Schweizer nutzen KI täglich – nur 14 Prozent fühlen sich dadurch stärker

|Autor: QUASA-Redaktion|5 Min. Lesezeit
Schweizer nutzen KI täglich – nur 14 Prozent fühlen sich dadurch stärker

PwC Schweiz veröffentlichte am 29. September 2026 die Schweizer Ergebnisse der Studie «Hopes and Fears 2026»: 28 Prozent der befragten Beschäftigten nutzen generative KI täglich, doch nur 14 Prozent fühlen sich durch KI motivierter oder zuversichtlicher. Die Pressemitteilung spricht von rund 1000 angestellten Erwerbstätigen, die zwischen Mai und Juni in der Schweiz befragt wurden.

«Nutzung allein schafft noch keine Akzeptanz», zitiert die am selben Tag erschienene Meldung Teena Madhvani, Partnerin bei PwC Schweiz; sie nennt gezielte Weiterbildung als Voraussetzung dafür, dass Beschäftigte einen Nutzen erleben. Der Befund betrifft damit nicht nur den Zugang zu einem Werkzeug. Er wirft die Frage auf, was sich durch dessen Einsatz bei der Arbeit tatsächlich verbessert.

Die Lücke zeigt sich bei Qualität und anspruchsvollen Aufgaben

Die Schweizer Detailauswertung weist 996 Antworten aus und präzisiert die Ergebnisse: 10 Prozent erwarten eine deutliche Verbesserung der Arbeitsqualität durch KI, jeweils 9 Prozent eine Verbesserung ihrer Fähigkeiten beziehungsweise Kreativität, und 22 Prozent sagen, KI helfe ihnen bei komplexeren Aufgaben. Die genaue Stichprobengrösse erklärt die gerundete Angabe in der Pressemitteilung. Die Detailauswertung formuliert die Angaben zur Arbeitsqualität, zu Fähigkeiten und Kreativität als Erwartungen; sie sind keine Messung bereits erzielter Produktivitätsgewinne.

Die Werte beschreiben verschiedene Fragen an alle Befragten. Sie sagen nicht, welcher Anteil der täglich Nutzenden zugleich mehr Zuversicht empfindet oder bessere Arbeitsergebnisse erzielt. Auch lässt sich aus der Befragung allein nicht ableiten, dass der KI-Einsatz die Motivation verändert hat. Gerade diese Trennung macht die Nachricht bemerkenswert: Die Häufigkeit der Nutzung ist leicht zu erfassen, der Nutzen für eine konkrete Tätigkeit verlangt andere Fragen.

Bei schwierigen Aufgaben ist die wahrgenommene Hilfe etwas verbreiteter als die Erwartung besserer Arbeitsqualität. Das kann unterschiedliche Erfahrungen abbilden: Ein Werkzeug kann etwa einen Einstieg in eine komplexe Aufgabe erleichtern, während seine Ergebnisse weiterhin geprüft und überarbeitet werden müssen. Welche Arbeitsschritte den Befragten geholfen haben und wie viel Zeit sie dafür aufwandten, lässt sich aus den veröffentlichten Anteilen nicht bestimmen.

Die grosse Kernbelegschaft hat wenig KI-Vorteil

Die Schweizer Auswertung ordnet 69 Prozent der Befragten einer «Core Workforce» mit geringem KI-Vorteil und geringem Vorteil auf dem Arbeitsmarkt zu; 8 Prozent zählen zu den «Frontrunners», die bei beiden Merkmalen stark abschneiden. Diese Gruppen beruhen auf einer Einteilung nach wahrgenommenen KI-Vorteilen und der Nachfrage nach beruflichen Fähigkeiten. Sie sind keine Rangliste, die den Wert einzelner Beschäftigter oder die Qualität ihrer täglichen Arbeit misst.

Das Verhältnis der Gruppen verschiebt den Blick von besonders versierten Anwenderinnen und Anwendern zur Mehrheit der Belegschaft. Wenn ein Unternehmen allein die Nutzung steigert, kann es damit Menschen erreichen, deren Aufgaben und Entwicklungsmöglichkeiten sehr unterschiedlich sind. Ein Zugang für alle schafft noch keine passende Anwendung für alle: Entscheidend ist, ob die Technik bei den tatsächlich anfallenden Aufgaben hilft und Beschäftigte ihren Beitrag zum Ergebnis erkennen können.

