Toggl Track oder Harvest: Erst die Rechnung trennt die Zeitmesser

|Autor: QUASA-Redaktion|6 Min. Lesezeit
Toggl Track oder Harvest: Erst die Rechnung trennt die Zeitmesser

Harvest passt besser, wenn aus erfassten Projektstunden Kundenrechnungen und anschließend verbuchte Zahlungen im selben Dienst werden sollen. Toggl Track ist die naheliegendere Wahl, wenn die Zeiterfassung vor allem Berichte über abrechenbare Zeit und Projektkosten liefern soll und die Fakturierung bereits anderswo läuft.

Die Wahl hängt auch davon ab, welches Toggl-Angebot gemeint ist: Toggl Track bleibt als eigenständiger Dienst bestehen, während die neue Plattform Toggl zusätzlich Kapazitätsplanung und weitergehende Auswertungen anbietet. Ihre öffentlich sichtbaren Premium-Preise unterscheiden sich. Wer beide unter dem Namen „Toggl“ zusammenfasst, rechnet für ein Agenturteam leicht mit dem falschen Tarif.

Der Weg von der Stunde zur bezahlten Rechnung

Harvest verbindet im Teams-Tarif Zeiterfassung, Rechnungsstellung sowie Buchhaltungs- und Zahlungsintegrationen. Abrechenbare Zeit und Auslagen können in eine Kundenrechnung fließen; nach einer Onlinezahlung über eine angebundene Lösung wird der Zahlungseingang der Rechnung zugeordnet. Für Dienstleister mit vielen wiederkehrenden Kundenabrechnungen spart diese Kette möglicherweise Übertragungen, sofern die verwendete Zahlungsanbindung zum eigenen Geschäft passt.

Auch Toggl Track kennt Rechnungsfunktionen: Aus gefilterten Zeitberichten lassen sich Belege erstellen. Sein Schwerpunkt liegt jedoch bei der Auswertung der erfassten Arbeit; für die durchgehende Zuordnung von Zahlung und abgerechneter Zeit braucht das Team einen ergänzenden Ablauf. Hat es bereits ein Rechnungsprogramm, kann das genügen. Fehlt dieser Prozess, sind erzeugte Rechnungen allein noch keine abgeschlossene Kundenabrechnung.

Welche Preise zu Toggl Track und zur neuen Plattform gehören

Harvest Teams und Toggl Starter haben denselben ausgewiesenen Sitzpreis; variable Nutzung und Zusatzmodule verändern die Kalkulation.

Für Toggl Track nennt die Preishilfe bei jährlicher Bindung 9 USD oder EUR je Lizenz und Monat für Starter sowie 18 USD oder EUR für Premium; europäische Kunden können in EUR zahlen. Abgerechnet werden Lizenzen, auch wenn ein bezahlter Platz gerade unbesetzt ist. Starter enthält unter anderem abrechenbare Sätze und Teamberichte, Premium ergänzt Freigaben und tiefere Projektauswertungen. Für Kunden im deutschsprachigen Raum ist die tatsächlich angebotene Rechnungswährung maßgeblich; Dollarwerte dürfen nicht stillschweigend als Eurobeträge gelten.

Die öffentliche Preisliste des neuen Toggl weist dagegen bei jährlicher Zahlung 9 US-Dollar für Starter und 16 US-Dollar für Premium je Nutzer und Monat aus. Premium umfasst dort Arbeitskosten, Rentabilitätsberichte, Festpreisprojekte und Freigaben. Die Zusatzmodule Time Off Pro für Abwesenheitsregeln und Capacity Management für längere Kapazitätsvorschau kosten auf dieser Preisliste weitere 2 beziehungsweise 5 US-Dollar je Nutzer und Monat bei jährlicher Zahlung. Diese Module und der 16-Dollar-Preis dürfen nicht als Tarifmerkmale von Toggl Track ausgegeben werden.

Für Harvest nennt die Anbieterpreisliste bei jährlicher Zahlung 9 US-Dollar je Sitz und Monat für Teams und 14 US-Dollar für Enterprise. Teams enthält Rechnungen sowie Buchhaltungs- und Zahlungsanbindungen; Enterprise ergänzt Rentabilitätsberichte und Freigaben von Stundenzetteln. Die ausgewiesenen USD-Beträge sind Einstiegspreise vor Steuern: Weitere Rechnungen, Projekte, Kunden und Aufgaben können nutzungsabhängig berechnet werden. Ohne deren Zahl gibt es für ein wachsendes Team keinen verlässlichen Gesamtbetrag.

Solo-Freiberufler mit zwei Projekten

Angenommen, eine Person führt zwei aktive Kundenprojekte. Harvest Free deckt diese Sitz- und Projektzahl ab und erlaubt Zeiterfassung sowie das Anlegen von Rechnungen. Die Harvest-Hilfe zum Gratisplan nennt aber eine für diesen Fall entscheidende Bedingung: Ohne angebundenes Stripe lassen sich Rechnungen aus dem Gratisplan weder per E-Mail versenden noch als PDF exportieren. Die Preislistenfunktion „Invoicing“ ist also noch keine Zusage für einen kostenlosen Versandablauf ohne Zahlungsanbindung.

