Stripe oder PayPal: Bei 100 Euro trennen die Gebühren bis zu 1,63 Euro

|Autor: QUASA-Redaktion|6 Min. Lesezeit
Stripe oder PayPal: Bei 100 Euro trennen die Gebühren bis zu 1,63 Euro

Bei 100 Euro Umsatz stehen 1,75 Euro für eine EWR-Standardkarte über Stripe 3,38 Euro für PayPal Checkout gegenüber – eine Differenz von 1,63 Euro nach dem Vergleich der Standardsätze. Für die PayPal-Kategorie „Geld für Waren und Dienstleistungen senden/empfangen“ ergeben sich bei demselben Betrag 2,84 Euro.

Für Händler mit vielen EWR-Standardkarten ist Stripe bei dieser Zahlungsart günstiger. PayPal Checkout und eine Zahlung aus einem PayPal-Konto sind jedoch andere Fälle als die Stripe-Kartenzahlung. Ob ein Anbieter oder eine Kombination wirtschaftlicher ist, hängt vom Zahlungsmix sowie von Abos, Rückzahlungen, Auslandszahlungen und dem Aufwand für die Einbindung ab.

Welche Zahlungsarten stecken hinter den Sätzen?

Die deutsche Stripe-Preisliste nennt für Standardkarten aus dem Europäischen Wirtschaftsraum (EWR) 1,5 Prozent plus 0,25 Euro pro Zahlung. Im Standardtarif fallen weder Einrichtungs- noch Monatsgebühren an. Für EWR-Premiumkarten, Karten aus Großbritannien und andere ausländische Karten gelten höhere Sätze; die günstigste Kartenrate ist deshalb kein Durchschnittspreis für sämtliche Stripe-Zahlungen.

Die deutsche PayPal-Gebührentabelle unterscheidet PayPal Checkout mit 2,99 Prozent plus 0,39 Euro von „Geld für Waren und Dienstleistungen senden/empfangen“ mit 2,49 Prozent plus 0,35 Euro bei Euro-Zahlungen im Inland. Letztere Kategorie ist kein günstigerer Tarif für jede Zahlung über PayPal Checkout. Wer die beiden Sätze austauschbar verwendet, unterschätzt je nach tatsächlichem Zahlungsweg seine Kosten.

Was kosten gleiche Warenkörbe von 20, 100 und 500 Euro?

Die folgende bedingte Rechnung setzt für jeden Warenkorb denselben Betrag in Euro an. Verglichen werden eine EWR-Standardkarte über Stripe, eine Zahlung in der PayPal-Kategorie „Waren und Dienstleistungen“ und PayPal Checkout zu den genannten Inlandssätzen. Je Transaktion gilt: Warenkorb mal Prozentsatz plus Festgebühr, auf Cent gerundet. Zusatzprodukte, Rückzahlungen und Währungsumrechnung sind nicht eingerechnet.

  • Bei 20 Euro betragen die Gebühren 0,55 Euro für Stripe, 0,85 Euro für „Waren und Dienstleistungen“ und 0,99 Euro für PayPal Checkout.
  • Bei 100 Euro betragen sie 1,75 Euro, 2,84 Euro und 3,38 Euro.
  • Bei 500 Euro betragen sie 7,75 Euro, 12,80 Euro und 15,34 Euro.

Bei kleinen Warenkörben fällt die Festgebühr besonders ins Gewicht: Die 0,39 Euro von PayPal Checkout entsprechen bei einem Kauf über 20 Euro bereits 1,95 Prozent des Betrags, bevor der variable Satz hinzukommt. Bei größeren Beträgen wächst der absolute Abstand durch die unterschiedlichen Prozentsätze. Diese Rechnung vergleicht definierte Händlergebühren, nicht denselben technischen Zahlungsvorgang bei zwei Anbietern.

Wie verändern SEPA-Lastschriften und Abos die Kosten?

Für eine SEPA-Lastschrift nennt Stripe eine feste Gebühr von 0,35 Euro. Im bedingten Beispiel kostet der Einzug damit bei 20, 100 und 500 Euro jeweils gleich viel. Ein Lastschrifteinzug unterscheidet sich allerdings im Ablauf von einer Kartenzahlung: Fehlgeschlagene Einzüge und Rückgaben gehören gesondert in die wirtschaftliche Rechnung.

Bei Abonnements kommt es darauf an, ob lediglich wiederholt Zahlungen angenommen oder auch Tarife und Abrechnungszyklen verwaltet werden. Stripe Billing kostet im nutzungsabhängigen Tarif zusätzlich 0,7 Prozent des Billing-Volumens. Wird ein bedingtes 100-Euro-Abo über Billing verwaltet und per EWR-Standardkarte bezahlt, ergeben 1,75 Euro Zahlungsabwicklung plus 0,70 Euro Billing insgesamt 2,45 Euro. Dieser Betrag beschreibt genau diese Konfiguration und nicht jede wiederkehrende Stripe-Zahlung.

