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Claude-Sitzungen gestohlen: Selbst 2FA stoppt den Infostealer nicht

|Autor: QUASA-Redaktion|5 Min. Lesezeit| 3
Claude-Sitzungen gestohlen: Selbst 2FA stoppt den Infostealer nicht

Seit dem 30. August 2026 warnt Anthropic betroffene Claude-Nutzer vor aktiven Anmeldesitzungen, die Infostealer von bereits kompromittierten Computern kopiert haben. Angreifer konnten damit Claude-Konten verwenden und Nutzungskontingente verbrauchen, ohne einen neuen Passwort- oder 2FA-Dialog auszulösen, wie die Dokumentation von BleepingComputer anhand einer Warnmail zeigt.

Nach dem am 31. August bekannten Stand ist keine Sicherheitslücke in Claude selbst bestätigt. Die Schadsoftware befand sich wahrscheinlich bereits auf den Rechnern; Anthropic meldet erkannte Sitzungen ab, entfernt gespeicherte Zahlungsmittel und erstattet Claude-Kosten, die das Unternehmen als unberechtigt identifiziert.

Gestohlen wird der angemeldete Zustand

Der Angriff beginnt auf dem Endgerät, nicht mit einem Einbruch in das Anmeldesystem von Claude. Allgemeine Infostealer sammeln lokal gespeicherte Daten wie Browser-Passwörter, Login-Cookies und Zugangsdaten anderer Anwendungen. Aus diesen Datensätzen wurden offenbar noch gültige Claude-Sitzungen ausgewählt und anschließend für fremde Nutzung wiederverwendet.

Auf betroffenen Windows-Systemen wurden Vidar, Lumma beziehungsweise LummaC2, StealC, RedLine und Acreed identifiziert; auf einer kleineren Zahl von Macs wurde Atomic Stealer, auch AMOS genannt, gefunden. Der Bericht von SecurityWeek vom 31. August ordnet diese Programme als allgemeine Schadsoftware ein, die nicht zu Claude gehört und unter anderem über inoffizielle Downloads oder schädliche Anwendungen auf Geräte gelangen kann.

Wie viele Konten insgesamt betroffen sind, über welchen Zeitraum Sitzungsdaten gesammelt wurden und ob eine einzelne Tätergruppe hinter allen Fällen steht, ist nicht öffentlich bekannt. Die Untersuchung läuft deshalb weiter.

Warum 2FA die übernommene Sitzung nicht stoppt

Eine bereits authentifizierte Claude-Sitzung wird ohne erneute Passwort- oder 2FA-Abfrage unbefugt weiterverwendet.

Ein gültiges Sitzungstoken steht für eine bereits abgeschlossene Anmeldung. Passwort und zweiter Faktor wurden abgefragt, bevor der Dienst diese Sitzung erzeugt hat. Wird ihr gültiger Zustand anschließend kopiert, führt der Angreifer keinen gewöhnlichen neuen Login aus und löst deshalb auch keine erneute 2FA-Prüfung aus.

Die Überschrift bedeutet somit nicht, dass die Zwei-Faktor-Authentifizierung geknackt oder bei Claude abgeschaltet wurde. Sie schützt weiterhin gegen viele Anmeldeversuche mit einem gestohlenen Passwort, verhindert aber weder die Infektion des Rechners noch automatisch die Wiederverwendung einer schon authentifizierten Sitzung.

Auch das bloße Ändern von Zugangsdaten löst nur einen Teil des Problems. Zuerst muss die entwendete Sitzung ungültig werden; danach muss der Infostealer vom Gerät entfernt sein, bevor dort eine neue Sitzung entsteht. Andernfalls kann die Schadsoftware auch die neu erzeugten Sitzungsdaten erneut kopieren.

Diese Signale können auf eine Übernahme hinweisen

Unerwarteter Claude-Verbrauch, erzwungene Abmeldung und entferntes Zahlungsmittel weisen auf eine mögliche Sitzungsübernahme hin.

