Bitpanda oder Coinbase: Der Spread kann wichtiger sein als die Gebühr

|Autor: QUASA-Redaktion|6 Min. Lesezeit
Bitpanda oder Coinbase: Der Spread kann wichtiger sein als die Gebühr

Für einen einfachen Bitcoin-Kauf ist weder Bitpanda noch Coinbase allein anhand der ausgewiesenen Handelsgebühr verlässlich günstiger. Entscheidend ist, wie viel Euro nach einem Kauf und einem sofortigen Rückverkauf übrig blieben. Bei einfachen Coinbase-Orders steckt laut den Preisangaben von Coinbase ein Spread im angebotenen Kurs; die zusätzliche Gebühr hängt unter anderem von Zahlungsart, Ordergröße und Marktbedingungen ab.

Auch bei Bitpanda kann der Kursabstand den Rückverkaufswert zusätzlich zur Gebühr verringern. Wer selbst über Orderart und Preis bestimmen möchte, vergleicht deshalb Bitpanda Fusion mit Coinbase Advanced statt eine einfache Kaufvorschau der einen Plattform einer Profi-Order der anderen gegenüberzustellen. Die Oberflächen haben unterschiedliche Kostenlogiken; ein einheitlicher Preis für alle Anleger lässt sich daraus nicht ableiten.

Was Kauf und sofortiger Rückverkauf kosten

Ein solcher Roundtrip umfasst zwei Geschäfte: erst den Kauf, dann den Verkauf derselben Bitcoin-Menge. Die Bitpanda-Gebührenübersicht nennt für Bitcoin 0,99 Prozent je Trade und für die meisten Altcoins 1,49 Prozent; je nach Liquidität kann ein zusätzlicher Spread entstehen. Für die folgende Rechnung zählt nur Bitcoin. Die Altcoin-Angabe lässt sich nicht auf ihn übertragen.

In einer vereinfachten Modellrechnung werden 100 beziehungsweise 500 Euro vollständig in Bitcoin getauscht und sofort wieder verkauft. Der Referenzkurs bleibt dabei gleich, ein zusätzlicher Spread sowie Zahlungs-, Netzwerk- und Auszahlungsgebühren entfallen. Wenn auf beiden Seiten jeweils 0,99 Prozent vom Wert abgehen, bleiben von 100 Euro rund 98,03 Euro und von 500 Euro rund 490,15 Euro. Der rechnerische Verlust beträgt 1,97 beziehungsweise 9,85 Euro. Das sind Ergebnisse der genannten Annahmen, keine beobachteten Ausführungspreise.

Für den einfachen Handel bei Coinbase gibt es ohne konkrete Kauf- und Verkaufsvorschau keine ebenso belastbare Eurozahl. Dort können sowohl Gebühr als auch Spread variieren. Bei 100 und 500 Euro Einsatz muss man jeweils denselben Bitcoin-Betrag und denselben Zahlungsweg für Kauf und Rückverkauf betrachten. Ein Kauf aus vorhandenem Euroguthaben und ein Kauf per Karte können unterschiedliche Gebühren auslösen; der Kaufpreis allein zeigt zudem noch nicht, welcher Kurs beim Verkauf angeboten wird.

Wann der Kursabstand schwerer wiegt als die Gebühr

Der Spread wirkt über die Differenz zwischen Kauf- und Verkaufskurs. Wer bei unverändertem Referenzkurs teurer kauft, als er unmittelbar danach verkaufen könnte, verliert bereits vor einer gesondert ausgewiesenen Handelsgebühr Geld. Für die Gesamtkosten zählt daher der erzielbare Eurobetrag am Ende beider Geschäfte, nicht der Gebührensatz einer einzelnen Order.

Ein ausdrücklich hypothetisches Beispiel macht die Größenordnung sichtbar: Der sofort erzielbare Verkaufskurs beträgt 99 Prozent des Kaufkurses, und auf Kauf sowie Verkauf fallen jeweils 0,25 Prozent Gebühr an. Aus 100 Euro werden dann rund 98,51 Euro, aus 500 Euro rund 492,53 Euro. Ohne den angenommenen Kursabstand blieben rund 99,50 beziehungsweise 497,50 Euro. Der Kursabstand kostet in diesem Beispiel etwa doppelt so viel wie die beiden Gebühren zusammen. Diese Kurse sind weder ein gemessener Bitpanda- noch ein gemessener Coinbase-Spread.

Der Abstand lässt sich nicht zuverlässig als feste Zusatzgebühr aus einer Preisliste übernehmen: Er hängt vom angebotenen Kurs in beiden Handelsrichtungen ab. Selbst bei einem sofortigen Rückverkauf kann sich der Markt zwischen den Vorschauen bewegen. Die Modellrechnung hält den Referenzkurs deshalb bewusst konstant und isoliert so die Wirkung von Gebühr und Kursabstand.

