
Nur 8,4 Prozent sehen KI als wichtigsten Produktivitätshebel

Die am 20. Oktober 2026 veröffentlichte ORGATEC-Befragung zeigt: 8,4 Prozent von 518 befragten Beschäftigten in Deutschland zählen KI-Unterstützung zu den wichtigsten Hebeln, um innerhalb ihrer bestehenden Arbeitszeit produktiver zu werden. YouGov führte die Onlinebefragung vom 1. bis 7. Oktober im Auftrag der Koelnmesse durch; befragt wurden Beschäftigte ohne besondere Führungsverantwortung. Deutlich häufiger nannten sie Veränderungen an den täglichen Arbeitsabläufen.
Die Auswertung von OFFICE DEALZZ nennt die vollständige Rangfolge der veröffentlichten Produktivitätshebel: bessere Arbeitsorganisation und effizientere Prozesse erreichen 31,5 Prozent, weniger Bürokratie und unnötige Abstimmungen 26,3 Prozent, weniger Störungen und Unterbrechungen 25,9 Prozent, bessere Führung und schnellere Entscheidungen 23,5 Prozent sowie bessere Zusammenarbeit im Team 20,4 Prozent. Erst danach folgt KI-Unterstützung mit 8,4 Prozent. Die Werte geben an, wie häufig ein Hebel genannt wurde; bei der Frage waren Mehrfachnennungen möglich.
Die Rangfolge beginnt bei den Arbeitsabläufen

Zwischen Arbeitsorganisation an der Spitze und KI am Ende der veröffentlichten Reihe liegen 23,1 Prozentpunkte. Rechnerisch wurde Organisation damit etwa 3,8-mal so häufig genannt wie KI. Selbst Zusammenarbeit, der am seltensten genannte organisatorische Hebel dieser Reihe, liegt noch 12 Prozentpunkte vor KI. Diese Abstände beschreiben Prioritäten der Befragten, keine gemessenen Produktivitätsgewinne.
Die vorderen Plätze betreffen verschiedene Stellen im Arbeitsalltag. Effizientere Prozesse verändern die Abfolge von Aufgaben; weniger Bürokratie und unnötige Abstimmungen betreffen den Aufwand zwischen ihnen. Weniger Unterbrechungen zielen auf die Zeit, in der eine Aufgabe bearbeitet werden kann. Führung und Zusammenarbeit kommen hinzu, wenn Entscheidungen oder Übergaben von anderen Personen abhängen. Die Antworten verweisen damit auf Bedingungen, die eine einzelne Person nur begrenzt selbst ändern kann.
Die Reihenfolge lässt sich nicht als Abstimmung zwischen sich ausschließenden Lösungen lesen. Wer weniger Unterbrechungen nennt, konnte auch bessere Organisation auswählen. Ebenso könnte KI bei bestimmten Tätigkeiten helfen, ohne für die befragte Person zu den wichtigsten Hebeln zu gehören. Aus den Anteilen lässt sich deshalb weder die Zahl der KI-Nutzenden ableiten noch feststellen, wie viel Arbeitszeit eine technische oder organisatorische Änderung tatsächlich sparen würde.
Gehalt beantwortet eine andere Frage
Die hohe Zustimmung zu mehr Gehalt gehört zur Motivationsfrage, nicht zur Rangfolge der Produktivitätshebel. Dort ging es um Anreize, sich beruflich stärker zu engagieren oder mehr zu leisten: 71,2 Prozent nannten ein höheres Gehalt, 38,5 Prozent Wertschätzung durch Vorgesetzte, 36,6 Prozent eine angenehme Arbeitsumgebung und 30,0 Prozent flexiblere Arbeitszeiten. Diese Anteile beschreiben gewünschte Anreize. Sie sagen nicht, welcher Eingriff innerhalb derselben Arbeitszeit mehr Aufgaben erledigen ließe.
Auch der Wert für die Arbeitsumgebung gehört in diesen Zusammenhang. 63,5 Prozent gaben an, dass die konkrete Umgebung ihre Motivation eher stark oder sehr stark beeinflusst. Gemeint sind etwa Gestaltung, Ausstattung und Atmosphäre des Arbeitsplatzes. Die Frage erfasst eine Selbsteinschätzung zum Einfluss auf Motivation; sie erhebt keinen Leistungsunterschied zwischen verschiedenen Räumen. Deshalb wäre es irreführend, diesen Wert unmittelbar gegen die KI-Nennung aus der Produktivitätsfrage aufzurechnen.
Ruhe und Ausstattung betreffen eine Teilgruppe

Bei Beschäftigten, deren Motivation von der Arbeitsumgebung beeinflusst wird, wurden konkrete Bedingungen abgefragt: 35,3 Prozent nannten ein angenehmes Raumklima, 34,4 Prozent ergonomische Arbeitsplätze und gute Ausstattung, 33,7 Prozent moderne technische Ausstattung und 32,8 Prozent mehr Ruhe und Rückzugsmöglichkeiten. Diese Werte beziehen sich auf eine Teilgruppe und haben eine andere Befragungsbasis als die allgemeine Rangfolge der Produktivitätshebel. Die Nennung von Ruhe passt thematisch zu Unterbrechungen, misst aber eine andere Frage.
Ifaa-Direktor Sascha Stowasser sagt in der Berichterstattung von WLLnews über die Arbeitsumgebung: „Eine gute Arbeitsumgebung muss funktional, vor allem aber auch menschengerecht gestaltet sein.“ Seine Einordnung betrifft die Gestaltung von Arbeitsplätzen. Ob ein ruhigerer Raum oder bessere Ausstattung die Leistung der Befragten erhöhen würde, wurde in dieser Onlinebefragung nicht durch einen Vergleich von Arbeitsergebnissen untersucht.
Bei der Frage nach dem bevorzugten Arbeitsort gaben 47,7 Prozent einen festen Arbeitsplatz beim Arbeitgeber an. 21,1 Prozent bevorzugten einen Wechsel zwischen diesem Ort und dem Homeoffice, 17,0 Prozent überwiegend das Homeoffice und 8,2 Prozent wechselnde Arbeitsorte. Auch hier berichteten die Beschäftigten, wo sie nach eigener Einschätzung am besten arbeiten können. Die unterschiedlichen Antworten sprechen gegen die Annahme, dass eine einzige räumliche Lösung allen Befragten gleichermaßen entspricht.
Für wen die Ergebnisse gelten
Die Koelnmesse beauftragte die Erhebung aus Anlass der ORGATEC, einer Messe für Arbeitsumgebungen. Dieses Interesse ist für die Gewichtung der Themen relevant: Die Befragung behandelt neben Produktivität ausführlich Motivation und Arbeitsplatzgestaltung. YouGov quotierte die Onlinebefragung und gewichtete die Ergebnisse nach Beschäftigtenanteilen je Unternehmensgröße, Geschlecht, Altersgruppe, Wirtschaftszweig und Region. Wo Teilgruppen befragt wurden, weicht ihre Basis von der Gesamtzahl ab.
Die Auswahl umfasst Beschäftigte in Deutschland ohne besondere Führungsverantwortung. Ihre Antworten lassen sich daher nicht unmittelbar als Prioritäten von Führungskräften oder sämtlichen Erwerbstätigen ausgeben. Sie zeigen, welche Änderungen diese Befragten für ihre vorhandene Arbeitszeit als besonders wichtig ansehen. Ob KI in einzelnen Tätigkeiten später mehr Zeit spart als eine veränderte Organisation, müsste anhand der jeweiligen Arbeit und ihrer Ergebnisse gesondert gemessen werden.
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