Deutsche Tech-Übernahmen brechen um 46 Prozent ein – Auslandskäufer legen zu

|Autor: QUASA-Redaktion|5 Min. Lesezeit| 1
Deutsche Tech-Übernahmen brechen um 46 Prozent ein – Auslandskäufer legen zu

Die am 8. Oktober 2026 veröffentlichte Quartalsauswertung von Oaklins zählt für Deutschland im dritten Quartal 52 abgeschlossene Tech-Transaktionen, 46 Prozent weniger als im Vorquartal. Gleichzeitig stieg der Anteil grenzüberschreitender deutscher Tech-Deals in den ersten neun Monaten 2026 auf 68 Prozent, nach 60 Prozent im Gesamtjahr 2025. Die beiden Veränderungen betreffen unterschiedliche Zeiträume: den jüngsten Quartalsvergleich bei den Abschlüssen und die Käuferstruktur seit Jahresbeginn.

Internationale Käufer bleiben bei deutschen Technologiezielen sichtbar. Zu den größeren grenzüberschreitenden Vorhaben gehören der vereinbarte Kauf eines Infineon-Geschäfts durch Winbond Electronics aus Taiwan und das Übernahmeangebot von VINCI Energies aus Frankreich für die All for One Group. Solche Vorhaben zeigen, welche ausländischen Erwerber trotz der Marktschwäche aktiv sind; der gestiegene Anteil allein belegt noch keinen Anstieg ihrer absoluten Dealzahl.

Der Einbruch in Deutschland ist stärker als in Europa

Die Zahlen lassen sich nur mit ihren jeweiligen Bezugsgrößen sinnvoll vergleichen. Für Deutschland zählt Oaklins abgeschlossene Transaktionen, für Europa erfasste Tech-Deals; die Segmentzahlen beziehen sich ebenfalls auf Europa. Der grenzüberschreitende Anteil umfasst die ersten neun Monate des Jahres und ist keine gesonderte Quote für das dritte Quartal.

  • Deutschland, abgeschlossene Deals: 97 im zweiten Quartal, 52 im dritten; ein Rückgang um 46 Prozent.
  • Europa, erfasste Deals: 367 im zweiten Quartal, 314 im dritten; ein Rückgang um 14 Prozent.
  • Deutschland, grenzüberschreitender Anteil: 60 Prozent im Gesamtjahr 2025, 68 Prozent von Januar bis September 2026.
  • Europa, Application Software: 108 Transaktionen im dritten Quartal, 50 Prozent weniger als im Vorquartal.

Auch die längere Perspektive bleibt schwach: In Deutschland lag die Zahl der Tech-Deals von Januar bis September rund 35 Prozent unter dem entsprechenden Vorjahreszeitraum, in Europa rund 42 Prozent. Für Deutschland ist der jüngste Quartalswert der niedrigste in der dargestellten Reihe seit Anfang 2024. Das ist ein Befund zur Häufigkeit von Abschlüssen, nicht zu deren Kaufpreisen oder zum Wert sämtlicher verhandelter Unternehmen.

Auslandsanteil und Dealstatus erzählen verschiedene Geschichten

Das von Winbond Electronics zum Kauf vereinbarte NOR-Flash-Geschäft von Infineon steht für die Aktivität ausländischer Erwerber.

Ein höherer Anteil grenzüberschreitender Geschäfte kann auch dann entstehen, wenn der Gesamtmarkt schrumpft. Entscheidend ist das Verhältnis zu allen erfassten Transaktionen: Fallen inländische Deals stärker, gewinnt die internationale Gruppe rechnerisch Gewicht, selbst wenn sie in absoluten Zahlen nicht wächst. Die veröffentlichten Anteile zeigen die Verschiebung, enthalten aber keine eigene Quartalszählung nur für ausländische Erwerber.

Die Auswahl größerer Vorhaben im Vollbericht zeigt die Bandbreite: Die Wiener Börse erwarb 80 Prozent an North Data, Winbond Electronics vereinbarte den Kauf des NOR-Flash- und F-RAM-Geschäfts von Infineon Technologies für 1,12 Milliarden US-Dollar, und VINCI Energies legte ein öffentliches Übernahmeangebot über 336 Millionen Euro für All for One vor. Hier stehen ein Erwerb, eine Kaufvereinbarung und ein Angebot nebeneinander. Die Liste zeigt Käuferaktivität, ist aber keine zusätzliche Zählung bereits vollzogener Quartalsabschlüsse.

Auch die Herkunft des Käufers und dessen Art sind getrennte Merkmale. Strategische Investoren bestritten in Deutschland von Januar bis September 87 Prozent der erfassten Tech-Transaktionen, Finanzinvestoren 13 Prozent. Im Gesamtjahr 2025 waren es 80 beziehungsweise 20 Prozent. Ein strategischer Investor kann aus dem Inland oder Ausland kommen; die Dominanz von Unternehmen als Käufer erklärt daher nicht automatisch die höhere grenzüberschreitende Quote.

Application Software verliert die Hälfte der Transaktionen

Unter den betrachteten europäischen Technologiesegmenten fiel Application Software besonders stark. Nach dem Rückgang um die Hälfte blieben im dritten Quartal 108 Transaktionen. IT Services kamen auf 121 Deals, 15 Prozent weniger als zuvor; Systems Software auf 27, ein Minus von 18 Prozent; Semiconductors auf sieben, rund 36 Prozent weniger. Alle vier Segmente lagen auch unter ihrem jeweiligen Stand im dritten Quartal 2025.

Die Segmentwerte bilden einen anderen Ausschnitt als die deutsche Gesamtzahl. Sie gelten europaweit, und ein einzelnes Geschäft kann mehreren Technologiesegmenten zugeordnet sein. Wer die vier Werte addiert, erhält daher keine europäische Gesamtzahl und erst recht keinen deutschen Teilmarkt. Der Vergleich zeigt, dass die Abschwächung mehrere Arten von Technologiegeschäften erfasst, während die stärkste relative Veränderung bei Anwendungssoftware liegt.

Die offengelegten Multiples zeigen keine allgemeine Erholung

Die veröffentlichten Umsatzmultiples steigen bei Application Software und fallen bei IT Services.

Bei den veröffentlichten Kaufpreismultiples verlief die Entwicklung gegensätzlich. Für Application Software stieg das Verhältnis von Unternehmenswert zu Umsatz vom zweiten zum dritten Quartal von 1,3 auf 1,5. Bei IT Services fiel es im selben Vergleich von 1,2 auf 0,8. Für Semiconductors steht ein Wert von 10,6; für Systems Software wurde für das dritte Quartal kein entsprechender Transaktionswert ausgewiesen.

Diese Werte beziehen sich auf europäische Geschäfte mit offengelegten Umsätzen und Transaktionsdaten. Die Stichprobe ist klein, und die Multiples der einzelnen Sparten bewegen sich in verschiedene Richtungen. Daraus lässt sich weder ein einheitlicher deutscher Kaufpreis für die 52 Abschlüsse noch eine breite Erholung der Tech-Bewertungen ableiten. Ebenso wenig lässt sich aus dem steigenden Auslandsanteil schließen, internationale Erwerber hätten grundsätzlich höhere Preise gezahlt.

Für weitere Aussagen über die Preisentwicklung braucht es zusätzliche abgeschlossene Transaktionen, bei denen Kaufpreis und Umsatz veröffentlicht werden. Bis dahin macht der höhere Auslandsanteil vor allem sichtbar, wer an einem deutlich kleineren deutschen Tech-Dealmarkt weiterhin beteiligt ist.

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