Culture Amp oder Leapsome: Tiefere Benchmarks treffen auf mehr Module

|Autor: QUASA-Redaktion|6 Min. Lesezeit
Culture Amp oder Leapsome: Tiefere Benchmarks treffen auf mehr Module

Culture Amp ist die naheliegende Wahl, wenn ein People-Team Mitarbeiterbefragungen vertieft auswerten und Ergebnisse mit externen Vergleichswerten einordnen will. Die Plattformbeschreibung von Culture Amp nennt 40+ Umfragevorlagen und mehr als 1,6 Milliarden beantwortete Fragen als Grundlage für Analysen und Benchmarks. Die große Datenbasis ist ein Vorteil für die Diagnose; ob eine bestimmte Vergleichsgruppe zum eigenen Unternehmen passt, bleibt eine eigene Frage.

Leapsome passt besser, wenn Beurteilungen, Ziele und Weiterbildung als verbundener Ablauf betrieben werden sollen. Die Produktübersicht von Leapsome führt Reviews, Engagementbefragungen, Ziele, Lernen und Workflows als Module einer Plattform auf; das Unternehmen nennt mehr als 2.000 Kundenorganisationen. Für die Auswahl zählt damit vor allem, welche wiederkehrende Arbeit das People-Team vereinfachen muss: Engagement diagnostizieren, Leistungszyklen steuern oder Entwicklung mit Zielen verbinden.

Engagement diagnostizieren: Was bringt ein externer Benchmark?

Culture Amp ordnet Antworten aus Mitarbeiterbefragungen passenden Vergleichsgruppen zu.

Culture Amps Schwerpunkt ist die Einordnung von Rückmeldungen. Wer regelmäßig dieselben Engagementfragen stellt, kann interne Veränderungen über die Zeit verfolgen und zusätzlich einen externen Vergleich heranziehen. Das hilft besonders dann, wenn ein niedriger Wert erklärt werden soll: Liegt eine Abteilung unter dem eigenen Unternehmensschnitt, oder fällt das Ergebnis auch gegenüber einer geeigneten Vergleichsgruppe auf?

Die Größe einer Datenbasis allein beantwortet diese Frage nicht. Ein Branchenwert kann für einen Arbeitgeber in Deutschland, Österreich oder der deutschsprachigen Schweiz wenig aussagen, wenn Zusammensetzung, Befragungszeitraum oder Frageformulierung nicht zum eigenen Fall passen. Auch ein Wechsel der Fragen zwischen Befragungen erschwert die Deutung eines Trends. Für Teams mit diesem Diagnoseauftrag sind deshalb die verfügbaren Vergleichsgruppen und die Beständigkeit der Messung wichtiger als die bloße Zahl der Vorlagen.

Leapsome bietet ebenfalls Engagementbefragungen und Auswertungen. Sein Nutzen liegt hier stärker darin, Rückmeldungen mit weiteren Personalprozessen zu verbinden. Wenn eine Befragung vor allem zeigen soll, wo Führungskräfte oder Teams handeln müssen, kann diese Verbindung wichtiger sein als ein möglichst großer externer Vergleichspool. Bei einer Organisation, die ihre Kultur über Standorte und Jahre hinweg systematisch messen will, wiegt die Tiefe der Benchmarks dagegen schwerer.

Leistungszyklen: Wo entsteht die Verwaltungsarbeit?

Beide Plattformen decken Leistungsbeurteilungen und Feedback ab. Culture Amp führt Reviews, Kalibrierung, Zielmanagement und Entwicklungspläne neben seinen Engagementfunktionen. Leapsome verknüpft Reviews mit Zielen, Rückmeldungen und weiteren Modulen auf einem gemeinsamen Mitarbeiterdatensatz. Die Entscheidung sollte daher am tatsächlichen Engpass ansetzen: Fehlt vor allem eine gute Deutung der Ergebnisse, oder kosten Übergaben zwischen Zielständen, Beurteilungen und Folgegesprächen zu viel Arbeit?

Ein gemeinsames System kann Informationen für einen Review-Zyklus leichter zusammenführen. Dieser Vorteil entsteht aber nur, wenn Rollen und Berechtigungen stimmen und die beteiligten Führungskräfte den Ablauf tatsächlich darin führen. Bleiben Ziele in einer anderen Anwendung und Feedback in persönlichen Notizen, trägt eine zusätzliche Plattform zunächst eher zur Pflege mehrerer Datenbestände bei. Umgekehrt muss ein Team mit einem bereits funktionierenden Zielprozess keinen weiteren Zielbereich einführen, nur weil er verfügbar ist.

Für den Administrationsaufwand zählen konkrete Tätigkeiten: Wer legt einen Zyklus an, wer erinnert an ausstehende Beiträge, wer darf Bewertungen sehen und wer bereitet eine Kalibrierung vor? An diesen Übergängen zeigt sich der Unterschied zwischen einem umfangreichen Funktionskatalog und einem Ablauf, der die Arbeit im People-Team tatsächlich bündelt. Die passende Konfiguration hängt von Verantwortlichkeiten und vorhandenen Systemen ab, nicht allein von der Zahl der angebotenen Module.

