Proton Mail oder mailbox: Eigene Domain und Mailprogramm drehen die Wahl

|Autor: QUASA-Redaktion|6 Min. Lesezeit| 2
Proton Mail oder mailbox: Eigene Domain und Mailprogramm drehen die Wahl

Wer eine eigene Domain mit Thunderbird, Outlook oder Apple Mail verbinden möchte, kommt bei mailbox direkt über gängige Mailprotokolle ans Postfach. Proton Mail unterstützt klassische Desktop-Programme ebenfalls, benötigt dafür aber Proton Mail Bridge. Dieser zusätzliche Schritt kann die Wahl stärker prägen als eine pauschale Bewertung des Datenschutzes.

Für vertrauliche Gespräche zwischen Proton-Konten spricht die automatische Ende-zu-Ende-Verschlüsselung von Proton Mail. Bei Nachrichten an andere Anbieter hängt der Schutz dagegen vom gewählten Verfahren und vom Empfänger ab. Eine eigene Domain löst diese Frage bei keinem der beiden Dienste. Wer wechselt, sollte deshalb Programmzugang, Adressen, Speicher und Verschlüsselung getrennt betrachten.

Mailprogramme: direkter Zugang oder zusätzliche Bridge

mailbox bietet Webmail, IMAP und POP3 in seinen Privatkundentarifen an. Ein entsprechend eingerichtetes Mailprogramm kann das Postfach damit über die üblichen Protokolle abrufen; für den Versand kommt SMTP hinzu. Das ist vor allem dann relevant, wenn mehrere vorhandene Programme oder Geräte weiter genutzt werden sollen. Die eigene Domain bestimmt die Absenderadresse, nicht den Weg, über den das Programm auf das Postfach zugreift.

Bei Proton übernimmt Bridge die Verbindung zwischen dem verschlüsselten Postfach und einem Desktop-Programm. Sie stellt dem Programm IMAP und SMTP bereit und ver- beziehungsweise entschlüsselt Nachrichten auf dem Rechner. Bridge läuft unter macOS, Windows und Linux, jedoch nicht auf Mobilgeräten; POP3 bietet Proton nicht an. Wer unterwegs die Proton-App und am Rechner Thunderbird verwendet, kann mit dieser Aufteilung arbeiten. Wer ein vorhandenes mobiles Mailprogramm über IMAP einbinden muss, hat bei Proton diese Möglichkeit nicht über Bridge.

Der Unterschied betrifft auch die Einrichtung und Pflege: Ein zusätzliches Programm muss auf dem jeweiligen Desktop-Rechner installiert sein, während mailbox den Standardzugang unmittelbar anbietet. Daraus folgt keine allgemeine Rangfolge für die Sicherheit. Es ist eine konkrete Entscheidung über den Arbeitsablauf und darüber, welche Programme tatsächlich weiterverwendet werden können.

Eigene Domain, Aliasse, Speicher und Jahreskosten

Die Mail-Plus-Konditionen von Proton nennen 15 GB Speicher, zehn E-Mail-Adressen, eine eigene Domain und zehn Hide-my-email-Aliasse für einen Nutzer; bei jährlicher Zahlung werden 47,88 US-Dollar für zwölf Monate ausgewiesen. Zusätzliche E-Mail-Adressen und Hide-my-email-Aliasse erfüllen verschiedene Aufgaben. Eine dauerhafte Adresse unter der eigenen Domain kann als regulärer Absender dienen, während ein Hide-my-email-Alias vor allem die persönliche Adresse bei Registrierungen abschirmt. Die beiden Kontingente lassen sich daher nicht einfach zu einer Zahl nutzbarer Domain-Adressen addieren.

Die Privatkundentarife von mailbox weisen für Standard 20 GB Mailspeicher, 25 Aliasse mit mailbox-Adresse und 50 Aliasse unter eigener Domain bei 36 Euro jährlicher Zahlung aus; Light kostet zwölf Euro im Jahr und erlaubt eigene Domains laut Tarifmatrix nur innerhalb eines Familienkontos. Regulär beginnt die Domain-Nutzung bei Standard. Auch Webmail, IMAP und POP3 sowie ein Serverstandort in Deutschland sind in der Tarifübersicht für die Privatkundentarife aufgeführt.

Für ein großes Mailarchiv sind die Speicherangaben nicht völlig gleichartig: Proton nennt beim Mail-Plus-Angebot Speicherplatz, mailbox ausdrücklich Mailspeicher und daneben einen getrennten Drive-Speicher. Ebenso sind die angezeigten Jahresbeträge in US-Dollar und Euro ohne Kenntnis der tatsächlichen Abrechnungswährung und Steuern kein exakter Preisvergleich für Deutschland, Österreich oder die Schweiz. Für kleine Organisationen zählt zusätzlich, wie viele Menschen ein eigenes Postfach benötigen: Ein Alias ist keine Anmeldung für eine weitere Person. Die privaten Jahresbeträge sind deshalb keine fertige Rechnung für ein Team.

