YouTube-Mitgliedschaften oder Patreon: 70 Prozent sind nicht automatisch mehr

|Autor: QUASA-Redaktion|5 Min. Lesezeit
YouTube-Mitgliedschaften oder Patreon: 70 Prozent sind nicht automatisch mehr

Für Video-Creator mit einer bestehenden YouTube-Community kann die Kanalmitgliedschaft trotz des geringeren modellierten Erlöses je Zahlung die bessere Wahl sein, wenn dort genügend zusätzliche Fans beitreten. Die YouTube-Regel zur Umsatzbeteiligung gibt Creatorn 70 Prozent des Mitgliedschaftsumsatzes nach Abzug anwendbarer Steuern und Gebühren; die Transaktionskosten übernimmt YouTube derzeit. Der Anteil bezieht sich damit nicht pauschal auf den Bruttopreis, den ein Fan bezahlt.

Patreon lässt im unten beschriebenen Euro-Standardmodell mehr pro erfolgreicher Zahlung übrig. Wie viele Zuschauer den zusätzlichen Weg zu einer Patreon-Seite tatsächlich gehen, hängt jedoch vom jeweiligen Publikum und Angebot ab. Für die Wahl zählen deshalb der Erlös je Mitglied, die Zahl der Abschlüsse und die Abhängigkeit des Bezahlangebots vom YouTube-Kanal.

Was bei 5, 10 und 25 Euro je Mitglied übrig bleibt

Für Creator-Seiten, die nach dem 4. August 2025 veröffentlicht wurden, nennt Patreons Gebührenübersicht einen Plattformanteil von 10 Prozent und bei Euro-Auszahlungen eine Zahlungsabwicklung von 3,4 Prozent plus 0,35 Euro je erfolgreicher Zahlung. Ältere, durchgehend veröffentlichte Seiten können andere Plattformtarife haben. Währungsumrechnung und Auszahlung können zusätzlich kosten; die Auszahlungsgebühr fällt bei der Überweisung des Guthabens an, nicht bei jeder einzelnen Mitgliedschaft.

Die Modellrechnung setzt hypothetische monatliche Zahlungen von 5, 10 und 25 Euro als steuerbereinigte Grundlage an. Der Fan zahlt bei Patreon in Euro, der Creator lässt sich in Euro auszahlen; Umrechnung, Auszahlungsgebühr und mögliche Steuern auf Creator-Gebühren bleiben außen vor. Für YouTube sind 70 Prozent dieser Grundlage die Obergrenze im Modell, weil gegebenenfalls weitere Gebühren vor der Umsatzbeteiligung abgezogen werden. Die Beträge stehen für vergleichbare Rechenbeispiele, nicht für die Verfügbarkeit genau dieser Preisstufen in jedem Land.

  • 5 Euro: höchstens 3,50 Euro bei YouTube; 3,98 Euro bei Patreon nach Plattformanteil und Zahlungsabwicklung.
  • 10 Euro: höchstens 7,00 Euro bei YouTube; 8,31 Euro bei Patreon.
  • 25 Euro: höchstens 17,50 Euro bei YouTube; 21,30 Euro bei Patreon.

Bei 10 Euro zieht die Patreon-Rechnung 1,00 Euro Plattformgebühr, 0,34 Euro für die prozentuale Abwicklung und 0,35 Euro als festen Abwicklungsbetrag ab. Dieser feste Betrag wiegt bei kleinen Zahlungen stärker. Der absolute Abstand zur modellierten YouTube-Obergrenze wächst dennoch mit dem Preis: von 0,48 Euro bei 5 Euro auf 3,80 Euro bei 25 Euro. Welche zusätzlichen Patreon-Abzüge anfallen, hängt unter anderem von Zahlungs- und Auszahlungswährung ab.

Kann der Beitritt direkt am Video den Gebührenabstand ausgleichen?

Die YouTube-Anleitung zur Kanalmitgliedschaft beschreibt Beitritte über „Mitglied werden“ auf Kanal- und Videoseiten sowie Vorteile wie Badges, Emojis, Vorabzugriff und Videos nur für Mitglieder. Wer gerade ein Video sieht, kann also innerhalb von YouTube dem Kanal beitreten. Bei Patreon führt der Weg zu einer eigenen Creator-Seite. Das macht einen Unterschied im Ablauf sichtbar, liefert aber noch keine belastbare Aussage darüber, wie viele Fans auf welchem Weg abschließen.

