
Ghost oder Substack: Ab bezahlten Lesern kippt die Kostenlogik

Substack lässt sich ohne laufende Plattformgebühr starten. Sobald Leser bezahlen, behält die Plattform laut Substacks Gebührenübersicht zehn Prozent der Abo-Einnahmen; Gebühren von Stripe kommen hinzu. Wer nur einen kostenlosen Newsletter veröffentlichen will, hat damit zunächst keine laufende Plattformrechnung.
Bei planbaren Einnahmen aus bezahlten Abos kann Ghost günstiger werden. Der Ghost(Pro)-Tarif Publisher kostet bei jährlicher Abrechnung 29 US-Dollar pro Monat, unterstützt bezahlte Abos ohne eigene Transaktionsgebühr und umfasst bis zu 1.000 Mitglieder. Diese Grenze zählt kostenlose und zahlende Mitglieder zusammen. Ob sich der feste Hostingpreis lohnt, hängt deshalb zugleich vom Umsatz, von der Listengröße und vom gewünschten Arbeitsmodus ab.
Was 100, 500 und 1.000 zahlende Leser kosten
Die folgende Rechnung ist ein bedingtes Beispiel: Jedes zahlende Mitglied bringt acht Euro Abo-Umsatz im Monat, alle zahlen monatlich, und es gibt keine zusätzlichen kostenlosen Mitglieder. Rabatte, Steuern und Gebühren für die Zahlungsabwicklung bleiben außen vor. So lässt sich der Unterschied zwischen Umsatzanteil und Hostingpreis isolieren.
Für die Umrechnung dient der Euro-Referenzkurs vom 9. Oktober 2026 von 1,1206 US-Dollar je Euro. Die 29 US-Dollar für Ghost entsprechen damit rechnerisch rund 25,88 Euro pro Monat. Das ist ein Vergleichswert, kein garantierter Rechnungsbetrag in Euro: Wechselkurs und Abrechnung können abweichen. Außerdem setzt der ausgewiesene Monatspreis eine jährliche Zahlung voraus.
- Bei 100 zahlenden Lesern entstehen 800 Euro Monatsumsatz. Substacks Anteil beträgt 80 Euro; Ghosts umgerechneter Hostingpreis liegt bei rund 25,88 Euro.
- Bei 500 zahlenden Lesern entstehen 4.000 Euro Monatsumsatz. Substack behält davon 400 Euro; bei Ghost bleibt der angesetzte Hostingpreis gleich, solange die gesamte Mitgliederzahl zum Publisher-Tarif passt.
- Bei 1.000 zahlenden Lesern entstehen 8.000 Euro Monatsumsatz. Substacks Anteil beträgt 800 Euro. Bei Ghost ist die angenommene Mitgliederkapazität dann vollständig ausgeschöpft.
Unter diesen Annahmen übersteigt Substacks Umsatzanteil den umgerechneten Ghost-Preis ab 33 zahlenden Lesern: 33 mal acht Euro mal zehn Prozent ergeben 26,40 Euro. Diese Schwelle betrifft ausschließlich die Plattformkosten. Sie sagt weder etwas über den Gewinn einer Publikation noch über den Wert möglicher zusätzlicher Leser aus. Stripe-Gebühren fallen auch bei Ghosts bezahlten Abos an; ihre konkrete Höhe hängt unter anderem vom Zahlungsweg und vom Land des Stripe-Kontos ab. Die Modellrechnung setzt deshalb nicht pauschal identische Zahlungsgebühren an.
Warum kostenlose Mitglieder den Ghost-Tarif verändern
Ghost bemisst die Tarifgrenze an allen registrierten Mitgliedern, nicht allein an den Zahlern. Eine Publikation mit 500 zahlenden und 500 kostenlosen Mitgliedern füllt die Kapazität des angesetzten Publisher-Tarifs bereits aus. Wächst die kostenlose Liste darüber hinaus, muss der passende Hostingpreis neu betrachtet werden. Die feste Zahl aus dem Beispiel lässt sich also nicht beliebig auf größere Verteiler übertragen.
Bei Substack entsteht der prozentuale Plattformanteil dagegen aus bezahlten Abos. Eine große kostenlose Leserschaft erhöht diese Provision für sich genommen nicht. Für Autoren, die zunächst Reichweite aufbauen und nur einen kleinen Teil ihrer Leser monetarisieren, kann das den Einstieg wirtschaftlich leichter machen. Sobald mehr Leser zahlen oder der Abo-Preis steigt, wächst allerdings derselbe Anteil am Umsatz mit. Entscheidend ist daher nicht nur die Zahl der Zahler, sondern auch, wie viele kostenlose Mitglieder die Publikation insgesamt verwaltet.
Domain und Gestaltung: Wie eigenständig soll die Publikation sein?
