
Vier von zehn nutzen KI – Österreichs Wissenszuwachs bleibt klein

Die am 7. Oktober 2026 veröffentlichte Mitteilung von Statistik Austria zeigt für Österreich: 2025 nutzten rund vier von zehn Menschen, genauer 39 Prozent der 16- bis 74-Jährigen, generative KI; der Anteil mit selbst eingeschätztem hohem KI-Wissen stieg gegenüber dem Vorjahr nur um drei Prozentpunkte. Die Nutzung nahm damit deutlich schneller zu als das Vertrauen in die eigenen Kenntnisse. Erfasst wurde die Verwendung in den drei Monaten vor der Befragung, nicht die Häufigkeit der Nutzung.
„Sehr viel weniger stark ist hingegen das Wissen über KI gestiegen“, sagte Manuela Lenk, fachstatistische Generaldirektorin von Statistik Austria, in der APA-Meldung zu den Ergebnissen. Für Erwerbstätige zeichnen die Antworten ein differenziertes Bild: Etwa die Hälfte hält KI für nützlich im eigenen Beruf, während sich eine deutlich kleinere Gruppe um den Verlust ihres Arbeitsplatzes sorgt. Das sind Einschätzungen der Befragten, keine Prognosen über Beschäftigung.
Verwendung und Wissen wachsen unterschiedlich

Die genauen Werte machen den Abstand sichtbar. Der Anteil der Menschen, die generative KI im abgefragten Zeitraum nutzten, stieg von 28,0 Prozent im Jahr 2024 auf 39,4 Prozent im Jahr 2025. Zugleich erhöhte sich der Anteil jener, die sich viel oder sehr viel Wissen über KI zuschreiben, von 26,8 auf 29,7 Prozent. Gerundet sind das elf Prozentpunkte mehr Nutzung, aber nur drei Prozentpunkte mehr selbst eingeschätztes hohes Wissen.
Die beiden Fragen messen Verschiedenes. Wer ein Programm für Texte, Bilder oder andere Inhalte verwendet hat, musste dafür weder einen Wissenstest bestehen noch nachweisen, dass er fehlerhafte Ergebnisse erkennt. Umgekehrt kann jemand Kenntnisse über KI haben, ohne im betrachteten Zeitraum ein solches Programm genutzt zu haben. Aus den beiden Anteilen lässt sich deshalb keine Zahl unzureichend qualifizierter Nutzerinnen und Nutzer berechnen. Der Vergleich zeigt, wie unterschiedlich schnell sich Verwendung und eigene Wissenseinschätzung in der Bevölkerung entwickeln.
Statistik Austria befragte zwischen April und Juli 2025 insgesamt 5.550 Personen aus 4.295 Haushalten. Die Ergebnisse beziehen sich auf Menschen zwischen 16 und 74 Jahren in Österreich. Diese Eingrenzung ist besonders für den Jahresvergleich wichtig: Die Nutzungsquote beschreibt weder alle Einwohnerinnen und Einwohner noch ausschließlich Personen, die KI bei der Arbeit einsetzen.
Das Altersgefälle zeigt sich auch beim Wissen

