Österreich fürchtet KI-Jobs – nur wenige Beschäftigte werden geschult

|Autor: QUASA-Redaktion|5 Min. Lesezeit
Österreich fürchtet KI-Jobs – nur wenige Beschäftigte werden geschult

Am 14. Oktober 2026 veröffentlichte Allianz den Allianz Pulse 2026 zu KI: Österreich weist bei den erwarteten Folgen für Arbeitsplätze mit minus 81 Prozentpunkten den negativsten Stimmungssaldo der acht untersuchten Länder auf. Zugleich haben im Länderschnitt nur 17 Prozent der befragten Erwerbstätigen eine KI-Schulung am Arbeitsplatz erhalten; 44 Prozent berichten, dass ihr Arbeitgeber keine anbietet.

Die am selben Tag veröffentlichte österreichische Allianz-Auswertung beziffert den Anteil bereits geschulter Erwerbstätiger im Land auf 11 Prozent und den Anteil ohne Schulungsangebot ihres Arbeitgebers auf 52 Prozent. Befragt wurden in Österreich wie in jedem weiteren Land 1.000 Erwachsene. Die Angaben zur betrieblichen Weiterbildung beziehen sich auf die Erwerbstätigen unter ihnen, die Einschätzungen zu den allgemeinen Beschäftigungsfolgen auf die gesamte Stichprobe.

Warum der österreichische Job-Saldo so niedrig ist

Österreichs Saldo zu den erwarteten KI-Folgen für Arbeitsplätze liegt unter dem Wert Frankreichs und dem Schnitt der acht untersuchten Länder.

Hinter dem Saldo stehen 85 Prozent negative und vier Prozent positive Einschätzungen der möglichen Beschäftigungsfolgen von KI. Der Wert wird berechnet, indem der Anteil negativer Antworten vom Anteil positiver Antworten abgezogen wird; neutrale oder unentschlossene Antworten verändern ihn nicht. Minus 81 Prozentpunkte beschreiben damit den Abstand zwischen zwei Meinungsgruppen und keine Prognose für den Abbau von Stellen.

Der Acht-Länder-Schnitt liegt bei minus 67 Prozentpunkten, Frankreich bei minus 75 und die USA bei minus 44. Österreich ist somit auch innerhalb einer überwiegend skeptischen Vergleichsgruppe der pessimistischste Fall. Im Vorjahresvergleich verschlechterte sich der österreichische Saldo von minus 62 auf minus 81 Prozentpunkte. Für diesen Vergleich zählen nur Länder, die schon damals befragt wurden; Großbritannien und die USA sind erst in der aktuellen Ausgabe dabei.

Die Umfrage misst Erwartungen in einer Phase, in der sich Arbeitsaufgaben verändern können. Sie zählt weder weggefallene Stellen noch den künftigen Beschäftigungseffekt von KI. Der starke negative Saldo beschreibt daher die wahrgenommene Gefahr für den Arbeitsmarkt, während die Antworten zum eigenen Arbeitsplatz ein differenzierteres Bild ergeben.

Nutzung im Alltag und Einsatz für die Arbeit sind verschiedene Größen

In Österreich verwenden 43 Prozent der befragten Erwachsenen KI mindestens wöchentlich, verglichen mit 48 Prozent über alle acht Länder. Unter den österreichischen KI-Nutzenden setzen 44 Prozent die Technik zumindest teilweise für Arbeit oder Ausbildung ein; im Gesamtschnitt sind es 47 Prozent, in Deutschland 37 Prozent. Die deutsche Vergleichszahl beschreibt ebenfalls KI-Nutzende und schließt Ausbildung ein. Sie sagt daher nicht, welcher Anteil aller Beschäftigten in Deutschland KI im Job verwendet.

