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ISS-Außeneinsatz: Ein verschmutzter Reflektor musste für sichere Anflüge weichen

|Autor: QUASA-Redaktion|4 Min. Lesezeit| 1
ISS-Außeneinsatz: Ein verschmutzter Reflektor musste für sichere Anflüge weichen

Jessica Meir und Sophie Adenot haben am 1. September 2026 außerhalb der Internationalen Raumstation einen Navigationsreflektor am Harmony-Modul und eine ausgefallene HD-Kamera ersetzt. Die ESA-Bilanz vom 2. September hält fest, dass US EVA-99 um 14.41 Uhr mitteleuropäischer Sommerzeit begann und nach sechs Stunden und 49 Minuten um 21.29 Uhr erfolgreich endete.

Der alte Retroreflektor war mit Rückständen früherer An- und Abflugmanöver überzogen und wurde ausgetauscht, damit Raumfahrzeuge am vorderen Anschluss des Harmony-Moduls eine verlässliche optische Navigationshilfe vorfinden. Der Bericht von Space.com dokumentiert sowohl die Verunreinigung als auch den Abschluss des sechsten ausschließlich von Frauen absolvierten Außenbordeinsatzes.

So verlief der Außenbordeinsatz

Sophie Adenot und Jessica Meir erreichen während EVA-99 getrennte Arbeitsorte am Harmony-Modul und am ISS-Gittersegment.

Nach dem Umschalten ihrer Raumanzüge auf Batteriebetrieb verließen Adenot und Meir die Quest-Luftschleuse und bewegten sich zu getrennten Arbeitsorten. Adenot arbeitete am vorderen Port des Harmony-Moduls, während Meir mithilfe des Roboterarms Canadarm2 zum Standort der defekten Kamera am Stationsgitter gelangte.

Adenot demontierte dort den ausgefallenen Retroreflektor und setzte das Ersatzbauteil ein. Anschließend nahm sie Abstrichproben an der Außenseite der Luftschleuse sowie an ihren Handschuhen und verlegte Verbindungen für Energie- und Kühlsysteme.

Meir tauschte parallel die HD-Kamera aus und begann Vorbereitungen für spätere Arbeiten am Alpha Magnetic Spectrometer. Die Aufgabenverteilung machte EVA-99 zu einem Wartungseinsatz an mehreren voneinander entfernten Bereichen der Station; die historische Zusammensetzung der Besatzung war nur ein Teil seines Nachrichtenwerts.

Für Meir war es der siebte Außenbordeinsatz, für Adenot der dritte. EVA-99 war zugleich der 284. Einsatz außerhalb der ISS, der ihrem Aufbau, ihrer Wartung oder Modernisierung diente.

Warum der verschmutzte Retroreflektor ersetzt wurde

Ein sauberer Retroreflektor ersetzt am Harmony-Modul die durch Triebwerksrückstände belastete Navigationshilfe.

Ein Retroreflektor wirft einfallendes Licht weitgehend in die Richtung zurück, aus der es gekommen ist. Ein anfliegendes Raumfahrzeug kann ihn dadurch als festgelegten optischen Bezugspunkt erfassen und seine relative Position zur Raumstation bestimmen.

Das Bauteil am vorderen Port von Harmony unterstützt die Navigation während Rendezvous- und Andockvorgängen. Gerade in der präzisen Annäherungsphase benötigt ein Besucherfahrzeug eindeutig erkennbare Referenzen, um Entfernung und Ausrichtung gegenüber der Station zu erfassen.

Anders als ein aktives Navigationssystem sendet der Retroreflektor kein eigenes Signal, sondern liefert eine definierte optische Antwort auf ein einfallendes Messsignal. Seine Aufgabe ist eng begrenzt: Er dient als Referenzpunkt und übernimmt weder die Steuerung des anfliegenden Fahrzeugs noch die Kontrolle des Andockvorgangs.

Auf der Oberfläche des ausgebauten Reflektors hatten sich Rückstände von Triebwerksmanövern früherer ankommender und abfliegender Raumfahrzeuge abgelagert. Solche Ablagerungen können die optische Rückstrahlung beeinträchtigen – also genau die Eigenschaft, für die das passive Bauteil eingesetzt wird.

Der Austausch war damit sicherheitsrelevante Wartung, aber keine Reaktion auf einen gemeldeten Beinaheunfall oder ein akutes Andockproblem. Die Formulierung „sichere Anflüge“ bedeutet hier, dass die Navigationsinfrastruktur für künftige Annäherungen in einem verlässlichen Zustand gehalten wird; der Reflektor allein steuert oder garantiert kein Andockmanöver.

Der Vorgang verdeutlicht außerdem, weshalb auch Bauteile ohne Elektronik oder bewegliche Komponenten an der Außenseite der ISS altern können. Entscheidend war in diesem Fall nicht ein mechanischer Defekt, sondern eine verschmutzte optische Oberfläche, deren Funktion von einem klar erkennbaren Rücksignal abhängt.

Kamera ersetzt, weitere Wartung vertagt

Jessica Meir ersetzt die ausgefallene HD-Kamera am ISS-Gittersegment, während weitere Wartungsarbeiten vorbereitet bleiben.

Meir entfernte am Kamerastandort Camera Port 3 die ausgefallene HD-Einheit und montierte ein Ersatzgerät. Anders als bei den vorbereitenden Arbeiten am Teilchendetektor wurde dieser Austausch während EVA-99 abgeschlossen.

Nicht alle vorgesehenen Aufgaben passten in den verfügbaren Zeitraum. Der NASA-Abschlussbericht zu EVA-99 hält fest, dass verbliebene Führungsbolzen für einen künftigen Austausch des wärmeabführenden AMS-Radiators, weitere Überbrückungskabel und andere nicht kritische Arbeiten auf einen späteren Termin verschoben wurden.

Gegen Ende des Einsatzes war zudem Adenots linker Arm im Raumanzug nur eingeschränkt beweglich. Meir untersuchte die Verbindung an der Luftschleuse; als wahrscheinliche Ursache galt ein Kabelstrang der Handschuhheizung, der sich im Schulterbereich verhakt hatte. Das Öffnen eines Teils der Oberarmkonstruktion löste die Blockade, bevor beide Astronautinnen in die Luftschleuse zurückkehrten.

Abgeschlossen sind damit die beiden priorisierten Austauscharbeiten am Navigationsreflektor und an der Kamera sowie die Probenentnahme für das MicroOrganisms-Experiment. Für die vertagten Kabel- und Radiatorarbeiten muss die Missionskontrolle einen weiteren Außenbordeinsatz einplanen; einen Termin nannten die Missionsberichte zunächst nicht.

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