OpenAI API oder Claude API: Erst die Aufgabe macht den Tokenpreis vergleichbar

|Autor: QUASA-Redaktion|6 Min. Lesezeit| 5
OpenAI API oder Claude API: Erst die Aufgabe macht den Tokenpreis vergleichbar

Für OpenAI API und Claude API gibt es keinen pauschal günstigeren Anbieter. In einer kurzen Klassifikation kosten die hier gewählten Modelle bei gleicher Tokenmenge gleich viel. Bei einer langen Dokumentanalyse kann dagegen eine Preisgrenze den gesamten Auftrag verteuern. Maßgeblich sind die Eingabe- und Ausgabetoken pro erledigter Aufgabe, nicht allein die Sätze pro Million Token.

Auch Wartezeit und Verarbeitungsregion beeinflussen die Wahl. Die folgenden drei Rechnungen setzen bei beiden APIs ausdrücklich dieselben, hypothetischen Tokenmengen an und verwenden Listenpreise in US-Dollar. Sie zeigen Tarifwirkungen; sie sind weder ein Qualitätstest noch eine Vorhersage der tatsächlichen Tokenzahl für denselben Text.

Welche Tarife den Vergleich bestimmen

Die OpenAI-Preistabelle nennt für GPT-6 Luna im Standardtarif bei kurzem Kontext 0,10 Dollar je Million Eingabetoken und 0,50 Dollar für Ausgaben. GPT-6.1 Sol kostet 2 beziehungsweise 10 Dollar. Für beide Modelle gibt es eigene Sätze für Cache-Schreibvorgänge und Cache-Treffer sowie günstigere Batch- und Flex-Tarife. Bei mehr als 272.000 Eingabetoken steigen Eingabe- und Cache-Sätze für die gesamte Anfrage auf das Doppelte und der Ausgabesatz auf das Anderthalbfache.

Die Claude-Preistabelle setzt Haiku 5.5 für Prompts bis 100.000 Token ebenfalls mit 0,10 Dollar für Eingabe und 0,50 Dollar für Ausgabe je Million Token an. Oberhalb der Grenze sind es 0,50 und 2,50 Dollar. Sonnet 5.5 kostet über sein volles Kontextfenster 2 Dollar für Eingabe und 10 Dollar für Ausgabe; der fünfminütige Cache-Schreibvorgang kostet 2,50 Dollar, ein Cache-Treffer 0,10 Dollar je Million Token. Batch halbiert die Tokenpreise. Für neuere Claude-Modelle kann derselbe Text wegen eines anderen Tokenizers zudem anders gezählt werden als bei älteren Versionen. Gleiche Textlänge garantiert daher keine gleiche Rechnung.

Die Rechnungen behandeln nur Texttoken und den Standardtarif, sofern ein Absatz Batch oder Cache nicht ausdrücklich nennt. Werkzeuge, zusätzliche Modellschritte und andere Eingabearten können weitere Kosten auslösen. Gerade bei einem mehrstufigen Auftrag gehört deshalb jeder Aufruf zur Rechnung, auch wenn ein einzelner Modellaufruf billig aussieht.

Kurze Klassifikation: Gleichstand unter gleichen Tokenmengen

Angenommen, eine Klassifikation benötigt 800 Eingabetoken und liefert 40 Ausgabetoken. Bei GPT-6 Luna und Claude Haiku 5.5 ergibt das jeweils 0,00010 Dollar pro Anfrage: 800 × 0,10 Dollar plus 40 × 0,50 Dollar, jeweils durch eine Million geteilt. Für 1.000 voneinander unabhängige Aufgaben wären es rechnerisch 0,10 Dollar im Standardtarif und 0,05 Dollar bei Batch-Verarbeitung.

Dieser Gleichstand gilt nur für die gesetzten Tokenmengen. Sobald ein Modell längere Antworten erzeugt oder für dieselbe Kategorie häufiger eine Korrekturanfrage braucht, verändert sich der Betrag pro brauchbarer Klassifikation. Batch senkt hier den Tokenpreis, setzt aber voraus, dass die Antwort nicht unmittelbar benötigt wird. Für eine interaktive Einordnung mit knapper Frist ist der günstigere asynchrone Tarif deshalb keine gleichwertige Betriebsoption.

Die kurze Aufgabe zeigt auch die Grenze eines Vergleichs nach Eingabepreis: Bei einer sehr knappen Antwort fällt der Ausgabeposten kaum ins Gewicht. Bei längeren Begründungen wächst er mit einem höheren Satz. Schon innerhalb derselben Modellpaarung kann sich damit die Kostenstruktur ändern, obwohl die eigentliche Kategorie und die Eingabe gleich bleiben.

Lange Dokumente: Die Grenze gilt für den ganzen Auftrag

Für eine hypothetische Analyse mit 300.000 Eingabe- und 2.000 Ausgabetoken kostet GPT-6.1 Sol im Standardtarif 1,23 Dollar. Die Eingabe wird vollständig zum langen Satz von 4 Dollar je Million Token berechnet und kostet 1,20 Dollar; die Ausgabe kostet bei 15 Dollar je Million weitere 0,03 Dollar. Claude Sonnet 5.5 kommt bei denselben abgerechneten Mengen auf 0,62 Dollar: 0,60 Dollar für Eingabe und 0,02 Dollar für Ausgabe. Das ist ein Tarifvergleich für einen festgelegten Umfang, keine Aussage über gleichwertige Analysequalität.

