1KOMMA5° erhält 70 Mio. Euro – der Börsengang muss warten

|Autor: QUASA-Redaktion|5 Min. Lesezeit| 7
1KOMMA5° erhält 70 Mio. Euro – der Börsengang muss warten

Das Hamburger Energieunternehmen 1KOMMA5° beziffert in seiner Mitteilung vom 13. Oktober 2026 die neue Finanzierungsrunde auf rund 70 Millionen Euro und die Pre-Money-Bewertung auf 1,35 Milliarden US-Dollar, 35 Prozent über der Runde vom Juli 2025; weitere 35 Millionen Euro sollen aus dem eigenen operativen Cashflow kommen, und CEO Philipp Schröder beschreibt den Investitionsplan so: „Die neuen Mittel erhöhen unsere Investitionen in Heartbeat AI im nächsten Jahr auf über 100 Millionen Euro.“ b2venture führt die Runde an, Marunouchi Innovation Partners steigt als neuer Anteilseigner ein. Auch CalSTRS, eCapital, G2 Venture Partners und Eurazeo beteiligen sich.

Ein US-Börsengang steht vorerst nicht auf dem Kalender: Laut einem Reuters-Interview mit Schröder wird die Geschäftsentwicklung 2027 dafür maßgeblich sein, ob und wann das Unternehmen über einen Börsengang entscheidet; seine US-Börsenpläne hatte es 2025 zurückgestellt. Die neue private Finanzierung gibt 1KOMMA5° zunächst Mittel für den Ausbau von Heartbeat AI. Eine mögliche Expansion des Geschäfts in die USA und eine Notierung an einer US-Börse sind dabei getrennte Vorhaben.

Investorengeld und Eigenmittel sind zwei verschiedene Beträge

1KOMMA5° verbindet rund 70 Millionen Euro aus der Finanzierungsrunde mit geplanten 35 Millionen Euro aus eigenen Mitteln.

Das Geld aus der Finanzierungsrunde kommt von neuen und bestehenden Anteilseignern. Der zusätzlich geplante Beitrag aus dem operativen Cashflow stammt dagegen aus dem Unternehmen selbst. Erst zusammen bilden beide Posten das angekündigte Budget für die Softwareinvestition. Die Summe des Investitionsplans beschreibt deshalb weder allein den Umfang der Runde noch einen bereits erzielten Softwareumsatz.

Die Bewertung hat ebenfalls einen genau bestimmten Bezugspunkt: Pre-Money bedeutet, dass der Wert vor dem Zufluss des neuen Kapitals angegeben wird. Der prozentuale Anstieg vergleicht diese Bewertung mit der vorherigen Finanzierungsrunde; er misst weder das Wachstum des Umsatzes noch die Rendite der bisherigen Investoren. Aus der genannten Bewertung und dem Gesamtbetrag allein lässt sich zudem keine präzise Verteilung der Anteile nach Abschluss der Runde ablesen.

Die Beteiligung von Marunouchi Innovation Partners erweitert den Kreis der Geldgeber um einen japanischen Investor. Die Beiträge der einzelnen Beteiligten wurden nicht aufgeschlüsselt. Für die Einordnung bleibt daher die Trennung zwischen dem Kapitalzufluss aus der Runde und dem vorgesehenen Einsatz eigener Mittel aussagekräftiger als eine Vermutung über die Größe einzelner Investments.

Heartbeat AI soll mehr Haushaltsanlagen steuern

Solaranlage, Batteriespeicher, Wärmepumpe und Wallbox bilden die Haushaltstechnik, die 1KOMMA5° mit Heartbeat AI steuern will.

Das neue Kapital soll vor allem die Entwicklung der Software und ihre Vermarktung beschleunigen. Heartbeat AI verbindet Solaranlagen, Batteriespeicher, Wärmepumpen, Wallboxen und Klimaanlagen mit dem Energiemarkt. Die Steuerung stimmt Erzeugung, Speicherung und flexiblen Verbrauch aufeinander ab: Ein Speicher kann Strom zu einem anderen Zeitpunkt bereitstellen, während sich etwa das Laden eines Autos innerhalb der Bedürfnisse des Haushalts verschieben lässt.