Fusion und Advanced haben andere Handelsregeln

Die Angaben zu Bitpanda Fusion weisen für die niedrigste Volumenstufe 0,25 Prozent Gebühr je Order aus, nennen Market-, Limit- und Stop-Orders und führen die Zulassung der Bitpanda GmbH durch die österreichische FMA nach MiCAR an. Ohne Kursabstand ergäbe dieselbe vereinfachte Rechnung nach Kauf und Verkauf aus 100 Euro rund 99,50 Euro und aus 500 Euro rund 497,50 Euro. Ein realer Rückverkauf kann wegen der verfügbaren Kurse anders ausfallen.

Fusion zeigt Preise aus aggregierten Liquiditätsquellen, führt die Kundenorders aber selbst aus. Die Orderbuchansicht bedeutet somit nicht, dass Kundenorders dort untereinander zusammengeführt werden. Bei einer Market-Order zählt der zum Ausführungszeitpunkt verfügbare Preis; bei einer Limit-Order lässt sich eine Preisgrenze setzen, dafür kann die Ausführung ausbleiben oder nur teilweise erfolgen.

Bei Coinbase Advanced richten sich Gebühren nach der persönlichen Stufe und danach, ob eine Order als Maker Liquidität bereitstellt oder als Taker sofort vorhandene Liquidität nutzt. Eine sofort ausgeführte Market-Order ist Taker; auch eine sofort ausführbare Limit-Order kann so abgerechnet werden. Für die Gebührenstufe können Handelsvolumen der vorangegangenen 30 Tage oder bestimmte USDC-Guthaben maßgeblich sein. Ohne die persönliche Stufe wäre eine feste Roundtrip-Zahl für Coinbase Advanced ebenso wenig verlässlich wie für den einfachen Handel.

Bei Advanced rechnet Coinbase keinen eigenen Spread in einen festen Kaufpreis ein, weil die Order direkt auf das Orderbuch trifft. Zwischen bestem Kauf- und Verkaufskurs kann dennoch ein natürlicher Abstand liegen. Wer unmittelbar kauft und wieder verkauft, trifft typischerweise beide Seiten dieses Abstands. Eine niedrigere Maker-Gebühr hilft bei dieser Aufgabe nur, wenn die entsprechende Order tatsächlich als Maker ausgeführt wird.

Welche Kosten vor der Freigabe erkennbar sind

In den einfachen Kauf- und Verkaufsvorschauen stehen angebotener Kurs, Gebühren und Gesamtbetrag vor der Freigabe. Bei Coinbase ist der eingerechnete Spread über die Preisdetails der Vorschau einsehbar. Eine Kaufvorschau beantwortet allerdings nur die erste Hälfte der Kostenfrage: Für einen Roundtrip ist auch der angebotene Euroerlös beim Verkauf der gekauften Bitcoin-Menge nötig.

Auf den Profioberflächen treten Gebührenstufe, Orderart und verfügbare Geld- und Briefkurse hinzu. Sichtbare Kurse geben einen Anhaltspunkt für den aktuellen Abstand; bei einer Market-Order kann eine größere Menge zu mehreren Preisen ausgeführt werden. Eine Limit-Order begrenzt den akzeptierten Preis, verspricht aber keinen sofortigen Handel. Deshalb sind die Rechnungen für 100 und 500 Euro Vergleichsmodelle und keine Zusage über den Erlös einer echten Order.

Regulierung und Verwahrung sind eigene Vergleichspunkte

Für Kunden mit Wohnsitz im Europäischen Wirtschaftsraum nennen die Coinbase-Nutzungsbedingungen Coinbase Luxembourg S.A. als zugelassenen Kryptodienstleister und Coinbase Ireland Limited als Anbieterin von E-Geld-Diensten. Coinbase Luxembourg beschreibt eine operative und rechtliche Trennung verwahrter Kryptowerte von eigenen Beständen. Die Bedingungen gelten für den EWR; für einen Wohnsitz in der Schweiz sind sie deshalb keine Aussage über den dortigen Vertrag.

Eine Zulassung für Kryptodienstleistungen ist keine Einlagensicherung für Bitcoin. Die EWR-Bedingungen halten ausdrücklich fest, dass Kryptowerte und E-Geld nicht unter die dort genannten Einlagen- oder Anlegerentschädigungssysteme fallen. Für E-Geld gelten stattdessen besondere Schutzvorgaben, darunter die Trennung entsprechender Guthaben. Wer Verwahrung beurteilt, muss daher den rechtlichen Anspruch auf Kryptowerte, die Schutzmaßnahmen des Anbieters und die Regeln für Euroguthaben auseinanderhalten.

Für gelegentliche Käufe kann die einfache Oberfläche passend sein, wenn der konkrete Gesamtpreis akzeptabel ist. Fusion und Advanced bieten mehr Einfluss auf Orderart und Kurs, verlangen aber eine genauere Betrachtung von Ausführung und Gebührenstufe. Die Kostenentscheidung fällt erst, wenn Kauf und Rückverkauf für denselben Betrag, dasselbe Asset und denselben Zahlungsweg gegenüberstehen.

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