Die Modellangaben zu GPT-6.1 Sol nennen ein Kontextfenster von 1.050.000 Token und bestätigen, dass die höheren Sätze oberhalb von 272.000 Eingabetoken für die gesamte Anfrage gelten. Sonnet 5.5 bietet laut der bereits genannten Claude-Preistabelle ein Kontextfenster von einer Million Token zum Standardsatz. Beide können die angenommene Eingabe aufnehmen; allein die Größe des Kontextfensters verrät jedoch nicht, welcher Preis für sie gilt.

Auch das günstigere Haiku 5.5 hätte bei 300.000 Eingabe- und 2.000 Ausgabetoken einen höheren Satz als bei der kurzen Klassifikation: rechnerisch 0,155 Dollar statt 0,031 Dollar, die dieselben Mengen zum kurzen Haiku-Tarif kosten würden. Das illustriert die Preisgrenze, macht Haiku aber nicht zu einem Ersatz für Sonnet oder Sol. Ob ein Modell die benötigten Informationen aus einem langen Dokument zuverlässig verarbeitet, ist eine separate Frage.

Wenn die Dokumentanalyse asynchron laufen darf, sinkt der hypothetische Betrag durch Batch bei Sol auf 0,615 Dollar und bei Sonnet auf 0,31 Dollar. Eine Aufteilung des Dokuments in mehrere Anfragen kann die Tarifgrenze umgehen, erzeugt aber zusätzliche Eingaben und verändert den verfügbaren Zusammenhang. Ihr Preis lässt sich erst aus der tatsächlichen Zahl und Länge dieser Teilanfragen berechnen.

Mehrstufige Aufgaben: Cache und zusätzliche Aufrufe zählen

Angenommen, ein Ablauf umfasst vier Anfragen. Jede verwendet denselben Kontext von 20.000 Token, ergänzt 5.000 neue Eingabetoken und erzeugt 1.000 Ausgabetoken. Ohne Cache fallen insgesamt 100.000 Eingabe- und 4.000 Ausgabetoken an. Bei den Standardtarifen von GPT-6.1 Sol und Claude Sonnet 5.5 sind das jeweils 0,24 Dollar für den vollständigen Ablauf.

Wird der gemeinsame Kontext beim ersten Aufruf geschrieben und bei den drei folgenden Aufrufen tatsächlich aus dem Cache gelesen, ergibt das Modell für beide 0,136 Dollar: 0,05 Dollar für das Schreiben, 0,04 Dollar für neue Eingaben, 0,006 Dollar für Cache-Treffer und 0,04 Dollar für Ausgaben. Die OpenAI-Dokumentation zum Prompt-Caching beschreibt dafür einen unveränderten Präfix; bei neueren Modellen bleibt ein Eintrag mindestens 30 Minuten nach Schreiben oder Wiederverwendung nutzbar. Für den hier angesetzten Claude-Tarif gilt die zuvor genannte fünfminütige Cache-Dauer. Die Rechnung setzt voraus, dass alle Folgeaufrufe innerhalb der jeweiligen Dauer stattfinden und den gemeinsamen Kontext unverändert übernehmen.

Bei einem Agenten wächst der Verlauf häufig durch Werkzeugergebnisse oder frühere Antworten. Solche neuen Token gehören in die folgenden Eingaben; weitere Denk- und Ausgabetoken erhöhen ebenfalls die Kosten. Noch stärker wirkt die Zahl der nötigen Schritte: Ein günstiger Aufruf spart wenig, wenn der Auftrag dadurch zusätzliche Korrekturrunden benötigt. Für voneinander unabhängige Teilaufgaben kann Batch helfen, während ein Schritt, der auf das vorige Ergebnis warten muss, die gesamte Laufzeit bestimmt.

Geschwindigkeit und Region bleiben eigene Vergleichsgrößen

In der Messreihe von Artificial Analysis erreicht Claude Haiku 5.5 im Low-Effort-Profil rund 178 Ausgabetoken pro Sekunde, GPT-6 Luna rund 125. Bis zum ersten Token vergehen dort etwa 9,72 beziehungsweise 2,83 Sekunden. Die höhere Ausgabegeschwindigkeit geht in dieser Konfiguration also mit einem späteren Beginn der Antwort einher. Das sind veröffentlichte Messwerte für bestimmte Einstellungen, keine zugesicherten API-Laufzeiten und kein Test der drei hypothetischen Arbeitslasten oben.

Für Teams in Deutschland, Österreich und der Schweiz kann die zulässige Verarbeitungsregion den günstigsten Tarif ausschließen. GPT-6.1 Sol bietet EU-Datenresidenz mit regionalem Aufschlag. Die Claude API routet standardmäßig global; ihre ausdrücklich ausgewiesene geografische Bindung in der ersten Anbieterplattform betrifft die USA. Regionale Bereitstellungen über Amazon Bedrock oder Google Cloud haben eigene Bedingungen und Preise. Ein global gerouteter Claude-Preis und ein OpenAI-Preis mit EU-Datenresidenz beschreiben deshalb unterschiedliche Betriebsbedingungen.

Für die Auswahl zählt am Ende der Preis eines brauchbaren Ergebnisses innerhalb der benötigten Wartezeit und Region. Die kurze Klassifikation liefert unter gleichen Tokenmengen einen Gleichstand; beim langen Dokument verschiebt die Kontextschwelle den Betrag; im mehrstufigen Ablauf hängt er an tatsächlichen Cache-Treffern und der Zahl der Aufrufe. Diese Unterschiede lassen sich aus Tarifen berechnen, während die Eignung der Antworten von der jeweiligen Aufgabe abhängt.

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