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ChatGPT und Claude fielen fast gleichzeitig aus – eine gemeinsame Ursache fehlt

|Autor: QUASA-Redaktion|5 Min. Lesezeit| 2
ChatGPT und Claude fielen fast gleichzeitig aus – eine gemeinsame Ursache fehlt

ChatGPT, Codex und mehrere Claude-Modelle waren am 3. September 2026 zeitlich überlappend gestört: Für einen Teil der Nutzer waren Dienste nicht erreichbar oder lieferten erhöhte Fehlerraten. OpenAI und Anthropic behoben ihre jeweiligen Vorfälle noch am selben Tag. Eine gemeinsame technische Ursache ist nicht bestätigt.

Die dokumentierten Hauptstörungen überschnitten sich von 14:43 bis 16:16 UTC, also 93 Minuten. OpenAI nannte für seinen Vorfall einen Routingfehler; Anthropic erklärte, die eigene Ursache identifiziert zu haben, veröffentlichte aber keine konkrete fehlerhafte Komponente. Die zeitliche Nähe ist damit belegt, eine gemeinsame Abhängigkeit nicht.

Die bestätigte Zeitleiste vom 3. September

Die bestätigte Zeitleiste zeigt überlappende Störungen bei Claude, ChatGPT und Codex am 3. September 2026.

Anthropic begann um 13:26 UTC mit der Untersuchung erhöhter Fehler bei Claude Mythos 5.1, Claude Fable 5.1 und Claude Opus 5. Um 13:41 UTC war die Ursache nach Unternehmensangaben identifiziert; um 13:50 UTC erweiterte Anthropic die Liste der betroffenen Modelle auf Mythos/Fable 5.1, Mythos/Fable 5, Opus 5, Opus 4.8 und Opus 4.6. Die Chronik auf der Claude-Statusseite verzeichnet um 15:25 UTC nur noch Opus 4.8 und Opus 5 als beeinträchtigt, einen ausgerollten Fix um 16:06 UTC und das Ende der Auswirkungen um 16:16 UTC.

Für Nutzer in Deutschland, Österreich und der Schweiz entsprechen diese Angaben am 3. September 15:26 bis 18:16 Uhr MESZ. Die formale Erledigt-Meldung erschien um 16:23 UTC, sieben Minuten nach dem angegebenen Ende der Auswirkungen. Ein eigener, früherer Vorfall bei Claude Sonnet 5 wurde von 12:37 bis 12:56 UTC untersucht und behoben; er ist nicht Teil des später dokumentierten Hauptvorfalls.

Bei OpenAI begann die Untersuchung um 14:43 UTC beziehungsweise 16:43 Uhr MESZ. Die Störungsmeldung für ChatGPT und Codex nennt eine Gegenmaßnahme um 15:17 UTC und den Abschluss um 16:55 UTC. Aufgelistet sind 15 betroffene ChatGPT-Komponenten und vier Codex-Komponenten; Nutzer der Codex-Fernsteuerung mussten ihr Mobilgerät nach dem Vorfall möglicherweise erneut koppeln.

Die beiden Hauptvorfälle liefen somit von 14:43 bis 16:16 UTC parallel. „Fast gleichzeitig“ beschreibt diese Überschneidung, nicht einen identischen Beginn: Anthropic untersuchte die Modellfehler bereits 77 Minuten, bevor OpenAI seinen Vorfall erfasste. Auch die Wiederherstellung erfolgte getrennt.

OpenAI nennt einen Routingfehler, Anthropic keine konkrete Komponente

OpenAI behebt einen Routingfehler, während Anthropic mehrere Claude-Modelle ohne öffentlich genannte Detailursache wiederherstellt.

Für den OpenAI-Vorfall liegt eine benannte Fehlerklasse vor. Eine Sprecherin erklärte, ein Routingfehler habe ChatGPT und Codex ab 07:43 Uhr US-Pazifikzeit für einige Nutzer auf verschiedenen Plattformen unerreichbar gemacht; gegen 08:17 Uhr sei eine Lösung implementiert worden. Der Bericht von WIRED hält zugleich fest, dass weder OpenAI noch Anthropic einen gemeinsamen externen Auslöser nannten und große Infrastrukturbetreiber an diesem Tag keine passende Störung meldeten.

