Sonexos erhält 5 Mio. Franken – Serienproduktion erst 2028

|Autor: QUASA-Redaktion|5 Min. Lesezeit| 1
Sonexos erhält 5 Mio. Franken – Serienproduktion erst 2028

Die Lausanner Sonexos SA hat laut ihrer Mitteilung vom 21. Oktober 2026 5 Millionen Franken Eigenkapital in einer von Valquest Partners geführten Pre-Series-A-Runde aufgenommen; für die fortgeschrittensten Kundenprogramme ist eine Serienproduktion erst Anfang 2028 angepeilt. An der Runde beteiligten sich Bosch Ventures, Investoren aus der Industrie und private Geldgeber. Der Produktionsbeginn hängt von der Integration in Kundengeräte, der Einhaltung regulatorischer Vorgaben und der Einführung dieser Geräte ab.

Die Mitteilung von Bosch Ventures vom 21. Oktober 2026 bestätigt den Einstieg und verortet die Technologie in der Forschung der EPFL; Geschäftsführer Ingo Ramesohl spricht von einem „schlüssigen Plan zur industriellen Skalierung“. Sonexos arbeitet bereits in bezahlten Programmen mit Herstellern von Hausgeräten und Heizungs-, Lüftungs- und Klimaanlagen an der Integration von Prototypen. Die Qualifizierung für Seriengeräte steht noch aus.

Wofür das Kapital in Lausanne eingesetzt wird

Die Mittel sollen den Übergang von entwickelten Prototypen zu qualifizierten Industrieprodukten finanzieren. Dazu gehören die Weiterentwicklung der akustischen Plattform, die Anpassung an Kundengeräte, Zuverlässigkeitsprüfungen und die Vorbereitung auf regulatorische Anforderungen. Entwicklungs- und Anwendungsteams in der Schweiz und im Ausland sollen wachsen; zugleich will das Unternehmen sein geistiges Eigentum in weiteren Märkten schützen. Der Lausanner Standort bleibt damit ein Zentrum der technischen Entwicklung, während der Absatzweg über die Produkte anderer Hersteller führt.

Der Einstieg eines industriell erfahrenen Investors ist für Sonexos beim Schritt in die Geräteentwicklung relevant. Bosch Ventures beteiligt sich als Wagniskapitalgesellschaft der Bosch-Gruppe an der Finanzierungsrunde; ein Lieferauftrag eines Bosch-Geschäftsbereichs wurde damit nicht angekündigt. Valquest Partners führt die Runde als Investor an. Entscheidend für den geplanten Übergang zur Serie ist, ob Kunden das akustische Modul nach ihren eigenen Entwicklungs- und Freigabeprozessen in Produkte übernehmen.

Was Plasmapanel-Prototypen bisher gezeigt haben

Sonexos Plasmapanel als kompakter Prototyp in einer Lüftungsanlage zur Dämpfung tieffrequenter Geräusche

Die bisherigen Messwerte beziehen sich auf unterschiedliche Anwendungen: Die EUVC-Analyse zur Finanzierungsrunde nennt nach Angaben von Sonexos bis zu 20 dB weniger tieffrequenten Lärm in Lüftungsanlagen und bis zu 16 dB in Haushaltsgeräten unter anwendungsspezifischen Testbedingungen. Der jeweils erreichte Wert beschreibt eine Prototypkonfiguration und keine garantierte Wirkung jedes späteren Geräts. Einbauort, Luftführung, Gehäuse und Betriebszustand können beeinflussen, wie viel Schall das Gesamtsystem tatsächlich abgibt.

Die Technik setzt an der Schallübertragung selbst an: Eine elektronisch gesteuerte Plasmaschicht soll Schallenergie an einer Oberfläche absorbieren. Das Plasmapanel bündelt diese Schicht mit Hochspannungselektronik und Steuerungssoftware in einem Modul; für die akustische Wirkung sind keine beweglichen Teile vorgesehen. Der Ansatz richtet sich auf das tiefe Brummen von Lüftern, Kompressoren und Motoren. Bei solchen Frequenzen brauchen passive Lösungen oft viel Bauraum oder behindern den Luftstrom, sodass die akustische Wirkung zusammen mit Platzbedarf und Luftleistung betrachtet werden muss.

