flatex oder easybank: Kleine Orders sparen heute, Depotwerte zahlen später

|Autor: QUASA-Redaktion|6 Min. Lesezeit| 4
flatex oder easybank: Kleine Orders sparen heute, Depotwerte zahlen später

Bei kleinen Orders an der Wiener Börse ist easybank zunächst günstiger. Die Kleinanleger-Kostenkurve setzt für eine Order über 1.500 Euro 4,95 Euro bei easybank und 7,70 Euro bei flatex an; für ein Depot mit fünf Positionen und 10.000 Euro Wert veranschlagt ihr Modell jährlich 27 Euro Depotpreis und 18 Euro Kontopauschale bei easybank, bei flatex jeweils null Euro. Die Orderwerte haben Datenstand Juli 2026.

Für österreichische Anleger mit wenigen Trades kann flatex deshalb trotz höherer kleiner Ordergebühr insgesamt günstiger sein. Bei easybank hängt das Ergebnis auch vom Eröffnungsdatum ab: Für neue Depots entfällt die reguläre Kontopauschale, und eine befristete Befreiung von der Verwahrgebühr verschiebt den Vergleich vorübergehend.

Wie groß ist der Vorteil bei einer Wiener Order?

Das easybank-Preisblatt mit Geltung ab Oktober 2026 nennt für Wiener Online-Orders eigene Spesen von 4,95 Euro bis 3.000 Euro Ordervolumen, 9,95 Euro bis 10.000 Euro und 19,95 Euro bis 25.000 Euro. Hinzu kommen im Wiener Fließhandel regulär 0,0200 Prozent des Orderwerts plus 1,15 Euro Börsen- und Brokerspesen sowie 0,24 Euro Settlementspesen. Für das easy flat Depot erlässt easybank diese Wiener Fremdspesen befristet bis Ende 2026.

Die flatex-Preisübersicht nennt für österreichische Aktien eine Orderprovision ab 5,90 Euro und für Wien eine Börsengebühr von mindestens 1,80 Euro je Ausführung. Bei einer Order über 1.500 Euro ergibt das die 7,70 Euro aus der Kostenkurve. easybank verlangt für dieselbe Order während der Wiener Spesenbefreiung 4,95 Euro; nach deren vorgesehenem Ende wären es bei unverändertem Tarif rechnerisch 6,64 Euro. Der unmittelbare Vorsprung schrumpft damit von 2,75 auf 1,06 Euro pro Order.

Ein größeres Ordervolumen kann die Reihenfolge schon bei der einzelnen Ausführung ändern. Bei 5.000 Euro ergäben sich aus den regulären Preisstufen und Wiener Fremdspesen 12,34 Euro bei easybank; die Kostenkurve setzt für flatex 11,90 Euro an. Während der befristeten Wiener Spesenbefreiung läge easybank dagegen bei 9,95 Euro. Die Rechnung gilt für eine vollständig ausgeführte Online-Order im Fließhandel; Auktion und Teilausführung können anders kosten.

Wann wird das Halten teurer als das Handeln?

Die reguläre easybank Verwahrung hängt vom Kurswert und der Zahl der Positionen ab. Für viele Wertpapiere fallen jährlich 0,10 Prozent plus 20 Prozent Umsatzsteuer an, mindestens 4,50 Euro plus Steuer je Position. Bei fünf gleich großen Positionen und ganzjährig konstantem Wert sind das 27 Euro für ein Depot von 10.000 Euro, 60 Euro bei 50.000 Euro und 180 Euro bei 150.000 Euro. flatex führt Konto und Depot ohne laufende Führungsgebühr.

Der Mindestbetrag wirkt besonders bei kleinen, stark aufgeteilten Depots. Fünf Positionen zu je 2.000 Euro kosten einschließlich Steuer jeweils 5,40 Euro Verwahrung. Bei fünf Positionen zu je 10.000 Euro greift dagegen der Prozentsatz: 12 Euro je Position und Jahr. Für ETFs aus einem easybank Sparplan gilt eine eigene Verwahrregel von 0,10 Prozent plus Umsatzsteuer vom Kurswert, ohne den genannten Mindestbetrag für andere Wertpapiere.

Auch das Verrechnungskonto verändert den Vergleich. Für Depots, die ab Oktober 2026 eröffnet wurden, nennt der reguläre easybank Tarif null Euro monatlich. Bei Eröffnungen bis Ende September 2026 bleiben 1,50 Euro im Monat vorgesehen, also 18 Euro jährlich. Diese ältere Pauschale steckt im Kleinanleger-Modell und gehört nicht in die Rechnung für ein neues Depot.

Drei Depotgrößen über drei Jahre

Bei gleich großen Positionen steigen die regulären Verwahrkosten des easybank Depots mit dem Depotwert, während flatex keine Depotgebühr ansetzt.

