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AWS bestellt zwei Millionen Nvidia-GPUs – eigene Chips reichen nicht

|Autor: QUASA-Redaktion|4 Min. Lesezeit| 5
AWS bestellt zwei Millionen Nvidia-GPUs – eigene Chips reichen nicht

AWS kündigte am 26. August 2026 eine massive Erweiterung seiner Nvidia-Kapazität an: Zwei Millionen zusätzliche GPUs sollen 2027 und 2028 über die weltweite Infrastruktur von Amazon Web Services verteilt werden. Der Bericht von TechCrunch nennt Blackwell Ultra, Rubin und Rubin Ultra als vorgesehene Generationen und beschreibt die Vereinbarung als Ausbau einer erst fünf Monate zuvor angekündigten Beschaffung.

Bestätigt ist damit ein mehrjähriger Bereitstellungsplan, keine bereits verfügbare Flotte. Auch die Berichterstattung der Associated Press vom 26. August bestätigt den Plan für zwei Millionen zusätzliche Grafikprozessoren und die erweiterte Zusammenarbeit bei Amazons Lagerrobotik.

Zwei Millionen GPUs kommen erst 2027 und 2028

AWS bereitet zusätzliche Nvidia-GPU-Kapazität für eine gestaffelte Bereitstellung in den Jahren 2027 und 2028 vor.

Die Zahl bezeichnet zusätzliche Kapazität, die über zwei Kalenderjahre hinweg aufgebaut werden soll. Bereits im März 2026 hatte AWS angekündigt, beginnend im selben Jahr mehr als eine Million Nvidia-GPUs in seine Infrastruktur aufzunehmen. Der neue Ausbau kommt zu diesem Programm hinzu und ersetzt es nicht.

Für Cloud-Kunden folgt aus der Ankündigung daher keine sofortige Verfügbarkeit. AWS und Nvidia haben bislang weder veröffentlicht, wie viele Systeme in welchem Quartal bereitstehen sollen, noch wie die Kapazität auf einzelne AWS-Regionen und Instanztypen verteilt wird. Auch finanzielle Konditionen wurden nicht genannt.

Der Begriff „Bestellung“ im Titel fasst den wirtschaftlichen Kern der Vereinbarung zusammen. Öffentlich zugesagt ist jedoch ein Bereitstellungsplan für die globale AWS-Infrastruktur und sogenannte AI Factories. Daraus lässt sich noch kein Termin ableiten, zu dem Kunden in Deutschland, Österreich oder der Schweiz bestimmte Instanzen buchen können.

Der Ausbau umfasst Hardware, Modelle und Robotik

Die gemeinsame Ankündigung von AWS und Nvidia umfasst neben den drei GPU-Generationen auch geplante Vera-CPU-Infrastruktur, Spectrum-Netzwerktechnik und eine erweiterte Unterstützung von NVLink Fusion samt Nvidias NVHBM-Speichertechnik für künftige Trainium-Systeme. Hinzu kommen Nemotron-Modelle in Amazon Bedrock und SageMaker, GPU-beschleunigte Datenverarbeitung mit cuDF in Amazon EMR, Vektorindizierung mit cuVS in OpenSearch sowie Jetson, Omniverse und Isaac für Amazon Robotics.

Diese Bestandteile haben nicht alle denselben Reifestatus. Die zwei Millionen GPUs und die Vera-Infrastruktur sind für eine künftige Bereitstellung vorgesehen. Nemotron ist dagegen bereits über Bedrock und SageMaker verfügbar, während die angekündigten Integrationen bei Datenverarbeitung, Speicher und Robotik unterschiedliche Entwicklungs- und Ausbauvorhaben beschreiben.

Damit erweitert AWS nicht bloß die Zahl verfügbarer Beschleuniger. Der Konzern bindet weitere Teile von Nvidias Plattform in seine Rechenzentren, Cloud-Dienste und Entwicklungsumgebungen ein. Die strategische Abhängigkeit betrifft folglich nicht nur einzelne Chips, sondern auch Verbindungen, Speichertechnik, Softwarebibliotheken und Werkzeuge.

Trainium bleibt – reicht als alleinige Strategie aber nicht

AWS betreibt Trainium-Beschleuniger und Nvidia-GPU-Systeme parallel in seiner KI-Infrastruktur.

AWS gibt seine eigenen Beschleuniger nicht auf. Die Einbindung von Trainium in eine gemeinsame Rack-Architektur mit NVLink Fusion und NVHBM zeigt vielmehr, dass Amazon seine Eigenentwicklung fortsetzt. Gleichzeitig bestellt der Konzern Nvidia-Kapazität in einer Größenordnung, die Trainium auf absehbare Zeit nicht zum alleinigen Fundament des AWS-KI-Angebots macht.

Das ist kein Beleg dafür, dass Trainium technisch gescheitert wäre. Es gibt weder einen veröffentlichten Vergleich, der ein generelles Leistungsdefizit nachweist, noch eine Ankündigung, die Chipfamilie einzustellen. „Eigene Chips reichen nicht“ beschreibt deshalb die Breite des Bedarfs: AWS will mit einer einzigen, selbst entwickelten Plattform weder sämtliche Kundenanforderungen noch den zusätzlichen Kapazitätsbedarf abdecken.

Die parallele Strategie hat zwei Seiten. Eigene Chips geben AWS mehr Kontrolle über Kosten, Energieverbrauch und die Integration in seine Cloud-Infrastruktur. Nvidia bleibt zugleich wichtig für Kunden, deren Modelle, Bibliotheken und bestehende Cluster auf dessen Hard- und Softwareplattform ausgerichtet sind. Der neue Ausbau folgt damit nicht nur einem Bedarf an Rechenleistung, sondern auch der Nachfrage nach einem bestimmten technischen Ökosystem.

Die Grenze zwischen Alternative und Abhängigkeit wird dabei unschärfer. Trainium soll Nvidias GPUs nicht einfach verdrängen, sondern teilweise dieselbe Verbindungs- und Speicherarchitektur nutzen. Amazon investiert somit gleichzeitig in ein eigenes Gegengewicht und in eine engere technische Verzahnung mit seinem wichtigsten externen Anbieter von KI-Beschleunigern.

Regionale Verfügbarkeit und Kosten bleiben offen

Bestätigt sind die Gesamtzahl, die Jahre 2027 und 2028 sowie die vorgesehenen GPU-Generationen. Nicht veröffentlicht wurden die Aufteilung auf Blackwell Ultra, Rubin und Rubin Ultra, regionale Kontingente, der Energiebedarf des Ausbaus oder konkrete EC2-Produkte für den überwiegenden Teil der neuen Kapazität.

Auch der tatsächliche Lieferverlauf bleibt abzuwarten. Die Ankündigung beschreibt Erwartungen und künftige Vorhaben; sie garantiert weder eine gleichmäßige Verteilung über beide Jahre noch eine bestimmte Kapazität in einzelnen AWS-Regionen. Aussagekräftig werden deshalb erst spätere Produkt- und Verfügbarkeitsmeldungen von AWS sein.

Der aktuelle Stand ist eindeutig, aber enger als die Schlagzeile vermuten lassen könnte: AWS plant zwei Millionen zusätzliche Nvidia-GPUs, weil die eigene Chipstrategie den gesamten Kapazitäts- und Plattformbedarf nicht allein abdecken soll. Trainium bleibt Teil des Angebots; Nvidia gewinnt dennoch bei Hardware, Vernetzung und Software weiter an Gewicht.

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