Gumroad oder Lemon Squeezy: Bei 100 Dollar bleiben rund fünf mehr

|Autor: QUASA-Redaktion|5 Min. Lesezeit
Gumroad oder Lemon Squeezy: Bei 100 Dollar bleiben rund fünf mehr

Bei einem direkten Verkauf über 100 US-Dollar ergeben sich aus Gumroads Satz von 10 Prozent plus 0,50 Dollar und Lemon Squeezys Satz von 5 Prozent plus 0,50 Dollar Plattformgebühren von 10,50 beziehungsweise 5,50 Dollar. Vor weiteren Posten bleiben damit 89,50 Dollar bei Gumroad und 94,50 Dollar bei Lemon Squeezy: fünf Dollar Unterschied.

Für selbst gewonnene Käufer ist Lemon Squeezy nach diesen Standardsätzen die günstigere Ausgangswahl. Die tatsächliche Gutschrift hängt aber vom Zahlungsweg, einer möglichen Verkaufssteuer und den Auszahlungskosten ab. Wer Downloads, Abos oder lizenzierte Software verkauft, sollte zudem unterscheiden, ob die Plattform nur kassiert oder auch Käufer vermittelt und den Zugang zum Produkt verwaltet.

Was bei kleinen und größeren Warenkörben übrig bleibt

Die fünf Dollar gelten für den Vergleich der reinen Plattformgebühren. Die Gebührendokumentation von Lemon Squeezy nennt zusätzlich 1,5 Prozent für internationale Transaktionen außerhalb der USA, 1,5 Prozent für PayPal und 0,5 Prozent für Abos. Bei Gumroad kommen zur direkten Plattformgebühr für Kartenzahlungen 2,9 Prozent plus 0,30 Dollar Zahlungsabwicklung hinzu; für PayPal gelten eigene Gebühren.

Unter der Modellannahme eines steuerfreien direkten Kartenkaufs über 100 Dollar ergibt das bei Gumroad 86,30 Dollar nach Plattform- und Kartenkosten. Wird derselbe Kauf bei Lemon Squeezy als internationale Transaktion berechnet, bleiben 93,00 Dollar nach Transaktionsgebühren. Der Abstand beträgt dann 6,70 Dollar. Ohne internationalen Aufschlag wären es bei Lemon Squeezy 94,50 Dollar und damit 8,20 Dollar mehr als im Gumroad-Kartenmodell.

Bei einem ebenfalls nur beispielhaften Warenkorb über 25 Dollar bleiben mit Gumroad-Kartenzahlung gerundet 20,98 Dollar, mit dem internationalen Lemon-Squeezy-Satz 22,88 Dollar. Die feste Gebühr belastet den kleineren Verkauf anteilig stärker; der absolute Abstand schrumpft auf rund 1,90 Dollar. Diese Beträge sind weder Gewinn noch zugesicherte Bankgutschriften: Verkaufssteuer, Rückerstattungen, Auszahlungsgebühren und Währungsumrechnung sind nicht eingerechnet.

Für einen internationalen PayPal-Kauf über 100 Dollar addieren sich bei Lemon Squeezy im Modell die beiden Aufschläge auf den Standardsatz. Nach 5 Prozent Grundgebühr, zweimal 1,5 Prozent und 0,50 Dollar Festbetrag bleiben 91,50 Dollar vor Steuer und Auszahlung. Ein gleichartiger Gumroad-Wert lässt sich aus dessen Kartensatz nicht ableiten, weil die PayPal-Kosten gesondert anfallen.

Die Steuerrolle spart Arbeit, der Endpreis bleibt entscheidend

Beide Dienste treten beim Verkauf über ihre Plattform als Merchant of Record auf. Gumroads Preisübersicht beschreibt die Übernahme von Erhebung und Abführung der Verkaufssteuern; Lemon Squeezy übernimmt diese Aufgabe ebenfalls. Für Verkäufer im deutschsprachigen Raum nimmt das einen wesentlichen Teil der Steuerabwicklung bei internationalen digitalen Verkäufen aus dem eigenen Checkout. Die steuerliche Behandlung der eigenen Einnahmen und die Buchführung bleiben davon getrennte Fragen.

Ein steuerfreier Modellverkauf über 100 Dollar lässt sich deshalb nicht ohne Weiteres mit einem Endpreis von 100 Dollar einschließlich Umsatzsteuer gleichsetzen. Ist Steuer im Endpreis enthalten, steht nicht der volle Betrag als Erlös vor Gebühren zur Verfügung. Wird sie zusätzlich auf einen Produktpreis aufgeschlagen, steigt bei Lemon Squeezy auch die Bemessungsgrundlage der Plattformgebühr: Der Dienst berechnet sie auf den gesamten Bestellwert einschließlich erhobener Steuer.

