27 Prozent der Gen Z fühlen sich ohne KI arbeitsunfähig

27 Prozent der befragten Angehörigen der Gen Z geben an, ihren aktuellen Job ohne KI-Werkzeuge nicht erledigen zu können. Randstad Deutschland veröffentlichte den Befund am 1. September 2026 in seiner Auswertung des Arbeitsbarometers 2026. Bei Millennials liegt der Anteil bei 22 Prozent, bei der Gen X bei 16 Prozent und bei Babyboomern bei zehn Prozent.
Die am 1. September veröffentlichte Auswertung dokumentiert damit eine deutlich stärkere empfundene KI-Abhängigkeit unter jüngeren Befragten. Sie belegt jedoch nicht, dass 27 Prozent der Gen Z ihre beruflichen Fähigkeiten ohne KI verloren hätten: Erfasst wurde ihre Einschätzung zum gegenwärtigen Job, nicht ihre Leistung in einer kontrollierten Aufgabe.
Der Generationenabstand beträgt 17 Prozentpunkte

Zwischen Gen Z und Babyboomern liegen 17 Prozentpunkte. Die Anteile nehmen über die vier ausgewiesenen Generationen hinweg stufenweise ab: von 27 über 22 und 16 auf zehn Prozent. Der Befund beschreibt daher einen klaren Altersunterschied in der Antwort auf die konkrete Frage nach dem aktuellen Arbeitsplatz.
Was diesen Abstand verursacht, lässt sich aus den veröffentlichten Prozentwerten nicht bestimmen. Denkbar sind Unterschiede bei Tätigkeiten, beim Zugang zu KI-Werkzeugen oder bei der Einbindung solcher Systeme in betriebliche Abläufe. Auch verschieden ausgeprägte digitale Routinen könnten eine Rolle spielen; die Presseauswertung weist diesen möglichen Einflussfaktoren aber keine eigenen Messwerte zu.
Der Wert sagt außerdem weder, wie häufig jemand KI verwendet, noch welche Anwendung eingesetzt wird. Eine Person kann ein Werkzeug täglich nutzen und ihre Aufgabe dennoch ohne dieses Werkzeug bewältigen. Umgekehrt kann ein einziger fest integrierter Prozess ausreichen, damit die gesamte gegenwärtige Arbeit ohne KI als nicht machbar eingeschätzt wird.
„Arbeitsunfähig“ bezeichnet hier eine Selbsteinschätzung

Der Titel verdichtet die subjektiv empfundene Abhängigkeit sprachlich. Gemeint ist weder eine medizinisch oder arbeitsrechtlich festgestellte Arbeitsunfähigkeit noch ein allgemeiner Verlust der Beschäftigungsfähigkeit. Die Aussage bleibt ausdrücklich auf den aktuellen Job ohne KI-Werkzeuge begrenzt.
Das Arbeitsbarometer enthält für diesen Befund keinen praktischen Vergleichstest, bei dem dieselben Aufgaben einmal mit und einmal ohne KI erledigt wurden. Damit fehlen Messwerte zu Bearbeitungszeit, Fehlerquote und Qualität der Ergebnisse. Aus den 27 Prozent lässt sich folglich weder ein Produktivitätsgewinn durch KI noch ein objektiver Leistungseinbruch ohne KI berechnen.
Auch die tatsächliche Ersetzbarkeit von Beschäftigten wird nicht gemessen. Wer ein System für einen Arbeitsablauf als unverzichtbar empfindet, kann weiterhin das Fachwissen, die Verantwortung und die Kontrolle über das Ergebnis tragen. Die Kennzahl zeigt, wie Beschäftigte ihre bestehende Arbeitsumgebung wahrnehmen – nicht, welche Aufgaben eine Maschine selbstständig übernehmen könnte.
Deutschland liegt bei 19, die Schweiz bei 40 Prozent

