Thinkific oder LearnWorlds: Erst Verkäufe machen den Einstiegspreis ehrlich

|Autor: QUASA-Redaktion|6 Min. Lesezeit
Thinkific oder LearnWorlds: Erst Verkäufe machen den Einstiegspreis ehrlich

LearnWorlds Starter ist für einen kleinen Bezahlkurs zunächst günstiger als Thinkific Basic. Mit jeder bezahlten Einschreibung schrumpft der Vorsprung: Die LearnWorlds-Preisliste nennt bei jährlicher Zahlung 24 US-Dollar pro Monat plus 5 Dollar je bezahlter Einschreibung; bei monatlicher Zahlung sind es 29 Dollar plus dieselbe Gebühr. Thinkific setzt Basic laut seiner Tarifübersicht mit rund 40 Dollar pro Monat bei jährlicher oder 54 Dollar bei monatlicher Zahlung an. Bei gleichmäßigen Verkäufen ist Starter im Jahresmodell nur bis zur dritten bezahlten Einschreibung pro Monat günstiger.

Für Kurse mit Ratenzahlung oder SCORM-Inhalten verschiebt sich der Vergleich auf höhere Tarife. Bei großen Schulen zählen zusätzlich die Art der Teilnehmergrenze und die Funktionen für Firmenkunden. Der günstigste Grundpreis beantwortet deshalb nur die Frage nach den Kosten eines einfachen Kurses mit wenigen Verkäufen.

Die Preisbasis: Jahreszahlung und gerundete Monatswerte

Die ausgewiesenen Monatswerte bei jährlicher Zahlung sind Vergleichswerte, keine monatlichen Plattformrechnungen. Thinkific beziffert Basic auf 475 Dollar pro Jahr, Start auf 978 Dollar und Grow auf 1.968 Dollar. Die Mitteilung zur Preisanpassung nennt diese Jahresbeträge und eine Erhöhung um ungefähr zehn Prozent ab dem 13. August 2026. Bei bestehenden Jahresabos gilt der neue Preis erst ab der nächsten Verlängerung.

Für die Rechnung in US-Dollar entsprechen zwölf LearnWorlds-Monatswerte im Starter-Tarif einer festen Jahresbasis von 288 Dollar. Gegenüber Thinkific Basic bleiben zunächst 187 Dollar Abstand. Der von Thinkific angezeigte Monatswert ist gerundet: Wer eine genaue Jahresschwelle sucht, sollte mit 475 Dollar rechnen und nicht zwölfmal den gerundeten Wert von 40 Dollar ansetzen. Steuern, Wechselkurse und Gebühren der Zahlungsabwicklung gehören nicht zu dieser Grundpreisrechnung.

Einstieg: Ab wann kippt der Preisvergleich?

Bei jährlicher Plattformzahlung kostet LearnWorlds Starter rechnerisch 288 Dollar plus 5 Dollar für jede bezahlte Einschreibung im Jahr. Nach 37 Einschreibungen sind das 473 Dollar und damit knapp weniger als Thinkific Basic. Die 38. Einschreibung hebt Starter auf 478 Dollar. Bei gleichmäßigem Absatz entspricht das ungefähr dem Wechsel von drei auf vier Einschreibungen im Monat; bei saisonalen Kursstarts ist allein die Jahressumme aussagekräftig.

Die Gebühr hängt an der bezahlten Einschreibung, nicht an einer pauschalen Umsatzstufe. Ein bedingtes Beispiel zeigt die Wirkung auf verschiedene Kursangebote: Bei einem Verkaufspreis von 25 Dollar nimmt die feste Gebühr ein Fünftel des Preises ein, bei 100 Dollar ein Zwanzigstel. Das sind Anteile der bereits genannten LearnWorlds-Gebühr, keine zusätzlich behaupteten Kosten. Verkauft ein Anbieter einer Person zwei getrennt bezahlte Kurse, muss er für die Kalkulation die daraus entstehenden bezahlten Einschreibungen zählen und nicht bloß einen Käufer.

Wer die Plattform monatlich bezahlt, erhält eine andere Schwelle: Bei fünf bezahlten Einschreibungen erreicht Starter 54 Dollar und liegt damit gleichauf mit Thinkific Basic; ab der sechsten liegt Starter darüber. Diese Rechnung vergleicht nur Plattformpreis und Einschreibungsgebühr. Sie gilt für Thinkific Basic ohne zusätzliche Gebühr für einen externen Zahlungsanbieter, deren Wirkung weiter unten gesondert berücksichtigt wird.

Mittlere Tarife: Verkaufsmenge oder Kursformat?

Innerhalb von LearnWorlds erreicht Starter bei elf bezahlten Einschreibungen im Monat den ausgewiesenen Monatswert von Pro Trainer; ab der zwölften wird Starter teurer. Im Jahresmodell ist die genaue Schwelle etwas anders zu lesen: Die feste Differenz beträgt 660 Dollar im Jahr, sodass beide Tarife bei 132 bezahlten Einschreibungen gleich viel kosten. Ab der 133. Einschreibung ist Pro Trainer allein nach diesen Plattformkosten günstiger. Bei schwankenden Verkäufen ist diese Jahressicht nützlicher als ein einzelner starker Monat.

