The Exploration Company erhält 450 Mio. Dollar – Nyx hat jetzt Vorrang

The Exploration Company hat am 8. September 2026 in Paris eine Series-C-Finanzierung über 450 Millionen Dollar angekündigt. Laut der Unternehmensmitteilung zur Finanzierungsrunde führen Bessemer Venture Partners, Atomico und der von EQT verwaltete Scaleup Europe Fund die Runde gemeinsam an.
Das Geld soll vorrangig die wiederverwendbare Raumkapsel Nyx bis zu einer vollständigen Orbitaldemonstration voranbringen. Danach folgt mit Storm die nächste strategische Entwicklungsstufe: ein wiederverwendbares Hochdrucktriebwerk für eine künftige schwere Trägerrakete. Die Finanzierung steht allerdings noch unter dem Vorbehalt der erforderlichen regulatorischen Genehmigungen.
Der Rekordanspruch ist eng definiert

The Exploration Company bezeichnet die 450 Millionen Dollar als größte jemals angekündigte Series C eines europäischen Raumfahrtunternehmens. Der Anspruch bezieht sich damit auf eine bestimmte Finanzierungsphase und eine bestimmte Unternehmensgruppe. Er bedeutet weder, dass Nyx bereits einsatzbereit ist, noch dass eine vollständige europäische Schwerlastrakete finanziert wäre.
Mit der neuen Runde steigt das seit der Gründung 2021 eingeworbene Kapital nach Unternehmensangaben auf rund 680 Millionen Dollar. Neben den drei Lead-Investoren beteiligen sich bestehende Geldgeber wie Balderton, Plural, Cherry und Red River West. Bessemer-Partner Alex Ferrara soll in das Board of Directors einziehen; eine neue Unternehmensbewertung und die individuellen Beiträge der Investoren wurden nicht veröffentlicht.
Der Scaleup Europe Fund übernimmt innerhalb dieses Konsortiums die Rolle eines Lead-Investors. Der von EQT verwaltete Fonds ist als kommerzieller alternativer Investmentfonds angelegt, soll insgesamt fünf Milliarden Euro erreichen und öffentliches sowie privates Kapital für europäische Technologieunternehmen bündeln. Wie viel er konkret zu den 450 Millionen Dollar beiträgt und welcher Anteil davon auf öffentliches Kapital entfällt, bleibt offen.
Nyx steht vor dem entscheidenden Flugnachweis

Nyx ist als wiederverwendbare und vom jeweiligen Träger unabhängige Kapsel für den Transport von Fracht zu öffentlichen und privaten Raumstationen vorgesehen. Sie soll Nutzlast auch wieder zur Erde zurückbringen; erst spätere Versionen könnten Menschen befördern. Vorrang hat nun eine vollständige Demonstrationsmission mit Andocken an die Internationale Raumstation und sicherer Rückkehr.
Die unabhängige Einordnung von TechCrunch nennt November 2028 als Ziel für das ISS-Andocken und die Rückkehr. Das Unternehmen muss dafür nicht nur den Start und den Betrieb im Orbit bewältigen, sondern auch Annäherung, Kopplung, Wiedereintritt und Bergung als zusammenhängende Transportkette nachweisen.
TechCrunch nennt außerdem zehn gebuchte Nyx-Missionen sowie mehr als zwei Milliarden Dollar an Verträgen und Zusagen. Die Sammelangabe ist nicht mit bereits realisiertem Umsatz gleichzusetzen: Sie umfasst unterschiedliche Formen künftigen Geschäfts, deren Verbindlichkeit und zeitliche Realisierung aus den veröffentlichten Zahlen nicht vollständig hervorgehen.
Die Series C schafft somit die finanziellen Voraussetzungen für Entwicklung, Fertigung, Qualifikation und Missionsbetrieb, ersetzt aber keinen Flugnachweis. Bis zur orbitalen Demonstration bleibt Nyx ein Entwicklungsprogramm mit gebuchten Missionen und einem ambitionierten Zeitplan.
Storm folgt als eigenständige Entwicklungsstufe

Storm verfolgt ein anderes Ziel als die Kapsel. Das Triebwerk soll mit flüssigem Sauerstoff und Biomethan arbeiten und einen Full-Flow-Staged-Combustion-Zyklus nutzen. Langfristig ist es als Antriebsbasis einer wiederverwendbaren europäischen Schwerlastrakete gedacht, die nach der veröffentlichten Zielsetzung bis zu 40 Tonnen in einen niedrigen Erdorbit bringen könnte.
Ein Bericht von European Spaceflight bestätigt die geplante Testfolge: Auf Vorbrenner- und verkleinerte Brennkammer-Tests sollen ein sauerstoffreicher Powerpack-Test und später der Test eines Entwicklungstriebwerks folgen. Das zuvor öffentlich gezeigte Schwerlastraketen-Konzept Yrene sei vom Unternehmen als langfristiges Konzept eingeordnet worden.
Die Series C finanziert damit zunächst Triebwerkstechnik, nicht automatisch eine komplette Rakete mit Startanlage. Unternehmenschefin Hélène Huby erklärte gegenüber Journalisten, zusätzliches Kapital werde für die Rakete selbst und eine Startrampe benötigt. Die Trennung der Programme ist strategisch wichtig: Nyx kann grundsätzlich auf Trägern anderer Anbieter fliegen, während Storm erst die Grundlage für ein späteres eigenes Startsystem schaffen soll.
Das Kapital finanziert auch den industriellen Ausbau
Die Runde ist nicht ausschließlich einzelnen Techniktests zugeordnet. Vorgesehen sind auch weitere Einstellungen und der industrielle Ausbau in Entwicklung, Produktion, Missionsbetrieb, Antriebstechnik und Programmdurchführung. Eine veröffentlichte Aufteilung der 450 Millionen Dollar auf Nyx, Storm, Personal und Standorte gibt es bislang nicht.
The Exploration Company arbeitet in Deutschland, Frankreich, Luxemburg, Spanien und Italien und unterhält darüber hinaus Aktivitäten in den USA und den Vereinigten Arabischen Emiraten. Damit verbindet die Finanzierung europäische Industriepolitik mit privatem Wachstumskapital aus Europa und den USA. Ob daraus eine belastbare Alternative im wiederverwendbaren Raumtransport entsteht, hängt jedoch von den noch ausstehenden technischen Nachweisen ab.
Die nächsten Prüfsteine liegen im Testprogramm
Bestätigt sind derzeit die Höhe und die Struktur der angekündigten Runde, die drei Lead-Investoren sowie die Reihenfolge der Programme. Unbekannt bleiben die Unternehmensbewertung, die Einzelbeiträge der Geldgeber und die genaue Mittelverteilung. Hinzu kommt der Vorbehalt regulatorischer Genehmigungen.
Der nächste zentrale Meilenstein ist deshalb die vollständige Nyx-Mission zur ISS und zurück zur Erde. Parallel muss Storm die angekündigte Folge von Komponenten-, Powerpack- und Triebwerkstests durchlaufen. Erst diese Ergebnisse werden zeigen, ob die 450 Millionen Dollar aus zwei finanzierten Entwicklungsprogrammen ein einsatzfähiges europäisches Transportsystem entstehen lassen.
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