Molten sammelt 175 Millionen Pfund ein – 75 Millionen kommen vom Staat

Molten Ventures hat am 7. September 2026 in London den ersten Abschluss seines Growth Fund bei 175 Millionen Pfund bekannt gegeben. Laut der Mitteilung von Molten Ventures entfallen 75 Millionen Pfund auf die British Business Bank und 100 Millionen auf Molten selbst; angestrebt wird eine endgültige Fondsgröße von 350 Millionen Pfund.
Der erste Abschluss ist vollzogen, das Fundraising aber noch nicht beendet. Der am selben Tag veröffentlichte Bericht von Vestbee bestätigt die Kapitalaufteilung, das Zielvolumen und den Fokus auf wachstumsstarke Technologieunternehmen im Vereinigten Königreich und in Europa ab Series B.
Die Hälfte des Zielvolumens ist zugesagt

Molten stellt mit 100 Millionen Pfund rund 57 Prozent des Kapitals beim ersten Abschluss. Die staatseigene Förderbank übernimmt mit 75 Millionen Pfund die übrigen rund 43 Prozent. Weitere Anleger wurden für diesen Abschluss nicht genannt.
- 100 Millionen Pfund: Zusage von Molten Ventures.
- 75 Millionen Pfund: Ankerzusage der British Business Bank.
- 175 Millionen Pfund: gesichertes Kapital beim ersten Abschluss.
- 350 Millionen Pfund: angestrebte endgültige Fondsgröße.
Damit fehlen rechnerisch weitere 175 Millionen Pfund bis zum Ziel. Ein erster Abschluss bedeutet, dass der Fonds eine erste Gruppe verbindlicher Kapitalzusagen aufgenommen hat; er ist kein endgültiger Abschluss der Kapitalaufnahme. Molten will deshalb zusätzliche Investoren gewinnen, hat aber weder deren Namen noch einen Termin für den finalen Abschluss veröffentlicht.
Warum die 75 Millionen als staatliches Kapital gelten
Das Geld stammt nicht unmittelbar aus einem Ministerium, sondern von der British Business Bank. Die britische Förderbank beschreibt sich als vollständig im Eigentum des Department for Business and Trade, aber operativ unabhängig. Die Formulierung „vom Staat“ im Titel bezieht sich auf diese Eigentümerschaft.
Bei den 75 Millionen Pfund handelt es sich um eine Beteiligung der Bank als Cornerstone-Investorin, nicht um einen Zuschuss an Molten oder eine direkte Förderung einzelner Start-ups. Eine solche früh feststehende Ankerzusage verschafft einem neuen Fonds bereits beim ersten Abschluss eine größere Kapitalbasis.
Die Konstruktion kann den Einstieg weiterer institutioneller Anleger erleichtern: Diese müssen nicht darauf warten, dass der Fonds sein gesamtes Zielvolumen erreicht, bevor ein substanzieller Kapitalstock feststeht. Ob der Ankereffekt in diesem Fall tatsächlich weitere 175 Millionen Pfund mobilisiert, ist jedoch noch nicht belegt. Der erste Abschluss zeigt die Ausgangsbasis, nicht den Erfolg des verbleibenden Fundraisings.
Investiert werden soll ab Series B

Der Growth Fund richtet sich an wachstumsstarke Technologieunternehmen im Vereinigten Königreich und in Europa. Der Einstieg ist ab Series B vorgesehen, also in einer Phase, in der Unternehmen typischerweise größere Finanzierungsrunden für den Ausbau ihrer Organisation, Produktion oder internationalen Präsenz benötigen.
Molten nennt Raumfahrt, künstliche Intelligenz, Fintech, Quantentechnologie, Deeptech und Hardware als mögliche Felder. Das ist keine veröffentlichte Länder- oder Branchenquote. Für Unternehmen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz gibt es daher grundsätzlich einen europäischen Rahmen, aber keine zugesagte regionale Kapitalreserve.
Der Fonds setzt Moltens bestehende Wachstumsstrategie fort. Das Unternehmen verweist auf mehr als 40 Growth-Transaktionen und über 700 Millionen Pfund, die es in den vergangenen zehn Jahren in diesem Segment investiert habe. Mit dem zusätzlichen Fondskapital will Molten mehr Series-B+-Runden unterstützen und bei ausgewählten Unternehmen größere Beteiligungspositionen aufbauen.
Privatfonds trifft auf börsennotierte Plattform

Die Besonderheit liegt in der Verbindung zweier Kapitalquellen. Institutionelle Anleger investieren über einen privaten Fonds, während Molten Ventures eine börsennotierte Gesellschaft mit eigener Bilanz bleibt. Nach der Ankündigung soll der neue Fonds die bestehende operative, Governance- und Reporting-Infrastruktur der börsennotierten Plattform nutzen.
Das bedeutet nicht, dass Fondsinvestoren und Molten-Aktionäre automatisch an denselben Beteiligungen oder Erträgen teilhaben. Ihre wirtschaftlichen Ansprüche hängen jeweils von dem Anlagevehikel ab, über das ein Investment gehalten wird. Die Mitteilung bestätigt außerdem nicht, ob der private Fonds und die börsennotierte Bilanz regelmäßig gemeinsam in dieselben Runden investieren werden.
Gerade für mögliche Überschneidungen fehlen bislang öffentlich einsehbare Details. Wenn eine Finanzierungsrunde grundsätzlich zu beiden Strategien passen sollte, wären Regeln zur Zuteilung von Investitionschancen, zu Folgeinvestitionen und zu gemeinsamen Verkäufen wichtig. Molten verweist auf seine vorhandene Governance, veröffentlicht in der Fondsankündigung aber keine konkrete Allokationsrichtlinie. Deshalb lässt sich derzeit nicht beurteilen, wie potenzielle Interessenkonflikte im Einzelfall begrenzt werden.
Was nach dem ersten Abschluss offenbleibt
Gesichert sind der erste Abschluss über 175 Millionen Pfund, die beiden bisherigen Kapitalquellen, das Ziel von 350 Millionen Pfund und die Ausrichtung auf Series-B+-Investitionen in britische und europäische Technologieunternehmen. Nicht mitgeteilt wurden unter anderem die geplante Laufzeit, Gebühren, übliche Investitionsgrößen und die angestrebte Zahl der Beteiligungen.
Auch konkrete Erstinvestitionen des Growth Fund wurden mit der Ankündigung nicht vorgestellt. Die nächsten belastbaren Wegmarken wären daher ein weiterer Abschluss mit zusätzlichen Anlegern, ein finaler Abschluss oder die Bekanntgabe der ersten finanzierten Unternehmen. Bis dahin ist die Hälfte des Zielvolumens zugesagt; ob das staatliche Ankerkapital die zweite Hälfte mobilisieren kann, bleibt offen.
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