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ChatGPT wird in der EU zur Suchmaschine – der DSA verschärft die Aufsicht

|Autor: QUASA-Redaktion|5 Min. Lesezeit
ChatGPT wird in der EU zur Suchmaschine – der DSA verschärft die Aufsicht

Die Europäische Kommission hat ChatGPT am 31. August 2026 regulatorisch als sehr große Online-Suchmaschine (Very Large Online Search Engine, VLOSE) nach dem Digital Services Act eingestuft. Reddit und Roblox wurden zugleich zu sehr großen Online-Plattformen (VLOP) erklärt. Laut der Mitteilung der EU-Kommission meldeten alle drei Dienste mindestens 45 Millionen durchschnittliche monatliche Nutzer in der EU; die zusätzlichen Pflichten müssen innerhalb von vier Monaten, also bis Januar 2027, erfüllt werden.

Seit der Entscheidung vom 31. August 2026 gilt ChatGPT damit rechtlich als Suchmaschine, ohne technisch in eine klassische Suchmaschine umgebaut zu werden. Der neue Status bringt eine intensivere Aufsicht über systemische Risiken, algorithmische Systeme und die Wirksamkeit von Schutzmaßnahmen. Für Nutzer dürfte sich deshalb zunächst eher die Rechenschaftspflicht des Anbieters als die sichtbare Oberfläche des Chatbots verändern.

Warum ChatGPT unter dem DSA als Suchmaschine gilt

ChatGPT bündelt Ergebnisse einer Websuche zu einer Antwort und übernimmt damit eine Suchmaschinenfunktion.

Maßgeblich ist die Funktion, die ChatGPT bei der Informationsvermittlung übernimmt. Der Dienst beantwortet nicht nur Eingaben aus seinem Sprachmodell, sondern kann das Web durchsuchen, externe Informationen auswählen und daraus eine zusammengefasste Antwort erzeugen. Damit beeinflusst er, welche Informationen Nutzer finden und in welchem Zusammenhang sie erscheinen.

Die Kommission behandelt ChatGPT deshalb als hybriden Dienst: Die dialogische Oberfläche macht ihn zum KI-Chatbot, die webgestützte Informationssuche erfüllt zugleich eine Suchmaschinenfunktion. Auch die Einordnung von Golem bestätigt diese Begründung und nennt für ChatGPT 159,1 Millionen monatlich aktive Nutzer in der EU, gegenüber 57,2 Millionen bei Reddit und 46,6 Millionen bei Roblox.

Die Bezeichnung als VLOSE erfasst somit nicht jede denkbare Nutzung generativer KI, sondern ChatGPT als konkreten, reichweitenstarken Dienst mit Suchfunktion. Andere europäische Regeln für KI können daneben anwendbar sein; die aktuelle Entscheidung betrifft jedoch ausschließlich den Status und die Pflichten nach dem DSA.

VLOSE und VLOP: dieselbe Aufsichtsstufe, andere Dienste

Die Suchfunktion von ChatGPT wird den Plattformfunktionen von Reddit und Roblox regulatorisch gegenübergestellt.

ChatGPT, Reddit und Roblox gelangen in dieselbe besonders streng beaufsichtigte Größenklasse, aber nicht in dieselbe Dienstekategorie. Eine VLOSE vermittelt den Zugang zu Informationen über Suchergebnisse. Eine VLOP stellt dagegen eine Plattform bereit, auf der Nutzer Inhalte erstellen, verbreiten oder mit anderen Personen und Angeboten interagieren.

Bei ChatGPT steht daher die webgestützte Auswahl und Aufbereitung von Informationen im Mittelpunkt. Reddit wird wegen seiner öffentlich zugänglichen Diskussionsgemeinschaften als Plattform behandelt; bei Roblox sind die von Nutzern erstellten und veröffentlichten Erlebnisse sowie die Interaktionen innerhalb des Dienstes entscheidend. Die Kürzel beschreiben also unterschiedliche Vermittlungsfunktionen, nicht verschiedene Reichweitenklassen.

Die zusätzlichen Grundpflichten ähneln sich dennoch. VLOSEs und VLOPs müssen systemische Risiken untersuchen, geeignete Gegenmaßnahmen ergreifen, deren Wirkung kontrollieren und sich unabhängigen Prüfungen stellen. Die konkreten Analysen müssen aber zum jeweiligen Dienst passen: Risiken einer zusammengefassten Suchantwort unterscheiden sich von Risiken, die aus öffentlichen Beiträgen, Empfehlungssystemen oder Interaktionen auf einer Spieleplattform entstehen.