Hinter dem Durchschnitt stehen große Unterschiede nach Alter. Unter den 16- bis 24-Jährigen stieg die Nutzung von 57,4 auf 73,2 Prozent; unter den 65- bis 74-Jährigen von 5,0 auf 8,5 Prozent. Beide Gruppen verwendeten generative KI häufiger als im Vorjahr, doch die jüngere Gruppe startete auf einem erheblich höheren Niveau und legte auch in Prozentpunkten stärker zu.
Bei der Selbsteinschätzung der Kenntnisse liefen die Entwicklungen weiter auseinander. In der jüngsten Gruppe stieg der Anteil mit viel oder sehr viel zugeschriebenem Wissen von 52,5 auf 65,7 Prozent. In der ältesten Gruppe sank er von 12,8 auf 9,8 Prozent. Die niedrige Veränderung im Bevölkerungsdurchschnitt verdeckt also einen deutlichen Wissenszuwachs bei Jüngeren und einen Rückgang bei den Ältesten. Ein Rückschluss auf ihre tatsächlich geprüften Fähigkeiten ist daraus nicht möglich.
Beschäftigte sehen häufiger Nutzen als Arbeitsplatzverlust
Unter Erwerbstätigen verwendeten 2025 insgesamt 43,2 Prozent generative KI, nach 29,7 Prozent im Vorjahr. Diese Nutzungsfrage erfasste jede Verwendung im abgefragten Zeitraum; sie sagt nicht, ob das jeweilige Programm im Beruf eingesetzt wurde. Für die Folgen am Arbeitsplatz sind daher die gesonderten Fragen nach beruflichem Nutzen und Arbeitsplatzsorgen aussagekräftiger als die Nutzungsquote allein.
Der Anteil der Erwerbstätigen, die KI für den eigenen Beruf als nützlich einstufen, stieg von 43 auf 50 Prozent. Rund 13 Prozent sorgten sich um einen KI-bedingten Verlust ihres Arbeitsplatzes; dieser Anteil blieb ungefähr stabil. Die wachsende Zuversicht beim möglichen Nutzen und die weit weniger verbreitete Sorge beschreiben Einstellungen zu unterschiedlichen Folgen der Technik. Ob Tätigkeiten tatsächlich produktiver werden oder Stellen wegfallen, wurde mit diesen Fragen nicht gemessen.
Auch außerhalb der Berufsfrage nahm die Offenheit zu. Der Anteil der Bevölkerung, der eine zunehmende KI-Nutzung positiv beurteilt, stieg von 35 auf 41 Prozent. Starkes oder eher starkes Interesse daran, mehr über KI zu lernen, äußerten 40 Prozent, nach 32 Prozent im Vorjahr. Dieses Lerninteresse ist ein eigener Befund: Es kann wachsen, obwohl sich die Menschen noch nicht entsprechend viel Wissen zuschreiben.
In Unternehmen bleibt Talent die schwächste Dimension

Die am 9. Oktober 2026 veröffentlichte Unternehmensstudie von McKinsey beziffert den durchschnittlichen KI-Reifegrad der teilnehmenden Firmen mit 36 von 100 Punkten, nach 30 Punkten in der vorherigen Erhebung; Talent bleibt mit 2,7 von fünf Punkten die schwächste der untersuchten Dimensionen. An der Befragung nahmen 135 Technologie- und Digitalverantwortliche aus 54 Unternehmen teil. Der höhere Gesamtwert geht somit nicht mit einem gleich starken Fortschritt beim Talent einher.
Mehr als zwei Drittel der befragten Unternehmen sehen im Talentmanagement einen systematischen Engpass. Rund sieben von zehn konnten ihren monatlichen Verbrauch an KI-Tokens nicht angeben; für ungefähr ebenso viele bleibt die Erfolgsmessung nach Einführung von KI-Anwendungen eine wesentliche Herausforderung. Die Angaben betreffen betriebliche Fähigkeiten und Steuerung, während die amtliche Erhebung Menschen nach Nutzung und Einstellungen fragt.
Beide Untersuchungen haben unterschiedliche Grundgesamtheiten und Messgrößen. Der Talentwert der Unternehmen lässt sich nicht in einen Anteil kompetenter Beschäftigter umrechnen oder direkt mit dem selbst eingeschätzten Wissen der Bevölkerung vergleichen. Für die Arbeitswelt wird dadurch eine konkrete Spannung sichtbar: Mehr Menschen nutzen KI und sehen beruflichen Nutzen, während viele Betriebe Qualifizierung und Erfolgsmessung weiterhin als ungelöste Aufgaben beschreiben.
Lesen Sie auch:
Ähnliche Artikel


Schweiz nutzt KI weit über dem Weltschnitt – doch der Abstand wächst

Berufseinsteiger lernen KI, doch ihnen fehlt Praxiswissen im Betrieb

Workday oder SAP SuccessFactors: 0,02 Punkte trennen zwei Ökosysteme

82 Prozent der Gen Z denken global – KI-Skills landen trotzdem hinten

Sieben von zehn Industriebetrieben verlieren entscheidendes Erfahrungswissen
Newsletter abonnieren
Erhalten Sie die neuesten Nachrichten zu Web3, KI und Krypto direkt in Ihren Posteingang.