PayPal bietet wiederkehrende Zahlungen innerhalb von PayPal Checkout und dem erweiterten Checkout an. Dazu gehören wählbare Abrechnungszyklen, Testzeiträume und erneute Versuche nach fehlgeschlagenen Zahlungen. Für ein SaaS-Produkt zählt neben der Transaktionsgebühr, welche Änderungen an Tarifen, Zahlungsarten und ausstehenden Beträgen die gewählte Integration abbilden muss. Dieser Entwicklungs- und Verwaltungsaufwand lässt sich nicht aus einem Prozentsatz berechnen.

Was bleibt bei Rückzahlungen und Streitfällen als Kosten?

Bei Stripe fällt im Standardtarif für Rückerstattungen der meisten Zahlungsarten keine zusätzliche Erstattungsgebühr an. Die Gebühren für die ursprüngliche Zahlungsabwicklung und eine gegebenenfalls erfolgte Währungsumrechnung werden jedoch nicht erstattet; für Banküberweisungen und individuell vereinbarte Tarife können andere Regeln gelten. Eine vollständig zurückgezahlte Bestellung kann damit weiterhin Zahlungskosten verursachen.

Bei PayPal sind die veröffentlichten Angaben zur Rückabwicklung unterschiedlich formuliert. Die Gebührentabelle beschreibt bei vollständigen und teilweisen Rückzahlungen geschäftlicher Zahlungen das Einbehalten des festen Gebührenanteils. Die PayPal-Hilfe zu Rückzahlungen sagt dagegen, die Gebühren für den Empfang der ursprünglichen Zahlung würden nicht erstattet. Beide Angaben betreffen geschäftliche Rückzahlungen; wegen des Unterschieds beim variablen Anteil lässt sich daraus kein einheitlicher Nettoverlust für alle Erstattungen ableiten.

Ein Streitfall ist von einer freiwilligen Rückzahlung zu trennen. Stripe führt für eine eingegangene Kartenanfechtung 20 Euro und für eine manuelle Antwort weitere 20 Euro auf; die Antwortgebühr wird bei erfolgreicher Anfechtung zurückgegeben. PayPal nennt für Konflikte in Euro eine Standardgebühr von 14 Euro und für bestimmte Kartenrückbuchungen eine eigene Gebühr. Welche Position anfällt, richtet sich nach Zahlungsweg und Fallart. Gerade bei häufigen Retouren oder Konflikten kann dieser Posten die Differenz einer gewöhnlichen Zahlung übersteigen.

Wann ändert sich das Ergebnis bei Auslandszahlungen?

Eine außerhalb des EWR ausgestellte Karte fällt bei Stripe nicht unter die Rate für EWR-Standardkarten. Für Karten aus Großbritannien stehen 2,5 Prozent plus 0,25 Euro in der Preisliste, für andere ausländische Karten 3,15 Prozent plus 0,25 Euro. Ist eine Währungsumrechnung erforderlich, kommen jeweils zwei Prozent hinzu. Für einen Händler mit internationaler Kundschaft ist daher die Herkunft der Karten ebenso wichtig wie der durchschnittliche Warenkorb.

PayPal knüpft internationale Zuschläge an den Transaktionstyp und den Markt des Zahlenden. Bei geschäftlichen Transaktionen nennt die deutsche Tabelle für Zahlende aus dem EWR keinen prozentualen Auslandsaufschlag, für Großbritannien zusätzlich 1,29 Prozentpunkte und für andere Märkte 1,99 Prozentpunkte. Für „Waren und Dienstleistungen“ gelten teils andere Zuschläge. Bei der Umrechnung von Guthaben eines Geschäftskontos nennt PayPal zudem einen Aufschlag von drei Prozent über dem Basiswechselkurs. Kartenherkunft, Markt des PayPal-Kontos und Währungsumrechnung sind somit getrennte Größen.

Welche Kombination passt zum eigenen Zahlungsprofil?

Der günstigere Satz für eine EWR-Standardkarte spricht für Stripe, wenn solche Zahlungen einen großen Anteil am Umsatz haben. PayPal kann daneben eine zusätzliche Zahlungsart sein, wenn Käufer sie im Checkout nutzen möchten. Ob diese Wahl tatsächlich mehr abgeschlossene Käufe bringt, ist eine Frage der Daten des jeweiligen Shops; aus den Preislisten folgt kein allgemeiner Umsatzvorteil.

Für eine belastbare Kostenrechnung braucht jede Zahlungsart ihren eigenen Anteil und ihren eigenen durchschnittlichen Warenkorb. Dazu kommen Kosten für Abos, erstattete Bestellungen, Streitfälle, internationale Zahlungen und die technische Pflege. Die Rechnung kann deshalb zu Stripe für Karten und Lastschriften, zu PayPal Checkout oder zu beiden Anbietern führen. Entscheidend ist der Betrag, der nach allen Kosten beim konkreten Verkaufsmix bleibt.

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