Anthropics öffentliche Statuschronik bleibt weniger konkret. Sie dokumentiert eine identifizierte Ursache, einen ausgerollten Fix und die schrittweise Erholung der Modelle, nennt aber weder die fehlerhafte Komponente noch einen Drittanbieter. Aus der allgemeineren Einordnung als Infrastrukturproblem lässt sich deshalb keine technische Verbindung zum Routingfehler bei OpenAI ableiten.

Auch die unterschiedlichen Verläufe sprechen gegen vorschnelle Gleichsetzung. Anthropic aktualisierte den Zustand einzelner Modellgruppen und meldete deren gestaffelte Erholung. OpenAI bündelte ChatGPT und Codex in einem Vorfall und beobachtete das System nach der Gegenmaßnahme noch bis 16:55 UTC.

Warum die Überschneidung keine gemeinsame Ursache beweist

Die zeitliche Korrelation macht eine gemeinsame Abhängigkeit zu einer naheliegenden Prüfhypothese, aber nicht zu einem Befund. KI-Dienste können zwar Rechenzentren, Netzwerke, Identitätsdienste oder weitere Zulieferer gemeinsam nutzen. Für eine belastbare Verbindung müssten die Anbieter jedoch dieselbe betroffene Region, Komponente oder externe Plattform benennen.

Ein Routingfehler kann innerhalb der Infrastruktur eines einzelnen Anbieters entstehen oder einen externen Netzwerkpfad betreffen. Ohne einen technischen Nachbericht lässt sich aus dem Begriff nicht bestimmen, auf welcher Ebene der Fehler lag. Ebenso zeigt Anthropics Aussage, die Ursache sei identifiziert worden, nur den Stand der eigenen Untersuchung und nicht, dass dieselbe Ursache OpenAI betraf.

Die saubere Schlussfolgerung lautet daher: ChatGPT und Claude waren gleichzeitig beeinträchtigt, aber ihre Vorfälle sind bislang nur zeitlich miteinander verbunden. Berichte über einen gemeinsamen Cloud- oder Netzwerkausfall gehen über die veröffentlichten Belege hinaus.

Was die Doppelstörung für Fallback-Pläne bedeutet

Ein vorbereiteter Anbieter-Fallback protokolliert fehlgeschlagene KI-Anfragen und leitet geeignete Aufgaben kontrolliert um.

Für IT-Teams widerlegt der 3. September eine riskante Annahme: Zwei Modellanbieter sind nicht automatisch zu unterschiedlichen Zeiten verfügbar. Selbst unabhängig verursachte Störungen können sich überschneiden und denselben Arbeitsablauf treffen. Ein Multi-Provider-Konzept reduziert deshalb bestimmte Abhängigkeiten, garantiert aber keine lückenlose Verfügbarkeit.

Resilienz-Kasten: Ein belastbarer Fallback sollte nicht nur einen zweiten Modellnamen vorsehen, sondern den vollständigen Ausweichpfad prüfen:

  • separate Erreichbarkeit von API, Authentifizierung und benötigten Werkzeugen;
  • kompatible Funktionen, Eingabegrenzen und Datenfreigaben beim Ersatzanbieter;
  • begrenzte Wiederholungsversuche und eindeutige Umschaltkriterien;
  • Protokollierung, welcher Anbieter eine Anfrage tatsächlich verarbeitet hat;
  • Schutz vor doppelten Aufträgen, wenn eine verspätete Antwort nach dem Umschalten eintrifft.

Diese Vorkehrungen folgen aus der beobachteten Überschneidung, nicht aus der Vermutung eines gemeinsamen Infrastrukturfehlers. Sie bleiben auch dann sinnvoll, wenn spätere Nachberichte vollständig getrennte Ursachen bestätigen.

Beide Vorfälle vom 3. September sind beendet. Offen bleiben die genaue technische Ursache auf Anthropic-Seite und die Ebene des OpenAI-Routingfehlers. Solange kein Anbieter eine gemeinsame Komponente belegt, sind die Ereignisse als zwei überlappende, aber ursächlich nicht verbundene Störungen zu behandeln.

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