Steady oder Patreon: Gleiche 10 Prozent, andere Zusatzkosten

|Autor: QUASA-Redaktion|6 Min. Lesezeit
Steady oder Patreon: Gleiche 10 Prozent, andere Zusatzkosten

Steady verlangt laut seinem Preismodell zehn Prozent Provision auf Mitgliedseinnahmen zuzüglich Zahlungsgebühren. Für Creator-Seiten, die nach dem 4. August 2025 veröffentlicht wurden, nennt Patreons Gebührenübersicht ebenfalls zehn Prozent; bei Euro-Auszahlung kommen 3,4 Prozent plus 0,35 Euro je Zahlung hinzu. Bezahlt ein Mitglied in einer anderen als der Auszahlungswährung, können weitere 2,5 Prozent anfallen; eine Euro-Bankauszahlung kostet 0,50 Euro.

Für eine neue Mitgliedschaft entscheidet die gleiche Plattformprovision also wenig über den Betrag, der beim Creator ankommt. Im unten gerechneten Euro-Beispiel kostet Steady bei Lastschrift weniger, während Patreon eine gehostete Creator-Seite mit Community-Funktionen bietet. Die Wahl betrifft damit sowohl die tatsächlichen Zahlungsarten der Mitglieder als auch die Frage, ob eine Publikation oder der Austausch auf einer Plattform im Mittelpunkt steht.

Welche Gebühren pro Mitgliedszahlung entstehen

Bei Steady hängen die zusätzlichen Kosten von Zahlungsart und Währung ab. Die Steady-Hilfe zur Bezahlung nennt für eine Euro-Lastschrift ein Prozent des Beitrags plus 0,20 Euro. Mitglieder können auch per Kreditkarte, Apple Pay oder PayPal zahlen; welche Verfahren verfügbar sind, hängt unter anderem von der Währung ab. Ein Modell mit ausschließlich Lastschriften bildet daher nicht zwangsläufig die spätere Mischung der Zahlungen ab.

Bei einem angenommenen Monatsbeitrag von zehn Euro kostet die Lastschrift rechnerisch 0,30 Euro. Patreons zuvor genannter Euro-Satz ergibt für denselben Beitrag 0,69 Euro Abwicklungskosten. Der Unterschied entsteht aus dem höheren Prozentsatz und dem höheren festen Betrag pro Zahlung. Gerade bei kleinen Beiträgen fällt dieser feste Betrag ins Gewicht; bei höheren Einzelbeiträgen verteilt er sich auf mehr Umsatz.

Die Abrechnungshäufigkeit verändert ebenfalls die Zahl der Vorgänge. Wird ein Mitglied jährlich statt monatlich belastet, fällt ein fester Abwicklungsbetrag seltener an. Daraus folgt noch keine allgemeingültige Ersparnis: Jahrespreise können anders kalkuliert sein, und die folgende Rechnung unterstellt ausdrücklich monatliche Zahlungen in gleicher Höhe.

Was 100, 1.000 und 5.000 Euro Monatsumsatz bedeuten

Modellrechnung für Steady und Patreon bei zehn Euro Mitgliedsbeitrag und drei Monatsumsätzen

Die vereinfachte Modellrechnung setzt einen Monatsbeitrag von zehn Euro je Mitglied voraus. Alle Zahlungen erfolgen in Euro; bei Steady zahlen sämtliche Mitglieder per Lastschrift, bei Patreon gilt der Standardtarif mit Euro-Auszahlung. Die genannten Umsätze sind rechnerische Beitragsbeträge ohne Umsatzsteuer. Rückerstattungen, Währungsumrechnung und Auszahlungsgebühren bleiben zunächst außen vor. In einem realen Projekt können Steuern und die tatsächliche Mischung der Zahlungsarten die Auszahlung verändern.

  • 100 Euro Monatsumsatz: Zehn Zahlungen ergeben auf beiden Plattformen zehn Euro Provision. Steady berechnet im Modell zusätzlich drei Euro für Lastschriften: Es bleiben 87 Euro. Bei Patreon kommen 6,90 Euro Abwicklung hinzu; es bleiben 83,10 Euro.
  • 1.000 Euro Monatsumsatz: Hundert Zahlungen führen zu 100 Euro Provision. Mit 30 Euro Lastschriftkosten bleiben bei Steady 870 Euro. Patreons Abwicklung kostet 69 Euro; dort bleiben 831 Euro.
  • 5.000 Euro Monatsumsatz: Fünfhundert Zahlungen ergeben 500 Euro Provision. Nach 150 Euro Lastschriftkosten bleiben bei Steady 4.350 Euro. Bei Patreon betragen die Abwicklungskosten 345 Euro; es bleiben 4.155 Euro.

Die Differenz beträgt unter diesen Annahmen 3,90 Euro, 39 Euro beziehungsweise 195 Euro. Sie wächst mit der Zahl gleich hoher Mitgliedszahlungen: Zu jeder Zahlung kommt ein fester Gebührenbetrag, während die Plattformprovision bei beiden Diensten gleich angesetzt ist. Bei einer anschließenden Euro-Bankauszahlung auf Patreon käme im Beispiel noch die oben genannte Auszahlungsgebühr hinzu.

