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BepiColombo wirft sein Antriebsmodul ab – der Merkur wartet noch bis November

|Autor: QUASA-Redaktion|4 Min. Lesezeit| 1
BepiColombo wirft sein Antriebsmodul ab – der Merkur wartet noch bis November

BepiColombo hat am 3. September 2026 sein Mercury Transfer Module (MTM) erfolgreich abgetrennt. Zwei Estrack-Antennen in Cebreros und Malargüe empfingen die Bestätigung aus mehr als 200 Millionen Kilometern Entfernung; dem ESA-Missionsprotokoll zufolge arbeiteten die verbliebenen Systeme anschließend nominell.

Am Merkur angekommen ist die europäisch-japanische Mission im orbitalen Sinn noch nicht. Nach der Modultrennung lagen noch etwa 3,3 Millionen Kilometer vor dem Raumfahrzeug; der Bericht von Associated Press bestätigt die geplante Orbitaufnahme im November und die anschließende Trennung der beiden Forschungsorbiter im Dezember.

Die Trennung eröffnet erst die Ankunftsphase

Der BepiColombo-Verbund aus MPO, Mio und Schutzstruktur fliegt nach der Abtrennung des Transfermoduls weiter.

Der Abwurf des MTM war kein Eintritt in den Merkurorbit, sondern der erste große Schritt einer mehrmonatigen Ankunftssequenz. Bis zu diesem Manöver hatte das Transfermodul den gemeinsamen Raumfahrzeugstapel mit elektrischer Energie und solarelektrischem Antrieb durch das innere Sonnensystem befördert.

Weiter fliegen nun drei miteinander verbundene Elemente: der von der ESA betriebene Mercury Planetary Orbiter (MPO), der japanische Mercury Magnetospheric Orbiter Mio und dessen Schutz- und Verbindungsstruktur MOSIF. MPO versorgt diesen Verbund bis zur Freisetzung von Mio mit Energie. Sein chemisches Antriebssystem übernimmt außerdem die letzten Kurskorrekturen und die eigentliche Orbitaufnahme.

Das zurückgelassene MTM hatte seine Antriebsarbeit bereits vor der Trennung beendet. Seine Ionentriebwerke erzeugten über lange Zeiträume einen geringen, kontinuierlichen Schub und ermöglichten zusammen mit den planetaren Vorbeiflügen die schrittweise Anpassung der Flugbahn. Für die kurzen und kräftigeren Manöver nahe Merkur ist nun der chemische Antrieb des MPO zuständig.

Die entscheidende Schwelle folgt am 21. November

Der verbundene MPO-Mio-Komplex korrigiert vor der geplanten Orbitaufnahme seine Flugbahn zum Merkur.

Das geglückte Trennungsmanöver zeigt, dass sich der Raumfahrzeugstapel wie vorgesehen geteilt und anschließend neu konfiguriert hat. Es garantiert aber noch nicht die Aufnahme in eine Umlaufbahn. Dafür müssen Navigation, Lagekontrolle und Antrieb so zusammenspielen, dass Merkur den Verbund am 21. November 2026 gravitativ einfängt.

Eine Reise zum sonnennächsten Planeten verlangt nicht nur Beschleunigung, sondern vor allem den kontrollierten Abbau von Bahnenergie. Seit dem Start im Oktober 2018 nutzte BepiColombo deshalb neun Vorbeiflüge – einen an der Erde, zwei an der Venus und sechs am Merkur. Ein Problem mit der verfügbaren Leistung der Solarpaneele zwang die Flugleitung später zu einer Route mit geringerem Schub und verschob die ursprünglich für Dezember 2025 geplante Orbitaufnahme auf November 2026.

Auch nach dem Einfangen ist das Ziel nicht sofort erreicht. Die von Space.com zusammengefasste Ablaufplanung sieht ab dem 21. November eine Folge von 16 Manövern vor, die den zunächst weiten Orbit schrittweise umformen und die beiden Sonden in ihre unterschiedlichen Arbeitsbahnen bringen sollen.

Vom ersten Orbit bis zum Wissenschaftsbetrieb

BepiColombo durchläuft vom gemeinsamen Merkurorbit bis zur Trennung von Mio mehrere aufeinanderfolgende Missionszustände.

Die kommenden Daten stehen für technisch getrennte Etappen und nicht für verschiedene Namen desselben Ankunftsmoments:

  1. 21. November 2026: Der noch verbundene MPO-Mio-MOSIF-Komplex soll in eine erste polare Umlaufbahn um Merkur eintreten.
  2. 9. bis 10. Dezember 2026: MPO soll Mio freisetzen. Der japanische Orbiter gelangt damit in seine stark elliptische polare Zielbahn.
  3. 16. Dezember 2026: MPO soll die nicht mehr benötigte Schutzstruktur MOSIF abwerfen.
  4. 10. März 2027: Nach weiteren Bahnmanövern soll MPO seinen eigenen, niedrigeren Arbeitsorbit erreichen.
  5. 6. April 2027: Die gemeinsame Wissenschaftsphase soll beginnen.

Die Termine können sich aus betrieblichen Gründen noch ändern. Entscheidend für den gegenwärtigen Status ist die Reihenfolge: Erst folgt die Bindung an Merkur, dann werden die Raumfahrzeuge getrennt und in ihre jeweiligen Bahnen gebracht; erst nach Inbetriebnahme und Überprüfung beginnt der reguläre Forschungsbetrieb.

Zwei Orbiter für unterschiedliche Bereiche des Merkurs

Der europäische MPO soll Oberfläche, Zusammensetzung, geologische Entwicklung und inneren Aufbau des Planeten untersuchen. Mio, für den die japanische Raumfahrtagentur JAXA verantwortlich ist, konzentriert sich auf das Magnetfeld, die Plasmaumgebung und die Wechselwirkung mit dem Sonnenwind.

Die unterschiedlichen Umlaufbahnen gehören zum wissenschaftlichen Konzept. Während MPO vergleichsweise nahe an der Oberfläche arbeitet, bewegt sich Mio auf einer weiter ausgreifenden elliptischen Bahn durch die Magnetosphäre. Gleichzeitige Messungen beider Sonden sollen Vorgänge am Planeten mit Veränderungen in seiner Umgebung verknüpfen.

Instrumente beider Orbiter lieferten bereits während der Reise und bei den Merkurvorbeiflügen Daten. Ihre vollständige wissenschaftliche Nutzung ist jedoch für die endgültigen Bahnen vorgesehen. BepiColombo wäre dann die erste Mission, die Merkur gleichzeitig mit zwei eigenständigen Raumfahrzeugen umkreist.

Was nach dem Abwurf noch offen ist

Bestätigt sind bislang die Trennung des MTM, der erneute Kontakt zum verbliebenen Verbund und dessen nomineller Zustand unmittelbar nach dem Manöver. Die Orbitaufnahme, die Freisetzung von Mio und das Erreichen beider Forschungsbahnen bleiben eigenständige, noch ausstehende Operationen.

Der nächste entscheidende Statuswechsel ist deshalb für den 21. November vorgesehen. Bis zu einer Bestätigung dieses Manövers befindet sich BepiColombo zwar in der Ankunftsphase und in unmittelbarer planetarer Nachbarschaft, aber noch nicht in einer Umlaufbahn um Merkur.

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