Welche Teile einer Nachricht geschützt sind

Die Verschlüsselungserklärung von Proton unterscheidet zwischen Speicherung und Versand: Nachrichtenkörper und Anhänge im Proton-Postfach sind so gespeichert, dass Proton sie nicht lesen kann; zwischen Proton-Konten sind Nachrichten während der Übertragung automatisch Ende zu Ende verschlüsselt. An ein gewöhnliches Konto bei einem anderen Anbieter erfolgt der Versand über TLS. Dort ist die Nachricht beim Empfänger nicht automatisch Ende zu Ende geschützt, und dessen Anbieter kann auf den Inhalt zugreifen.

Für vertrauliche Nachrichten an externe Kontakte bietet Proton unter anderem passwortgeschützte E-Mails an; alternativ können beide Seiten PGP verwenden. Die Absender- und Empfängeradressen sowie die Betreffzeile sind bei Proton nicht Ende zu Ende verschlüsselt. Die Angaben können bei der Speicherung geschützt sein, doch eine vertrauliche Information im Betreff erhält damit nicht denselben Schutz wie der Nachrichtentext. Eine Adresse unter eigener Domain ändert diese technische Grenze nicht.

mailbox integriert PGP über Guard in sein Webmail. Die Guard-Beschreibung von mailbox erklärt jedoch, dass Ver- und Entschlüsselung auf den Servern des Dienstes stattfinden und Guard deshalb keine vollständige Ende-zu-Ende-Verschlüsselung bietet. Für Personen, die ihren privaten Schlüssel ausschließlich auf eigenen Geräten verwenden möchten, ist eine lokale PGP-Einrichtung im Mailprogramm der passende Weg. Guard kann außerdem für externe Kontakte ohne PGP-Schlüssel ein temporäres Postfach bereitstellen.

Damit hängt der Schutz externer Kommunikation bei beiden Angeboten vom konkreten Versandweg ab. Bei Proton ist der Austausch innerhalb des eigenen Dienstes automatisch geschützt; bei mailbox lässt sich PGP in den Arbeitsablauf einbauen, wobei Guard und lokal verwaltete Schlüssel unterschiedliche Vertrauensmodelle haben. Weder der Domainname noch ein verschlüsseltes Postfach machen eine gewöhnliche E-Mail im Postfach eines fremden Empfängers nachträglich Ende zu Ende verschlüsselt.

Vier Umstiegssituationen

Das gewohnte Mailprogramm soll bleiben

Wer beruflich oder privat fest mit Thunderbird, Outlook oder Apple Mail arbeitet, kann bei mailbox den direkten Protokollzugang nutzen. Proton bleibt eine Option, wenn Bridge auf den verwendeten Desktop-Rechnern zum Ablauf passt und mobil die Proton-App genügt. Der entscheidende Unterschied zeigt sich bei einem mobilen Drittprogramm: Dafür steht Protons Bridge nicht zur Verfügung.

Viele Adressen sollen unter einer Domain laufen

Für einen Verein, eine Familie oder ein kleines Projekt können getrennte Adressen für Kontakt, Anmeldung und Verwaltung sinnvoll sein. mailbox Standard bietet dafür ein ausgewiesenes Kontingent an Domain-Aliasen. Bei Proton Mail Plus sind zusätzliche reguläre Adressen und Hide-my-email-Aliasse getrennt zu betrachten. Sobald mehrere Menschen unabhängig auf E-Mails zugreifen sollen, wird aus der Frage nach Aliasen eine Frage nach eigenen Nutzerkonten und deren Kosten.

Vertrauliche Nachrichten gehen an externe Kontakte

Wenn die Gesprächspartner überwiegend Proton Mail nutzen, geschieht die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung ohne zusätzliche Abstimmung über Schlüssel. Bei Kontakten anderer Anbieter braucht es ein passendes Verfahren auf beiden Seiten, etwa eine passwortgeschützte Nachricht oder PGP. Wer PGP bereits lokal in seinem Mailprogramm verwaltet, kann diesen Ablauf mit mailbox beibehalten; wer Guard wegen des bequemen Webmail-Zugangs wählt, akzeptiert dessen serverseitige Verarbeitung.

Speicher und Serverstandort sind feste Vorgaben

Bei einem großen bestehenden Archiv sollte der benötigte Platz für E-Mails samt Anhängen mit dem ausdrücklich genannten Mailspeicher verglichen werden. Wenn ein deutscher Serverstandort eine feste Vorgabe ist, bietet mailbox dafür eine klare Tarifangabe. Der Standort beantwortet allerdings eine andere Frage als die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung: Er beschreibt, wo der Dienst seine Server betreibt, während der Schutz einer versendeten Nachricht zusätzlich vom Empfänger und vom verwendeten Verfahren abhängt.

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