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Unsichtbare Metallschichten stören Funk – fünf Sonden zeigen ihre Wirbel

|Autor: QUASA-Redaktion|4 Min. Lesezeit| 1
Unsichtbare Metallschichten stören Funk – fünf Sonden zeigen ihre Wirbel

NASA veröffentlichte am 2. September 2026 Ergebnisse der ersten gleichzeitigen Fünfpunktmessung innerhalb einer sporadischen E-Schicht. Der NASA-Forschungsbericht beschreibt, wie die SpEED-Demon-Rakete vom Wallops Flight Facility in Virginia vier Dropsonden aussetzte, die zusammen mit einem Detektor der Hauptnutzlast fünf Bereiche derselben Schicht erfassten.

Die am 2. September vorgestellten Daten stammen aus einem Raketenflug von 2022 und zeigen eine ungleichmäßige Plasmaverteilung, die beim Abstieg zwei getrennte Dichtespitzen bildete. Diese Form passt zu Kelvin-Helmholtz-Wirbeln; weil lokale Winde und elektrische Felder nicht direkt gemessen wurden, ist der Mechanismus jedoch nicht bewiesen. Die „Wirbel“ im Titel bezeichnen damit die wirbelartige Struktur in den Messdaten, nicht eine abschließend bestimmte Ursache.

Was die unsichtbare Metallschicht bildet

Sporadische E-Schichten entstehen in der unteren Ionosphäre, meist in etwa 100 Kilometern Höhe. Meteore hinterlassen beim Verglühen unter anderem Eisen, Magnesium und weitere Metalle. Sind diese Teilchen ionisiert, können Wind- und Magnetfeldbedingungen sie zeitweise zu schmalen Regionen hoher Plasmadichte konzentrieren.

Eine solche Schicht ist keine mit bloßem Auge erkennbare Metallwolke. Sie besteht aus elektrisch geladenen Teilchen und tritt räumlich begrenzt auf, bevor sie sich wieder auflöst. Gerade diese kurze Lebensdauer und ihre Lage – zu hoch für Wetterballons und zu niedrig für gewöhnliche Satelliten – erschweren direkte Messungen.

Wie die Schicht Funk und Navigation beeinflusst

Eine sporadische E-Schicht lenkt Funkwellen zur Erde zurück und beeinflusst den Weg eines Navigationssignals.

Die konzentrierten Ladungsträger können Radiowellen reflektieren oder deren Ausbreitungsweg verändern. Laut der von NASA bereitgestellten und redaktionell geprüften Darstellung bei Phys.org können Fluglotsen und Nutzer des Seefunks dadurch entfernte Übertragungen empfangen, als kämen sie aus der Nähe; Überhorizontradare können falsche Ziele registrieren.

Auch satellitengestützte Navigation ist grundsätzlich betroffen, weil ionosphärisches Plasma die Laufzeit der Signale verändert und damit zur Positionsunsicherheit beiträgt. Die neue Untersuchung weist allerdings weder einen konkreten GPS-Ausfall noch einen festen Fehlerwert nach. Sie vermisst die räumliche Struktur eines natürlichen Störfaktors, dessen Wirkung je nach Signal, Frequenz und Zustand der Ionosphäre unterschiedlich ausfallen kann.

Vier Dropsonden und die Hauptnutzlast liefern fünf Messspuren

Vier Dropsonden und die Hauptnutzlast von SpEED Demon vermessen dieselbe Plasmaschicht auf fünf getrennten Bahnen.

Die Sporadic E Electrodynamics Demonstration, kurz SpEED Demon, war als technische Erprobung aussetzbarer Messkörper angelegt. In der sporadischen E-Schicht lösten sich vier kleine Dropsonden von der Hauptnutzlast, bewegten sich voneinander weg und übertrugen Messungen der relativen Ionendichte an Bodenstationen. Ein Detektor auf der Hauptnutzlast ergänzte die fünfte Messspur.

Frühere Raketen konnten eine solche Schicht lediglich entlang ihrer eigenen Flugbahn durchqueren. Dabei bleibt offen, ob Unterschiede auf eine Veränderung mit der Höhe, eine seitliche Struktur oder eine zeitliche Entwicklung zurückgehen. Die fünf annähernd gleichzeitigen Spuren bilden noch keine vollständige dreidimensionale Karte, trennen räumliche Unterschiede aber deutlich besser von Veränderungen zwischen mehreren nacheinander gestarteten Flügen.

Die zugrunde liegende Arbeit von Henry C. Valentine, Aroh Barjatya und sechs weiteren Autoren erschien im August 2026 als begutachteter Artikel im Journal of Geophysical Research: Space Physics. Der Publikationseintrag der Embry-Riddle Aeronautical University nennt Band 131, Ausgabe 8, die Artikelnummer e2026JA035164 und den DOI 10.1029/2026JA035164.

Zwei Dichtespitzen passen zu Wirbeln, beweisen sie aber nicht

Die beim Abstieg gemessene E-Schicht besitzt zwei Dichtespitzen, deren Wirbelform zur Kelvin-Helmholtz-Erklärung passt.

Die fünf Messreihen widerlegen für den untersuchten Durchflug die einfache Vorstellung einer glatten, gleichmäßig dichten Schicht. Beim absteigenden Teil der Flugbahn teilte sich das gemessene Maximum in zwei Dichtespitzen. Weil die Instrumente verschiedene Bereiche nahezu gleichzeitig erfassten, lässt sich diese Doppelstruktur als räumliches Merkmal der Schicht interpretieren.

Als plausible Erklärung gelten Kelvin-Helmholtz-Instabilitäten. Sie können an der Grenze benachbarter Luftströmungen mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten entstehen und rollenförmige Wellen ausbilden. In der unteren Ionosphäre könnten solche Bewegungen der neutralen Atmosphäre die darin konzentrierten Ionen verformen und so die beobachtete Struktur erzeugen.

Für einen direkten Nachweis fehlen jedoch entscheidende Messgrößen: SpEED Demon bestimmte an den fünf Positionen die Plasmadichte, erfasste dort aber weder den neutralen Wind noch die elektrischen Felder unmittelbar. Die Daten zeigen deshalb die ungleichmäßige, doppelt ausgeprägte Form; die Zuordnung zu Kelvin-Helmholtz-Wirbeln bleibt eine mit den Beobachtungen vereinbare Interpretation.

Weitere Flüge sollen die Erklärung eingrenzen

Bestätigt ist zunächst der technische Ansatz: Mehrere aussetzbare Sensoren können eine kurzlebige Region gleichzeitig an räumlich getrennten Punkten untersuchen. Eine ähnliche Mehrsondenmethode kam später bei Raketenflügen während der ringförmigen Sonnenfinsternis im Oktober 2023 und der totalen Sonnenfinsternis im April 2024 zum Einsatz. Im Juni 2025 folgte die verwandte Mission Sporadic-E ElectroDynamics, kurz SEED, vom Kwajalein-Atoll in niedrigeren Breiten.

Die wissenschaftlichen Arbeiten zu diesen späteren Flügen waren zum Zeitpunkt der NASA-Veröffentlichung noch in Vorbereitung. Sie könnten zeigen, ob vergleichbare Doppelstrukturen unter anderen geografischen und atmosphärischen Bedingungen auftreten. Um die Wirbelhypothese eindeutig zu prüfen, müssen künftige Messungen Plasmadichte, neutrale Winde und elektrische Felder räumlich und zeitlich gemeinsam erfassen.

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