Zukunft der Arbeit

Homeoffice bleibt: Zwei Tage sind in vielen deutschen Firmen der neue Standard

|Autor: QUASA-Redaktion|5 Min. Lesezeit| 5
Homeoffice bleibt: Zwei Tage sind in vielen deutschen Firmen der neue Standard

Zwei Homeoffice-Tage pro Woche sind in vielen großen deutschen Unternehmen und in der Informationswirtschaft ein realistischer Richtwert. Eine allgemeine Regel für sämtliche Firmen oder Beschäftigten ist das jedoch nicht: Im verarbeitenden Gewerbe und bei ortsgebundenen Tätigkeiten ist der Spielraum deutlich kleiner.

Für Beschäftigte und Bewerber ist deshalb nicht nur die genannte Zahl entscheidend. Sie müssen klären, ob zwei Tage einen Anspruch oder lediglich eine Obergrenze bezeichnen, welche Funktionen einbezogen sind und wie viel Präsenz das konkrete Team tatsächlich erwartet.

Zwei Tage sind verbreitet, aber kein Durchschnitt für alle

Digitale Büroarbeit ist mobil möglich, während eine Tätigkeit an einer Industrieanlage ortsgebunden bleibt.

Die Unterschiede zwischen den Branchen sind erheblich. Laut der im Juni 2026 erhobenen, repräsentativen ZEW-Befragung unter rund 1.400 Unternehmen ermöglichen zwei Drittel der Firmen in der Informationswirtschaft mindestens zwei Homeoffice-Tage pro Woche; etwa die Hälfte erlaubt mindestens drei. Im verarbeitenden Gewerbe bieten dagegen rund 30 Prozent mindestens zwei Tage an, etwa jedes zweite Unternehmen ermöglicht wenigstens einen.

Der Wert „zwei Tage“ beschreibt damit vor allem ein verbreitetes Modell in der Informationswirtschaft und bei geeigneter Büroarbeit. Er bedeutet weder, dass zwei Drittel aller deutschen Unternehmen dieses Modell anbieten, noch dass sämtliche Beschäftigten eines befragten Betriebs es nutzen können. Die Erhebung misst Angebote auf Unternehmensebene in zwei Wirtschaftsbereichen; einzelne Aufgaben oder Funktionen können ausgeschlossen bleiben.

Auch „mindestens zwei Tage möglich“ ist nicht dasselbe wie zwei tatsächlich genutzte Tage. Die erste Angabe beschreibt den betrieblichen Rahmen, die zweite das Verhalten der Beschäftigten. Für die persönliche Stellenbewertung ist diese Unterscheidung wichtiger als ein scheinbar eindeutiger Branchendurchschnitt.

Branche, Aufgabe und Unternehmensgröße verschieben den Rahmen

Großes und kleines Unternehmen planen hybride Arbeit mit unterschiedlich großem organisatorischem Spielraum.

Ob Arbeit mobil erledigt werden kann, hängt zunächst von der Tätigkeit ab. Digitale Entwicklungs-, Beratungs- oder Verwaltungsaufgaben lassen sich häufig vom Betriebsort lösen. Produktion, Wartung, Logistik, Laborarbeit und ein Teil des Kundenbetriebs setzen dagegen Anlagen, Materialien oder persönlichen Zugang vor Ort voraus.

Die ZEW-Ergebnisse zeigen zudem einen Größeneffekt: Große Unternehmen ermöglichen tendenziell mehr Homeoffice als kleine. Das ist ein Orientierungswert, aber keine Garantie für eine einzelne Stelle. Ein großer Arbeitgeber kann für Verwaltung, Entwicklung, Vertrieb und standortgebundene Funktionen jeweils andere Regeln festlegen.

Deshalb lassen sich die Branchenwerte nicht ohne Weiteres auf alle Bürojobs übertragen. Auch eine digital ausführbare Aufgabe kann regelmäßige Präsenz erfordern, etwa wegen Kundenkontakten, vertraulicher Arbeitsumgebungen oder gemeinsamer Teamtermine. Umgekehrt können einzelne administrative Funktionen in einem Produktionsunternehmen mehr Spielraum besitzen als der Durchschnitt des Betriebs vermuten lässt.

Bei großen Arbeitgebern kann dieselbe Zahl Verschiedenes bedeuten

Eine Befragung von 15 DAX-Unternehmen macht das Zwei-Tage-Modell bei großen Arbeitgebern sichtbar: Mobiles Arbeiten war bei allen teilnehmenden Unternehmen weiterhin möglich, zehn nannten bis zu zwei Tage pro Woche. Die DAX-Auswertung von OFFICE ROXX dokumentiert zugleich unterschiedliche Ausgestaltungen: Adidas nennt bis zu zwei Tage außerhalb des Campus, die Deutsche Börse zwei Remote-Tage unter dem Vorbehalt der geschäftlichen Situation, Brenntag drei mobile Tage bei passendem Jobprofil und BMW keine starre Quote, sondern eine Abstimmung nach Aufgabe und Funktion.

