflege: Angenommene 180 Euro Hosting, 80 Euro für eine Rechtserweiterung, 120 Euro für weitere Plugins, 24 Stunden technische Pflege zu 720 Euro und 500 Euro Zahlungsabwicklung ergeben 1.600 Euro.
- WooCommerce mit Agenturpflege: Dieselben 380 Euro für Hosting und Erweiterungen, 24 Agenturstunden zu 1.920 Euro, sechs Stunden interne Abstimmung zu 180 Euro und 500 Euro Zahlungsabwicklung ergeben 2.980 Euro.
Die Stunden beziehen sich auf den technischen Betrieb und die Konfiguration, nicht auf das tägliche Bearbeiten von Bestellungen oder Produktdaten. Diese Arbeit fällt unabhängig von der Plattform an und ist deshalb in keiner Variante enthalten. Auch Einrichtung, individuelles Design, Domain, Marketing und Buchhaltung fehlen: Ihr Bedarf hängt vom konkreten Shop ab, und ein pauschaler Betrag würde den Vergleich eher verzerren.
Das Modell zeigt den Preis von Arbeitszeit besonders deutlich. Die angesetzten 24 Stunden für WooCommerce sind eine Annahme für regelmäßige Pflege, kein allgemeiner Wartungsstandard. Wer die Aufgaben selbst erledigt, trägt dennoch einen Zeitaufwand; wer sie abgibt, braucht ein Angebot mit klarem Leistungsumfang. Umgekehrt reichen die angesetzten Shopify-Apps nur, wenn sie die tatsächlich benötigten Funktionen abdecken.
Wie der Zahlungsweg die Reihenfolge verändert
Die gemeinsamen 500 Euro im Modell stehen allein für angenommene Gebühren des jeweiligen Zahlungsdienstes. Shopifys Preisseite führt für Basic zusätzlich 2 Prozent Transaktionsgebühr bei externen Zahlungsanbietern auf und nennt Hosting als Bestandteil des Abonnements. Ob diese Zusatzgebühr für den vorgesehenen Zahlungsweg anfällt, muss in der konkreten Konfiguration geklärt werden.
Würde sie auf den gesamten angenommenen Umsatz von 20.000 Euro erhoben, kämen rechnerisch 400 Euro hinzu. Shopify läge im Beispiel dann bei 1.644 Euro und damit knapp über WooCommerce mit eigener Pflege. Bei geringerem entsprechend abgewickeltem Umsatz wäre der Aufschlag kleiner; andere App-Kosten oder Zahlungsgebühren könnten das Ergebnis ebenfalls verschieben. WooCommerce erhebt keine entsprechende Plattformgebühr für die Wahl eines Zahlungsdienstes, dessen eigene Gebühren bleiben aber bestehen.
Deutsche Shopanforderungen kosten Konfiguration
Rechtlich relevante Angaben sind bei beiden Systemen Teil der Einrichtung. Das kostenlos erhältliche Plugin Germanized für WooCommerce bietet unter anderem Lieferzeiten, Einheitspreise, Hinweise zu Versandkosten und Steuern sowie eine Anpassung des Bestellbuttons; PDF-Rechnungen gehören zu seiner Pro-Version. Der angesetzte Betrag für eine Rechtserweiterung ist deshalb eine Modellannahme für zusätzlichen Funktionsbedarf, keine Pflichtausgabe für jeden WooCommerce-Shop.
Bei Shopify muss derselbe Bedarf gegen eingebaute Funktionen und verfügbare Apps gehalten werden. Entscheidend sind konkrete Anforderungen wie Rechnungen, Produktangaben, Versandhinweise und gepflegte Rechtstexte. Eine Erweiterung liefert technische Funktionen, übernimmt aber nicht automatisch die Verantwortung für passende Angaben zum eigenen Sortiment und Geschäftsmodell. Für Österreich und die Schweiz funktioniert die Kostenmethode ebenso; rechtliche Anforderungen, Tarife und Zahlungsgebühren müssen dort mit den jeweiligen Bedingungen eingesetzt werden.
Pflegeaufwand und Spielraum beim Wachstum
Der Shopify-Test von TechRadar bewertet Bedienbarkeit und Skalierbarkeit positiv, nennt aber wachsende App-Kosten, teure Tarifwechsel und begrenzte Anpassungen in niedrigeren Tarifen. Das ist eine Bewertung des Produkts aus einem Test; die Jahresbeträge oben sind dagegen ein offenes Rechenmodell für einen angenommenen Shop.
WooCommerce gibt Händlern mehr Kontrolle über Server, Erweiterungen und Änderungen am Shop. Das kann für ein Team mit WordPress-Erfahrung oder ungewöhnlichen Abläufen einen echten Vorteil bieten. Mit zusätzlichen Funktionen wächst jedoch auch die Aufgabe, Hosting, Updates und die Verträglichkeit der Plugins zu betreuen. Shopify nimmt einen Teil dieser technischen Arbeit ab, während Anpassungswünsche häufiger von den Möglichkeiten des Tarifs und der verfügbaren Apps abhängen.
Für einen kleinen Shop ohne technische Betreuung spricht im gezeigten Modell zunächst Shopify. Mit vorhandener WordPress-Erfahrung kann WooCommerce wirtschaftlich und flexibler sein; regelmäßige Agenturpflege kann seinen Kostenvorteil aufzehren. Die Entscheidung hängt am Ende daran, welche Funktionen und Zahlungsarten der Shop braucht und wie viel eigene oder bezahlte Zeit sein Betrieb tatsächlich beansprucht.
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