KI-Einsatz und mehr Personal: Kleinstbetriebe wachsen um zehn Prozent stärker

Sehr kleine US-Unternehmen, die generative KI einführten, vergrößerten ihre Belegschaften im folgenden Jahr stärker als vergleichbare Firmen ohne Einführung. Die am 10. September 2026 veröffentlichte Originalanalyse von Gusto umfasst 2.262 Betriebe: 1.593 KI-Nutzer und 669 Unternehmen, die KI kannten, aber nicht einsetzten. Über alle untersuchten Größenklassen lag der Personalbestand der Nutzer nach vier Quartalen rund sieben Prozent höher; bei Betrieben mit weniger als zehn Beschäftigten betrug der Abstand etwa zehn Prozent.
Die Ergebnisse widersprechen in dieser Stichprobe der einfachen Annahme, KI-Einsatz müsse unmittelbar mit Stellenabbau einhergehen. Der am selben Tag aktualisierte Bericht von Axios korrigierte den Gesamtwert von zunächst fünf auf rund sieben Prozent und bestätigte den stärkeren Abstand bei den kleinsten Firmen. Bewiesen ist damit jedoch nur ein Zusammenhang: Die Untersuchung zeigt nicht, dass KI die zusätzlichen Einstellungen verursacht hat.
Wie die Unternehmen verglichen wurden

Die Untersuchung verbindet eine Befragung vom April 2025 mit den anschließend über Gusto abgewickelten Lohndaten. Als Anwender galten Unternehmen, die nach eigenen Angaben generative KI in unterschiedlichem Umfang nutzten. Die Vergleichsgruppe bestand aus Firmen, die mit der Technologie vertraut waren, sich aber gegen deren Einsatz entschieden hatten.
Damit wollten die Autoren vermeiden, KI-Nutzer mit Betrieben zu vergleichen, die noch keinen Zugang zu der Technologie oder keine Kenntnis davon hatten. Solche Unternehmen könnten sich schon vor einer Einführung systematisch von frühen Anwendern unterscheiden. Vollständig beseitigt die gewählte Vergleichsgruppe dieses Problem allerdings nicht.
Gemessen wurde die Zahl der Beschäftigten auf der vierteljährlichen Lohnliste. Weil die Unternehmen zu unterschiedlichen Zeitpunkten mit KI begonnen hatten, verwendeten die Autoren eine Ereignisstudie: Der Beschäftigungsverlauf jedes Betriebs wurde relativ zum Quartal vor der Einführung und über die vier folgenden Quartale betrachtet. Vor dem jeweiligen Start entwickelten sich die Gruppen laut Analyse weitgehend parallel, was den Vergleich stützt, aber ein kontrolliertes Experiment nicht ersetzt.
Der Abstand konzentriert sich auf Kleinstbetriebe

Der zentrale Befund betrifft Unternehmen mit weniger als zehn Beschäftigten. Ihre Teams wuchsen im Beobachtungszeitraum relativ zur Vergleichsgruppe ungefähr zehn Prozent stärker. Das ist ein durchschnittlicher Unterschied zwischen Gruppen, keine Aussage darüber, dass jeder einzelne Betrieb Personal eingestellt hat.
Bei einem Unternehmen mit anfangs neun Beschäftigten entspräche diese Größenordnung rechnerisch ungefähr einer zusätzlichen Person. Daraus folgt weder, dass jeder Neun-Personen-Betrieb genau eine Stelle geschaffen hat, noch dass eine bestimmte KI-Anwendung für eine Einstellung verantwortlich war.
Für Unternehmen mit zehn bis 24 Beschäftigten weist die Originalanalyse keinen messbaren zusätzlichen Personalzuwachs aus. Axios formuliert breiter, Betriebe ab zehn Beschäftigten hätten keine Veränderung gezeigt. Da die Primärseite die Größenklasse ausdrücklich auf zehn bis 24 begrenzt, lässt sich aus den geöffneten Daten keine gleichlautende Aussage über beliebig große Unternehmen ableiten.
Als mögliche Erklärung nennt Gusto die Arbeitsorganisation sehr kleiner Firmen: Verwaltung, Terminplanung, Marketing und Recherche beanspruchen dort einen großen Anteil der knappen Arbeitszeit. Werden solche Aufgaben erleichtert und wächst zugleich die Nachfrage, könnte ein Betrieb mehr kundennahe Arbeit übernehmen und dafür Personal einstellen. Diese Wirkungskette wurde jedoch nicht direkt gemessen.
Die neuen Beschäftigten waren meist keine KI-Spezialisten

Unter den wachsenden Unternehmen entfielen die Einstellungen überwiegend auf operative und kundennahe Tätigkeiten. Eine von Gusto verbreitete Aufschlüsselung der neuen Stellen nennt Betreuungskräfte, Köche und Techniker; in kleinen Gesundheitsbetrieben kamen unter anderem Dentalhygieniker und Therapeuten hinzu.
Das Beschäftigungsplus beschränkte sich demnach nicht auf Technologie- oder Beratungsunternehmen. Auch Restaurants, produzierende Betriebe und Anbieter persönlicher Dienstleistungen verzeichneten höhere Personalstände. Besonders deutlich war der Abstand bei Kleinstbetrieben aus Gesundheitswesen, Sozialarbeit und Bildung, deren Beschäftigtenzahl relativ zur Vergleichsgruppe um fast 20 Prozent stärker zunahm.
Dieses Muster passt zu der Hypothese, dass KI administrative Arbeit verkürzt und dadurch Kapazität für zusätzliche Leistungen entsteht. Die Lohndaten erfassen aber nur, wer auf der Gehaltsliste erschien. Sie zeigen weder den konkreten Einsatz eines KI-Systems im Arbeitsablauf noch den Grund für eine einzelne Einstellung. Dieselbe Trennung zwischen einem beobachteten Beschäftigungsmuster und einer behaupteten Ursache ist auch bei Befunden zu KI und Berufseinsteigern entscheidend.
Warum das Ergebnis keine Prognose für den DACH-Mittelstand ist
Die Stichprobe besteht ausschließlich aus US-Unternehmen, die Gusto nutzten, an einer Befragung teilnahmen und eine ausreichend lange Lohnhistorie aufwiesen. Sie wurde nicht zufällig aus allen amerikanischen Kleinunternehmen gezogen. Frühe KI-Anwender könnten sich zudem durch Wachstumsaussichten, Investitionsbereitschaft, Management oder Nachfrage von Nichtnutzern unterscheiden.
Eine direkte Übertragung auf Deutschland, Österreich und die Schweiz wäre deshalb nicht belastbar. Arbeitsrecht, Sozialversicherung, Branchenstruktur, Fachkräfteangebot und die Kosten einer Einstellung unterscheiden sich. Hinzu kommt, dass die hier untersuchte Gruppe mit weniger als zehn Beschäftigten enger gefasst ist als viele wirtschaftspolitische Vorstellungen vom Mittelstand.
Gesichert ist somit ein Größenunterschied innerhalb der beobachteten US-Stichprobe: Nach der Einführung generativer KI wuchs der Personalbestand besonders kleiner Betriebe stärker als in der informierten Vergleichsgruppe. Ob KI selbst die Ursache war, bleibt offen. Dafür wären repräsentativere Stichproben, präzisere Angaben zu den eingesetzten Anwendungen und Untersuchungsdesigns nötig, die unbeobachtete Unterschiede zwischen Anwendern und Nichtanwendern besser ausschließen.
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