Der Viermonatszeitraum endet im Januar 2027

Die Benennung ist bereits wirksam, doch für die Umsetzung der zusätzlichen Vorschriften gilt eine viermonatige Übergangsfrist. Die amtliche Mitteilung nennt dafür Januar 2027. Damit ist kein einzelner Stichtag für eine neue ChatGPT-Version verbunden, sondern ein Zeitraum, in dem OpenAI seine Verfahren an die VLOSE-Anforderungen anpassen muss.

Im Zentrum stehen Risiken aus dem Dienst und seinen algorithmischen Systemen. Dazu gehören die Verbreitung illegaler Inhalte, negative Auswirkungen auf Minderjährige sowie auf die körperliche und psychische Gesundheit, Gefahren für Grundrechte, Wahlprozesse und die öffentliche Sicherheit. Die Einstufung besagt nicht, dass ChatGPT in all diesen Bereichen bereits einen Verstoß begangen hat; sie verpflichtet OpenAI dazu, solche Risiken systematisch zu identifizieren, zu bewerten und zu mindern.

Die Schwelle von 45 Millionen durchschnittlichen monatlichen Nutzern ist dabei ein Reichweitenkriterium. Sie ist weder ein Qualitätssiegel noch ein Gefährlichkeitsurteil. Der DSA geht vielmehr davon aus, dass Fehlfunktionen oder Missbrauch bei Diensten dieser Größe erhebliche gesellschaftliche Folgen haben können und deshalb eine zusätzliche Kontrollstufe rechtfertigen.

Was sich für Nutzer sichtbar ändern kann

Die DSA-Aufsicht verfolgt Risiken einer ChatGPT-Antwort bis zu Schutzmaßnahmen, Prüfung und transparenter Erklärung.

Die unmittelbarsten Folgen entstehen zunächst hinter den Kulissen: dokumentierte Risikobewertungen, unabhängige Audits, detailliertere Transparenzberichte und Datenzugänge für zuständige Behörden oder zugelassene Forschende. Eine unabhängige Bestätigung von TechRadar ordnet ChatGPT ebenfalls als VLOSE ein und beschreibt die erweiterten Transparenz-, Berichts- und Aufsichtsanforderungen mit Umsetzung bis Januar 2027.

Sichtbar könnten Änderungen werden, wenn eine Risikoprüfung Schwachstellen bei der Suche, Auswahl oder Darstellung von Informationen feststellt. Denkbar sind dann angepasste Schutzmechanismen, verständlichere Erklärungen oder Veränderungen an einzelnen Funktionen. Die Benennung selbst schreibt jedoch weder ein neues Design des Chatfensters noch eine bestimmte Darstellung von Antworten oder Suchtreffern vor.

Auch bestehende Melde-, Beschwerde- und Rechtsbehelfsregeln des DSA werden durch die VLOSE-Einstufung nicht über Nacht zu einem völlig neuen Kundendienst. Neu ist vor allem die zusätzliche Verantwortung für Risiken, die wegen der Größe und Funktionsweise des gesamten Dienstes entstehen. Eine sichtbare Produktänderung wäre daher eine mögliche Folge einer konkreten Risikominderung, nicht automatisch eine direkte Vorgabe der Kommission.

Die Kommission erhält den direkten Zugriff auf die Aufsicht

Mit dem VLOSE-Status rückt ChatGPT unter die direkte Aufsicht der Europäischen Kommission. Sie kann Informationen anfordern und die Funktionen des Dienstes sowie damit verbundene Systeme untersuchen. Bei ChatGPT arbeitet sie dabei mit dem irischen Koordinator für digitale Dienste zusammen; für Reddit und Roblox ist der niederländische Koordinator zuständig.

Bestätigt sind damit die regulatorische Einstufung, die Reichweitenschwelle und die Umsetzungsfrist bis Januar 2027. Noch offen ist, welche konkreten Maßnahmen OpenAI für ChatGPT auswählt und ob die Aufsicht diese später als ausreichend bewertet. Erst Risikoberichte, Prüfungen und mögliche Produktanpassungen werden zeigen, welcher Teil der verschärften Kontrolle für Nutzer direkt erkennbar wird.

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