Die folgenden bedingten Rechnungen setzen fünf gleich große, ganzjährig gehaltene Positionen, einen konstanten Depotwert und pro Order 1.500 Euro im Wiener Fließhandel voraus. Für easybank gelten die regulären Verwahrkosten eines nach September 2026 eröffneten Depots und die Wiener Fremdspesen nach Ende der befristeten Befreiung. Bei flatex sind die angesetzten 7,70 Euro je kleiner Wiener Order einschließlich der Mindestbörsengebühr; Kauf und Verkauf zählen jeweils als eigene Ausführung.

  • 10.000 Euro Depot, zwei Orders jährlich: easybank kommt auf 40,28 Euro pro Jahr gegenüber 15,40 Euro bei flatex. Über drei unveränderte Jahre ergeben sich 120,84 gegenüber 46,20 Euro.
  • 50.000 Euro Depot, acht Orders jährlich: easybank kostet rechnerisch 113,12 Euro, flatex 61,60 Euro pro Jahr. Über drei Jahre sind es 339,36 gegenüber 184,80 Euro.
  • 150.000 Euro Depot, 24 Orders jährlich: Bei easybank entstehen 339,36 Euro, bei flatex 184,80 Euro pro Jahr. Die Dreijahressummen betragen 1.018,08 und 554,40 Euro.

Nach Auslaufen der Wiener Fremdspesenbefreiung übersteigt der Ordervorteil von 1,06 Euro die reguläre Verwahrgebühr in diesem Modell beim 10.000-Euro-Depot erst ab 26 kleinen Orders jährlich und beim 50.000-Euro-Depot ab 57 Orders. Beim großen Depot bleibt flatex selbst bei den angenommenen 24 Ausführungen deutlich günstiger. Andere Ordergrößen, mehr Positionen oder Rabatte für häufigen Handel verändern diese Grenzen; die Dreijahreswerte sind keine Prognose künftiger Tarife.

Was ändert die befristete Depotbefreiung?

Die easybank Aktion trennt gebührenfreie gettex Orders von regulären Wiener Orders und befristet die Depotgebührenbefreiung.

Die easybank-Depotaktion befreit berechtigte Neukunden bei Eröffnung vom 1. Oktober bis 31. Dezember 2026 bis Ende 2029 von der Depotgebühr. Voraussetzung ist unter anderem, dass sie in den vorangegangenen sechs Monaten kein easybank Depot geführt haben; juristische Personen sind ausgenommen. Eine getrennte Orderaktion erlässt bis Ende März 2027 die eigenen Orderspesen für Onlinegeschäfte über gettex in München und bei bestimmten Zertifikate-Partnern. Wiener Börsenorders fallen nicht darunter.

Für ein qualifiziertes Depot mit konstant 50.000 Euro und acht kleinen Wiener Orders pro Jahr würde die Verwahrbefreiung die easybank Rechnung in den drei vollen Jahren 2027 bis 2029 auf 53,12 Euro jährlich senken, falls die heutigen regulären Wiener Fremdspesen dann gelten. flatex läge im Standardtarif bei 61,60 Euro: Insgesamt hätte easybank einen rechnerischen Vorsprung von 25,44 Euro. Nach Ablauf der Befreiung dreht sich das Verhältnis bei unveränderten Preisen um 51,52 Euro pro Jahr zugunsten von flatex. Schon das erste volle Jahr mit regulärer Verwahrung würde den zuvor errechneten Vorteil übersteigen.

Auch die auf der flatex-Preisübersicht genannte Neukundenaktion mit gebührenfreien Trades bleibt außerhalb der Standardrechnung. Während solcher Aktionen gelten für berechtigte Anleger andere Kosten als für Bestandskunden. Für einen Vergleich über mehrere Jahre zählt deshalb ebenso der reguläre Tarif nach Aktionsende.

Sparpläne und Steuerabwicklung

Bei monatlichen Sparplänen entscheidet die konkrete ISIN stärker als eine pauschale Brokerwertung. easybank berechnet für reguläre Ausführungen bis 1.500 Euro je ISIN 1,25 Euro eigene Spesen, bei ausgewählten Partnerprodukten null Euro. flatex nennt ausgewählte ETF-Sparpläne ohne Orderprovision und weitere zu 1,50 Euro je Ausführung. Zwölf reguläre Ausführungen kosten damit rechnerisch 15 Euro bei easybank oder 18 Euro bei flatex, noch ohne Verwahrung, Spreads und Produktkosten. Bei einem größeren, über Jahre angesammelten ETF-Bestand kann die easybank Verwahrgebühr den kleinen Ausführungsvorteil überholen.

Beide Broker erledigen für in Österreich steuerpflichtige Anleger grundsätzlich die bankseitige Kapitalertragsteuer. Die flatex-Steuerinformation erläutert eine relevante Grenze: Bei Gemeinschaftsdepots erfolgt keine automatische Verlustverrechnung. Für gewöhnliche Einzeldepots hängt die Kostenwahl vor allem an Handelsplatz, Bestand, Sparplanprodukt und der Dauer einer Gebührenbefreiung.

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