
86 Prozent prüfen KI für Marktdaten – Vertrauen wird zum Kostenfaktor

Die Mitteilung von SIX vom 6. Oktober 2026 zur gemeinsam mit Crisil Coalition Greenwich erstellten Global Market Data Study 2026 nennt einen Anteil von 86 Prozent unter 73 befragten Finanzunternehmen, die KI in ihren Arbeitsabläufen nutzen oder ihren Einsatz prüfen. Erfasst wurden Unternehmen aus den USA, Großbritannien und Europa. Die Zahl fasst Nutzung und Prüfung zusammen; sie beziffert nicht, wie viele Häuser bereits produktive KI-Anwendungen mit Marktdaten betreiben.
Für Banken und Vermögensverwalter rückt damit die Beschaffung der Daten hinter solchen Anwendungen in den Vordergrund. Die Befragung verbindet das Interesse an KI mit Anforderungen an Genauigkeit, nachvollziehbare Herkunft und schnellen Zugriff. Diese Eigenschaften beeinflussen, welchen Nutzen ein Datenangebot für verschiedene Arbeitsabläufe hat und wie Käufer seinen Preis beurteilen können.
Was die 73 Antworten abdecken
Die Zusammensetzung der Stichprobe begrenzt jede Verallgemeinerung. Laut der Methodik von Crisil Coalition Greenwich gingen zwischen Mai und Juni 2026 Antworten von 65 Buy-Side- und 8 Sell-Side-Unternehmen ein. Dazu zählen auf der Käuferseite Vermögensverwalter und Privatbanken, auf der Verkäuferseite Investmentbanken und Broker. Die meisten Antworten stammen aus Funktionen im Front- und Middle-Office, etwa Portfoliomanagement, Handel, Research und Marktdaten.
Die Perspektive der Buy-Side prägt das Ergebnis daher stärker als die der Sell-Side. Auch geografisch bildet die Erhebung mehrere Märkte gemeinsam ab. Ihre Prozentwerte beschreiben die befragten Unternehmen und liefern keine repräsentative Quote für Finanzinstitute in Deutschland, Österreich, der Schweiz oder ganz Europa. Eine Länderaufteilung, aus der sich die Lage im deutschsprachigen Markt gesondert ablesen ließe, enthalten die veröffentlichten Angaben nicht.
Besonders wichtig ist die Grenze zwischen Interesse und Betrieb. Ein Unternehmen, das einen möglichen KI-Einsatz untersucht, fällt in dieselbe ausgewiesene Gruppe wie eines, das KI bereits verwendet. Wie sich diese beiden Gruppen aufteilen und welche Anwendungen tatsächlich auf zugekaufte Marktdaten zugreifen, bleibt aus dem gemeinsamen Wert offen. Für die Geschäftsplanung ist er deshalb ein Signal für Nachfrage nach geeigneten Daten, keine belastbare Absatzprognose.
Herkunft und Kontext bestimmen den Nutzen
Die Antworten zeigen, welche Leistung Käufer von Marktdatenanbietern beim KI-Einsatz erwarten. Unter den Befragten sehen 88 Prozent eine Rolle der Anbieter für Genauigkeit und Verlässlichkeit von KI; 73 Prozent nennen hochwertige, genaue und umfassende Daten, 62 Prozent transparente Datenquellen und Methoden. Das sind Einschätzungen der Teilnehmer, keine Messung einer verbesserten KI-Qualität. SIX-Marktdatenchef Matthew Nurse fasst eine Voraussetzung in der englischen SIX-Mitteilung knapp zusammen: „Accuracy remains fundamental“.
Für eine KI-Anwendung genügt ein richtiger Wert allein nicht immer. Sie muss auch einordnen können, was der Wert bezeichnet, wie er klassifiziert wurde und unter welchen Bedingungen er verwendet werden darf. Fehlt dieser Zusammenhang, kann eine Ausgabe trotz korrekter Ausgangsdaten irreführend sein. Herkunft und Beschreibung der Daten werden so zu Eigenschaften, die ein Käufer neben Abdeckung und Aktualität beurteilen muss.
