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Salesforce springt 22 Prozent – Agentforce liefert erstmals harte Zahlen

|Autor: QUASA-Redaktion|4 Min. Lesezeit| 1
Salesforce springt 22 Prozent – Agentforce liefert erstmals harte Zahlen

Salesforce veröffentlichte am 26. August 2026 die Ergebnisse für das zweite Quartal des Geschäftsjahres 2027. Am folgenden Handelstag sprang die Aktie um 22,6 Prozent und erzielte damit ihren besten Tag seit sechs Jahren, wie der Marktbericht der Associated Press festhält.

Agentforce wird in diesen Zahlen erstmals durch eine Kombination aus Vertragswert und isolierter Quartalsnutzung greifbar: Der annualisierte wiederkehrende Umsatz überstieg 1,5 Milliarden US-Dollar, während Agentforce und Slack im Quartal 3,2 Milliarden Agentic Work Units ausführten. Die Q2-Mitteilung von Salesforce nennt außerdem 11,3 Milliarden Dollar Gesamtumsatz, 33,5 Milliarden Dollar kurzfristige Leistungsverpflichtungen und eine auf 46,1 bis 46,4 Milliarden Dollar erhöhte Jahresprognose.

Warum die Aktie um 22,6 Prozent stieg

Die Marktreaktion ging über ein gewöhnliches Übertreffen der Erwartungen hinaus. Anleger hatten Softwareanbieter wie Salesforce zuvor unter dem Gesichtspunkt bewertet, dass autonome KI-Agenten etablierte Anwendungen und deren Lizenzmodelle schwächen könnten. Die Quartalszahlen liefern vorerst das Gegenbild: Salesforce verkauft KI-Funktionen innerhalb seiner Plattform, und die gemeldete Nutzung nimmt gleichzeitig zu.

Auch das Kerngeschäft stützte diese Neubewertung. Der Quartalsumsatz wuchs gegenüber dem Vorjahr um elf Prozent; die kurzfristigen Leistungsverpflichtungen, kurz cRPO, legten währungsbereinigt um 14 Prozent zu. cRPO umfasst vertraglich zugesagte Erlöse, die voraussichtlich innerhalb der kommenden zwölf Monate verbucht werden, und ist deshalb ein breiterer Indikator für die Auftragslage als die Agentforce-Aktivität allein.

Der Impuls erfasste weitere Softwarewerte. Der State Street Software and Services ETF, der rund 130 Software- und IT-Aktien abbildet, gewann am 27. August 5,2 Prozent und erreichte ein Rekordhoch; die Axios-Auswertung der Branchenreaktion ordnet den Salesforce-Sprung damit in eine breitere Erholung des Sektors ein.

ARR ist die härteste Agentforce-Geschäftszahl

Salesforce trennt das Agentforce-ARR von über 1,5 Milliarden Dollar klar vom verbuchten Quartalsumsatz.

Für die wirtschaftliche Bedeutung von Agentforce ist der Annual Recurring Revenue die aussagekräftigste veröffentlichte Kennzahl. ARR bildet den auf ein Jahr hochgerechneten wiederkehrenden Wert aktiver Verträge ab. Damit liegt die Größe näher am verkauften Geschäft als Angaben zu Nutzern, abgeschlossenen Aufgaben oder verarbeiteten Daten.

Der Agentforce-ARR von mehr als 1,5 Milliarden Dollar wuchs um über 240 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Zusammen erreichten Agentforce und Data 360 knapp 3,9 Milliarden Dollar ARR, ein Plus von mehr als 210 Prozent. Diese Beträge sind jedoch kein separat verbuchter Quartalsumsatz und dürfen nicht zum Konzernumsatz addiert werden.

Für den Jahresvergleich gilt zudem eine wichtige Einschränkung: Seit dem zweiten Quartal zählt Salesforce neben seinen KI-Angeboten auch Slackbot und Headless 360 zum Agentforce-ARR. Das gemeldete Wachstum bezieht sich damit auf eine breiter definierte Produktgruppe. Die Kennzahl zeigt reales Vertragsvolumen, bildet aber keine über alle Perioden unveränderte Messreihe ab.

Work Units belegen Nutzung, nicht Rentabilität

Die zweite relevante Kennzahl sind Agentic Work Units. Salesforce versteht darunter einzelne Aufgaben, die KI-Agenten in produktiven Systemen ausführen, etwa das Aktualisieren eines Datensatzes oder das Auslösen eines automatisierten Ablaufs. Zum Quartalsende waren über Agentforce und Slack kumuliert 7,0 Milliarden solcher Einheiten verarbeitet worden.

Entscheidend für die neue Aussagekraft ist die erstmals separat ausgewiesene Quartalsmenge: 3,2 Milliarden Work Units im zweiten Quartal, 97 Prozent mehr als im Vorquartal. Dadurch lässt sich die aktuelle Nutzung besser von der seit Einführung angesammelten Gesamtzahl trennen. In diesem engeren Sinn liefert Agentforce nun erstmals harte Zahlen, die Vertragswert und laufende Aktivität für denselben Berichtszeitraum zusammenführen.

Eine Work Unit besitzt dennoch keinen einheitlichen Geldwert. Die Kennzahl zeigt weder den Preis je Aufgabe noch die Marge, die Zahl der zahlenden Kunden oder die Dauerhaftigkeit der Nutzung. ARR misst daher das annualisierte Geschäft, während Work Units zunächst Aktivität abbilden; erst ihre gemeinsame Entwicklung macht die Kommerzialisierung belastbarer sichtbar.

Die höhere Prognose enthält Zukäufe

Die Salesforce-Prognose verbindet organisches Wachstum, Übernahmen und Währungseffekte zu einer Nettoanhebung um 200 Millionen Dollar.

Die Anhebung der Umsatzprognose um netto 200 Millionen Dollar ist positiv, aber nicht vollständig organisch. In der Überleitung entfallen 100 Millionen Dollar auf eine bessere organische Entwicklung und 200 Millionen auf die geplanten Übernahmen von Contentful und Fin. Ein negativer Währungseffekt von 100 Millionen Dollar reduziert die Erhöhung auf den ausgewiesenen Nettobetrag.

Die Prognose setzt voraus, dass beide Transaktionen wie erwartet im dritten Geschäftsquartal abgeschlossen werden. Informatica beeinflusst die Wachstumsrate bereits: Das übernommene Unternehmen steuerte 456 Millionen Dollar zum Quartalsumsatz bei und soll im Gesamtjahr etwas mehr als drei Prozentpunkte zum Umsatzwachstum beitragen. Die angehobene Prognose ist deshalb kein isolierter Beleg dafür, dass Agentforce allein den Konzern beschleunigt.

Was über das KI-Geschäft noch fehlt

Messbar sind nun drei Ebenen: das annualisierte Vertragsvolumen von Agentforce, die im Quartal ausgeführte agentische Arbeit und ein weiterhin wachsendes Gesamtgeschäft. Nicht veröffentlicht wurden ein separat verbuchter Agentforce-Quartalsumsatz, eine produktspezifische Marge sowie die Verteilung der Work Units auf Kunden, Vertragsarten und Anwendungsfälle.

Salesforce hat für den 1. September 2026 eine Präsentation zur Produktnutzung und für den 16. September einen Investor Day angekündigt. Bis dahin belegen die Q2-Zahlen, dass Agentforce nicht nur Marketingaktivität erzeugt, sondern mit wiederkehrenden Verträgen und produktiver Nutzung verbunden ist. Ob daraus dauerhaft profitables Wachstum entsteht, lässt sich aus den bislang veröffentlichten Kennzahlen noch nicht ableiten.

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