Carrd oder Linktree: 20 Euro Umsatz können die Rechnung drehen

|Autor: QUASA-Redaktion|5 Min. Lesezeit| 1
Carrd oder Linktree: 20 Euro Umsatz können die Rechnung drehen

Für eine reine Linkliste ist Linktree die schnellere Wahl. Wer regelmäßig digitale Produkte verkauft, muss genauer rechnen: Schon bei angenommenen 20 Euro Monatsumsatz können die von Linktree genannten neun Prozent Verkaufsgebühr die Kosten zugunsten von Carrd verschieben. Das gilt nur, wenn dieser Gebührensatz für den eigenen Tarif und Verkaufsweg tatsächlich anfällt.

Carrds Pro-Standard-Tarif für 19 US-Dollar pro Jahr bietet eine eigene Domain, Formulare, Einbettungen und die Anbindung externer Analysedienste. Damit lässt sich eine kleine Website mit einem externen Zahlungsweg bauen. Linktree bündelt Links und kann den Verkauf digitaler Dateien samt Auslieferung übernehmen; für diese Bequemlichkeit zählen neben dem Abopreis mögliche Verkaufs- und Zahlungsgebühren.

Wie viel Zeit kostet der Aufbau?

Linktree verlangt für eine einfache Profilseite vor allem die Auswahl und Reihenfolge der Links. Bei Carrd kommen Entscheidungen über Seitenaufbau, Texte, Bilder und Abstände hinzu. Ein Praxistest von Framekit benötigte für dieselbe Creator-Seite rund vier Minuten mit Linktree und rund 30 Minuten mit Carrd. Der Test verwendete neu angelegte Konten und eine Seite mit Links, Kontaktmöglichkeit und einem digitalen Angebot; seine Zeiten sind ein Anhaltspunkt für diesen Aufbau, keine feste Einrichtungsdauer.

Dieser Unterschied wirkt sich je nach Aufgabe anders aus. Wer aus einem Social-Profil nur zu Podcast, Shop und weiteren Kanälen führen will, gewinnt durch einen aufwendig gestalteten Seitenaufbau wenig. Ein Portfolio braucht dagegen Platz für Arbeitsproben, eine kurze Einordnung der Arbeit und einen klaren Kontaktweg. Carrd gibt diesen Elementen mehr Raum; die zusätzliche Einrichtung ist dann Teil der eigentlichen Gestaltungsarbeit.

Was ändern 20 Euro Monatsumsatz?

Die Rechnung setzt voraus, dass der Umsatz über eine Linktree-Verkaufsfunktion läuft, für die neun Prozent Plattformgebühr gelten. Bei konstant 20 Euro pro Monat wären das 1,80 Euro monatlich und 21,60 Euro im Jahr. Bei 50 Euro Monatsumsatz stiege derselbe Posten auf 54 Euro im Jahr, bei 100 Euro auf 108 Euro. Das sind bedingte Rechenbeispiele, keine Vorhersage über Verkäufe oder die Gebühren eines bestimmten Kontos.

Dem steht Carrds Jahrespreis in US-Dollar gegenüber. Für einen genauen Vergleich muss er zum tatsächlich berechneten Kurs in Euro umgerechnet werden. Eine eigene Domain kostet gegebenenfalls zusätzlich; auch ein externer Dienst für Bezahlung oder Dateiauslieferung kann Gebühren verlangen. Bei Linktree kommt ein kostenpflichtiger Tarif zum prozentualen Abzug hinzu, falls die benötigte Funktion ihn voraussetzt. Wer lediglich auf einen bereits bestehenden Shop verlinkt, verkauft dagegen über dessen Kasse und kann den Shopumsatz nicht pauschal als Linktree-Verkauf ansetzen.

Die veröffentlichte Provisionsangabe lässt sich nicht auf jeden Linktree-Tarif übertragen. Für Pro nennt die Linktree-Tarifseite null Prozent Verkaufsgebühr, während die zuvor genannte Gebührenstaffel für Pro einen Abzug ausweist. Das betrifft denselben Tarif, aber möglicherweise unterschiedliche Verkaufsfunktionen oder Fassungen der Tarifangaben; eine eindeutige Zuordnung liefern die Angaben nicht. Deshalb ist die Rechnung mit neun Prozent ein Szenario und keine allgemeine Umsatzschwelle. Entscheidend für einen Kauf ist die Gebühr, die Linktree für die gewünschte Funktion im eigenen Konto ausweist.