Die Bezugsgruppen erklären, warum die Nutzung im Alltag kein Ersatzmaß für Vorbereitung am Arbeitsplatz ist. Ein Mensch kann KI privat oder während einer Ausbildung verwenden, ohne im Betrieb Zugang zu einer Schulung zu haben. Umgekehrt setzt die Teilnahme an einer betrieblichen Schulung nicht voraus, dass jemand KI zuvor regelmäßig genutzt hat. Der höhere österreichische Anteil arbeits- oder ausbildungsbezogener Nutzung unter KI-Nutzenden gegenüber Deutschland belegt deshalb keinen Vorsprung österreichischer Arbeitgeber bei der Qualifizierung.

Beim eigenen Arbeitsplatz erwarten viele eher neue Aufgaben

Die düstere Einschätzung der Beschäftigungsfolgen insgesamt steht neben differenzierteren Antworten zum eigenen Beruf. In Österreich rechnen sechs Prozent damit, dass ihr Arbeitsplatz innerhalb der nächsten fünf Jahre durch KI vollständig wegfällt; weitere 18 Prozent erwarten, dass wesentliche Teile ihrer Arbeit übernommen werden. Hingegen sehen 31 Prozent KI vor allem als Unterstützung für ihre bisherigen Aufgaben. Diese Antworten betreffen mögliche Veränderungen der eigenen Tätigkeit und messen etwas anderes als der allgemeine Stimmungssaldo zum Arbeitsmarkt.

Unter den Befragten in Österreich, die KI bereits beruflich nutzen, erwarten 50 Prozent Unterstützung bei ihren Aufgaben; bei Nichtnutzenden sind es zwölf Prozent. Der Unterschied belegt keinen ursächlichen Effekt der Nutzung auf die Einstellung zu KI. Im Acht-Länder-Vergleich rechnen berufliche Nutzende zugleich häufiger als Nichtnutzende damit, dass Aufgaben ersetzt werden. Eigene Erfahrung kann also sowohl den möglichen Nutzen als auch das Ausmaß der Veränderung sichtbarer machen.

Beim Schulungsangebot beginnt die Vorbereitungslücke

Nur wenige befragte Erwerbstätige in Österreich haben eine KI-Schulung im Job erhalten; viele berichten von keinem Angebot ihres Arbeitgebers.

Bei der Teilnahme an KI-Schulungen liegt Österreich nur knapp vor Polen, während die USA deutlich mehr Beschäftigte erreichen. Zugleich ist der Anteil der Erwerbstätigen ohne Arbeitgeberangebot in Österreich der höchste unter den untersuchten Ländern. Wer kein Angebot hat, kann nicht allein durch Teilnahmebereitschaft in diese betriebliche Weiterbildung gelangen. Das macht den Zugang zu Schulungen zum konkreteren Engpass als eine bloße Gegenüberstellung von KI-Nutzung und Jobangst.

Über alle Länder hinweg haben Beschäftigte mit höherer Bildung häufiger eine KI-Schulung im Betrieb erhalten. Das ist für Österreichs Befund relevant, weil ein knappes Angebot bestehende Unterschiede bei Fähigkeiten und beruflichen Chancen verstärken kann, wenn es vor allem Menschen erreicht, die ohnehin leichter Zugang zu Weiterbildung haben. Welche Tätigkeiten in einzelnen österreichischen Betrieben geschult werden und wie gut die Kurse auf sie zugeschnitten sind, erfasst die Umfrage nicht.

Leadersnet zitiert Allianz-Chefvolkswirt Ludovic Subran mit den Worten: „Viele Menschen nutzen KI bereits, doch zu wenige setzen sie im Job wirksam ein.“ Für Arbeitgeber stellen sich damit zwei konkrete Fragen: Besteht überhaupt ein Schulungsangebot, und erreicht es Beschäftigte, deren Aufgaben sich durch KI verändern? Fehlt dieser Zugang, hängt die Vorbereitung auf neue Anforderungen weitgehend von der Initiative der Betroffenen ab.

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