Zukunft der Arbeit

82 Prozent der Gen Z denken global – KI-Skills landen trotzdem hinten

|Autor: QUASA-Redaktion|4 Min. Lesezeit| 2
82 Prozent der Gen Z denken global – KI-Skills landen trotzdem hinten

Eine neue US-Befragung zeigt einen auffälligen Prioritätenkonflikt unter jungen Wissensarbeitern: 82 Prozent sehen sich bereits als Teil einer globalen Belegschaft, doch beim wichtigsten Vorteil für den langfristigen Berufserfolg landen KI-Fähigkeiten hinter beruflichen Netzwerken und Führungserfahrung. Am 28. August 2026 griff TechRadar die Ergebnisse einer am Vortag veröffentlichten Pebl-Befragung auf.

Untersucht wurden 1.022 Angehörige der Generation Z, die in den USA als Wissensarbeiter beschäftigt sind. Laut der Veröffentlichung samt Methodik führte Researchscape die Online-Erhebung im Auftrag von Pebl vom 6. bis 16. Juli 2026 durch; die Antworten wurden nicht gewichtet. Die Ergebnisse stehen damit für diese Stichprobe, nicht für die gesamte Generation Z und auch nicht unmittelbar für junge Beschäftigte in Deutschland, Österreich oder der Schweiz.

Globale Zugehörigkeit wird zum Karriereanspruch

Junge Wissensarbeiter sammeln in einem länderübergreifenden Team konkrete internationale Projekt- und Führungserfahrung.

Das globale Selbstbild geht in der Befragung über den Wunsch nach ortsunabhängiger Arbeit hinaus. 69 Prozent bezeichneten die Zusammenarbeit mit Menschen aus anderen Ländern und Kulturen als karriereprägend und großen Vorteil. 73 Prozent erwarteten von internationaler Erfahrung eine breitere Perspektive, 71 Prozent bessere Führungsfähigkeiten und 68 Prozent eine stärkere Problemlösungskompetenz.

Auch die gewünschte Laufbahn wird konkret: 41 Prozent stellen sich eine Karriere über zwei oder drei Länder beziehungsweise Märkte hinweg vor. 64 Prozent wären sehr oder äußerst an einer zeitlich befristeten Tätigkeit in einem anderen Land interessiert. Für 59 Prozent könnte das Fehlen internationaler Möglichkeiten beeinflussen, ob sie ein Stellenangebot annehmen.

Die Antworten unterscheiden damit zwischen einem global zugänglichen Arbeitsplatz und einer grenzüberschreitenden Karriere. Remote-Arbeit kann internationale Zusammenarbeit ermöglichen, belegt aber für sich genommen noch keine Auslandserfahrung, interkulturelle Verantwortung oder Mobilität zwischen Landesgesellschaften.

Netzwerke und Führung liegen vor KI-Kompetenz

Netzwerkaufbau und Führungsverantwortung stehen bei der Karriereentwicklung vor einem isolierten KI-Kurs.

Bei der Frage nach dem wichtigsten Vorteil für den langfristigen Berufserfolg nannten 28 Prozent den Aufbau eines starken beruflichen Netzwerks. Führungs- und Managementerfahrung folgten mit 26 Prozent, während die Entwicklung von KI-Fähigkeiten mit 11 Prozent den letzten Platz belegte.

Aus diesem Ergebnis folgt nicht, dass die übrigen 89 Prozent KI-Kompetenz für unwichtig halten. Die Befragten sollten eine wichtigste Priorität auswählen; gemessen wurde weder die generelle Bedeutung einzelner Fähigkeiten noch das tatsächliche Kompetenzniveau. Der Titel beschreibt deshalb eine Rangfolge von Karrierefaktoren und keine Ablehnung von KI.

Die weiteren Antworten stützen diese Abgrenzung. 78 Prozent erwarteten, dass KI genuin menschliche Erfahrungen wie die Zusammenarbeit über Länder und Kulturen hinweg noch wertvoller machen werde. Technisches Können erscheint in den Daten somit nicht als überflüssig, sondern als Teil eines Karrieremodells, in dem Beziehungen, Urteilskraft und Verantwortung häufiger an erster Stelle stehen.

Was der Befund für DACH-Arbeitgeber bedeutet

Ein strukturiertes internationales Rotationsprogramm verbindet Auslandseinsatz, Mentoring und grenzüberschreitende Verantwortung.

Für Unternehmen in Deutschland, Österreich und der Schweiz liefern die US-Daten keine übertragbaren Prozentwerte. Sie formulieren jedoch eine prüfbare Hypothese für die Gestaltung von Karriereangeboten: Internationale Optionen dürften überzeugender sein, wenn sie nicht nur einen flexiblen Arbeitsort, sondern Zugang zu Netzwerken und wachsender Verantwortung bieten.

Dazu könnten befristete Einsätze in einer anderen Landesgesellschaft, grenzüberschreitende Projektverantwortung, Mentoring über mehrere Märkte oder transparente Wege in internationale Führungsrollen gehören. Das sind redaktionelle Ableitungen aus den abgefragten Prioritäten, keine von der Untersuchung getesteten Maßnahmen. Ob solche Programme im DACH-Arbeitsmarkt die Annahme eines Stellenangebots oder die Bindung an ein Unternehmen erhöhen, bleibt offen.

Auch die Rangfolge der Fähigkeiten begründet kein Entweder-oder. Ein Arbeitgeber kann KI-Weiterbildung mit Aufgaben verbinden, in denen Nachwuchskräfte Beziehungen aufbauen, Entscheidungen vertreten und interkulturelle Zusammenarbeit koordinieren. Die Befragung misst allerdings nicht, ob eine solche Kombination erfolgreicher wäre als getrennte Entwicklungsangebote.

Die Stichprobe begrenzt die Aussagekraft

Die Untersuchung erfasst ausschließlich US-amerikanische Wissensarbeiter der Generation Z. Beschäftigte außerhalb wissensintensiver Tätigkeiten, andere Altersgruppen und Arbeitsmärkte außerhalb der USA sind nicht abgebildet. Weil die Online-Stichprobe ungewichtet blieb, wurden mögliche Abweichungen von der untersuchten Zielbevölkerung nicht rechnerisch ausgeglichen.

Hinzu kommt das kommerzielle Interesse des Auftraggebers: Pebl bietet Dienstleistungen für die internationale Beschäftigung von Personal an. Das entwertet die Resultate nicht automatisch, macht aber die Methodik und die genaue Reichweite der Aussagen besonders wichtig. Die Berichterstattung von TechRadar bestätigt die veröffentlichten Kernergebnisse, ist jedoch keine Wiederholung der Untersuchung mit einer unabhängigen Stichprobe.

Gesichert ist damit ein eng umrissener Befund: Unter den 1.022 ungewichtet befragten US-Wissensarbeitern der Generation Z stehen ein globales berufliches Selbstbild, Netzwerke und Führung deutlich weiter oben als KI-Fähigkeiten als alleinige Spitzenpriorität. Noch fehlen vergleichbare Daten aus Deutschland, Österreich und der Schweiz sowie belastbare Tests dazu, welche internationalen Karriereprogramme dort tatsächlich Einstellungs- oder Bindungsentscheidungen verändern.

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