
Axel Springer macht Journalisten zu Creatorn – Ronzheimer startet

Axel Springer hat am 19. Oktober 2026 Axel Springer Creators angekündigt; Publishing-Vorstand Claudius Senst verspricht Journalisten dabei: „Wir geben ihnen die Freiheit, eigene Ideen umzusetzen“. Das Modell soll ihnen ermöglichen, eigene journalistische Formate innerhalb des Verlags zu entwickeln und an deren wirtschaftlichem Erfolg teilzuhaben. Produktion, Technik, Vermarktung und die Reichweite seiner Medienangebote will der Konzern beisteuern.
Die Branchenmeldung von Adwoche nennt Paul Ronzheimer als ersten Creator: Er gibt für den Ausbau des bestehenden Podcasts RONZHEIMER. seinen Posten als stellvertretender BILD-Chefredakteur ab; für September führt die Meldung 6,83 Millionen Podcast-Streams und 5,3 Millionen YouTube-Aufrufe an. Wie hoch Ronzheimers Beteiligung am wirtschaftlichen Erfolg ausfällt, ist bislang nicht veröffentlicht. Der Start verbindet damit ein bereits reichweitenstarkes Format mit einem neuen Angebot des Verlags, dessen finanzielle Bedingungen nur teilweise bekannt sind.
Welche Leistungen das Creator-Modell vorsieht

Axel Springer stellt für die eigenen Formate journalistischer Creator Ressourcen bereit, die sie für Produktion und Verbreitung nutzen können. Im Gegenzug entstehen die Formate weiterhin innerhalb des Verlags; ihre Urheber sollen mehr redaktionellen und unternehmerischen Spielraum erhalten. Die angekündigte Erfolgsbeteiligung gehört zum Modell, doch aus der Beschreibung geht noch nicht hervor, wie sie berechnet wird.
- Journalist und Format: Der Creator entwickelt ein eigenes journalistisches Angebot und soll an dessen wirtschaftlichem Erfolg beteiligt werden. Ronzheimer baut RONZHEIMER. gemeinsam mit seinem bestehenden Team weiter aus.
- Axel Springer: Der Verlag stellt Produktion, Technik, Vermarktung und die Reichweite seiner Medienangebote zur Verfügung. Das Format bleibt für seinen Ausbau im Unternehmen angesiedelt.
- Finanzielle und rechtliche Bedingungen: Eine Beteiligungsquote, die Berechnungsgrundlage sowie Regelungen zu Marken- und Verwertungsrechten wurden nicht veröffentlicht.
Für die wirtschaftliche Aufteilung ist der Unterschied zwischen einer Beteiligung am Umsatz und einer Beteiligung an einem Ergebnis nach Kosten entscheidend. Ohne Berechnungsgrundlage lässt sich auch aus einer später genannten Quote allein nicht ablesen, welcher Betrag beim Journalisten ankäme. Die Ankündigung eigener Formate klärt zudem nicht, wem die jeweiligen Rechte vertraglich gehören. Diese offenen Punkte betreffen den Kern des Modells: die Frage, wie journalistische Eigenständigkeit und wirtschaftlicher Erfolg zwischen Person und Verlag verteilt werden.
Ronzheimer gibt die BILD-Führungsrolle ab
Ronzheimers Wechsel betrifft seine Funktion im Konzern, während seine journalistische Arbeit für dessen Medien weitergehen soll. Für RONZHEIMER. sind zusätzliche Audio- und Videoformate geplant. Es handelt sich um den Ausbau eines vorhandenen Podcasts mit einem bestehenden Team; die neue Creator-Rolle beginnt nicht bei einem erst noch zu gründenden Angebot.
Als internationaler Reporter und Interviewer soll Ronzheimer weiterarbeiten, insbesondere in Kriegs- und Krisenregionen. Seine Reportagen, Interviews und Recherchen sollen weiterhin bei Medien von Axel Springer erscheinen, darunter BILD, WELT und POLITICO. Er bleibt außerdem Mitglied des Axel Springer Global Reporters Network. Die Creator-Rolle konzentriert seine Arbeit stärker auf die Entwicklung von RONZHEIMER., ohne die angekündigten Reportereinsätze aufzugeben.
Für die Redaktion des Podcasts bleibt Filipp Piatov verantwortlich, für die Produktion Daniel van Moll. Damit baut der Verlag auf Zuständigkeiten auf, die bereits für das Format bestehen. Ronzheimer wird als journalistisches Gesicht und erster Creator hervorgehoben, während Redaktion und Produktion weiterhin benannte Verantwortliche haben. Diese Arbeitsteilung ist für den geplanten Ausbau relevant: Neue Audio- und Videoangebote benötigen neben Ronzheimers Beiträgen auch eine dauerhaft organisierte Herstellung.
Was die Reichweite von RONZHEIMER. aussagt

Die DWDL-Auswertung der Podcast-MA weist für September 2026 insgesamt 6.830.219 valide Downloads für RONZHEIMER. und 6.656.140 für Mordlust aus; je aktueller Folge erreicht RONZHEIMER. dagegen 201.023 und Lage der Nation 255.041 valide Downloads. RONZHEIMER. führt also die ausgewiesene Liste nach monatlichen Gesamtdownloads an. Beim Durchschnitt je neuer Folge ergibt sich innerhalb der Nachrichten- und Politikpodcasts eine andere Reihenfolge.
Die beiden Kennzahlen beantworten verschiedene Fragen. Die Gesamtsumme umfasst Downloads aller verfügbaren Episoden im Monat und wird auch davon beeinflusst, wie viele Folgen ein Podcast veröffentlicht. Der Wert je aktueller Folge rückt die Nutzung neuer Episoden in den Vordergrund. Für einen häufig erscheinenden Podcast ist die Gesamtsumme ein Beleg für erhebliche Nutzung; sie beschreibt aber nicht allein, wie viele Abrufe eine einzelne neue Ausgabe erzielt.
Auch der Spitzenplatz hat eine Grenze: Die Podcast-MA erfasst Angebote, deren Publisher die Messung beauftragen. Die separat genannten YouTube-Aufrufe beruhen auf einer anderen Plattformkennzahl und sollten nicht als valide Podcast-Downloads gelesen werden. Weder Downloadzahlen noch Videoaufrufe geben unmittelbar Auskunft über Werbeerlöse, Kosten oder Ronzheimers Anteil daran. Sie zeigen jedoch, warum Axel Springer sein Creator-Modell mit einem Format beginnt, für das bereits messbare Nachfrage besteht.
Der nächste Maßstab ist die wirtschaftliche Aufteilung
Mit Ronzheimer startet ein Journalist, der ein etabliertes Format, Publikum und Team in das neue Modell einbringt. Das macht den Auftakt konkret, beantwortet aber noch nicht, unter welchen Bedingungen andere Journalisten eigene Angebote innerhalb von Axel Springer aufbauen können. Weitere Teilnehmer sind bislang nicht benannt.
Ob das Modell über diesen Startfall hinaus trägt, wird sich an weiteren Formaten und ihren veröffentlichten Bedingungen zeigen. Besonders aufschlussreich wären Angaben zur Berechnung der Erfolgsbeteiligung und zur Zuordnung der Rechte. Erst damit ließe sich beurteilen, welchen wirtschaftlichen Wert die zugesagte Freiheit für die beteiligten Journalisten tatsächlich hat.
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