Das deutlichste beschriebene Warnzeichen sind Nutzungslimits, die sich ohne eigene Aktivität auffüllen und anschließend wieder leeren. Eine unerwartete Abmeldung auf mehreren Geräten, ein entferntes Zahlungsmittel oder eine direkte Warnmail von Anthropic passen ebenfalls zu den Schutzmaßnahmen bei erkannten Fällen. Eine erzwungene Abmeldung ist dann nicht die Ursache des Problems, sondern bereits dessen Eindämmung.

Ein Nutzer dokumentierte in einem Erfahrungsbericht über die Warnung vom 28. August, dass Anthropic seine Sitzungen beendet und das gespeicherte Zahlungsmittel entfernt habe. Malwarebytes habe auf seinem Rechner keinen Fund geliefert. Der einzelne Bericht bestätigt die empfangene Warnung und die Kontomaßnahmen, belegt aber weder die genaue Infektionsquelle noch, dass ein negativer Scan einen Infostealer zuverlässig ausschließt.

Verdächtige E-Mails sollten nicht über darin enthaltene Links geprüft werden. Sicherer ist es, Claude auf einem vertrauenswürdigen Gerät über eine selbst eingegebene Adresse zu öffnen und dort Kontostatus, Nutzung und Zahlungsmittel zu kontrollieren.

Erst die Sitzung sperren, dann den Rechner bereinigen

Die Reaktion trennt das Sperren der Claude-Sitzung von Rechnerbereinigung, Zugangserneuerung und Kontrolle weiterer Konten.

Kontosperre und Gerätebereinigung lösen unterschiedliche Teile des Vorfalls. Eine widerrufene Sitzung beendet den konkreten Zugriff auf Claude, entfernt aber keine Schadsoftware. Eine Untersuchung des Computers allein stoppt wiederum keine Sitzung, die ein Angreifer bereits auf einem anderen System verwendet.

  1. Claude-Zugriff eindämmen. Von einem vertrauenswürdigen Gerät aus sollten aktive Sitzungen beendet und verdächtige Nutzung kontrolliert werden. Hat Anthropic bereits eine Zwangsabmeldung veranlasst, sollte auf dem mutmaßlich infizierten Rechner zunächst keine neue Claude-Anmeldung erfolgen.
  2. Verdächtige Geräte isolieren. Der betreffende Rechner sollte vom Netz getrennt und mit aktuellen Sicherheitswerkzeugen untersucht werden. Bei einem bestätigten Infostealer oder begründeten Restzweifeln kann eine fachkundige Analyse oder saubere Neuinstallation verlässlicher sein als das Löschen einer einzelnen gefundenen Datei.
  3. Zugangsdaten danach erneuern. Erst von einem sauberen Gerät aus sollten die Zugangsdaten des mit Claude verbundenen E-Mail- oder Google-Kontos geändert, weitere Sitzungen widerrufen sowie 2FA- und Wiederherstellungsoptionen kontrolliert werden.
  4. Andere Konten prüfen. Weil Infostealer mehr als Claude-Daten sammeln können, gehören auch E-Mail-Konten, Zahlungsdienste, Entwicklerzugänge und andere auf dem betroffenen Gerät verwendete Dienste in die Kontrolle.
  5. Zahlungsmittel erst zuletzt wieder hinterlegen. Eine entfernte Karte sollte erst nach der Bereinigung und Kontoprüfung erneut hinzugefügt werden. Abrechnungen des Zahlungsanbieters sind unabhängig davon auf unbekannte Belastungen zu prüfen.

Umfang und Infektionswege bleiben offen

Bestätigt ist bislang der Missbrauch lokal gestohlener, aktiver Claude-Sitzungen. Die verfügbaren Berichte liefern dagegen keinen Beleg für einen Einbruch in Claudes zentrale Anmeldung oder dafür, dass Claude die Infostealer installiert hat.

Anthropic kann erkannte Sitzungen sperren und Folgen innerhalb des Claude-Kontos begrenzen. Offen bleiben Fallzahlen, Dauer, genaue Verbreitungswege und technische Indikatoren für die einzelnen Infektionen. Bis dazu weitere Angaben vorliegen, ist eine entsprechende Warnung als möglicher Hinweis auf die Kompromittierung des gesamten Rechners zu behandeln, nicht nur als isoliertes Claude-Kontoproblem.

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