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EIC finanziert 20 Deeptech-Projekte – 2,5 Millionen gibt es erst später

|Autor: QUASA-Redaktion|5 Min. Lesezeit| 1
EIC finanziert 20 Deeptech-Projekte – 2,5 Millionen gibt es erst später

Der European Innovation Council (EIC) gab am 10. September 2026 die Finanzierung der ersten 20 Projekte seines Piloten Advanced Innovation Challenges bekannt. Laut der Auswahlmeldung des EIC erhält jedes Vorhaben zunächst 300.000 Euro für bis zu neun Monate; begonnen haben die Projekte bereits am 1. September.

Die am 10. September veröffentlichte Auswahl umfasst zehn Projekte zu Physical AI und zehn zu neuen biomedizinischen Testmethoden. Das ERA Portal Austria bestätigt die Auswahl von 20 aus 709 Vorschlägen aus 39 Ländern und die gleichmäßige Verteilung auf beide Themenfelder. Zugesagt ist damit die erste Förderstufe, nicht eine Anschlussfinanzierung von 2,5 Millionen Euro.

Die 300.000 Euro finanzieren Validierung, nicht Skalierung

Ein ausgewähltes Deeptech-Team dokumentiert Ergebnisse der neunmonatigen Validierungsphase

In der ersten Stufe sollen die Teams ihre Lösungen weiterentwickeln, validieren und ihre Leistungsfähigkeit anhand geeigneter Benchmarks untersuchen. Außerdem müssen sie zeigen, dass ihr Ansatz die jeweilige technologische Herausforderung tatsächlich adressieren kann. Die Förderung ist dafür als Pauschale von 300.000 Euro je Projekt angelegt.

Das Arbeitsfenster von höchstens neun Monaten begrenzt den Auftrag deutlich: Es geht um technische Machbarkeit, belastbare Leistungsnachweise und die Vorbereitung weiterer Entwicklung. Die aktuelle Auswahl bedeutet dagegen nicht, dass die Systeme bereits einsatzbereit, zertifiziert oder wirtschaftlich skalierbar sind.

Aus den bestätigten Einzelbeträgen ergibt sich für die 20 Projekte rechnerisch ein Gesamtvolumen von sechs Millionen Euro in der ersten Stufe. Diese Summe ist von der möglichen späteren Förderung zu trennen: Sie fließt in die gesamte erste Kohorte, während die bis zu 2,5 Millionen Euro der zweiten Stufe jeweils nur nach einem weiteren Wettbewerb vergeben werden können.

Zwei Portfolios teilen sich die 20 Plätze

Ein Physical-AI-System wird unter realitätsnahen Bedingungen auf Leistung und Zuverlässigkeit geprüft

Zehn Projekte gehören zur Herausforderung „Accelerating Physical AI“. Sie entwickeln KI-Systeme, die in komplexen physischen Umgebungen wahrnehmen, entscheiden und handeln sollen. Das Portfolio umfasst Anwendungen für Logistik, maritime Einsatzfelder, Industrie- und Rettungsumgebungen sowie autonome wissenschaftliche Labore.

Die anderen zehn Vorhaben bearbeiten „Translating Disruptive New Approach Methodologies into Practice“. Diese New Approach Methodologies, kurz NAMs, sollen herkömmliche tierbasierte Forschungs- und Testverfahren ersetzen, reduzieren oder verfeinern und stärker auf für Menschen relevante Modelle ausrichten.

Zu den ausgewählten biomedizinischen Ansätzen zählen Tumor-on-Chip-Modelle, digitale Zwillinge für die Schlaganfallbehandlung, neue Methoden zur Sicherheitsprüfung von Gentherapien und computergestützte Werkzeuge für NAMs. Auch bei diesen Projekten finanziert die erste Stufe weder eine breite klinische Einführung noch eine bereits belegte Marktreife. Zunächst müssen die Verfahren überprüfbare Ergebnisse für ihre vorgesehenen Anwendungen liefern.

709 Vorschläge belegen Wettbewerb, aber keine Marktnachfrage

Die 709 eingereichten Vorschläge kamen aus 39 Ländern; nur 20 gelangten in die erste Stufe. Das entspricht rechnerisch knapp 2,9 Prozent der Einreichungen. Diese Quote beschreibt allerdings ausschließlich die Auswahl für den Pilotdurchgang und sagt noch nichts darüber aus, wie viele der geförderten Projekte später die zweite Stufe erreichen.

Die Bewerbungszahl ist auch kein Maß für kommerzielle Nachfrage. Sie erfasst Förderanträge aus zwei eng definierten Technologiefeldern, nicht Bestellungen, Umsätze oder marktreife Produkte. Ebenso wenig lässt sich daraus ableiten, wie groß die späteren Märkte sind oder welche der ausgewählten Technologien sich wirtschaftlich durchsetzen werden.

Der EIC erprobt mit der Kohorte einen Portfolioansatz: Mehrere Lösungen bearbeiten parallel dieselbe Herausforderung, Nutzer und weitere Beteiligte werden früh einbezogen, und zusätzliche Finanzierung folgt erst nach nachgewiesenem Fortschritt. Der Pilot prüft damit nicht nur einzelne Technologien, sondern auch das gestufte Förderverfahren selbst.

Bis zu 2,5 Millionen Euro werden erst 2027 vergeben

Erfüllte Meilensteine entscheiden über die Teilnahme am Förderwettbewerb 2027

Das zweistufige Fördermodell des EIC sieht für erfolgreiche Vorhaben in Stufe zwei bis zu 2,5 Millionen Euro als Pauschale und eine Laufzeit von bis zu zweieinhalb Jahren vor. Das Geld ist für die weitere Entwicklung der aussichtsreichsten Lösungen und für Tests in realen Umgebungen unter Beteiligung von Nutzern bestimmt.

Die höhere Summe ist noch keinem der 20 Projekte zugesagt. Für die Ausschreibung 2027 sind ausschließlich Vorhaben zugelassen, die bereits in der ersten Stufe gefördert wurden und diese erfolgreich abgeschlossen haben. Das Erreichen der Meilensteine eröffnet somit nur die Teilnahme am nächsten Wettbewerb; es begründet keinen automatischen Anspruch auf weitere Mittel.

Als vorläufige Einreichungsfrist nennt das Programm den 18. Juni 2027 um 17 Uhr Brüsseler Zeit. Bewerben können sich einzelne Start-ups, kleine und mittlere Unternehmen sowie Forschungseinrichtungen. Möglich sind außerdem Konsortien aus zwei unabhängigen Rechtsträgern aus zwei verschiedenen Mitglied- oder assoziierten Staaten sowie Konsortien mit höchstens drei berechtigten unabhängigen Rechtsträgern nach den allgemeinen Verteilungsregeln. Größere Unternehmen dürfen nicht allein antreten.

Offen bleibt, wie viele Projekte die zweite Stufe erreichen

In den kommenden Monaten müssen die Teams ihre Lösungen validieren, Leistungswerte dokumentieren und mit Nutzern oder anderen relevanten Beteiligten arbeiten. Erst diese Ergebnisse schaffen die Grundlage für die nächste Auswahl. Der EIC hat bislang weder die Zahl der späteren Förderfälle noch ein Fördervolumen für die gesamte zweite Kohorte genannt.

Damit ist der Stand der Auswahl klar abgegrenzt: Alle 20 Projekte befinden sich in der mit je 300.000 Euro finanzierten ersten Stufe. Wer 2027 tatsächlich bis zu 2,5 Millionen Euro erhält, entscheidet sich erst nach den Leistungsnachweisen und einem neuen Auswahlverfahren.

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