Zukunft der Arbeit

Homeoffice bleibt bei 24,9 Prozent – ein Rückruftrend ist nicht erkennbar

|Autor: QUASA-Redaktion|4 Min. Lesezeit| 2
Homeoffice bleibt bei 24,9 Prozent – ein Rückruftrend ist nicht erkennbar

In Deutschland arbeiteten im August 2026 insgesamt 24,9 Prozent der Beschäftigten zumindest teilweise im Homeoffice. Das ifo Institut veröffentlichte die Ergebnisse am 7. September 2026; ein am selben Tag erschienener Bericht der Hasepost nennt ebenfalls die Gesamtquote und die erheblichen Unterschiede zwischen den Wirtschaftsbereichen.

Damit ist in den aktuellen Unternehmensdaten keine flächendeckende Rückkehrbewegung ins Büro zu erkennen. Der Befund schließt strengere Präsenzvorgaben einzelner Arbeitgeber nicht aus, zeigt aber, dass der Anteil der Beschäftigten mit zumindest zeitweisem Homeoffice über die Wirtschaft hinweg seit Jahren keine nennenswerte Veränderung aufweist.

Zwischen Dienstleistungen und Bau liegen 30 Prozentpunkte

Vergleich der Homeoffice-Anteile in Dienstleistungen, Großhandel, Industrie, Einzelhandel und Bau im August 2026

Der gesamtwirtschaftliche Wert verdeckt ein starkes Branchengefälle. Die Ergebnisse der ifo-Konjunkturumfrage weisen für August 2026 folgende Anteile aus:

  • Gesamtwirtschaft: 24,9 Prozent
  • Dienstleistungssektor: 35,1 Prozent
  • Großhandel: 17,7 Prozent
  • Industrie: 16,4 Prozent
  • Einzelhandel: 6,2 Prozent
  • Baugewerbe: 5,1 Prozent

Zwischen Dienstleistungen und Bau beträgt der Abstand somit 30 Prozentpunkte. Die Werte messen keine einheitliche Arbeitsnorm, sondern bilden sehr unterschiedliche Möglichkeiten zur Arbeit von zu Hause ab: Zahlreiche Büro- und Wissensaufgaben sind ortsunabhängig zu erledigen, während Verkauf, Produktion, Montage und Baustellenarbeit häufig die Anwesenheit am betrieblichen Einsatzort voraussetzen.

Auch die mittleren Werte sollten nicht gleichgesetzt werden. Ein Anteil von 17,7 Prozent im Großhandel bedeutet nicht, dass dort dieselben Tätigkeiten oder betrieblichen Modelle verbreitet sind wie bei den 16,4 Prozent in der Industrie. Erfasst wird jeweils nur, welcher Teil der Beschäftigten zumindest zeitweise zu Hause arbeitet.

Stabilität ist nicht dasselbe wie unveränderte Präsenzregeln

Parallel genutzte Arbeitsplätze zu Hause und im Büro zeigen den fortbestehenden hybriden Arbeitsalltag

Für die Einordnung des Titels ist die längerfristige Entwicklung entscheidend. Der ifo-Forscher Jean Victor Alipour erklärt zu den Augustdaten, seit Jahren seien weder insgesamt noch innerhalb der Branchen nennenswerte Veränderungen am Homeoffice-Anteil zu beobachten. „Bleibt bei 24,9 Prozent“ bezeichnet daher den aktuellen Stand einer stabilen Verbreitung, nicht die Behauptung, der Messwert habe in jeder vorherigen Erhebung exakt 24,9 Prozent betragen.

Einzelne Unternehmen können Beschäftigte häufiger ins Büro bestellen, ohne dass dies sofort in der Kennzahl sichtbar wird. Wer zuvor drei Tage und anschließend nur noch einen Tag pro Woche zu Hause arbeitet, zählt weiterhin zu den Beschäftigten mit zumindest teilweisem Homeoffice. Ebenso können neue Homeoffice-Möglichkeiten an anderer Stelle Einschränkungen ausgleichen.

Deshalb wäre es zu weitgehend, aus der Erhebung abzuleiten, dass es überhaupt keine Rückkehrvorgaben gibt. Belegt ist der engere Befund: Die veröffentlichten Gesamt- und Branchenanteile zeigen keine breite Abnahme der Homeoffice-Nutzung, die einen gesamtwirtschaftlichen Rückruftrend erkennen ließe.

Die Quote misst Verbreitung, nicht wöchentliche Intensität

Unterschiedliche Homeoffice-Routinen verdeutlichen, dass die Quote keine Zahl wöchentlicher Heimarbeitstage nennt

Die methodisch wichtigste Grenze steckt in der Formulierung „zumindest teilweise“. In derselben Quote können Beschäftigte enthalten sein, die nur gelegentlich zu Hause arbeiten, und andere, die mehrere feste Homeoffice-Tage pro Woche haben. Aus den 24,9 Prozent lässt sich daher weder die durchschnittliche Zahl der Heimarbeitstage noch der Anteil vollständig remote arbeitender Beschäftigter ableiten.

Auch ein Vergleich mit anderen Erhebungen ist nur sinnvoll, wenn Kennzahl und Grundgesamtheit übereinstimmen. Der Anteil der Beschäftigten mit irgendeiner Homeoffice-Nutzung ist etwas anderes als der Anteil der zu Hause geleisteten Arbeitszeit, die Zahl erlaubter Homeoffice-Tage oder der Anteil von Stellenanzeigen mit einer entsprechenden Option.

Für Beschäftigte beschreibt der Wert deshalb die Verbreitung des Zugangs, aber keinen individuellen Anspruch und keinen typischen Wochenplan. Für Personalverantwortliche ist er eine Reichweitenkennzahl: Um die tatsächliche Intensität hybrider Arbeit zu beurteilen, wären zusätzliche Daten zu Arbeitstagen, Tätigkeitsgruppen und betrieblichen Regelungen erforderlich.

Eine zweite Unternehmensbefragung stützt die Richtung, misst aber anders

Eine unabhängige Erhebung liefert ein ähnliches Signal, darf jedoch nicht mit der ifo-Quote verrechnet werden. Laut einer im August veröffentlichten ZEW-Befragung unter rund 1.400 Unternehmen planten im Juni 2026 nur wenige Betriebe der Informationswirtschaft und des verarbeitenden Gewerbes, ihre Homeoffice-Angebote in den folgenden zwei Jahren einzuschränken.

Das ZEW untersucht damit Zukunftspläne in zwei Wirtschaftsbereichen, während die ifo-Zahl den Anteil der zumindest teilweise im Homeoffice arbeitenden Beschäftigten im August abbildet. Die Ergebnisse sind keine zwei Messungen derselben Größe. Zusammen sprechen sie jedoch gegen die These, deutsche Unternehmen holten ihre Belegschaften derzeit branchenübergreifend und flächendeckend ins Büro zurück.

Für Österreich und die Schweiz lassen sich die deutschen Prozentwerte nicht übernehmen; dafür wären eigene, methodisch vergleichbare Erhebungen notwendig. Für Deutschland bleibt der bestätigte Stand: Etwa jeder vierte Beschäftigte arbeitet zumindest zeitweise zu Hause, mit großen Branchenunterschieden und ohne erkennbare breite Abwärtsbewegung. Ob sich diese Richtung ändert, können erst weitere vergleichbare Erhebungen zeigen.

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