Die Gebührenwerte zeigen, welchen Unterschied die Zahl der Abschlüsse machen müsste. Bei einer hypothetischen Zahlung von 10 Euro brächte ein Patreon-Mitglied im Modell 8,31 Euro, ein YouTube-Mitglied höchstens 7,00 Euro. Um denselben Gesamterlös zu erreichen, wären auf YouTube rund 19 Prozent mehr zahlende Mitglieder nötig. Bei 5 Euro beträgt die rechnerische Schwelle rund 14 Prozent, bei 25 Euro rund 22 Prozent. Liegt der tatsächliche YouTube-Erlös unter der modellierten Obergrenze, steigt die nötige Mehrzahl.

Diese Schwellen beschreiben keine gemessene Konversionsrate. Bei einem Kanal, dessen zahlungsbereite Fans ihre Videos fast ausschließlich auf YouTube verfolgen, kann der direkte Beitritt den geringeren Betrag pro Mitglied ausgleichen. Wer bereits eine Community hat, die einem externen Angebot folgt, könnte dagegen stärker vom höheren Patreon-Erlös profitieren. Ein sinnvoller Vergleich setzt ähnliche Preise und Vorteile voraus: Ein einzelnes exklusives Video und ein Paket mit regelmäßigen Gesprächen oder weiteren Inhalten sprechen Fans unterschiedlich an.

Auch die Form der Community unterscheidet sich. YouTubes Vorteile liegen unmittelbar am Kanal und an seinen Veröffentlichungen. Patreons Standardtarif umfasst neben einer eigenen Creator-Seite monatliche und jährliche Mitgliedschaften, Videohosting, Chats, Umfragen und Kommentare. Für ein Angebot, das vor allem den nächsten Upload ergänzt, ist der Ort des Beitritts besonders wichtig. Soll der Austausch zwischen Veröffentlichungen ein eigenständiger Teil der Mitgliedschaft sein, wiegen die Funktionen und der separate Zugang stärker.

Was Kanalprobleme für zahlende Mitglieder bedeuten

Die Bindung an YouTube betrifft auch laufende Mitgliedschaften. Nach den YouTube-Regeln für pausierte Kanalmitgliedschaften werden dabei Zahlungen, Abrechnungszeitraum und Zugriff ausgesetzt; nach maximal 120 Tagen werden Mitgliedschaften und wiederkehrende Zahlungen beendet. Endet das Mitgliedschaftsprogramm oder verliert der Kanal den Zugang zur Funktion, entfallen die wiederkehrenden Zahlungen und der Zugriff auf Vorteile sofort. Eine Pause kann etwa bei Problemen mit der Monetarisierung entstehen.

Eine separat abgeschlossene Patreon-Mitgliedschaft hängt nicht an der YouTube-Mitgliedschaftsfunktion. Sie kann deshalb für Creator interessant sein, die bezahlte Inhalte und Community auch bei einer Unterbrechung ihres Kanals weiter anbieten wollen. Bereits bestehende YouTube-Mitgliedschaften werden durch einen Patreon-Auftritt allerdings nicht zu Patreon-Mitgliedschaften; Fans müssten dort eine neue bezahlte Beziehung eingehen. Patreon bleibt seinerseits die Plattform für Zahlung und Zugang zu den dort angebotenen Vorteilen.

Warum DACH-Bruttopreise eine eigene Rechnung verlangen

Die Euro-Beispiele sind keine Prognose für die Auszahlung aus einem ausgeschriebenen Bruttopreis in Deutschland, Österreich oder der Schweiz. Bei YouTube wird der Creator-Anteil nach anwendbaren Steuern und Gebühren berechnet. Bei Patreon wird die Plattformgebühr auf den Zahlungsbetrag ohne Verkaufssteuer berechnet, während die Zahlungsabwicklung auf dem verarbeiteten Gesamtbetrag einschließlich einer gegebenenfalls erhobenen Steuer beruht. Deshalb kann dieselbe sichtbare Preiszahl zu einer anderen Gebührenbasis führen als in der vereinfachten Rechnung.

Hinzu kommen die Währung des Fans und die Auszahlungswährung des Creators; ein Angebot mit Schweizer Franken lässt sich nicht unverändert mit dem Euro-Modell bewerten. Ebenso wenig lässt sich ein US-Dollar-Vergleich mit anderen Abwicklungssätzen direkt auf DACH übertragen. Für die Plattformentscheidung bleibt die Schwelle aus dem Euro-Modell nützlich: Sie beziffert, wie viele zusätzliche YouTube-Abschlüsse den höheren Patreon-Erlös je Zahlung aufwiegen müssten, ohne eine unbekannte Abschlussrate als Tatsache auszugeben.

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