KI & Automatisierung

New York sperrt Schüler-KI bis Klasse acht – Oberstufen lernen sie zweimal jährlich

|Autor: QUASA-Redaktion|4 Min. Lesezeit
New York sperrt Schüler-KI bis Klasse acht – Oberstufen lernen sie zweimal jährlich

New York City hat am 2. September 2026 für seine öffentlichen Schulen ein einjähriges Moratorium angekündigt: Im Schuljahr 2026/27 dürfen Schüler von 2-K bis einschließlich Klasse acht keine direkt an sie gerichtete generative KI nutzen. Die Associated Press bestätigt die Laufzeit, die Reichweite bis Klasse acht und zwei jährliche KI-Lerneinheiten für alle Highschool-Schüler.

Für die Klassen 9 bis 12 gilt damit kein Totalverbot, aber auch keine allgemeine Freigabe. Dort verbindet die Stadt verpflichtende KI-Kompetenzmodule mit wenigen genehmigten Anwendungen, berufsvorbereitenden Angeboten und beaufsichtigten Pilotprogrammen.

Das Moratorium betrifft generative KI für Schüler

Eine Lehrkraft bereitet Unterricht digital vor, während jüngere Schüler ohne direkten KI-Zugang lesen, schreiben und diskutieren.

Gesperrt wird Software, die Schüler unmittelbar verwenden und die auf Eingaben neue Texte, Bilder, Audiodateien oder andere Inhalte erzeugt. Die Regel richtet sich nicht gegen jede Form künstlicher Intelligenz und untersagt weder alle digitalen Lernmittel noch die dienstliche KI-Nutzung durch Lehrkräfte.

Lehrer und andere Beschäftigte dürfen genehmigte KI-Werkzeuge weiterhin für Unterrichtsplanung und betriebliche Aufgaben einsetzen. Nicht erlaubt sind jedoch Anwendungen zum Benoten, zur Verhaltensüberwachung oder für Entscheidungen über Versetzung, Abschluss und Förderplatzierung. Die fachliche Verantwortung bleibt beim Personal.

Notwendige Hilfsmittel für Schüler mit Behinderungen und mehrsprachige Lernende bleiben verfügbar. Das gilt insbesondere für Technik aus einem individuellen Förder- oder 504-Plan sowie für Werkzeuge, die den Zugang zum Unterricht oder die Kommunikation ermöglichen. Companion-Chatbots sind dagegen nach Angaben der Stadt in allen Jahrgangsstufen untersagt.

Die Regeln unterscheiden vier Jahrgangsgruppen

New Yorker Schüler verschiedener Jahrgangsstufen arbeiten unter abgestuften Regeln für KI und individuelle Bildschirmzeit.

Die Jahrgangstabelle von NYC Public Schools trennt das KI-Moratorium von den zugleich eingeführten Regeln für persönliche Bildschirmzeit:

  • 2-K bis Klasse 2: Direkt zugängliche generative KI ist verboten; individuelle Bildschirmzeit im Unterricht ist nicht vorgesehen.
  • Klassen 3 bis 5: Das KI-Moratorium gilt vollständig. Für persönliche Bildschirmarbeit empfiehlt die Schulbehörde höchstens 30 Minuten täglich.
  • Klassen 6 bis 8: Schülerseitige generative KI bleibt gesperrt. Empfohlen werden höchstens 45 Minuten individuelle Bildschirmzeit am Tag.
  • Klassen 9 bis 12: KI darf nur in geprüften Programmen, genehmigten Piloten oder bestimmten berufsvorbereitenden Kursen und unter den jeweils festgelegten Bedingungen eingesetzt werden.

Die Bildschirmvorgaben enthalten eigene Ausnahmen, etwa für vorgeschriebene Tests, E-Books, Programmierung, Robotik, Simulationen und Unterricht außerhalb des Schulgebäudes. Auch von Lehrkräften angeleitete Arbeit mit einer digitalen Tafel oder einem Gerät für eine ganze Gruppe zählt nicht als individuelle Bildschirmzeit. Eine Ausnahme von der Bildschirmgrenze ist deshalb nicht automatisch eine Erlaubnis für generative KI.

