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KI gegen Kondensstreifen: Erster Test senkt die Erwärmungswirkung um 40 Prozent

|Autor: QUASA-Redaktion|4 Min. Lesezeit| 4
KI gegen Kondensstreifen: Erster Test senkt die Erwärmungswirkung um 40 Prozent

Googles Mitteilung vom 7. September 2026 dokumentiert die Ausweitung des gemeinsam mit Cathay Pacific durchgeführten Flugversuchs und beziffert das erste Ergebnis: Mehr als 80 Flüge folgten empfohlenen Vermeidungsrouten; Googles Satellitenanalyse schätzt die Verringerung der Erwärmungswirkung ihrer Kondensstreifen auf rund 40 Prozent.

Die Partner gehen damit in eine größere zweite Versuchsphase auf asiatischen und transpazifischen Strecken. Ein Reuters-Bericht bei CNA bestätigt Datum, Erweiterungsstatus und Ergebnis des ersten Tests sowie Cathay Pacifics Rolle als Googles erster kommerzieller Airline-Partner für die Technologie im asiatisch-pazifischen Raum. Die 40 Prozent stehen jedoch weder für weniger CO₂ noch für eine entsprechende Verringerung der gesamten Klimawirkung der Fluggesellschaft.

Was die 40-Prozent-Angabe misst

Satellitenbeobachtung eines Testflugs, bei dem eine Höhenänderung einen beständigen Kondensstreifen verhindert.

Die Zahl bezeichnet eine modellierte Veränderung der Kondensstreifen-Erwärmungswirkung auf jenen Testflügen, die den Ausweichrouten folgten. Sie stammt von Google und beruht auf der Auswertung von Satellitenbildern. Damit ist sie ein Ergebnis für eine ausgewählte Gruppe tatsächlich angepasster Flüge, keine unabhängig gemessene Emissionsbilanz des gesamten Versuchs oder des Cathay-Pacific-Netzes.

Kondensstreifen sind ein Nicht-CO₂-Effekt der Luftfahrt. Sie können entstehen, wenn Flugzeuge in großer Höhe kalte und feuchte Luftschichten durchqueren. Manche lösen sich schnell auf; andere bleiben bestehen, breiten sich zu wolkenartigen Feldern aus und können mehr Wärmestrahlung zurückhalten, als sie durch die Reflexion von Sonnenlicht ausgleichen.

CO₂ wirkt anders: Es entsteht bei der Verbrennung von Treibstoff und sammelt sich langfristig in der Atmosphäre. Eine Höhenänderung kann einen langlebigen Kondensstreifen vermeiden, ohne dadurch den CO₂-Ausstoß des Fluges zu senken. Je nach Flugprofil kann sie den Treibstoffbedarf sogar verändern. Die veröffentlichte 40-Prozent-Schätzung enthält keine ausgewiesene Netto-Bilanz aus vermiedener Kondensstreifenerwärmung und einer möglichen Änderung der CO₂-Emissionen.

Wie die Prognose ins Cockpit gelangt

Cathay-Pacific-Cockpit mit dynamischer Kondensstreifenprognose und Prüfung einer kleinen Höhenänderung.

Das Verfahren verbindet KI-basierte Vorhersagemodelle, Wetterinformationen und Werkzeuge zur Erkennung von Kondensstreifen auf Satellitenbildern. Daraus werden Zonen bestimmt, in denen kalte und feuchte Bedingungen die Entstehung beständiger Kondensstreifen wahrscheinlicher machen. Flugplanung und Besatzung können anschließend prüfen, ob sich diese Bereiche durch eine kleine Änderung der Flughöhe umgehen lassen.

Die technische Beschreibung von Cathay Pacific erläutert, dass dynamische Google-Prognosen über Bord-WLAN in den selbst entwickelten Electronic Flight Folder gelangen und dort zusammen mit aktuellen Betriebsparametern angezeigt werden. Die KI fliegt das Flugzeug nicht und ordnet keine Höhenänderung an. Sie liefert zusätzliche Informationen für Dispatcher und Piloten, während Besatzung und Flugsicherung weiterhin Sicherheit, Verkehr, Wetter und das zulässige Flugprofil berücksichtigen.