Eigene Domain und Analyse

Für ein dauerhaftes Portfolio ist die Adresse mehr als eine Gestaltungsfrage. Carrd Pro Standard kann auf einer Domain veröffentlicht werden, die dem Betreiber gehört; die Domain selbst muss vorhanden sein oder separat registriert werden. Dadurch kann dieselbe Adresse bei einem späteren Wechsel auf einen anderen Dienst zeigen. Eine Linktree-Profilseite verwendet dagegen eine linktr.ee-Adresse. Selbst wenn eine eigene Domain Besucher dorthin weiterleitet, bleibt die Zielseite unter der Plattformadresse.

Bei der Analyse unterscheiden sich vor allem Komfort und Kontrolle. Linktree zeigt Auswertungen innerhalb des Produkts und erweitert deren Umfang mit höheren Tarifen. Carrd bindet Dienste wie Google Analytics, Plausible oder Matomo ein; deren Einrichtung und mögliche Kosten liegen beim Seitenbetreiber. Für eine einfache Linkliste reichen oft wenige Angaben zu Aufrufen und Klicks. Wer Besucherwege mit einem bestehenden Analysesystem auswerten will, muss die jeweilige Anbindung und die dafür erforderliche Tarifstufe berücksichtigen.

Ähnlich ist es beim Newsletter. Linktree kann Anmeldungen direkt auf der Profilseite sammeln und bietet in höheren Tarifen Verbindungen zu Mailinglisten. Carrd kann ein Anmeldeformular in die eigene Seite einbauen und mit einem E-Mail-Dienst verbinden. Wer bereits einen solchen Dienst verwendet, sollte dessen laufende Kosten in beiden Varianten getrennt vom Preis der Link-in-Bio-Seite betrachten.

Was passiert nach dem Verkauf?

Linktrees integrierter Verkauf nimmt dem Creator einen wichtigen Arbeitsschritt ab: Käufer erhalten nach der Zahlung Zugriff auf die digitale Datei. Carrd Pro Standard kann dagegen einen externen Shop oder Zahlungsdienst einbetten. Ein Verkauf über diesen Weg braucht eine Lösung für die Zustellung der Datei; eine Carrd-Seite allein übernimmt sie nicht. Bei gelegentlichen Verkäufen kann eine manuelle Zustellung genügen, bei regelmäßigem Absatz wird ein Auslieferungsdienst samt möglicher Kosten wichtiger.

Eine weitere Grenze betrifft Carrds eigene Zahlungsformulare. Die Carrd-Anleitung für Formulare mit Stripe-Zahlung setzt Pro Plus oder höher voraus. Der Preis von Pro Standard darf deshalb nicht als Preis für genau diese eingebaute Formularfunktion gelesen werden. Die günstigere Konfiguration verwendet einen eingebetteten oder verlinkten externen Zahlungsweg; dessen Checkout, Gebühren und Dateizustellung gehören zur Gesamtrechnung.

Welche Lösung passt zu welchem Vorhaben?

  • Reine Social-Linkseite: Linktree Free passt, wenn Besucher vor allem zu vorhandenen Kanälen gelangen sollen. Der kurze Aufbau wiegt hier meist schwerer als zusätzliche Layoutfreiheit.
  • Portfolio mit eigener Adresse: Carrd Pro Standard passt, wenn Arbeitsproben, Kontakt und Newsletter auf einer gestalteten Seite unter der eigenen Domain zusammenkommen sollen.
  • Newsletter als Hauptziel: Beide Wege können Kontakte sammeln. Die bessere Wahl hängt davon ab, ob eine Profilseite genügt oder das Anmeldeformular Teil einer eigenen Website und eines vorhandenen E-Mail-Systems sein soll.
  • Digitale Produkte: Linktree bietet den kürzeren Weg zu Kauf und Dateizugriff. Carrd kann bei wiederkehrendem Umsatz günstiger ausfallen, wenn ein geeigneter externer Zahlungs- und Auslieferungsweg bereits besteht oder zu vertretbaren Kosten eingerichtet werden kann.

Der entscheidende Unterschied liegt damit im Arbeitsablauf hinter dem Link: Linktree bündelt Veröffentlichung und Verkauf, Carrd gibt mehr Kontrolle über Seite und Adresse. Wer verkauft, sollte Abopreis, tatsächlich geltende Plattformgebühr, Zahlungsabwicklung und Dateizustellung zusammenrechnen. Erst dann zeigt sich, ob der kleine laufende Umsatz die Wahl verändert.

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