Für 1KOMMA5° liegt darin ein Geschäft, das über Verkauf und Installation der Technik hinausgeht. Jede kompatible Anlage kann Teil eines vernetzten Systems werden, dessen Betrieb die Software koordiniert. Die angekündigten Ausgaben fließen in KI-Entwicklung, zusätzliche Softwarefunktionen und eine schnellere Einführung am Markt. Ob diese Investitionen zu entsprechend höheren Erlösen führen, wird erst die weitere Geschäftsentwicklung zeigen.

Für Haushalte hängt der Nutzen von der vorhandenen Technik, dem Stromtarif und der tatsächlichen Steuerbarkeit einzelner Verbraucher ab. Auch Erzeugung und Verbrauch fallen nicht überall im gleichen Verhältnis an. Die Finanzierung sagt deshalb noch nichts über eine bestimmte Ersparnis für einen einzelnen Kunden aus. Sie zeigt vielmehr, welche Rolle die laufende Steuerung der bereits installierten Anlagen künftig im Geschäftsmodell spielen soll.

Die Betriebszahlen beschreiben unterschiedliche Größen

Der Investor b2venture nennt mehr als 100.000 mit Heartbeat verbundene Energiesysteme in fünf Märkten, rund ein Gigawatt vernetzte Kapazität und ein auf ein Jahr hochgerechnetes Umsatztempo des KI-Geschäfts von etwa 30 Millionen Euro; für das gesamte Unternehmen führt er mehr als 300.000 installierte Systeme an. Installierte und mit Heartbeat verbundene Anlagen sind unterschiedliche Bestände. Die Kapazität beschreibt die technische Größenordnung des Verbunds, der hochgerechnete Umsatz eine wirtschaftliche Kennzahl.

Gerade beim Umsatztempo ist die Abgrenzung entscheidend. Ein annualisierter Wert überträgt das aktuelle Geschäftsniveau rechnerisch auf ein volles Jahr; er ist kein ausgewiesener Jahresumsatz. Ebenso belegt die Zahl der angeschlossenen Anlagen für sich genommen weder, wie viel Umsatz jede Verbindung erzeugt, noch welchen Gewinn die Software erzielt. Die Zahlen machen die vorhandene Reichweite sichtbar, während ihre wirtschaftliche Wirkung gesondert beurteilt werden muss.

Auch das Hardwaregeschäft und Heartbeat AI erfüllen verschiedene Aufgaben. Der Verkauf und Einbau von Energietechnik bringt Anlagen in die Haushalte; die Software soll deren Betrieb anschließend koordinieren. 1KOMMA5° bezeichnet sein Hardware-Kerngeschäft als auf EBITDA-Basis profitabel und cashflow-positiv. Diese Aussage betrifft den Hardwarebereich und lässt sich nicht als Gewinnangabe für die Software lesen. Sie erklärt aber, weshalb eigene operative Mittel Teil des geplanten Investitionsbudgets sein können.

Für die Börsenentscheidung zählen die nächsten Geschäftsergebnisse

Mit der privaten Runde kann 1KOMMA5° den Ausbau finanzieren, ohne bereits einen Termin für einen Börsengang festzulegen. Die Geldgeber tragen damit die nächste Phase der Softwareinvestition, während sich der wirtschaftliche Ertrag erst noch entwickeln muss. Dass die Bewertung bei der neuen Runde gestiegen ist, ersetzt keine Entscheidung über eine spätere Notierung und legt auch deren Bedingungen nicht fest.

Schröder knüpft die Börsenfrage an die künftige Leistung des Unternehmens. Entscheidend wird damit sein, ob Heartbeat AI seine technische Reichweite in belastbare Erlöse übersetzt und wie sich die höheren Ausgaben im Gesamtgeschäft niederschlagen. Der angekündigte Investitionszeitraum 2027 liefert dafür den nächsten konkreten Maßstab; ein Zeitpunkt für ein IPO bleibt offen.

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