Eine eigene Domain ist bei beiden Angeboten möglich. Substacks Domain-Anleitung nennt dafür eine einmalige Gebühr von 50 US-Dollar; die Registrierung der Domain ist darin nicht enthalten. Die eigene Webadresse ändert zudem nicht automatisch die Absenderadresse des Newsletters: Substack verschickt ihn weiterhin über eine Substack-Adresse. Bei Ghost(Pro) lässt sich ebenfalls eine eigene Domain verbinden.
Für das Erscheinungsbild der Website bietet Ghost(Pro) Publisher eigene Themes sowie Einstellungen für die Gestaltung des Newsletters. Autoren können damit Seitenaufbau und Markenauftritt stärker an ihre Publikation anpassen. Substack hält die Einrichtung einfacher, bietet aber weniger Freiheit bei komplexen Seiten und einem eigenständigen Layout. Wer hauptsächlich gut lesbare E-Mails und eine schlichte Veröffentlichungsseite benötigt, gewinnt durch zusätzliche Gestaltungsoptionen möglicherweise wenig. Wer die Website als eigenständiges Magazin aufbauen will, muss umgekehrt Zeit für Auswahl und Pflege der Gestaltung einplanen.
Was Reichweite und Community zur Rechnung beitragen
Substacks Notes, Empfehlungen und Verbindungen zwischen Publikationen eröffnen Wege, innerhalb der Plattform entdeckt zu werden. Der Substack-Test von TechRadar bewertet diese sozialen Funktionen als Stärke, beschreibt die Gestaltungsmöglichkeiten als begrenzt und sieht das prozentuale Gebührenmodell bei hohen Einnahmen als potenziell teurer als Festpreise. Die Funktionen schaffen eine Chance auf Sichtbarkeit, aber keinen zugesicherten Zufluss zahlender Leser.
Ghost bietet ebenfalls Empfehlungen zwischen Publikationen, Kommentare und Wege zur Verbreitung im sozialen Web. Die Angebote unterscheiden sich dennoch darin, wie zentral der Austausch innerhalb der jeweiligen Plattform für den Alltag einer Publikation ist. Für Autoren mit einer aktiven Leserschaft auf Substack kann ein dort gewonnenes zusätzliches Abo einen Teil der Provision aufwiegen. Wer seine Leser überwiegend über eigene Kanäle erreicht, sollte den Umsatzanteil dagegen als laufende Kosten für Funktionen betrachten, deren wirtschaftlicher Nutzen vom tatsächlichen Leserverhalten abhängt.
Wie viel technischen Betrieb übernimmt die Plattform?
Substack bündelt Website, Newsletterversand und Abo-Verwaltung in einem gehosteten Angebot. Auch Ghost(Pro) übernimmt Hosting, Updates, Backups und den E-Mail-Versand. Die Wahl von Ghost bedeutet deshalb nicht automatisch, einen Server selbst zu betreiben. Bei Ghost(Pro) liegen die zusätzlichen Aufgaben für Autoren vor allem in der Gestaltung, der Struktur der Publikation und der Verwaltung ihrer Mitglieder und Inhalte.
Die offene Ghost-Software lässt sich auch selbst hosten. Dann gehören Serverbetrieb, Wartung und die Einrichtung des E-Mail-Versands in eine eigene Kostenrechnung; der Publisher-Preis für Ghost(Pro) beschreibt diese Variante nicht. Für die Plattformwahl ergibt sich damit ein klarer Zusammenhang: Substack erleichtert den Start und verbindet das Publizieren eng mit seinen Reichweitenfunktionen. Ghost(Pro) verlangt einen festen Hostingpreis und gibt einer eigenständig gestalteten Publikation mehr Raum. Welche Seite finanziell günstiger ist, lässt sich erst mit bezahlten und kostenlosen Mitgliedern sowie dem erwarteten Nutzen der jeweiligen Funktionen beurteilen.
Lesen Sie auch:
Ähnliche Artikel


Substack oder Patreon: Die gleiche Provision, aber ein anderer Engpass

Steady oder Patreon: Gleiche 10 Prozent, andere Zusatzkosten

Patreon oder Memberful: Ab rund 961 Dollar Umsatz kippt die Gebühr

PopJoy startet weltweit – Webcomic-Schöpfer verdienen ab dem ersten Post

Carrd oder Linktree: 20 Euro Umsatz können die Rechnung drehen
Newsletter abonnieren
Erhalten Sie die neuesten Nachrichten zu Web3, KI und Krypto direkt in Ihren Posteingang.