Das macht die Preisgestaltung für Käufer in Deutschland, Österreich und der Schweiz relevant. Zwei Shops können denselben Produktpreis anzeigen und dennoch unterschiedliche Endpreise erzeugen; umgekehrt kann ein identischer Endpreis zu einem anderen Verkäufererlös führen. Die Gebührenmodelle sind nur dann sinnvoll vergleichbar, wenn Produktpreis, Steuerbehandlung und Zahlungsweg in beiden Rechnungen gleich gesetzt werden.

Marktplatzverkäufe sind ein anderer Vertriebskanal

Ein Verkauf über Gumroads Discover kostet 30 Prozent einschließlich Zahlungsabwicklung statt des direkten Tarifs. Bei einem steuerfreien Modellverkauf über 100 Dollar blieben vor weiteren Posten 70 Dollar. Dafür kann Discover Käufer erreichen, die nicht über einen eigenen Link gekommen sind. Ob sich die höhere Gebühr lohnt, hängt vom Anteil tatsächlich zusätzlicher Bestellungen ab; aus der bloßen Präsenz im Marktplatz folgt keine bestimmte Reichweite.

Auch Lemon Squeezy betreibt einen Marktplatz für digitale Produkte. Bei dort entstandenen Verkäufen ersetzt eine pauschale Gebühr von 30 Prozent den Standardtarif. Ein Produkt kann für die Aufnahme infrage kommen, nachdem es im eigenen Lemon-Squeezy-Shop mindestens drei Verkäufe oder 50 Dollar Umsatz erzielt hat; anschließend wird der Eintrag geprüft und freigegeben.

Damit ist ein Vergleich zwischen einem über Discover gefundenen Gumroad-Käufer und einem selbst gewonnenen Lemon-Squeezy-Käufer schief. Bei beiden Plattformen steht der höhere Marktplatzsatz einem möglichen zusätzlichen Verkauf gegenüber. Wer bereits eine eigene Leserschaft, Mailingliste oder Website mit verlässlichem Käuferstrom hat, profitiert eher vom direkten Tarif. Wer auf Entdeckung innerhalb einer Plattform setzt, muss den Verkaufskanal getrennt von den direkten Bestellungen beurteilen.

Downloads, Abos und Lizenzen setzen andere Schwerpunkte

Für einen einzelnen Download mit eigener Kundschaft spricht vor allem der niedrigere direkte Lemon-Squeezy-Satz. Gumroad bleibt eine Option, wenn die einfache Veröffentlichung und Verkäufe über Discover für das konkrete Produkt mehr wert sind als die höhere Gebühr. Bei hohen direkten Umsätzen verändert sich der Abstand: Nach 20.000 Dollar bezahltem Umsatz in einem Kalendermonat sinkt Gumroads Plattformgebühr für weitere direkte Verkäufe dieses Monats auf 5 Prozent plus 0,50 Dollar. Die gesonderte Kartenverarbeitung bleibt dabei bestehen.

Bei Abos kommt bei Lemon Squeezy der dokumentierte Aufschlag von 0,5 Prozent hinzu. Ein beispielhaftes Abo über 100 Dollar mit internationaler Kartenzahlung lässt nach Plattformgebühr und den beiden einschlägigen Aufschlägen 92,50 Dollar vor Steuer und Auszahlung. Für die Wahl zählt außerdem die Verwaltung der laufenden Beziehung: Lemon Squeezy bietet wiederkehrende Zahlungen, Testphasen sowie Änderungen und Kündigungen von Abos. Gumroad unterstützt ebenfalls Mitgliedschaften; eine Entscheidung allein anhand des Satzes für einen einmaligen Download würde diese Unterschiede verdecken.

Bei lizenzierter Software kann Lemon Squeezy nach dem Kauf automatisch Lizenzschlüssel ausgeben und deren Status verwalten. Das ist ein konkreter Vorteil, wenn eine App oder ein Plugin den bezahlten Zugang über solche Schlüssel steuert. Für eine PDF-Datei oder eine einfache Vorlage entsteht aus dieser Funktion dagegen kaum zusätzlicher Nutzen. In diesem Fall wiegen der tatsächlich genutzte Verkaufskanal und die Kosten je Zahlungsart stärker.

Schließlich fällt Transaktionserlös nicht immer mit dem späteren Kontoeingang zusammen. Lemon Squeezy verarbeitet Auszahlungen zweimal im Monat; für Auszahlungen auf Bankkonten außerhalb der USA nennt die Gebührendokumentation einen Abzug von 1 Prozent pro Auszahlung. Eine Auszahlung per PayPal außerhalb der USA hat einen anderen Satz. Für Verkäufer mit laufenden Ausgaben zählt deshalb neben der Marge pro Bestellung auch, wann und in welcher Währung der Betrag ankommt.

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