Der Funktionsbedarf kann den Tarifwechsel früher erzwingen. Die LearnWorlds-Tarifmatrix ordnet Abonnements, Ratenzahlungen und Zertifikate Pro Trainer oder höheren Stufen zu; dort sind auch bis zu 20 SCORM-Pakete mit insgesamt 2 GB Speicher aufgeführt. Learning Center erlaubt eine unbegrenzte Zahl von Paketen, begrenzt aber die Größe des einzelnen Pakets. Thinkific Start bietet ebenfalls Zahlungspläne, Mitgliedschaften und Zertifikate. Für vorhandene SCORM-Inhalte reicht dort weder Start noch Grow: Die Funktion steht erst im individuell bepreisten Plus-Tarif. Ein ähnlich hoher Grundpreis von Pro Trainer und Start bedeutet daher keine Gleichwertigkeit beim Lernformat.

Wachstum: B2B-Funktionen statt Verkaufs-Break-even

Zwischen Thinkific Grow und LearnWorlds Learning Center liegen nach den ausgewiesenen Jahrespreisen rechnerisch 85 Dollar pro Monat oder 1.020 Dollar pro Jahr. Beide LearnWorlds-Stufen oberhalb von Starter verzichten auf die Gebühr je bezahlter Einschreibung. Mehr einzelne Kursverkäufe erzeugen deshalb keinen festen Verkaufs-Break-even, der den höheren Grundpreis von Learning Center ausgleicht. Entscheidend ist, ob die zusätzlichen Funktionen einen konkreten Arbeitsablauf ermöglichen.

Thinkific Grow richtet sich mit Gruppenbestellungen und Rechnungsstellung an Verkäufe von Kursplätzen an Unternehmen. LearnWorlds Learning Center bietet unter anderem getrennte Kundengruppen, die Verwaltung von Sitzplatzangeboten und planbare Kursberichte. Wer lediglich Einzelkurse an Privatkunden verkauft, hat aus diesen Verwaltungsfunktionen womöglich keinen Nutzen. Bei Firmenverträgen sind dagegen Fragen wie die Vergabe gekaufter Plätze, getrennte Zuständigkeiten und Fortschrittsberichte unmittelbar mit dem gewählten Tarif verbunden.

Teilnehmergrenzen messen unterschiedliche Nutzung

LearnWorlds nennt für Starter eine Grenze von 1.000 monatlich aktiven Lernenden und für Pro Trainer sowie Learning Center jeweils 2.000; für höhere Grenzen verweist der Anbieter auf ein individuelles Angebot. Thinkific führt für Basic, Start und Grow jeweils 10.000 „Current Students“ auf. Dort sind damit Personen gemeint, die noch gültigen Zugang zu mindestens einem Kurs haben. Ein monatlich aktiver Lernender und eine Person mit gültigem Kurszugang sind unterschiedliche Größen: Aus den beiden Grenzwerten lässt sich keine einfache Aussage ableiten, welche Plattform mehr gleichzeitige Nutzung verträgt.

Das ist besonders für Kurse mit langem Zugriff wichtig. Ein Kurs kann viele weiterhin zugangsberechtigte Absolventen haben, obwohl nur ein kleiner Teil in einem bestimmten Monat zurückkehrt. Umgekehrt kann ein Firmenprogramm mit gebündeltem Start innerhalb kurzer Zeit viele monatlich aktive Lernende erzeugen. Für die Tarifwahl sind daher sowohl die Zahl gültiger Zugänge als auch die erwartete Nutzung in Spitzenmonaten relevant.

Der Zahlungsweg kann die Schwelle erneut verschieben

Für Konten in Deutschland und Österreich beschreibt Thinkific in seiner Regel für externe Zahlungsanbieter bei Verkäufen über Stripe eine zusätzliche Gebühr von 5 Prozent auf Basic, 2 Prozent auf Start und 1 Prozent auf Grow. Verkäufe über Thinkific Payments lösen diese zusätzliche Plattformgebühr nicht aus; gewöhnliche Kosten der Zahlungsabwicklung bleiben davon getrennt. Die EU-Regel sollte nicht pauschal auf ein Schweizer Konto übertragen werden.

Mit Stripe wird der Einstieg damit von zwei Größen abhängig: LearnWorlds Starter addiert einen festen Betrag je bezahlter Einschreibung, Thinkific Basic einen Anteil am Umsatz. Bei einem bedingten Kursverkauf für 100 Dollar wären das 5 Dollar auf beiden Seiten; bei einem niedrigeren oder höheren Kurspreis ändert sich Thinkifics prozentualer Betrag entsprechend. Auch die Rechnung zwischen Grow und Learning Center kann sich verschieben: Ein Prozent zusätzlicher Thinkific-Gebühr erreicht bei 8.500 Dollar über Stripe abgewickeltem Monatsumsatz rechnerisch die Grundpreisdifferenz von 85 Dollar. Ein Funktionsvergleich bleibt trotzdem nötig, insbesondere wenn SCORM, Firmenverwaltung oder die jeweilige Teilnehmergrenze den passenden Tarif bereits vorgeben.

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