Über alle Altersgruppen hinweg geben in Deutschland 19 Prozent an, ihren aktuellen Job ohne KI nicht erledigen zu können. Die redaktionelle Auswertung von Leadersnet nennt für die Schweiz 40 Prozent, für Polen 30 Prozent, für Norwegen 31 Prozent und für Luxemburg 41 Prozent; Frankreich und Tschechien liegen jeweils bei 18 Prozent.
Die 19 Prozent für Deutschland sind deshalb nicht schlicht eine allgemeine Nutzungsquote. Gemessen wird die wesentlich engere Aussage, den gegenwärtigen Job nach eigener Einschätzung nicht ohne KI erledigen zu können. Ein höherer Länderwert beweist weder eine höhere Produktivität noch bessere digitale Fähigkeiten oder einen technologisch fortschrittlicheren Arbeitsmarkt.
Für die Unterschiede kommen unter anderem die Zusammensetzung der Tätigkeiten, der betriebliche Zugang zu KI und die Einbindung der Werkzeuge in Arbeitsprozesse infrage. Die veröffentlichten Daten erlauben keine eindeutige Zuordnung zu einer dieser Ursachen. Österreich gehörte zwar zu den untersuchten Märkten des globalen Arbeitsbarometers, in den hier ausgewerteten Veröffentlichungen wird für dieses konkrete Merkmal jedoch kein österreichischer Einzelwert genannt.
Die Erhebung zeigt Einstellungen, aber keine Ergebnisse einzelner Berufe
Für das Arbeitsbarometer wurden weltweit mehr als 27.000 Arbeitskräfte befragt, darunter 1.000 in Deutschland. Zur Grundgesamtheit gehören 18- bis 67-Jährige, die beschäftigt oder selbstständig sind, sowie Arbeitslose, die eine künftige Beschäftigung anstreben. Ergänzend flossen Angaben von mehr als 1.200 Arbeitgebern und eine Analyse von über drei Millionen Stellenanzeigen in das Gesamtprojekt ein.
Diese Bestandteile beantworten unterschiedliche Fragen. Die Arbeitgeberbefragung und die Stellenanzeigenanalyse sind keine zusätzliche Bestätigung dafür, dass einzelne Beschäftigte ohne KI tatsächlich scheitern würden. Für den 27-Prozent-Befund veröffentlicht die deutsche Presseauswertung zudem keine Aufschlüsselung nach Beruf, Branche, Unternehmensgröße oder verwendetem Werkzeug.
Damit bleibt offen, ob sich die empfundene Abhängigkeit auf viele alltägliche Aufgaben verteilt oder in bestimmten digitalen Arbeitsabläufen konzentriert. Ebenso fehlt die Größe der Gen-Z-Teilgruppe, die innerhalb der deutschen Stichprobe genau diese Frage beantwortet hat. Die 1.000 Befragten in Deutschland dürfen daher nicht mit der Fallzahl des einzelnen Gen-Z-Ergebnisses gleichgesetzt werden.
Tool-Routine ist nicht dasselbe wie berufliche Kompetenz
Für die Einordnung sind vier Ebenen zu trennen: Tool-Routine bezeichnet die Bedienung einer Anwendung; kritische Prüfung betrifft die Bewertung ihrer Ausgaben; Problemlösung verbindet das Werkzeug mit einer konkreten Aufgabe; arbeitsplatzspezifisches Wissen liefert den fachlichen Maßstab. Die sichere Bedienung eines KI-Systems belegt nicht automatisch die übrigen Fähigkeiten.
Dass diese Unterscheidung am Arbeitsmarkt relevant ist, zeigt Randstads separate Analyse „Age of Augmentation“. Sie untersuchte 35,8 Millionen Stellenanzeigen von 2021 bis 2026, darunter 2,4 Millionen aus Deutschland; laut der Auswertung zu KI- und menschlichen Kompetenzen stieg zugleich die Nachfrage nach emotionaler Intelligenz, Kreativität und Problemlösungsfähigkeit.
Diese Stellenanzeigenanalyse ergänzt die Selbstauskunft, misst aber etwas anderes. Sie beschreibt nachgefragte Fähigkeiten, während der 27-Prozent-Wert die Wahrnehmung von Beschäftigten wiedergibt. Belastbare Aussagen über Leistung ohne KI würden kontrollierte Aufgabentests und detailliertere Daten zu Berufen und Arbeitsprozessen erfordern; solche Ergebnisse enthält die veröffentlichte Gen-Z-Auswertung nicht.
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