Aus den gemeldeten Messungen lässt sich deshalb keine feste Dezibelzahl für sämtliche künftigen Anwendungen ableiten. Ein Lüftungskanal und ein Haushaltsgerät unterscheiden sich in Form, Schallquelle und Strömung; selbst ein guter Einzeltest ersetzt keine Messung am fertigen Produkt. Für Gerätehersteller ist das Modul erst dann belastbar einsetzbar, wenn es die gewünschte Wirkung in der vorgesehenen Einbauposition und über die relevanten Betriebszustände hinweg erreicht.

Wie Partner und Kunden die Serienreife vorbereiten

Ein möglicher industrieller Fertigungsweg entsteht parallel zu den bezahlten Integrationsprogrammen. STMicroelectronics unterstützt die Entwicklung stromsparender Elektronik; die Zusammenarbeit mit der Vandewiele-Gruppe über deren Tochter Roj soll für europäische Herstellerprogramme Elektronikfertigung, Gehäusemontage und Verkabelung ermöglichen. Damit sind Aufgaben zwischen Entwicklung und möglicher Serienfertigung verteilt. Die namentlich nicht genannten Gerätehersteller müssen das Modul dennoch in ihre eigenen Produkte einpassen und es unter deren Anforderungen qualifizieren.

Sonexos sieht zwei Wege für die Vermarktung vor: einbaufertige Panels mit Unterstützung bei der Integration sowie Komponenten und Software, die größere Hersteller in ihre eigenen Produkte und Produktionsabläufe übernehmen. Für die erste Variante muss das komplette Modul wiederholbar gefertigt werden; bei der zweiten werden Schnittstellen und Verantwortlichkeiten zwischen Sonexos und dem Hersteller besonders wichtig. Beide Wege hängen an einer stabilen akustischen Wirkung, zuverlässiger Elektronik und Kosten, die zum jeweiligen Gerät passen.

Die Finanzierung trägt damit eine technisch aufwendige Zwischenphase. Bezahlte Entwicklungsprogramme zeigen Interesse an einer konkreten Integration, sind aber noch keine Bestellungen eines qualifizierten Serienbauteils. Öffentlich genannt sind weder verbindliche Abnahmemengen noch Geräte, die mit Sonexos-Technik bereits regulär verkauft werden. Für die wirtschaftliche Bedeutung der Runde wird maßgeblich sein, ob ein Hersteller die Technik freigibt und wiederholt bestellt.

Welcher Schritt vor dem geplanten Serienbeginn liegt

Geplantes ringförmiges Sonexos Modul am Auslass eines Kühlventilators mit freiem Luftweg

Die fortgeschrittensten Programme müssen nun die Wirkung des Moduls in einem vollständigen Gerätekonzept nachweisen. Dabei zählen nicht allein akustische Messungen, sondern auch Dauerbetrieb, Zusammenspiel mit der Steuerung, Einhaltung geltender Vorgaben und eine Fertigung, die gleichbleibende Qualität liefern kann. Der angekündigte Zeitplan setzt voraus, dass die Hersteller ihre Geräte entsprechend entwickeln und auf den Markt bringen. Sonexos kann die Plasmaschicht und ihre Elektronik vorantreiben; die Entscheidung über eine Produkteinführung liegt bei den jeweiligen Herstellern.

Ein weiterer Anwendungsweg ist die Kühlung von Rechenzentren und Energiespeichern. Dafür entwickelt Sonexos einen ringförmigen aktiven Schalldämpfer für den Auslass großer Lüfter, der tieffrequenten Schall mindern soll, ohne den Luftweg zu versperren. Auch dort entscheidet erst die Integration in eine konkrete Lüfterplattform über den Nutzen im Betrieb. Der nächste aussagekräftige Fortschritt wäre ein funktionierender Demonstrator unter den vorgesehenen Einsatzbedingungen; anschließend werden Qualifizierung und verbindliche Entscheidungen der Gerätehersteller zeigen, ob der Weg in die Serie trägt.

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