
Arbeitgebervertrauen fällt in Deutschland um fünf Punkte – Wandel spaltet Teams

Die am 6. Oktober 2026 veröffentlichten Trust-at-Work-Ergebnisse von Edelman zeigen für Deutschland einen Rückgang des Vertrauens in den eigenen Arbeitgeber um fünf Prozentpunkte gegenüber August 2024. Unter den befragten Beschäftigten in Deutschland mit Veränderungserfahrung bewerteten 47 Prozent ihre jüngste betriebliche Transformation nicht positiv. Die Zahlen zeigen einen Vertrauensverlust und eine geteilte Erfahrung des Wandels; ob das eine den Rückgang des anderen verursacht hat, lässt sich daraus nicht ableiten.
Der Edelman-Sonderbericht Trust at Work weist länderübergreifend 74 Prozent Vertrauen in den eigenen Arbeitgeber aus. Zugleich sorgen sich 77 Prozent wegen mindestens eines abgefragten Risikos um ihren Arbeitsplatz, darunter Automatisierung, Verlagerung, unzureichende Weiterbildung und Zölle. Diese Werte sind Ergebnisse der gesamten Erhebung und keine zusätzlichen Deutschlandzahlen. Sie verdeutlichen, unter welchen beruflichen Unsicherheiten Beschäftigte Veränderungen erleben.
Was der deutsche Rückgang misst
Die fünf Punkte beschreiben die Veränderung des deutschen Vertrauenswerts seit der Erhebung vom August 2024. Sie sind weder eine Angabe zum aktuellen Vertrauensniveau in Deutschland noch ein Rückgang innerhalb eines einzigen Jahres. Auch im länderübergreifenden Mittel sank das Vertrauen um fünf Punkte; der gleich große Rückgang macht die beiden Gruppen aber nicht gleich. Wer den deutschen Befund einordnen will, muss Länderwert, Gesamtwert und Vergleichszeitraum auseinanderhalten.
Für die aktuelle Studie wurden Beschäftigte in Deutschland und weiteren Märkten online befragt. Edelman-Chef Richard Edelman bezeichnete Transformation im Gespräch mit PRovoke Media als „the sort of hinge or litmus test for trust in business“. Die dort beschriebene Befragung umfasste 10.018 Beschäftigte in zehn Ländern und lief vom 14. bis 31. August 2026. Die Unterschiede zwischen positiven und negativen Veränderungserfahrungen im Bericht beruhen auf dieser länderübergreifenden Auswertung; für sie wird kein eigener deutscher Vergleich ausgewiesen.
KI ist die häufigste Veränderung
Wandel ist für viele Befragte bereits Teil des Arbeitsalltags. Länderübergreifend berichteten 76 Prozent von mindestens einer größeren Veränderung am Arbeitsplatz in den vergangenen zwölf Monaten. Am häufigsten nannten sie die Einführung von KI mit 53 Prozent, gefolgt von einer veränderten Unternehmensstrategie mit 47 Prozent. Weil mehrere Umstellungen gleichzeitig möglich waren, erlebten 42 Prozent drei oder mehr Transformationen. Die Antworten beschreiben damit keine einheitliche Umstellung, sondern teils überlagerte Veränderungen.
Auch die Position im Unternehmen prägt, welcher Wandel überhaupt wahrgenommen wird. Mehr als 90 Prozent der obersten Führungskräfte berichteten von mindestens einer Transformation, ebenso 86 Prozent des mittleren Managements, aber 61 Prozent der übrigen Beschäftigten. Unter Letzteren bewerteten 49 Prozent ihre Veränderungserfahrung nicht positiv; auf oberster Führungsebene waren es 17 Prozent, im mittleren Management 26 Prozent. Diese Abstände erklären den deutschen Vertrauensrückgang nicht allein. Sie zeigen aber, weshalb eine Umstellung aus Sicht der Unternehmensleitung anders aussehen kann als für diejenigen, deren Aufgaben sich dadurch ändern.
Vertrauen und Bindung unterscheiden sich nach Erfahrung
Der schärfste Kontrast liegt zwischen Beschäftigten, die eine Transformation positiv erlebten, und jenen mit negativer Erfahrung. In der länderübergreifenden Auswertung unterscheiden sich die Gruppen bei Führung, Zusammenarbeit und Bindung:
- Führung: Dem eigenen CEO vertrauten 82 Prozent der Beschäftigten mit positiver Erfahrung, gegenüber 49 Prozent mit negativer Erfahrung. Für direkte Vorgesetzte lagen die Werte bei 85 und 60 Prozent.
- Team: Kolleginnen und Kollegen mit anderen Wertvorstellungen vertrauten 77 Prozent nach einer positiven und 50 Prozent nach einer negativen Erfahrung. Der Abstand macht sichtbar, wie unterschiedlich die Zusammenarbeit im selben betrieblichen Wandel erlebt werden kann.
- Bindung: Eine langfristige berufliche Zukunft im Unternehmen sahen 83 Prozent der positiv und 51 Prozent der negativ Betroffenen. Mehr als erwartet zum Unternehmenserfolg beitragen wollten 83 beziehungsweise 57 Prozent.
- KI-Nutzung: Für einen stärkeren Einsatz von KI bei der Arbeit waren 40 Prozent der Beschäftigten mit positiver Veränderungserfahrung offen, gegenüber 18 Prozent mit negativer Erfahrung.
Das sind Vergleiche zwischen Befragtengruppen, kein Experiment über die Wirkung einer bestimmten Maßnahme. Ebenso wenig lassen sich die länderübergreifenden Abstände als deutsche Einzelwerte ausgeben. Gerade diese Trennung ist wichtig: Der deutsche Rückgang ist direkt gemessen, während die Gruppenvergleiche zeigen, welche Erfahrungen in der gesamten Erhebung mit Vertrauen und Bereitschaft zur KI-Nutzung zusammenfallen.
Klarheit und Mitsprache fehlen nicht allen gleichermaßen
Die Qualität des Wandels umfasst mehr als die Ankündigung einer neuen Technik. Unter Beschäftigten mit mindestens einer guten Transformationserfahrung nannten 67 Prozent eine eigene Handlungsmöglichkeit bei der Anpassung: etwa Anleitung, ausreichend Vorbereitungszeit oder das Gefühl, mit Bedenken gehört zu werden. Solche Angaben beschreiben, was Befragte während der Veränderung erlebt haben. Aus ihnen folgt nicht, dass Kommunikation allein Vertrauen oder Offenheit für KI herstellen kann.
Hinzu kommt ein Abstand zwischen Führungs- und Beschäftigtenperspektive. Dass das Management den Beschäftigten stets die Wahrheit sage, meinten 79 Prozent der obersten Führungskräfte, aber 46 Prozent der übrigen Beschäftigten. Regelmäßige Informationen über organisatorische Angelegenheiten sahen 78 beziehungsweise 55 Prozent. Wenn eine KI-Einführung Aufgaben und Entwicklungsmöglichkeiten verändert, erleben diese Gruppen offenbar nicht denselben Informationsstand. Für Beschäftigte entscheidet sich die Bedeutung der nächsten Umstellung deshalb auch daran, ob sie ihre künftige Rolle erkennen und Einfluss auf die Anpassung ihrer Arbeit haben.
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