Wer Rechnungen ohnehin im vorhandenen Buchhaltungsprogramm erstellt, benötigt bei Toggl Track möglicherweise nur die kostenlose Zeiterfassung. Soll der Dienst selbst abrechenbare Sätze und Teamberichte bereitstellen, führt der Blick zu Starter. Im Solo-Fall entscheidet damit weniger die Zahl der gestoppten Stunden als die Frage, ob die Rechnung unmittelbar aus denselben Projektdaten versandt werden muss und ob die dafür nötige Anbindung gewünscht ist.

Zehnerteam mit regelmäßiger Kundenabrechnung

Bei zehn Nutzern beginnen Harvest Teams und Toggl Starter rechnerisch bei jeweils 90 US-Dollar pro Monat; Harvest kann weitere Nutzungsgebühren auslösen.

Ein angenommenes Team mit zehn bezahlten Plätzen zahlt auf Basis der genannten Jahreslistenpreise rechnerisch mindestens 90 US-Dollar pro Monat für Harvest Teams. Toggl Track Starter ergibt bei Abrechnung in EUR 90 Euro pro Monat; bei Abrechnung in USD wären es ebenfalls 90 US-Dollar. Die Beträge in verschiedenen Rechnungswährungen sind kein unmittelbarer Preisgleichstand. Hinzu kommen bei Harvest mögliche nutzungsabhängige Posten, deren Höhe erst die konkrete Zahl der Rechnungen, Projekte, Kunden und Aufgaben zeigt.

In diesem Beispiel bündelt das Team jeden Monat Zeiten mehrerer Personen für Kundenrechnungen. Harvest Teams deckt diesen Weg mit seiner Fakturierung und den Zahlungsanbindungen ab. Toggl Track Starter liefert abrechenbare Sätze und Berichte für denselben Ausgangspunkt, setzt für den restlichen Zahlungsprozess aber einen eigenen Ablauf voraus. Wer die Stunden bereits zuverlässig an eine Buchhaltung übergibt, kann deren Rechnungserstellung weiter nutzen; wer die Übergabe bisher manuell erledigt, sollte den Aufwand neben dem Abopreis mitbewerten.

Agentur mit Freigaben und Blick auf Margen

Toggl Premium und Harvest Enterprise unterstützen Freigaben; Toggl betont die Projektauswertung, Harvest den anschließenden Abrechnungsweg.

Angenommen, eine Agentur mit zehn Lizenzen braucht Freigaben vor der Abrechnung. Toggl Track Premium liegt nach seiner EUR-Preisliste rechnerisch bei 180 Euro pro Monat. Harvest Enterprise beginnt bei 140 US-Dollar pro Monat, bevor mögliche Nutzungsposten hinzukommen. Daraus lässt sich keine Ersparnis in einer gemeinsamen Währung ableiten. Inhaltlich ist entscheidend, ob die Agentur freigegebene Zeit anschließend selbst fakturiert oder Zeitdaten vor allem für Projektsteuerung und eine getrennte Buchhaltung nutzt.

Bei der neuen Toggl-Plattform ergäbe die öffentlich ausgewiesene Premium-Stufe für dasselbe angenommene Zehnerteam 160 US-Dollar pro Monat bei jährlicher Zahlung. Wird dort Capacity Management für alle Teammitglieder ergänzt, steigt die rechnerische Basis um 50 US-Dollar; Time Off Pro für dieselben zehn Personen käme mit weiteren 20 US-Dollar hinzu. Die beiden Module lösen andere Aufgaben als die Freigabe von Stundenzetteln und sind keine Pflichtbestandteile von Premium. Diese Rechnung beschreibt die neue Plattform, nicht Toggl Track.

Was die Nutzerwerte zur Abrechnung sagen

Im G2-Funktionsvergleich erreicht Toggl Track insgesamt 4,6 von 5 Punkten aus 1.583 Bewertungen, Harvest 4,3 aus 828 Bewertungen. In der Detailtabelle liegt Toggl beim Reporting mit 9,0 vor Harvest mit 8,4. Bei Rechnungserstellung und -zustellung führt Harvest mit 8,7 gegenüber 8,2; für elektronischen Zahlungsverkehr nennt die Tabelle bei Harvest 8,4 und bei Toggl Track keine verfügbare Funktion. Die Bewertungsbasis der einzelnen Funktionen ist kleiner als die Zahl aller Rezensionen.

Die Werte passen zum funktionalen Unterschied, sind aber keine Messung der Zeitersparnis oder der tatsächlichen Gesamtkosten einer Agentur. Harvest ist für den durchgehenden Rechnungsweg plausibler, Toggl Track für Teams mit bestehender Fakturierung und hohem Bedarf an Zeitauswertung. Wer zusätzlich künftige Kapazität und Margen im selben Produkt planen will, muss das neue Toggl und dessen eigenständige Tarife betrachten.

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