Start-ups & Wirtschaft

Fasset wird zum Einhorn – SBI setzt auf Stablecoin-Zahlungen über Grenzen hinweg

|Autor: QUASA-Redaktion|5 Min. Lesezeit| 1
Fasset wird zum Einhorn – SBI setzt auf Stablecoin-Zahlungen über Grenzen hinweg

Fasset kündigte am 24. August 2026 eine von der japanischen SBI Group angeführte Series C über 68 Millionen US-Dollar an. Die Finanzierung bewertet das Stablecoin-Fintech mit einer Milliarde Dollar und macht es nach der üblichen Bezeichnung für private Start-ups zum Einhorn; das Kapital soll vor allem Own Network ausbauen, wie Fassets Mitteilung zur Finanzierungsrunde ausführt.

Am selben Tag bestätigte SBI den Beschluss zu einem zusätzlichen Investment und die aus dem Anteilspreis abgeleitete Milliardenbewertung. Die Mitteilung von SBI Holdings bezeichnet die Series C allerdings als noch laufend: Nach ihrem Abschluss und der Ausübung von Optionsrechten soll Fasset als Equity-Method-Affiliate geführt werden; zugleich beziffert SBI die Reichweite von Own Network auf 16 Blockchain-Netzwerke und mehr als 100 Bankkorridore.

Was bei der Series C bereits feststeht

Fassets Series-C-Finanzierung über 68 Millionen Dollar mit einer daraus abgeleiteten Milliardenbewertung im formalen Abschlussprozess

Die Runde folgt auf eine Series B über 51 Millionen Dollar im Mai 2026. Nach Fassets Rechnung steigt das im laufenden Jahr eingeworbene Kapital dadurch auf 119 Millionen Dollar. Speedinvest, das in der vorangegangenen Runde auf die Gesellschafterliste kam, wird erneut als Unterstützer genannt; eine vollständige Investorenliste, einzelne Beteiligungshöhen und weitere Konditionen wurden nicht veröffentlicht.

Eine Berichterstattung von TNGlobal nennt ebenfalls 68 Millionen Dollar, SBI als Lead-Investor und eine Bewertung von einer Milliarde Dollar. Der Einhornstatus beruht damit auf dem Preis der Anteile in einer privaten Transaktion. Er ist weder ein Börsenwert noch ein belegter Verkaufspreis für das gesamte Unternehmen.

Zwischen den Formulierungen der Parteien bleibt ein wichtiger Statusunterschied: Fasset schreibt, das Unternehmen habe das Kapital aufgenommen; SBI spricht von einem beschlossenen Zusatzinvestment und einer noch laufenden Runde. Gesichert sind die Investitionsentscheidung und die daraus abgeleitete Bewertung. Der vollständige formale Vollzug der Series C war in den am 24. August veröffentlichten Angaben dagegen noch nicht bestätigt.

Own Network soll getrennte Zahlungswege verbinden

Own Network verbindet mehrere Finanz- und Abwicklungswege bis zum bestätigten Eingang einer grenzüberschreitenden Zahlung

Hinter der Bewertung steht nicht nur eine App oder ein digitales Wallet. Own Network verbindet nach der Darstellung der Parteien lokale Banksysteme, Zahlungsdienstleister, Telekommunikationsunternehmen, Liquiditätsanbieter, Verwahrer und Abwicklungsnetze. Stablecoins werden in geeigneten Teilen dieser Infrastruktur für die Abwicklung eingesetzt, während Kunden über Konten und Finanzprodukte auf das System zugreifen sollen, ohne die zugrunde liegenden Blockchain-Prozesse selbst verwalten zu müssen.

Die genannten 16 Blockchain-Netzwerke und mehr als 100 Bankkorridore beschreiben technische und geschäftliche Verbindungen zwischen Märkten. Sie bedeuten nicht, dass ein einheitlicher Dienst in jedem der 125 Länder und Gebiete verfügbar ist, in denen Fasset nach eigenen Angaben Nutzer erreicht. Für jeden Korridor können andere Bankpartner, Lizenzen, Liquiditätsquellen, Währungen und Auszahlungswege gelten; eine vollständige öffentliche Aufschlüsselung liegt nicht vor.

