61 Prozent nutzen KI – doch nur 17 Prozent der Beschäftigten arbeiten damit

Am 1. September 2026 hat die Federal Reserve Bank of New York neue Ergebnisse ihrer regionalen Unternehmensbefragungen veröffentlicht. Die Analyse der New York Fed zeigt für Dienstleister aus New York und dem nördlichen New Jersey: 61 Prozent nutzten KI in ihren Geschäftsprozessen, doch unter diesen Anwendern arbeitete im Median nur 17 Prozent der Belegschaft damit.
Die im August erhobenen Angaben sprechen bislang nicht für einen flächendeckenden Ersatz bestehender Stellen. Vier Prozent der KI-nutzenden Dienstleister meldeten Entlassungen als Reaktion auf KI in den vorangegangenen sechs Monaten; etwas mehr als ein Drittel schulte Beschäftigte um. Eine am 2. September erschienene Einordnung von TechRadar bestätigt zudem die gegenläufigen Rekrutierungseffekte: Rund 15 Prozent stellten weniger, etwa 13 Prozent dagegen mehr Personal wegen KI ein.
61 Prozent Adoption bedeuten nicht 61 Prozent KI-Arbeit

Die beiden Werte im Titel messen verschiedene Ebenen. Die 61 Prozent bezeichnen den Anteil der befragten Dienstleistungsunternehmen, die KI in mindestens einem Geschäftsprozess einsetzten. Unternehmen, die KI ausschließlich zur Informationssuche verwendeten, zählte die Erhebung dabei nicht als Anwender.
Die 17 Prozent beziehen sich ausschließlich auf jene Dienstleister, die bereits KI nutzten. Der Wert ist der Median des Beschäftigtenanteils innerhalb dieser Unternehmen: Bei der einen Hälfte lag die interne Reichweite darunter, bei der anderen darüber. Er besagt weder, dass 17 Prozent aller Beschäftigten der Region KI verwendeten, noch dass dieser Anteil regelmäßig oder täglich damit arbeitete.
Auch die Hersteller zeigen die Lücke zwischen betrieblicher Einführung und Reichweite in der Belegschaft. Dort meldeten 51 Prozent eine Nutzung in Geschäftsprozessen; unter den Anwendern lag der Median des Beschäftigtenanteils bei sieben Prozent. Die Einführung kann somit schon als breit gelten, obwohl sie innerhalb vieler Betriebe auf einzelne Teams oder Abläufe begrenzt bleibt.
Hinzu kommt eine überwiegend geringe Investitionstiefe. Drei Viertel der Dienstleister und mehr als 90 Prozent der Hersteller stuften ihre Ausgaben als minimal bis moderat ein. Nur 15 Prozent der Dienstleister hatten erhebliche Mittel gebunden, rund fünf Prozent bezeichneten KI als große strategische Investition; unter den Herstellern meldete niemand erhebliche Mittelbindungen.
Der Beschäftigungseffekt erscheint zuerst in der Rekrutierung