Die Umfrage ist kein repräsentativer Querschnitt aller deutschen Unternehmen. Sie zeigt konkrete Regeln bei 15 antwortenden Großunternehmen und ergänzt damit die breiteren ZEW-Branchenwerte, ohne sie zu ersetzen. Beide Erhebungen untersuchen unterschiedliche Gruppen und Messgrößen: hier einzelne Arbeitgeberregeln, dort die Verbreitung bestimmter Modelle in zwei Wirtschaftsbereichen.

„Bis zu zwei Tage“ kann eine Obergrenze, eine Empfehlung oder ein Spielraum für Teamabsprachen sein. Es folgt daraus weder ein Anspruch auf zwei Tage noch die freie Wahl bestimmter Wochentage. Umgekehrt muss ein Modell ohne feste Quote nicht unflexibel sein, wenn ein Team Aufgaben und gemeinsame Präsenz verlässlich koordiniert.

Entscheidend ist die Regel für Stelle, Standort und Team

Bewerber und Personalverantwortliche klären mobile Arbeitstage, Präsenztage und vertragliche Verbindlichkeit.

In Deutschland besteht kein allgemeiner gesetzlicher Anspruch auf eine bestimmte Zahl mobiler Arbeitstage. Nach der Darstellung des Bundesarbeitsministeriums zur Rechtslage können Beschäftigte den Wunsch nach mobiler Arbeit äußern; eine Einigung beruht in der Regel auf einer freiwilligen Entscheidung des Arbeitgebers, der grundsätzlich weder reagieren noch eine Ablehnung begründen muss.

Für die individuelle Verlässlichkeit zählt daher, was für die konkrete Gesellschaft, den Standort, die Funktion und das Team vereinbart wurde. Eine allgemeine Aussage auf der Karriereseite kann einen Rahmen beschreiben, beantwortet aber nicht automatisch, ob dieser für eine bestimmte Stelle gilt oder unter welchen Bedingungen er geändert werden kann.

Außerdem sollten Bewerber die verwendeten Begriffe klären. „Mobile Arbeit“ kann Arbeit an unterschiedlichen geeigneten Orten umfassen; „Homeoffice“ wird häufig enger für die Arbeit von zu Hause verwendet. Eine Erlaubnis für mobile Arbeit innerhalb Deutschlands sagt noch nichts darüber aus, ob zeitweises Arbeiten aus dem Ausland zulässig ist.

Was Bewerber vor der Unterschrift klären sollten

Eine belastbare Bewertung verbindet vier Ebenen: die offizielle Höchstzahl, die Eignung der Tätigkeit, die gelebte Praxis im Team und die Verbindlichkeit der Regel. Statt nur zu fragen, ob Homeoffice angeboten wird, helfen präzisere Fragen:

  • Wie viele mobile Arbeitstage gelten für diese Position, Gesellschaft und diesen Standort?
  • Handelt es sich um einen Anspruch, eine Obergrenze, eine Empfehlung oder eine genehmigungspflichtige Möglichkeit?
  • Gibt es feste Büro-, Team- oder Kundentermine, die den Spielraum praktisch begrenzen?
  • Wer entscheidet über die konkreten Wochentage, und können Regeln zwischen Teams abweichen?
  • Wo ist die Regel festgehalten, und unter welchen Voraussetzungen kann sie geändert werden?
  • Welche Arbeitsorte sind erlaubt, und gelten für Arbeit aus dem Ausland gesonderte Bedingungen?

Besonders aufschlussreich ist die Frage nach einer gewöhnlichen Arbeitswoche im künftigen Team. Zwei formal erlaubte Tage können praktisch weniger wert sein, wenn Pflichttermine regelmäßig auf verschiedene Bürotage fallen. Ein Modell ohne starre Quote kann dagegen mehr Freiheit bieten, sofern die Abstimmung im Team tatsächlich funktioniert.

Der brauchbare Orientierungswert lautet somit: Zwei Tage sind bei vielen großen Arbeitgebern und in der Informationswirtschaft verbreitet, drei Tage bleiben besonders in digital geprägten Bereichen möglich. Ob daraus ein verlässliches persönliches Modell wird, entscheidet erst die Kombination aus Tätigkeit, betrieblichem Rahmen, Teamalltag und konkreter Vereinbarung.

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