Die Einteilung erklärt auch, weshalb ein Durchschnittswert für KI-Nutzung nur einen Teil der Lage beschreibt. Er verdeckt, wer von neuen Arbeitsweisen profitiert und wer trotz regelmässiger Verwendung keinen klaren Vorteil wahrnimmt. Die veröffentlichten Daten zeigen diese Unterschiede zwischen Gruppen; sie belegen keinen Ursache-Wirkungs-Zusammenhang zwischen Gruppenzugehörigkeit, Weiterbildung und persönlicher Motivation.

Lernangebote und Orientierung fehlen vielen Beschäftigten

Beim Übergang von Nutzung zu Nutzen spielt Weiterbildung eine naheliegende Rolle. In der Schweizer Befragung nimmt nur eine Minderheit ausreichenden Zugang zu Lern- und Entwicklungsangeboten wahr; ebenso ist nur einer Minderheit klar, welche Fähigkeiten künftig gefragt sein werden. Das sind unterschiedliche Hürden: Wer ein Werkzeug bedienen kann, weiss deshalb noch nicht, bei welcher Aufgabe es sinnvoll ist oder welche fachlichen Fähigkeiten durch seinen Einsatz wichtiger werden.

Für die Arbeitsqualität zählt zudem, ob Beschäftigte ein KI-Ergebnis beurteilen und in einen bestehenden Ablauf einordnen können. Eine Antwort kann brauchbar wirken und dennoch zusätzliche Kontrolle verlangen. Bleibt unklar, wer für das Ergebnis verantwortlich ist oder wann eigenes Urteil Vorrang hat, kann häufige Verwendung mit wenig wahrgenommenem Gewinn einhergehen. Das ist ein möglicher Mechanismus hinter der Befragungslücke, keine von der Studie nachgewiesene Erklärung für jede einzelne Antwort.

PwC empfiehlt in der Detailauswertung relevante Einsatzfälle, gezielte Schulungen und klare Leitlinien sowie die Beteiligung der Beschäftigten an neuen Arbeitsweisen. Diese Vorschläge setzen an verschiedenen Stellen derselben Wirkungskette an: Eine geeignete Aufgabe macht den Einsatz sinnvoll, Übung erleichtert die Beurteilung des Ergebnisses, und eine veränderte Arbeitsorganisation kann den gewonnenen Spielraum nutzbar machen. Die Befragung prüft jedoch nicht, welche dieser Massnahmen in Schweizer Betrieben den grössten Effekt hätte.

Führung und Autonomie prägen den möglichen Nutzen

Zur Arbeitsgestaltung gehört auch, welche Erwartungen Führungskräfte formulieren. Die Schweizer Auswertung beschreibt schwaches Vertrauen in die direkte Führung und das Topmanagement sowie geringe Klarheit darüber, wie Leistung bewertet wird. Wenn Beschäftigte weder die künftigen Anforderungen noch die Massstäbe für ihre Arbeit gut kennen, ist schwerer erkennbar, welchen Zweck der KI-Einsatz erfüllen soll. Vertrauen und verständliche Ziele sind deshalb für die Einführung relevant, auch wenn ihre Wirkung auf die hier erfragten KI-Erfahrungen nicht gesondert gemessen wurde.

Hinzu kommt der Wunsch nach Eigenständigkeit: Ein erheblicher Teil der Befragten würde stärkere Überwachung der eigenen Arbeit nicht akzeptieren. Eine Einführung, die vor allem Nutzung zählt oder einzelne Arbeitsschritte enger kontrolliert, berührt damit eine andere Erwartung als eine, die fachliche Entscheidungen unterstützt. Die Daten zeigen eine Haltung zur Überwachung, nicht die Folgen eines bestimmten Kontrollsystems.

Für Beschäftigte liegt die unmittelbare Konsequenz in der Gestaltung ihrer Aufgaben: Erst wenn sie ein brauchbares Ergebnis erkennen, es fachlich verantworten und ihre Arbeit dadurch sinnvoller organisieren können, wird aus regelmässiger Verwendung ein spürbarer Vorteil. Ob Schweizer Unternehmen diese Bedingungen schaffen, lässt sich an Nutzungszahlen allein nicht ablesen.

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