Satellitendaten erfüllen dabei eine zweite Funktion: Sie helfen nicht nur bei der Erkennung relevanter Kondensstreifen, sondern dienen Google auch zur nachträglichen Bewertung der Testflüge. Die Prozesskette reicht somit von Wetterdaten und Vorhersage über Flugplanung und Cockpitentscheidung bis zur Beobachtung des Ergebnisses aus dem All. Die publizierte Zusammenfassung nennt allerdings keine Fehlerintervalle oder vollständigen Kennzahlen zur Genauigkeit der Vorhersagen.

Der Flugbetrieb begrenzt die Umsetzung

Für die erste Phase waren mehr als 100 Flüge im Cathay-Pacific-Netz vorgesehen, doch mehr als 80 setzten eine Vermeidungsroute um. Cathay Pacific nennt in der verlinkten Versuchsbeschreibung Luftraum- und Nutzlastbeschränkungen als Gründe dafür, dass nicht alle vorgesehenen Flüge teilnahmen. Der Unterschied zeigt, weshalb eine geeignete Wetterprognose allein noch keine ausführbare Route garantiert.

Eine alternative Flughöhe muss zum aktuellen Gewicht des Flugzeugs, zur Verkehrslage, zum verfügbaren Luftraum und zu den Sicherheitsvorgaben passen. Auf langen Flügen verändern sich Gewicht und günstigste Reiseflughöhe zudem fortlaufend. Die betriebliche Machbarkeit hängt deshalb nicht nur davon ab, ob das System eine kritische Luftschicht erkennt, sondern auch davon, ob die Besatzung sie im konkreten Moment vertretbar umgehen kann.

Auch die Aussagekraft der bisherigen Auswahl ist begrenzt. Ausgewertet wurden die Flüge, die einer Vermeidungsroute folgten; die veröffentlichte Prozentzahl beschreibt daher nicht automatisch die Wirkung unter allen ursprünglich vorgesehenen Bedingungen. Für eine belastbare Bewertung im Regelbetrieb werden zusätzlich Daten zu abgelehnten Empfehlungen, Fehlprognosen, Treibstoffänderungen und regional unterschiedlichen Wetterlagen benötigt.

Die zweite Phase prüft die Übertragbarkeit

Cathay-Pacific-Ultralangstreckenflug durch wechselnde Luftschichten während der erweiterten Versuchsphase.

Die größere zweite Phase soll den Ansatz über unterschiedliche Betriebsumgebungen im asiatischen und transpazifischen Netz von Cathay Pacific erproben. Contrails.org beteiligt sich als weiterer Partner. Neu ist insbesondere der Einsatz auf Ultralangstrecken, auf denen sich Wetter, Luftraum und optimale Flughöhe über viele Stunden verändern können.

Damit verschiebt sich die zentrale Frage vom grundsätzlichen Funktionieren zur Skalierbarkeit. Entscheidend wird sein, wie oft die vorhergesagten Zonen tatsächlich zu beständigen Kondensstreifen führen, wie häufig sichere Ausweichhöhen verfügbar sind und welcher zusätzliche Treibstoffbedarf gegebenenfalls entsteht. Ebenso offen ist, ob das Verfahren bei vielen gleichzeitig beteiligten Flugzeugen ohne neue Engpässe im Luftraum eingesetzt werden kann.

Das erste Ergebnis zeigt somit einen begrenzten, aber konkreten Effekt: Auf mehr als 80 angepassten Flügen schätzt Google die Kondensstreifen-Erwärmungswirkung um rund 40 Prozent niedriger ein. Noch nicht belegt ist eine entsprechende Wirkung für die gesamte Fluggesellschaft oder für den Luftverkehr insgesamt. Die zweite Phase muss nun zeigen, welcher Anteil dieses modellierten Vorteils unter wechselnden Bedingungen und in größerem Maßstab erhalten bleibt.

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