Lernen mit Zielen verbinden: Wann zählt ein eigenes Lernmodul?

Leapsome verbindet einen Entwicklungsbedarf aus der Beurteilung mit Zielen und Lernen.

Leapsomes größter Unterschied für den Entwicklungsauftrag ist das Lernmodul innerhalb derselben Plattform wie Reviews und Ziele. Ein in einer Beurteilung erkannter Entwicklungsbedarf kann so einem Ziel und einem Lernpfad zugeordnet werden. Das ist vor allem für Organisationen interessant, die solche Übergänge bisher zwischen mehreren Anwendungen oder Personen koordinieren. Inhalte, Fortschritt und spätere Gespräche lassen sich dann im selben Arbeitszusammenhang betrachten.

Culture Amp bietet seinerseits Entwicklungspläne, Zielmanagement und Unterstützung für Führungskräfte. Die Wahl verläuft deshalb nicht zwischen Entwicklung und keiner Entwicklung. Entscheidend ist, ob das People-Team Lernpfade und deren laufende Pflege selbst als Teil der Plattform betreiben will. Liegt der Schwerpunkt auf Gesprächen, Führungsqualität und der Interpretation von Engagementdaten, können Entwicklungspläne ohne einen breiteren Lernbetrieb genügen.

Ein Lernmodul spart zudem nicht automatisch Zeit. Kurse brauchen passende Inhalte und Verantwortliche; Ziele müssen aktualisiert und Zugriffe gepflegt werden. Wer bereits ein etabliertes Lernsystem nutzt, sollte den zusätzlichen Nutzen einer engeren Verbindung gegen diese doppelte Pflege abwägen. Für ein Team ohne solches System kann Leapsomes Modulbreite dagegen einen eigenständigen Ausschlag geben.

Nutzerwerte: Ein Hinweis zur Bedienung, kein Siegerurteil

Bei der Bedienbarkeit liegt Leapsome im zitierten Vergleich mit 9,0 vor Culture Amp mit 8,5 Punkten.

Der Vergleich von PRS Consultancy gibt auf Grundlage von mehr als 1.800 Nutzerbewertungen insgesamt 8,7 von 10 Punkten für Culture Amp und 8,9 für Leapsome an; für Bedienbarkeit nennt er 8,5 und 9,0 Punkte. Die Übersicht weist dabei ungefähr 1.000 Bewertungen für Culture Amp und 800 für Leapsome aus. Der Abstand bei der Bedienbarkeit ist ein Anlass, die alltäglichen Abläufe genauer anzusehen.

Die Seite legt nicht hinreichend offen, wie die Gesamt- und Bedienbarkeitswerte berechnet wurden. Sie sind deshalb keine Messung, bei der beide Produkte unter identischen Bedingungen getestet wurden. Für die Auswahl ist aufschlussreicher, ob die Personen, die später Befragungen anlegen, Review-Runden verwalten und Ziele pflegen, ihre jeweiligen Aufgaben ohne unnötige Übergaben erledigen können. Ein Durchschnittswert erfasst diese konkrete Rollenverteilung nur begrenzt.

Datenschutz und Betrieb im DACH-Raum

Bei Befragungen und Beurteilungen gehören Datenstandort und Zugriffsrechte zur Produktauswahl. Die Anleitung von Culture Amp zur Datenregion nennt Rechenzentren in den USA, der EU und Australien: Die Region wird vor Einrichtung des Kontos vertraglich festgelegt; ohne angegebene Präferenz ist das US-Rechenzentrum voreingestellt. Wer eine EU-Region benötigt, muss diese Wahl im Vertrag festhalten. Der Standort des Unternehmens legt die Region nicht automatisch fest.

Leapsomes Vereinbarung zur Auftragsverarbeitung beschreibt Personal-, Leistungs- und Lerndaten sowie technische und vertragliche Zugriffsbeschränkungen für Antworten, die unter der Einstellung „anonym“ abgegeben werden. Für die konkrete Einführung kommt es dennoch auf die aktivierten Module, Berechtigungen, Aufbewahrungsregeln und Unterauftragnehmer an. Gerade wenn Befragungsdaten mit Beurteilungen und Lerninformationen in einer Plattform liegen, sollten diese Grenzen zur geplanten Nutzung passen.

Der laufende Verwaltungsaufwand ist die andere Seite der Modulbreite. Eine verbundene Plattform kann doppelte Eingaben vermeiden, verlangt aber abgestimmte Stammdaten und Zuständigkeiten. Ein stärker auf Diagnose ausgerichtetes System kann gut zu vorhandenen Ziel- und Lernanwendungen passen, sofern die Übergaben verlässlich sind. Für People-Teams mit vertieftem Befragungsauftrag spricht damit mehr für Culture Amp; für Teams, die Reviews, Ziele und Lernen gemeinsam betreiben wollen, mehr für Leapsome.

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