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46 Millionen Dollar für Wettersensoren – NOAA kauft später nur die Daten

|Autor: QUASA-Redaktion|4 Min. Lesezeit| 1
46 Millionen Dollar für Wettersensoren – NOAA kauft später nur die Daten

Die US-Wetterbehörde NOAA vergab am 26. August 2026 insgesamt 46.482.177 US-Dollar an Muon Space, Orbital Micro Systems und Spire Global Subsidiary. Nach der TMATE-Mitteilung der NOAA sollen die drei Unternehmen satellitengestützte Mikrowellensondierer entwickeln, starten und selbst betreiben.

Das 24-monatige Projekt Temperature and Moisture Advanced Technology Evolution, kurz TMATE, begann am 25. August 2026. Die am folgenden Tag bekannt gegebenen Vereinbarungen finanzieren zunächst die technische Entwicklung; die erzeugten Messdaten sollen NOAA anschließend kommerziell zum Kauf angeboten werden. Auch der Branchendienst Via Satellite nennt diese Trennung zwischen privat betriebenen Instrumenten und einem möglichen späteren Datenkauf.

Drei Anbieter teilen sich 46,48 Millionen Dollar

Die drei TMATE-Anbieter bereiten eigene Mikrowellensondierer für privat betriebene Satelliten vor.

Spire Global Subsidiary erhält mit 27.982.177 US-Dollar den größten Anteil. Auf Muon Space entfallen 11 Millionen Dollar, auf Orbital Micro Systems, das unter dem Namen Weather Stream auftritt, 7,5 Millionen Dollar. Zusammen ergeben die drei Einzelbeträge exakt die von NOAA genannte Gesamtsumme.

  • Spire Global Subsidiary: 27.982.177 US-Dollar
  • Muon Space: 11.000.000 US-Dollar
  • Orbital Micro Systems/Weather Stream: 7.500.000 US-Dollar

NOAA bestellt damit nicht drei bereits fertige Instrumente für eine eigene Satellitenflotte. Jeder Auftragnehmer soll einen eigenen Mikrowellensondierer entwickeln, ins All bringen und betreiben. Die Vereinbarungen laufen über die Other Transaction Authority, die NOAA für die gemeinsame technologische Weiterentwicklung künftiger Datenquellen einsetzen kann.

Das Wort „später“ im Titel bezeichnet deshalb keinen bereits zugesagten Anschlussauftrag. Bestätigt ist, dass die Daten kommerziell erhältlich sein sollen. Ob NOAA sie tatsächlich dauerhaft kauft und operationell verwendet, hängt von späteren Prüfungen und Beschaffungsentscheidungen ab.

Was Mikrowellensondierer hinter Wolken erfassen

Ein Mikrowellensondierer erfasst Temperatur- und Feuchteschichten durch eine geschlossene Wolkendecke.

Mikrowellensondierer messen die natürliche Mikrowellenenergie atmosphärischer Moleküle. Aus Beobachtungen in unterschiedlichen Frequenzbereichen lassen sich vertikale Profile von Temperatur, Wasserdampf und Luftdruck ableiten – vom Bereich nahe der Erdoberfläche bis in die obere Atmosphäre.

Anders als ein gewöhnliches Satellitenbild zeigen diese Profile, wie sich die Eigenschaften der Luft mit der Höhe verändern. Mikrowellensignale können zudem Wolken durchdringen, die andere Sensoren verdecken. Damit liefern die Instrumente gerade bei geschlossenen Wolkendecken Informationen über den atmosphärischen Zustand.

Für Wettermodelle ist das relevant, weil sie einen möglichst genauen Ausgangszustand der Atmosphäre benötigen. Temperatur- und Feuchteprofile können nach technischer und meteorologischer Prüfung mit anderen Beobachtungen verbunden werden. NOAA nennt sowohl tägliche Vorhersagen als auch die Prognose extremer Wetterereignisse als Einsatzgebiet der geplanten Daten.

So soll der Datenweg zu NOAA funktionieren

Kommerziell verarbeitete Mikrowellendaten gelangen zur Qualitätsprüfung und Datenassimilation bei NOAA.

Die operative Arbeit bleibt zunächst bei den Unternehmen: Ihre Systeme erfassen die Mikrowellenstrahlung im Orbit, übertragen die Beobachtungen und bereiten daraus lieferbare Datenprodukte auf. NOAA kann anschließend beurteilen, ob Qualität, Verfügbarkeit und technisches Format für die eigenen Anwendungen ausreichen.

  1. Ein kommerziell betriebener Mikrowellensondierer erfasst die Atmosphäre in mehreren Frequenzbereichen.
  2. Der jeweilige Anbieter überträgt und verarbeitet die Messungen.
  3. Die aufbereiteten Daten werden NOAA kommerziell angeboten.
  4. NOAA kann ihre Qualität und ihren Einfluss auf Vorhersagemodelle untersuchen.
  5. Erst eine weitere Beschaffungsentscheidung kann daraus einen fortlaufenden Datenbezug machen.

Dieses Verfahren entspricht der Logik des Commercial Data Program. In einer Ausschreibung vom 1. April 2026 erklärte NOAA, kommerzielle Mikrowellendaten auf ihre Wirkung in Wettermodellen und Tropensturmprognosen prüfen zu wollen. Erfolgreiche Untersuchungen könnten zu fortlaufenden Käufen führen; die Daten sollen dabei die staatliche Basisinfrastruktur ergänzen.

TMATE und diese Ausschreibung sind dennoch nicht derselbe Beschaffungsvorgang. TMATE finanziert die Entwicklung neuer, von drei Firmen betriebener Instrumente. Das Commercial Data Program beschreibt dagegen, wie NOAA bereits verfügbare kommerzielle Daten erproben und gegebenenfalls für den Betrieb einkaufen kann.

Mehr Auswahl bedeutet auch neue Abhängigkeiten

Das Modell kann NOAA Zugang zu mehreren technischen Ansätzen verschaffen, ohne jedes Instrument selbst entwickeln und betreiben zu müssen. Parallel arbeitende Anbieter könnten die Auswahl an Datenquellen vergrößern und neue Systeme schneller verfügbar machen. Ob daraus tatsächlich bessere Vorhersagen entstehen, ist mit der Vergabe jedoch noch nicht nachgewiesen.

Gleichzeitig verlagert sich ein Teil der operativen Verantwortung zu den Unternehmen. NOAA ist dann auf rechtzeitige Lieferungen, nachvollziehbare Kalibrierung und langfristig vergleichbare Daten angewiesen. Verträge müssten außerdem regeln, welche Nutzungsrechte gelten und wie mit Ausfällen oder einem Anbieterwechsel umzugehen ist.

Für Wettermodelle genügt es nicht, dass ein Instrument grundsätzlich Temperatur und Feuchte messen kann. Entscheidend sind konsistente Fehlermerkmale, ausreichende Abdeckung und eine Lieferung, die schnell genug für Vorhersagen erfolgt. Neue Datenströme müssen deshalb erst zeigen, welchen zusätzlichen Prognosewert sie gegenüber vorhandenen Beobachtungen besitzen.

Fest stehen bislang die drei Vergaben, die 24-monatige Projektphase und das Betreiberprinzip. Nicht veröffentlicht sind konkrete Starttermine der einzelnen Instrumente, erwartete Datenmengen oder spätere Preise. Ebenso offen ist, welche der drei Entwicklungen NOAA nach Abschluss der technischen Arbeiten tatsächlich für regelmäßige Datenkäufe auswählt.

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