Zukunft der Arbeit

Deutschlands Einstellungspläne drehen ins Plus – bleiben aber weit zurück

|Autor: QUASA-Redaktion|4 Min. Lesezeit| 1
Deutschlands Einstellungspläne drehen ins Plus – bleiben aber weit zurück

Deutschlands Arbeitgeber planen für das vierte Quartal 2026 wieder häufiger einen Personalaufbau. Der saisonbereinigte Netto-Beschäftigungsausblick steigt gegenüber dem Vorquartal um neun Punkte von 6 auf 15 Prozent, wie die am 8. September 2026 veröffentlichte Deutschland-Auswertung zum Arbeitsmarktbarometer zeigt.

Die Richtung dreht damit ins Plus; der Gesamtsaldo selbst war bereits im dritten Quartal positiv. Die am 8. September veröffentlichte Prognose signalisiert deshalb eine Gegenbewegung nach zwei schwächeren Quartalen, aber keinen Einstellungsboom: Deutschland liegt zwei Punkte unter dem Vorjahreswert und mit 15 Prozent weit hinter dem globalen Ausblick von 29 Prozent.

Weniger Abbaupläne treiben die Erholung

Deutsche Personalplanung mit mehr Aufbauvorhaben, weniger Stellenabbau und überwiegend stabilen Belegschaften

Der verbesserte Saldo beruht wesentlich darauf, dass weniger Unternehmen Stellen streichen wollen. Laut der deutschen ManpowerGroup-Auswertung planen 33 Prozent der befragten Arbeitgeber einen Personalaufbau, 17 Prozent einen Abbau und 47 Prozent eine unveränderte Belegschaft. Der Anteil mit Abbauplänen sank gegenüber dem dritten Quartal um sieben Punkte.

Fast die Hälfte der Unternehmen erwartet somit keine Veränderung der Beschäftigtenzahl. Das begrenzt die Aussagekraft des kräftigen Quartalssprungs: Die Umfrage zeigt eine bessere Stimmung in der Personalplanung, aber noch keine breite Expansionsbewegung. Im Jahresvergleich bleibt der deutsche Netto-Beschäftigungsausblick trotz der Erholung zwei Punkte schwächer.

Der saisonbereinigte Netto-Beschäftigungsausblick wird aus dem Anteil der Unternehmen mit geplantem Beschäftigungsaufbau abzüglich des Anteils mit erwartetem Abbau berechnet. Wegen der Saisonbereinigung und gerundeter Einzelwerte muss das Ergebnis nicht genau der einfachen Differenz der veröffentlichten Anteile entsprechen.

Information, Kommunikation und IT senden die stärksten Signale

Neue Einstellungsfreigaben in Information, Kommunikation und IT sowie eine vorsichtige Erholung der Industrie

Sieben der neun regulär ausgewiesenen Wirtschaftsbereiche verbessern sich gegenüber dem Vorquartal. Information und Kommunikation führt mit einem Netto-Beschäftigungsausblick von 23 Prozent; das sind neun Punkte mehr als im dritten Quartal und vier Punkte mehr als ein Jahr zuvor.

In der gesonderten Auswertung für Technologie und IT-Dienstleistungen steigt der Wert besonders deutlich von 5 auf 27 Prozent. Diese Stichprobe überschneidet sich teilweise mit den regulären Branchen und darf deshalb nicht als zusätzliche, klar abgegrenzte Beschäftigtengruppe verstanden werden. Für Bewerberinnen und Bewerber mit digitalen oder technischen Qualifikationen ist sie dennoch das stärkste Indiz dafür, dass mehr Unternehmen Personalaufbau erwägen.

Auch das Gastgewerbe mit 22 Prozent, Handel und Logistik mit 20 Prozent sowie der öffentliche Sektor einschließlich Gesundheit und sozialer Dienste mit 19 Prozent weisen positive Salden auf. Im verarbeitenden Gewerbe steigt der Ausblick um 19 Punkte auf 7 Prozent. Hier vollzieht sich die Drehung ins Plus im wörtlichen Sinn: Im dritten Quartal war der Branchenwert noch negativ.

Die Unterschiede bleiben erheblich. Versorgung und natürliche Ressourcen erreicht lediglich 3 Prozent, professionelle, wissenschaftliche und technische Dienstleistungen kommen auf 11 Prozent. Bau und Immobilien bleibt mit 18 Prozent positiv, verliert aber fünf Punkte gegenüber dem Vorquartal und bewegt sich damit entgegen dem allgemeinen Aufwärtstrend.

Deutschland fehlen 14 Punkte zum Weltwert

Deutschlands positive Einstellungsplanung bleibt hinter Europa und dem globalen Arbeitsmarkt zurück

Im internationalen Vergleich fällt die deutsche Erholung schwach aus. Die globale Employment Outlook Survey weist für das vierte Quartal 2026 einen weltweiten Netto-Beschäftigungsausblick von 29 Prozent aus, zwei Punkte mehr als im Vorquartal und sechs Punkte mehr als ein Jahr zuvor. Deutschland liegt damit 14 Punkte zurück; auch das europäische Mittel von 20 Prozent wird um fünf Punkte verfehlt.

Unter den größeren europäischen Volkswirtschaften erreicht das Vereinigte Königreich 23 Prozent, Deutschland 15 Prozent und Frankreich 13 Prozent. Der deutsche Wert ist also nicht der niedrigste in dieser Vergleichsgruppe, bleibt aber sowohl unter dem europäischen als auch unter dem globalen Niveau.

Weltweit wollen 43 Prozent der Arbeitgeber ihre Belegschaft zwischen Oktober und Dezember vergrößern, 14 Prozent erwarten einen Abbau und 41 Prozent keine Veränderung. Von den Unternehmen mit Aufbauplänen nennen 62 Prozent veränderte Rollen und Qualifikationsanforderungen als wichtigsten Treiber. Die internationale Nachfrage richtet sich damit nicht nur auf mehr Personal, sondern häufig auf andere Fähigkeiten und neu zugeschnittene Aufgaben.

Das Barometer misst Erwartungen, nicht neue Stellen

Für die deutsche Auswertung wurden 1.050 Unternehmen befragt; die Erhebung endete am 31. Juli 2026. Die globale Stichprobe umfasst 39.878 öffentliche und private Arbeitgeber in 42 Ländern und wurde vom 1. bis 31. Juli erhoben. Entwicklungen nach diesem Zeitraum konnten die Antworten nicht mehr beeinflussen.

Die Kennzahl erfasst nur, ob ein Arbeitgeber für das kommende Quartal mit mehr oder weniger Beschäftigten rechnet. Sie zeigt weder die Zahl der geplanten Stellen noch, ob angekündigte Einstellungen tatsächlich stattfinden. Ein Großunternehmen mit umfangreichem Personalaufbau und ein kleiner Betrieb mit einer zusätzlichen Stelle zählen bei der Richtungsfrage jeweils als ein Arbeitgeber mit Ausbauabsicht.

Bestätigt ist damit eine vorsichtige Aufhellung der Personalpläne für Oktober bis Dezember 2026, besonders in Information, Kommunikation und IT-nahen Tätigkeiten. Ob daraus eine anhaltende Erholung wird, bleibt offen. Die nächste Umfrage soll im Dezember 2026 die Erwartungen für das erste Quartal 2027 zeigen.

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