Diese Zahlen sind keine Prognose für einen Creator mit gemischten Paketen. Schon wenn einige Mitglieder auf Steady eine andere Zahlungsart wählen oder höhere Beiträge zahlen, ändert sich die Summe der Abwicklungskosten. Für den Kostenvergleich sind deshalb der einzelne Paketpreis und die Zahl der tatsächlichen Belastungen ebenso wichtig wie der Monatsumsatz.

Währung, Auszahlung und alte Patreon-Tarife

Patreons Währungszuschlag greift, wenn die Zahlungswährung eines Mitglieds von der Auszahlungswährung des Creators abweicht. Er wird auf den verarbeiteten Betrag einschließlich einer gegebenenfalls anfallenden Steuer berechnet. Würden in einem rein hypothetischen Fall Zahlungen im Gegenwert von 200 Euro umgerechnet, entsprächen 2,5 Prozent weiteren fünf Euro. Für eine Leserschaft, die teils in Euro und teils in anderen Währungen zahlt, kann dieser Posten den Abstand zur reinen Euro-Rechnung vergrößern.

Die Steady-Lastschrift aus dem Modell setzt eine Zahlung in Euro voraus. Ein Projekt mit Preisen in Schweizer Franken lässt sich deshalb nicht mit denselben Euro-Beträgen berechnen. Auch bei Patreon ist zwischen der Währung, in der Mitglieder bezahlen, und der Währung der Auszahlung zu unterscheiden; allein der Wohnsitz eines Mitglieds sagt noch nicht, ob eine Umrechnung anfällt.

Bestehende Patreon-Seiten können einen Legacy-Tarif behalten, sofern sie die Bedingungen dafür erfüllen. Pro- oder Premium-Sätze aus älteren Vergleichen sind damit keine frei wählbaren Einstiegspreise für eine neu veröffentlichte Seite. Wird die Veröffentlichung einer bisherigen Seite aufgehoben, kann bei erneuter Veröffentlichung der Standardtarif gelten. Wer eine laufende Seite vergleicht, braucht daher ihren tatsächlichen Kontotarif statt der Annahme für neue Creator.

Publikation oder Community: Wo entsteht der Nutzen?

Exklusive Podcastaufnahme als Beispiel für Steadys Publikationsworkflow im Vergleich zu Patreons Community-Funktionen

Steady ist auf einen Veröffentlichungsablauf für Newsletter, Blogs, Magazine und Podcasts ausgerichtet. Die FAQ zu den Publishing-Tools beschreibt Posts, die auch ohne E-Mail-Versand auf der Steady-Seite erscheinen können, sowie ein Newsletter-Formular für die eigene Website. Wer bereits eine Website und einen redaktionellen Verteiler betreibt, kann die Mitgliedschaft so an diesen Veröffentlichungsweg anschließen. Newsletter-Abonnenten benötigen dafür keinen Steady-Account.

Für Podcasts übernimmt Steady das Hosting; ein Feed für Podcast-Apps setzt allerdings Folgen hinter der Paywall voraus. Eigenes Video-Hosting bietet der Dienst nicht, Videos von YouTube oder Vimeo lassen sich einbetten. Diese Unterschiede betreffen den Arbeitsablauf unmittelbar: Ein regelmäßiger Newsletter oder ein digitales Magazin stellt andere Anforderungen als eine Mitgliedschaft, deren Inhalte vor allem aus Videos und Gesprächen mit Fans bestehen.

Patreons Standardangebot umfasst eine gehostete Creator-Seite, monatliche und jährliche Mitgliedschaften, digitale Einzelverkäufe sowie Chats, Umfragen und Kommentare. Für Creator, deren zahlende Fans auf der Plattform miteinander sprechen und dort neue Inhalte finden sollen, kann diese Verbindung den höheren Betrag aus dem Lastschriftbeispiel rechtfertigen. Für eine Publikation mit eigener Website zählt stärker, wie die Mitgliedschaft in den bestehenden Versand und die Veröffentlichung eingebunden wird.

Kontakte und Inhalte beim Wechsel

Bei Steady lassen sich Mitglieder- und Newsletter-Kontakte als CSV exportieren. Für veröffentlichte Posts bietet Steady derzeit keinen entsprechenden Export an. Eine übertragbare Kontaktliste ist deshalb nicht dasselbe wie ein vollständig übertragbares Archiv: Wer regelmäßig längere Beiträge direkt auf der Plattform veröffentlicht, muss diesen Unterschied bei einem späteren Wechsel einkalkulieren.

Auch Patreon erlaubt einen CSV-Export der Mitgliederliste. Im Relationship Manager wirken gesetzte Filter auf den Export; E-Mail-Adressen können fehlen, wenn Mitglieder ihre Weitergabe an Creator ausgeschlossen haben. Der praktische Wert einer exportierten Liste hängt damit nicht nur vom Dateiformat ab, sondern auch davon, welche Kontakte tatsächlich enthalten sind.

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