Das hat eine wirtschaftliche Folge für Anbieter: Wer Daten für KI-Arbeitsabläufe anbietet, muss ihren Wert über den bloßen Zugang hinaus verständlich machen. Nachvollziehbare Methoden und geeigneter Kontext können den Aufwand beim Einsatz für Kunden beeinflussen. Ob einzelne Käufer dafür höhere Preise akzeptieren, wurde in der Erhebung allerdings nicht gemessen.
MCP zeigt Interesse an einem neuen Zugangsweg
Ein möglicher direkterer Zugang zu Daten ist das Model Context Protocol, kurz MCP. Die Studienseite von SIX weist aus, dass 58 Prozent der Befragten sich damit beschäftigen oder eine Beschäftigung erwägen. Der Wert umfasst also sowohl laufende Aktivitäten als auch Absichten und beschreibt keine allgemeine Einführungsquote für MCP.
Innerhalb der bereits mit MCP befassten Teilgruppe nutzen oder testen 57 Prozent einen MCP-Server. Dieser Anteil hat einen kleineren Nenner als die Gesamtstichprobe. Gerade bei einem direkteren Zugriff von KI-Anwendungen wird die Einordnung der gelieferten Informationen wichtig: Eine Verbindung kann Daten verfügbar machen, ihre Herkunft, Struktur und zulässige Interpretation muss der Anbieter dennoch klar vermitteln.
Geschwindigkeit erhöht den Druck auf den Gegenwert
Parallel zum KI-Interesse verlangen die befragten Häuser leistungsfähige Lieferwege. Unter den Teilnehmern verwenden 56 Prozent Echtzeitdaten über den Tag hinweg, und 78 Prozent wären bereit, für geringere Latenz zu zahlen. Zugleich erwarten 60 Prozent steigende Marktdatenbudgets. Das belegt Zahlungsbereitschaft für bestimmte Eigenschaften, aber keinen pauschalen Aufpreis für jedes Datenangebot.
Die Beschaffung verteilt sich bereits auf verschiedene Quellen: 67 Prozent beziehen Daten über Anbieter oder Weiterverteiler, 60 Prozent kaufen auch direkt bei Börsen. Beide Wege können im selben Unternehmen vorkommen. Streaming-APIs nutzen 84 Prozent der Befragten. Für einen Anbieter bedeutet diese Mischung, dass Qualität und Herkunft über mehrere Zugangswege hinweg erkennbar bleiben müssen, während Käufer Geschwindigkeit und Integrationsaufwand gegen den Preis abwägen.
Vertrauen wird damit Teil der Kostenentscheidung. Eine Bank, die schnelle Daten für die Handelsausführung benötigt, bewertet andere Leistungen als eine Vermögensverwaltung, die Daten in einer KI-Anwendung einordnet. Beide müssen erkennen können, wofür sie bezahlen: für geringere Latenz, für verlässliche Abdeckung, für dokumentierte Herkunft oder für eine Kombination daraus. Die Studie beschreibt diesen Beschaffungsdruck, ohne Vertragsbedingungen einzelner Häuser offenzulegen.
Eine weitere mögliche Quelle für europäische Daten
Auch der geplante Datenmix in Europa könnte Vergleiche zwischen Angeboten verändern. 70 Prozent der Befragten erwägen, einen europäischen Consolidated-Tape-Anbieter zu ihren bestehenden Quellen hinzuzunehmen. Das ist eine Absicht, kein bereits vollzogener Wechsel. Für Käufer stellt sich damit dieselbe Frage bei einer zusätzlichen Quelle: Welche Abdeckung, Qualität und Lieferform erhalten sie zu welchen Kosten?
Wie die beteiligten Häuser Anbieter, Datentypen und Lieferwege gewichten, soll bei einem SIX-Webinar am 5. November 2026 vertieft werden. Für Banken und Vermögensverwalter bleibt bis dahin die konkrete Folge der Befragung: Ein Datenangebot für KI muss sich zugleich an Herkunft, Leistung und nachvollziehbarem Gegenwert messen lassen.
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