Highschools erhalten Pflichtunterricht und fünf Piloten

Highschool-Schüler in New York absolvieren unter Anleitung ein Pflichtmodul zu Datenschutz, Verzerrungen und Grenzen generativer KI.

Alle Schüler der Klassen 9 bis 12 müssen pro Schuljahr zwei jeweils 45-minütige KI-Kompetenzmodule absolvieren. Darin geht es um die Funktionsweise der Systeme, Datenschutz, Verzerrungen und angemessene schulische Nutzung. Jugendliche in berufsvorbereitenden Bildungsgängen oder genehmigten Pilotklassen erhalten vertiefenden Unterricht.

Zentral zugelassen sind fünf Pilotprogramme: Quill, Edia, Brisk Teaching, Playlab und Intel AI-Ready Schools. Highschools können sich dafür bewerben; jeder Antrag wird einzeln geprüft, und ein Schüler soll nur an einem Pilotprogramm teilnehmen. Die Nutzung muss unter unmittelbarer Aufsicht einer Lehrkraft stattfinden.

Auch die vorgesehenen Einsatzzeiten bleiben begrenzt. Quill ist für eine kurze wöchentliche Einheit zur Textarbeit vorgesehen, Edia für mathematische Übungen im Unterricht und Brisk Teaching für kurze, von Lehrkräften erstellte Aktivitäten. Playlab soll höchstens bei zwei Aufgaben pro Bewertungszeitraum zum Einsatz kommen; Intel AI-Ready Schools ist als semesterlanges Projekt mit einer Unterrichtsstunde pro Woche angelegt.

Nach einem Schuljahr soll die Regel neu bewertet werden

Das Moratorium ist eine befristete Prüfphase. Eine Technology in Schools Coalition aus Schülern, Lehrkräften, Elternvertretern, Gewerkschaften, Fachleuten, Interessenvertretungen und gewählten Amtsträgern soll die Regeln und Pilotprogramme begleiten. Für April 2027 ist ein Bericht mit Empfehlungen zur künftigen Technologiepolitik in den Klassenräumen vorgesehen.

Bis dahin bleiben wesentliche Umsetzungsfragen offen. Chalkbeat New York berichtet, dass die Stadt noch keinen klaren Durchsetzungsmechanismus beschrieben und die 38 bestehenden Programme, deren KI-Funktionen deaktiviert werden sollen, nicht vollständig benannt hat. Unklar ist außerdem, wie Schulen im Einzelfall feststellen sollen, ob eine Anwendung ausreichend von generativen Funktionen getrennt wurde.

Die Befristung bedeutet daher nicht, dass das Moratorium nach einem Jahr automatisch endet oder unverändert fortgesetzt wird. Erst die Auswertung soll zeigen, ob New York die Sperre verlängert, Ausnahmen verändert oder dauerhafte Zulassungskriterien entwickelt.

Für den DACH-Raum ist New York ein Fallbeispiel

Die New Yorker Vorgaben gelten ausschließlich für NYC Public Schools. Sie sind weder eine Rechtsregel noch eine unmittelbar übertragbare Vorlage für Schulen in Deutschland, Österreich oder der Schweiz, deren Zuständigkeiten, Lehrpläne, Datenschutzregeln und Schulstufen anders organisiert sind.

Als politisches Fallbeispiel zeigt die Maßnahme jedoch eine klare Trennung: Jüngere Schüler werden für ein Schuljahr von direkt nutzbarer generativer KI abgeschirmt, während ältere Jugendliche sie nur kontrolliert erproben und zweimal jährlich im Unterricht einordnen. Ob dieses Modell dauerhaft Bestand hat, entscheidet sich frühestens nach dem angekündigten Bericht im April 2027.

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