Ein weiterer Teil des Kapitals soll in KI-gestützte Systeme für die Wahl von Zahlungswegen fließen. Fasset will Transaktionen anhand von Kosten, Geschwindigkeit, verfügbarer Liquidität und Erreichbarkeit über unterschiedliche Währungen, Anbieter und Abwicklungsmethoden leiten. Das ist eine angekündigte Ausbauabsicht: Vergleichbare Messwerte zu Einsparungen, Ausfallquoten oder Abwicklungszeiten hat das Unternehmen für diese Systeme bislang nicht vorgelegt.

Warum SBI mehr als eine Finanzbeteiligung plant

SBI und Fasset verbinden japanische Überweisungsinfrastruktur mit einem regulierten Finanzinstitut in einem Wachstumsmarkt

Für SBI soll Fasset Japan mit Wachstumsmärkten in Asien, dem Nahen Osten und Afrika verbinden. Der Konzern ordnet internationale Überweisungs- und Abwicklungswege auf Stablecoin-Basis als Kernelement seiner geplanten digitalen Wirtschaftszone im asiatisch-pazifischen Raum ein. Die Investition ist deshalb mit einer operativen Zusammenarbeit verbunden und nicht allein als passive Venture-Capital-Beteiligung angelegt.

Schon vor der Series C hatten Fasset und die SBI-Tochter SBI Remit eine strategische Zusammenarbeit für internationale Geldtransfers vereinbart. Die Ankündigung der Remittance-Partnerschaft vom 29. Juni beschrieb die Verbindung von SBI Remits Auszahlungsnetz mit Own Network; die darin genannten Kostensenkungen und kürzeren Abwicklungszeiten waren Ziele der Kooperation, keine veröffentlichten Testergebnisse.

Nach Abschluss der Finanzierungsrunde plant SBI zudem den gemeinsamen Betrieb einer Digitalbank in Malaysia und die gemeinsame Verbreitung von Fasset ausgegebener Token. Auch dabei handelt es sich um Vorhaben, nicht um bereits abgeschlossene Produkteinführungen. Ob die kombinierte Infrastruktur grenzüberschreitende Zahlungen tatsächlich günstiger oder schneller macht, hängt unter anderem von Regulierung, Liquidität, Währungsumtausch und der lokalen Auszahlung ab.

Reichweitenangaben ersetzen noch keine Ertragsdaten

Fasset beziffert sein annualisiertes Transaktionsvolumen auf mehr als 40 Milliarden Dollar und nennt über drei Millionen Wallets, mehr als 1.000 Unternehmenskunden sowie Nutzer in 125 Ländern und Gebieten. Diese operativen Angaben stammen vom Unternehmen; veröffentlichte Prüfberichte oder eine Aufteilung nach aktiven Märkten wurden nicht vorgelegt. Das annualisierte Volumen misst außerdem den hochgerechneten Wert der abgewickelten Transaktionen, nicht Fassets Umsatz oder Gewinn.

Auch die Zahl der Wallets sagt ohne Angaben zu aktiven Konten und Transaktionshäufigkeit wenig über die Nutzungsintensität aus. Öffentlich fehlen zudem Kennzahlen zu Umsatz, Gebührenquote, Bruttomarge und Profitabilität. Die Milliardenbewertung lässt sich daher anhand der bekannten Geschäftsdaten nicht unabhängig nachrechnen.

Der bestätigte Kern der Nachricht bleibt: Fasset und SBI stellten am 24. August 2026 eine zusätzliche Finanzierung mit einer daraus abgeleiteten Bewertung von einer Milliarde Dollar sowie eine engere strategische Verbindung vor. Als nächste überprüfbare Schritte stehen der formale Abschluss der Series C, die geplante Bilanzierung als Equity-Method-Affiliate und Fortschritte bei den gemeinsamen Projekten aus. Erst Daten zu tatsächlich aktiven Korridoren, Kosten, Margen und regulatorischer Abdeckung werden zeigen, wie tragfähig das grenzüberschreitende Abwicklungsgeschäft ist.

Lesen Sie auch:

Teilen:

Newsletter abonnieren

Erhalten Sie die neuesten Nachrichten zu Web3, KI und Krypto direkt in Ihren Posteingang.

0