Die Erhebung trennt vier Reaktionen, die in der Debatte häufig vermischt werden: Entlassungen, geringere Neueinstellungen, zusätzliche Einstellungen und Umschulungen. Diese Kategorien beschreiben unterschiedliche Vorgänge und ergeben zusammen keine Beschäftigungsbilanz.
Vier Prozent der KI-nutzenden Dienstleister entließen Beschäftigte als Reaktion auf KI. Rund 15 Prozent stellten weniger Menschen ein, als sie es ohne den Einsatz getan hätten, während etwa 13 Prozent zusätzliches Personal aufnahmen, um KI nutzen zu können. Bei den Herstellern wurden keine KI-bedingten Entlassungen oder zusätzlichen Einstellungen gemeldet; eine kleine Zahl der Betriebe reduzierte jedoch ihre Rekrutierung.
Aus diesen Unternehmensanteilen lässt sich nicht berechnen, wie viele Stellen netto entstanden oder verschwanden. Die Befragung veröffentlicht dafür weder die jeweilige Zahl der betroffenen Arbeitsplätze noch eine Aufschlüsselung nach Berufen und Qualifikationen. Ein großer Arbeitgeber mit wenigen gestrichenen Positionen zählt in dieser Darstellung ebenso als ein Unternehmen wie ein kleiner Betrieb mit einer zusätzlichen Einstellung.
Damit kann KI den Arbeitsmarkt bereits verändern, ohne eine große Entlassungswelle auszulösen. Weniger offene oder neu besetzte Stellen treffen zunächst Arbeitssuchende und potenziell Berufseinsteiger, während Beschäftigte mit laufenden Verträgen davon nicht unmittelbar in einer Entlassungsstatistik erscheinen. Die verfügbaren Daten zu Berufseinsteigern liefern Hinweise auf einen solchen Effekt, belegen für sich allein aber keine Ursache.
Umschulung dominiert den bisherigen Umbau
Etwas mehr als ein Drittel der KI-nutzenden Dienstleister und mehr als ein Fünftel der entsprechenden Hersteller schulten vorhandene Beschäftigte um. Damit war Weiterbildung in beiden Gruppen erheblich verbreiteter als ein KI-bedingter Stellenabbau.
Die Unternehmen nannten vor allem grundlegende KI-Kenntnisse, Schulungen für bestimmte Werkzeuge, Prompting und die Automatisierung wiederkehrender Aufgaben. Hinzu kamen funktionsbezogene Anwendungen sowie Regeln zur Prüfung von Ergebnissen, zum Datenschutz, zum Umgang mit Verzerrungen und zur Vermeidung einer übermäßigen Abhängigkeit von den Systemen.
Die Antworten deuten deshalb vorerst stärker auf veränderte Aufgaben innerhalb bestehender Stellen als auf deren vollständigen Wegfall. Das ist jedoch keine allgemeine Entwarnung: Die Erhebung bildet Selbstauskünfte regionaler Unternehmen über sechs Monate ab und kann weder längerfristige Wirkungen noch indirekte Beschäftigungseffekte erfassen.
Warum die internationale Nutzungsquote von 74 Prozent nicht widerspricht

Eine internationale Beschäftigtenbefragung kommt zu einer wesentlich höheren Nutzungsquote. Laut der AI-at-Work-Erhebung von BCG bezeichneten sich 74 Prozent der Beschäftigten an der operativen Front als regelmäßige KI-Nutzer, definiert als tägliche oder mehrmals wöchentliche Nutzung; befragt wurden knapp 12.000 Beschäftigte, Manager und Führungskräfte in mehr als einem Dutzend Märkten.
Die 74 Prozent und der New Yorker Median von 17 Prozent sind nicht direkt vergleichbar. BCG befragte international einzelne Personen und weist den Wert für operative Beschäftigte aus. Die New York Fed befragte dagegen regionale Unternehmen und ermittelte den mittleren Anteil der Anwender innerhalb jener Betriebe, die KI bereits eingeführt hatten.
Auch die Bezugsgrößen unterscheiden sich: BCG misst eine selbst angegebene Nutzungsfrequenz, die New Yorker Erhebung die betriebliche Reichweite. Dass mehr als zwei Drittel der von BCG Befragten einfachere Aufgaben bereits an KI abgegeben sehen, beschreibt zudem eine Verschiebung von Tätigkeiten und nicht automatisch den Wegfall ganzer Stellen.
Für DACH bleibt die New Yorker Matrix, nicht die Quote
Die Regionalbefragung erlaubt keine direkte Prognose für Deutschland, Österreich oder die Schweiz. Wirtschaftsstruktur, Arbeitsrecht, Mitbestimmung, Fachkräfteangebot und Investitionsbedingungen unterscheiden sich; zudem fehlen repräsentative Vergleichswerte nach derselben Methode.
Übertragbar ist die Trennung der Messgrößen. Eine belastbare Beurteilung muss betriebliche Adoption, den tatsächlich erreichten Beschäftigtenanteil, Investitionshöhe, Umschulung, zusätzliche Einstellungen, unterlassene Rekrutierung und Entlassungen separat ausweisen. Nur so wird eine hohe Unternehmensquote nicht mit dem Anteil automatisierter Arbeit oder ersetzter Stellen verwechselt.
Der derzeitige Befund bleibt daher begrenzt: In den regionalen New Yorker Daten ist KI unter Dienstleistern weit verbreitet, erreicht innerhalb der Anwender aber häufig nur einen kleinen Teil der Belegschaft. Umschulung und veränderte Rekrutierung treten bislang häufiger auf als Entlassungen. Ob sich dieses Verhältnis mit größerer interner Reichweite und höheren Investitionen hält, können erst spätere Befragungswellen zeigen.
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